18.3.2021 – Ein unrunder, kalter Tag!

Verteil-Donnerstag am 18.3.2021:
Diese Woche begann stürmisch mit Regen am Montagmorgen. Stürmisch sollte diese Woche bis heute bleiben, vieles ist nicht mehr zu verstehen, warum Menschen so reagieren wie sie es jetzt tun, Corona hin, Corona her, dass Menschen für ihre Reaktionen immer irgendwelche fadenscheinigen Ausreden bemühen, werde ich nie verstehen. Warum es nicht mit der Wahrheit versuchen? Weil sie weh tut? Weil man vielleicht die rosa Brille ablegen muss? Weil vielleicht Freunde erkennen, dass man doch nicht so fehlerfrei ist? Sich selbst zu belügen oder anzuschwindeln ist halt der kürzeste Weg, Steinen aus dem Weg zu gehen, ob es der Beste ist wage ich zu bezweifeln. Menschen reagieren abstrus, reagieren aggressiv und bewusst verletzend, oft kommt mir vor, dass es nur mehr darum geht, als erster zu verletzen, ehe das Gegenüber noch zu Wort kommt. Warum die Gesellschaft so aufgewiegelt reagiert, ist vielen Umständen geschuldet, aber bestimmt KEINEN Guten! Ich frage mich jeden Tag, wie diese Verletzungen die in der Gesellschaft täglich passieren jemals noch gut werden sollen, wenn niemand bereit ist sich zu entschuldigen, niemand die Größe hat zur Einsicht? Warum ich Euch das schreibe? Weil auf ganzer Linie, auf vielen Wegen tiefe Wunden entstehen, die nicht sein sollten…nicht sein dürften, wenn man Anstand und mit einem halbwegs guten Konfliktmanagement ausgestattet ist. Wir merken gerade fast täglich, wie man mit den Schwächsten, den Ärmsten umgeht. Unterirdisch! Da wird auf Menschen eingedroschen, nur weil sie existieren, weil sie von der Gesellschaft im Stich gelassen, vor sich dahinvegetieren, ohne echte Chance wieder auf die Beine zu kommen. Für uns als kleinen Verein ist es täglich ein kleiner Kraftakt, diese, unsere Aktion täglich in diesem Umfang verantwortungsvoll zu gestalten. Wir sind glücklich, solche Spender/innen wie Euch an unserer Seite zu wissen, die uns all das ermöglichen, ohne EUCH wäre das alles unmöglich. Für uns ist es aber auch immer wieder ein Kraftakt, einzelnen Menschen zu helfen. So kam am Montag ein Mail aus Wien, von einer Frau, die sich nach unserem Martin erkundigte. Sie hat vom Vater ihrer Tochter ein Bild bei uns entdeckt und fragte nach, wie sie Kontakt aufnehmen könnte, zu Martin. Ich habe nicht zurückgeschrieben, habe heute am Donnerstag Martin davon erzählt, dass seine Tochter ihn verzweifelt sucht, große Angst um ihn hat. Ihn oft stundenlang in Wien suchte, ohne Erfolg. Ich gab Martin heute dieses Mail und die Mail-Adresse, um zurückschreiben zu können, er versprach mir mit einem Lächeln auf den Lippen, es zu tun. Eine große Erleichterung. Zugleich erfuhr ich von einer Frau, die schon lange Zeit zu Hause herumsitzt, weil die Gastronomie zugesperrt hat und sie deswegen gekündigt wurde. Mit 2 Kindern und 2 Tieren rettet sie sich Monat für Monat mit €850,- drüber. Miete €680,- Auto stillgelegt von der Polizei, weil die Versicherung nicht bezahlt wurde, und keine Aussicht auf irgendeine Möglichkeit in der Gastronomie zu arbeiten, Geld zu verdienen. Diese Situation ist der Grund für ihre tiefe Depression, für ihr Leben am Abgrund. Ich erzähl Euch das, weil auch diese Frau bis vor kurzem noch nicht ahnte, dass so etwas überhaupt passieren könnte, mit so etwas nicht gerechnet hat. Aber wie kommt man wirklich aus so einer Situation heraus? Alleine gar nicht! Ich werde ihr helfen, mit Lebensmittel, Hygieneartikel und was man so noch alles braucht. Ich werde meine Möglichkeiten versuchen, ihr diese Situation leichter zu machen. Ich kann es noch nicht sagen wie weit ich helfen kann, vielleicht mit einer Miete, oder der Bezahlung der Betriebskosten, ich weiß es noch nicht, ABER, helfen werde ich, weil man keinen Menschen in so einer Situation alleine lässt.
Diese Woche war angesagt mit Kommissionieren und ausliefern der Spenden für das PM Kirchdorf, mit Spendenabholungen, mit diversen Tätigkeiten im und rund ums Lager. Im Lager klebten wir für die Inventur morgen und übermorgen, die Lagerplätze an. Es wird ein Kraftakt werden. Nach all den üblichen Vorarbeiten für den Donnerstagnachmittag starteten wir heute früh wieder durch, auf zum Hofer, den Einkauf abholen, Obst, Gemüse, Käse u.a.. Anschließend ins Lager, Maria, Ulli, Silvia und Martina kommen heute Vormittag, um mit mir die Lebensmittel durchzuschauen. Maria und Silvia kümmern sich ums umräumen im Lager, Ulli und Martina helfen mir beim Durchschauen. Zu Mittag Tee machen, das Wetter spielt Kapriolen, Regenschauer, Schnee, Wind, Sonne, alles da. Noch sind wir unterm Dach und hoffen, dass es Nachmittag in Linz trocken bleibt. Heute sind 3 Neue dabei, Josef und Maria, und Bettina, herzlich willkommen in unserem Team. Alles läuft ab wie jeden Donnerstag, einladen, verzurren, Anhänger anhängen und ab durch die Mitte, Richtung Linz! Bei der Abfahrt dunkle, tiefhängende, schwere Regenwolken die nichts Gutes erahnen lassen. Silvia die mit mir fährt und ich, beten und bitten um trockenes Wetter. Ankunft in Linz, als der Anhänger positioniert ist hört es auf zu schneien und es blitzt der blaue Himmel aus kleinen Wolkenlücken durch. Und tatsächlich werden die Blau-Anteile am Himmel immer größer und es hat ganz aufgehört, Nasses auf uns zu regnen. Da soll noch jemand sagen, beten hilft nicht, unser Begleiter da droben hat schon ein Auge auf uns, ganz sicher. Heute haben wir unsere Pavillons aufgebaut und Barbara stellt sich mit ihrem Bus zwischen unserem Bus und Anhänger, um die Lebensmittel nicht nass werden zu lassen. Wie sich später herausstellen soll, kam heute in Linz kein einziger Tropfen mehr vom Himmel. Danke Du da oben! Als wir aufbauen und alles ausladen, merken wir schon deutlich, wie angespannt unsere Schützlinge heute sind, einige sind auf Radau aus, was ich sofort im Keim ersticke. Manche haben Alkohol dabei, was ich sofort negiere und diese Leute auch vom Bus wegschicke, bei uns gibt es weder Alkohol noch Streitereien, wer sich nicht weiß zu benehmen, muss damit rechnen an unserem Bus außen vorbeigehen zu müssen, OHNE Lebensmittel. Bald schon besucht uns Sr. Lydia, die viele unserer Schützlinge kennt und mit ihnen Gespräche führt. Auffällig wird eine Frau, um die 40, sie steht in dünner Leggins im winterkalten Wind, mit einem blauen Auge: „Mein Ex hat mich geschlagen wie einen Tanzbären“. Ja, Mädl, trotzdem holst Du dir hier ganz schnell den Tod in dieser Kleidung, das ist vielleicht etwas für Sommer, aber ganz sicher keine Kleidung für diese Jahreszeit. Ich gehe mit ihr zu Gerlinde und bitte sie, der Frau warme Unterwäsche und eine warme Hose zu geben. Gerlinde macht das großartig. Die Frau stellt sich anschließend wieder in die Reihe um sich Lebensmittel zu holen. Inzwischen kam auch der Mann, der nach ihrer Aussage schuld an dem blauen Auge ist, er bestreitet es und ich versuche die Situation zu beruhigen, versuche die beiden räumlich zu trennen, sie ganz hintenanstellen und er ganz vorne, dass er bald fertig ist und gehen kann. Friede und Ruhe ist mir wichtig beim Verteil-Donnerstag. Ein anderer stänkert immer wieder die vor ihm stehenden an, bis ich hingehe und ich ihm sage, entweder aufhören oder gehen. Wer entschied sich für aufhören. Ein seit 1 Jahr ganz seltener Gast kam heute und ich freute mich riesig, Oliver, es tat gut ihn zu sehen. Genauso wie Melanie, auch über ihren Besuch freute ich mich sehr. Vertraute Gesichter die wir immer gerne sehen. Auf einmal Geschrei bei dem ÖBB Bus, der gegenüber entlang dem Gehsteig steht. Ich gehe rüber und sehe noch, wie einer unserer Gäste dort uriniert und der Busfahrer liest ihm gerade die Leviten, weil er auf seinen Bus machte. Ich wies unseren Gast in die Schranken und schickte ihn weg, entschuldigte mich 3-Mal aufrichtig beim Busfahrer, der aber meinte nur: „Das muss aufhören, hier am Platz muss wieder Ruhe einkehren, diese Aktion hier muss aufhören“. Ich erinnere mich noch gut, als wir zum 1. Mal auf diesem Platz waren wurden wir auch beschimpft von 2 Busfahrern, grundlos, war damals auch nicht recht schön, wenn man helfen möchte und beschimpft wird, das sagte ich heute dem Busfahrer. Problem dann doch noch gelöst und wir gehen mit einem Lächeln auseinander. Ich komme zurück zu unserem Bus, da steht der, der vorher noch rumstänkerte, in nasser Hose, nassen Turnschuhen. Ich ging mit ihm zu Gerlinde um schnell eine Noteinkleidung zu machen, damit er nicht krank wird in den nassen Sachen. Wir gaben ihm Hose, Unterhose, Schuhe und € 1,- für WC, um sich umzuziehen am WC. Der Tag heute ist schon sehr unrund, heftig und grenzwertig. Man merkt, dass viele Schützlinge in aussichtslosen Situationen sind, wie z.B. Dominik, der uns heute mit Thomas beim Bus besucht, und mich darauf aufmerksam macht, dass er nur noch für 2 Tage seine Tabletten hat, lebenswichtige Tabletten. Ich versprach ihm ein Rezept zu besorgen. Hoffentlich gelingt es. Ich mache Dominik Mut, er braucht auch eine neue Jacke, die von letzten Samstag ging kaputt. Und Thomas braucht Turnschuhe, seine Schuhe sind ebenfalls kaputt. 5 Minuten später stand ein neuer Gast bei Gerlinde, der Turnschuhe forderte, ich fragte ihn ob er obdachlos sei, ja meinte er, sein Fahrrad ließ mich etwas zweifeln. Jedenfalls sah er neue Turnschuhe und wollte diese unbedingt haben, er hatte aber neuwertige Schuhe an, ich nahm Gerlinde die Entscheidung ab, da er Ansätze von „frech sein“ zeigte, sagte ich ihm deutlich: „Deine Schuhe sind neu, die sind nicht kaputt, wenn diese kaputt sind kannst Du neue Schuhe haben“. Trotzig murmelte er irgendwas Freches worauf bei mir dann Schluss mit Lustig war. Wir brauchen unsere Schuhe für diejenigen, die mit kaputten Schuhen zu uns kommen, und nicht, weil sie Turnschuhe fürs Radfahren haben wollen. Dem setzen wir immer mehr Riegel vor, da wir unseren Spendern/innen im Wort sind, es einzig den Bedürftigen zu geben, die es wirklich brauchen, und nicht, weil es beim Radfahren angenehmer ist, mit Turnschuhen. Verkehrte Welt. So ein Verhalten werden wir niemals durchgehen lassen, niemals. Kurze Zeit später kommt unser „Prinz of Linz“, Andreas, der mich gleich einmal lautstark anredet warum von ihm ein Foto durchs Internet geistert? Weil Du es mir angeschafft hast, lieber Andy, letzte Woche war deine Aussage: „Mach a gescheites Foto und veröffentliche es unter Prinz of Linz“, und das machte ich. Andy ist heute extrem aufgekratzt, unrund und laut. Mittlerweile ist es 18.45 Uhr und wir haben den letzten unserer heutigen 99 Schützlinge versorgt, eigentlich ist um 18Uhr Schluss, heute halt ausnahmsweise ein wenig länger. Schnell wird dann gemeinsam zusammengeräumt, die Pavillons zusammengefahren, die Planen eingepackt, die Tische abgebaut und wieder verstaut, als wir ins Auto steigen beginnt es wieder zu schneien, zu patzen, lieber Herr da droben, DANKE, dass Du uns nicht nass gemacht hast heute Nachmittag. Es geht ein anstrengender Tag mit vielen komischen Anwandlungen zu Ende, und doch war es wieder ein guter Tag, den wir heute erleben durften. Ein großes DANKE an all unsere Spender/innen, an alle Gönner/innen, vielen, lieben Dank! Ebenfalls eine tiefe Verneigung meinem Team gegenüber, ihr habt tolle Arbeit geleistet, danke, dass ihr immer da seid, wenn Ihr gebraucht werdet. In meinem Kopfhörer klingt gerade Don Williams mit „Love Me Over Again“, Country Music fürs Herz und fürs Ohr. Danke dass Ihr uns gut gewogen seid und uns auf unseren Wegen begleitet. Vergelt’s Gott! J <3