19.3.2020 – Verteil-Donnerstag einmal anders!

Heute, Donnerstag 19.3.2020 ... ein absolut ungewöhnlicher Verteil-Donnerstag! Corona hält die Welt, hält Österreich, hält auch uns in Atem. Absolute Vorsicht ist geboten, keine Leichtsinnigkeiten, keine Fehltritte, alles muss stimmen. Vergangenen Montag als das Versammlungsverbot ausgerufen wurde, war mein erster Anruf bei der Polizei am Bahnhof, ob wir unsere Verteilaktion unter massiven Sicherheitsvorkehrungen am Donnerstag machen dürfen... JA, war die Antwort, Ja, das ist ja Hilfe für Menschen, und die ist erlaubt. Danke Herr Oberinspektor E.. Als sich im Laufe der Woche die Situation zunehmend verschärfte fuhr ich gestern, Mittwoch nochmal persönlich zur Polizei am Bahnhof, und fragte nochmal nach, mit Verweis auf die Erlaubnis vom Montag, erlaubte auch Hr. Inspektor P. unsere Aktion, mit der Ansage, unseren Verteil-Donnerstag beim Krisenmanagement des Landes O.Ö. anzumelden, damit wir keinen Ärger bekommen. Also ging ich auf direktem Wege von der Polizei zum Landesdienstleistungszentrum, wo mich der Portier eine ganze Stunde hinhielt bis ich ihm über die Fernsprechanlage sagte "ich muss jetzt fahren", worauf er mir entgegenete "bitte fahren Sie zum Landhaus und verlangen Sie das Krisenmanagement". Gesagt - Getan! Nach 1 Stunde warten am LDZ nun ins Landhaus, der Portier dort schickte mich einmal ums ganze Landhaus, um mich dann per Handy zu lotsen. Beim Portier angekommen, wurden Name, Anliegen und Telefonnummer aufgeschrieben und ich wurde mit der Bemerkung "Sie bekommen im Laufe der Woche einen Rückruf" weggeschickt. Dass wir dringend eine Antwort brauchen von jemand kompetenten, der/die auch Zugeständnisse machen darf, verhallte im Vorraum. Kopfschüttelnd ging ich zum Auto und fuhr heim. Genehmigung von der Polizei in der Tasche, Landesregierung....tja, na vielleicht kommt ja der Anruf noch rechtzeitig. Am Dienstag haben wir ja schon entschieden dass wir nicht unser "normales" Programm am Donnerstag fahren würden, sondern vorgefertigte Taschen mit Hygieneartikel und Lebensmittel ausgeben werden, und die Taschen haben wir in einer Sonderschicht Dienstag Nachmittag gepackt. Heute Donnerstag Vormittag, zuerst in die Apotheke Wiener Strasse Hand-Desinfektionsmittel kaufen, Mundmasken organisierte ich die letzten Tage schon. Wir bekamen von der Fa. Elfin 32 Gläser Heringshappen mit Zwiebel, vielen herzlichen Dank an dieser Stelle, die ich heute gleich abholte, anschließend wollte ich noch beim Hofer den bestellten Einkauf von 300 Dosen Tomatenfisch abholen. Leider ist der Tomatenfisch nicht lieferbar, tja, die Leibspeise unserer Schützlinge leider aus, so wie schon viele andere Sachen auch. Das Team vom Hofer Dauphinestrasse, das Beste das ich kenne und wirklich immer bemüht unsere Bestellungen zu unserer Zufriedenheit zu erledigen, aber wenn die Zentrale nicht liefern kann, ist das Team dort machtlos. Ohne Tomatenfisch Richtung Auto - Anruf Landesregierung O.Ö., kurze Erklärung unseres Anliegen, die zuständige Dame Fr. L. sagte uns sofort zu, ja klar dürfen Sie, bitte Sicherheitsvorkehrungen treffen, niemanden in Gefahr bringen und dann wünsch' ich Ihnen gutes gelingen und sagen Sie Ihrem Team liebe Grüße, schön von Ihrer Aktion zu hören. Also nun auch Zusage von der obersten Behörde, vom Krisenmanagement des Landes O.Ö.. Vergelt's Gott und vielen herzlichen Dank für die Erlaubnis. Die ARGE-Obdachlose und die Sozialplattform haben ja auf ihren Facebookseiten publik gemacht dass auch ihre Schützlinge zu uns kommen können und sich Lebensmittel holen dürfen, deshalb rechneten wir mit 150-250 Menschen. Danke an dieser Stelle für die Zusammenarbeit ARGE-Obdachlose (Hr. W.Z.). Maria war heute vormittag schon im Lager, Salami aufschneiden, einpacken, Gebäck und Brot sortieren und einpacken, sie machte alles fertig, dass wir nur noch laden mussten. Ging schnell, dank der Hilfe von Barbara Nowecki Beate Loeffler Rena Meinhart und Maria Fleischanderl. Strahlender Sonnenschein auf dem Weg nach Linz, angekommen, warteten schon 5-6 Schützlinge auf uns. Wir sagten allen, worum es heute geht, nämlich um Abstand, um Disziplin und um Vorsicht. Jeder hielt sich daran. Um 16Uhr Ausgabe der ersten Lebensmitteltaschen, wir wickelten es vorne im Eilverfahren ab, hinten bei den Extrazugaben gings ebenso flott weiter. Wir hatten die Auflage nicht mehr als 5 (!!!) Personen gleichzeitig beim Bus, also mussten wir unsere Schützlinge dorthin leiten, wo sie noch Zugaben bekommen, und immer 2 Meter Abstand zu den anderen Schützlingen halten. Nicht leichtsinnig sondern absolut diszipliniert geht alles. Toll! Markus Obermayr regelte vorne den "Kundenverkehr", ich den hinteren, Dieter Nöbauer half uns heute auch, die Menschen im Auge zu behalten und notfalls einzugreifen. Vielen Dank lieber Dieter für deine Unterstützung und lieben Dank Markus. Großartig! Es ging alles toll und im Eilzugtempo von Statten, es kamen aber doch um viele weniger als wir rechneten. Auch gut so. Die heutigen 43 Schützlinge, die bei uns waren, dankten es mit einem Lächeln und einem aufrichtigen "DANKE, dass Ihr nicht auf uns vergesst!" Nein, wir vergessen Euch nicht, nicht heute und nicht in Zukunft! Kränklich und mit Mundmaske kam einer der nettesten Menschen die ich je kennenlernen durfte, lieber Herr Ingenieur P., wir lassen Sie und Ihre Freunde nicht im Stich! Auch Renate vom Bahnsteig 12 kam heute und holte sich Lebensmittel, das freute mich irgendwie, wenn sie auch voriges Jahr unser Angebot einer Wohnung ausgeschlagen hatte. Sie schaut gut aus, erholt und nicht mehr so kränklich wie voriges Jahr. Um 17.30 Uhr packten wir zusammen und beendeten unseren heutigen Verteil-Donnerstag früher als gewohnt, aber es war nirgendwo noch ein Schützling zu sehen. Ins Lager und Bus ausräumen und dann nach Hause. Die Situation wird zunehmend belastender, da das Vincistüberl ganz zugesperrt hat, und die anderen Einrichtungen auf Notprogramm runterschraubten. Die Bewohner des B37, der Notschlafstelle, das ist absolut positiv anzuerkennen, weil's einfach toll ist, dürfen nun 24 Stunden dort bleiben, müssen das Haus nicht wie gewohnt verlassen. DANKE B37 für diese menschliche Geste! Grossartig! Wir haben unseren Spendern aufrichtig zu danken, dass wir auch diesen Verteil-Donnerstag machen durften mit Eurer Unterstützung. Vergelt's Gott und lieben Dank allen Beteiligten, die den heutigen Tag erst möglich machten. Polizei Bahnhof, Krisenmanagement Land O.Ö., unser Team und alle Helfer. IHR SEID GROSSARTIG!