30.1.2020 – Man muss nicht alles verstehen, oder?

Donnerstag 30.1.2020 - Verteil-Donnerstag Nr. 5 im neuen Jahr! Der Tag begann für mich um 5.30Uhr mit Stress, da die 4. und letzte Diabetesschulung heute Vormittag auf dem Stundenplan stand. Am Ende dieser Schulung, am Balken der Tiefgaragenausfahrt des Med. Campus III (ehem. AKH) gab es dann noch eine unschöne Auseinandersetzung, aber so endete mein Vormittag, ich widmete mich ab sofort gedanklich dem heutigen Nachmittag, unseren Schützlingen nach einer kurzen Pause (1 Woche Urlaub) wieder die Hand geben zu können. Um 13 Uhr fuhr ich ins Lager, alles für die Beladung herzurichten, da warten schon Spender im Lager, auf die fast vergessen hätte, aber dazu mehr in einem separaten Posting. Etwas spät (15.35 Uhr) kamen wir vom Lager weg und fuhren bei +6° Richtung Linz, vereinzelt blinzelte die Sonne durch und wir waren mit einem guten Gefühl unterwegs nach Linz. Angekommen warteten schon etwa 30 Schützlinge auf uns, wir beeilten uns da wir schon spät dran waren. Punkt 16 Uhr war dann die Menschentraube schon auf etwa 60 Menschen angewachsen, trotzdem blieb auch nach einer kurzen Rede von mir ins Gewissen unserer Schützlinge, alles friedlich. Wir mussten auf ein paar Dinge hinweisen, die wir nicht akzeptieren, und es wurde gut aufgenommen. 16 Uhr, Beate legt los mit "Berechtigt" Markerl auszugeben, Ingrid, Barbara, Gustl und Gilbert, Brigitte und Gerlinde sowie Renate und Wolfgang leiteten alles in die Wege und es ging los, die bis dahin angeschwollene Menge von ca. 130 obdachlosen Menschen blieb ruhig, gesittet und zeigte Disziplin (lt. ORF Bericht in O.Ö. heute vom 28.1.2020 gibt es doch nur 43 Obdachlose in Linz, woher die anderen kommen die heute bei unserem Bus sind und warten, kann sich von den "Herrschaften", die sowas behaupten, wohl niemand erklären). Im Nu war heute unser Anhänger leer gefegt, ebenfalls unser Transporter, der war noch nie so leer wie heute. Gegen 17 Uhr besuchte uns Sr. Tarcisia (ehem. Vincistüberl) beim Bus, sie unterhielt sich mit uns und den Menschen, sie ist einfach eine tolle Frau, die unsagbar viel geleistet hat für die obdachlosen Menschen. Sie wird im Februar, in ihrer neuen Wirkungsstätte in Wien eine Spendenlieferung von uns bekommen. Später fuhrt sie mit dem Zug zurück nach Wien. Nach einiger Zeit kam "Raimund" (Name geändert, von dem ich Euch vor ein paar Wochen erzählte, er hat Lungen- und Brustkrebs) mit "Manfred" (Name geändert) zu uns, "Manfred" wurde vorgestern an der Lunge operiert, ein Teil seiner Lunge wurde entfernt, und heute steht er gebeugt vor uns, seine Wundschmerzen und Stiche in der Wundgegend sind enorm, lassen ihn immer wieder zusammenklappen und fast weinen vor Schmerzen. Wir stehen hilflos davor und Wolfgang erklärte sich bereit, den schweren Rucksack von "Manfred" in die Notschlafstelle zu tragen. Wir wissen nicht ob nicht die Rettung die bessere Lösung wäre, aber er winkte ab und meinte nur "die nehmen mich ohnehin nicht mit". Wolfgang nahm den schweren Rucksack und "Manfred" in den "Schlepptau". Ich hab kein gutes Gefühl wenn ich einen Menschen so schmerzerfüllt sehen muss und eigentlich nichts machen kann, das tut so unendlich weh, das geht ganz tief rein. Als um 17.55 Uhr der letzte unserer Schützlinge mit einer vollen Tasche Lebensmittel ging, wusste unser großartiges Team, was wir heute "geleistet" haben. Wir haben nicht nur als Aktion und Verein großartiges gemacht, sondern besonders als TEAM! Alle halfen zusammen, alle Teammitglieder zogen an einem Strang und wir ergänzten uns großartig. Unsere Jetons für Übernachtungen in der Notschlafstelle, die wir auch jeden Donnerstag an unsere Schützlinge ausgeben, werden gerne angenommen, es sind jede Woche zwischen 30 und 50 Jetons die wir ausgeben, diese Jetons müssen wir kaufen um € 3,50 für 1 Nacht. Aber sie sind eine riesengroße Hilfe für die Menschen bei unserem Bus. Sich immer wieder bedankend drücken sie unsere Hände, umarmen uns und manchmal kommt auch ein kleines Tränchen zum Abschied. Alle unsere Schützlinge sind einfach NUR dankbar, das sollen wir auch bitte all unseren Spendern und Gönnern ausrichten, die jede Woche so großes leisten und Lebensmittel, Hygieneartikel, warme Kleidung, Schlafsäcke u.a. zur Verfügung stellen. Ein großes Vergelt's Gott und Dankeschön an alle Menschen, die uns auf unserem Weg immer wieder so toll unterstützen, ohne Euch wäre das alles NICHT MÖGLICH! Ein Donner(s)-Tag geht zu Ende, doch meine Gedanken an unsere Schützlinge bleiben in mein Gedächnis, in meine Erinnerung eingebrannt. Danke dass wir das alles erleben dürfen!