Rena

Donnerstag, Spenden Direktausgabe Linz 08 11 2018

Dienstag
Wie üblich treffen wir uns um 15 Uhr im Lager Ansfelden, um die Spenden für die Direktausgabe am Donnerstag in Linz her zu richten.
Wir haben mittlerweile ein heilloses Durcheinander bei der Kleidung, also  werden alle neuen T-Shirts, Jacken, Sweater usw neu sortiert und in Bananenschachteln gepackt.
Maria und Brigitte ist es tatsächlich gelungen Ordnung in das Chaos zu bringen.
Brigitte wird von der „Schachteltante“ zur „Kleidertante“ befördert und ich steige vom „Mädchen für alles“ zur „Schachteltante auf. Hahahaha, so ist am Ende jeder zufrieden.
Walter, Beate und ich komplettieren die Donnerstaglieferung, dann schlichten wir viele Artikel um, damit wir Platz für weitere Spenden bekommen, machen Ordnung, schlichten wieder um und verstauen noch die, am Vormittag von Walter geholten, Getränke. Alles in Allem dauert das Ganze mehr als 3 Stunden.

Zum  Abschluss gehen Walter, Beate und ich nach nebenan, um endlich unser „Mittagessen“ ein zu nehmen. Beate labt sich an einem, nein, zwei Eis.
Eines muss ich euch noch erzählen: Ein paar Tische weiter sitzt ein Mann mittleren Alters, der ebenfalls ein Eis, eines mit Schoko oben drauf, mit solchem Genuss isst, dass es uns auffällt. Er liest und hat ständig ein Lächeln im Gesicht, schleckt den Löffel zweimal ab und hat anscheinend den Genuss seines Lebens.
Ihr hättet Beate sehen sollen, ihr ist das Wasser im Mund zusammen gelaufen und
wir konnten sie nur mit Mühe abhalten zu ihm zu gehen und ihn zu fragen, ob er mit ihr die Schokosoße teilen würde. Es ist schön zu sehen, dass jemand ein Eis so genießen kann.

Jeder von uns hat ein breites Grinsen im Gesicht und unter großem Gelächter verabschieden wir uns.

Donnerstag
Schon seit Tagen quält mich ein Stimmungstief und findet heute anscheinend seinen Höhepunkt.
Um 13 Uhr kommt Astrid, unsere Kassiererin und liebe Freundin, zu uns, um mit Walter die Kassa ab zu stimmen. Die Zeit wird knapp; wir sollen um 14 Uhr im Lager sein und ich muss noch Sandra in Traun abholen, die heute mit uns mitarbeiten möchte. Also fahre ich los und hole sie ab, wir fahren ins Lager, wo die anderen auch schon warten. Als ich ein paar Spenden fotografieren will, suche ich meine Kamera – überall. Es ist zum Verzweifeln, sie taucht nirgends auf; ob sie noch zu Hause in der Tasche liegt“, denke ich?
Es ist noch Zeit bis zur Abfahrt, also fahre ich mit meinem privaten Pkw nach Hause. Auf dem Weg stelle ich fest, ich habe meine Handtasche in den Transporter getan und fahre gerade ohne Führerschein, ohne Handy und ohne Hausschlüssel durch die Gegend.
Grrrrrrrrrrrrrr, neiiiiiin schreie ich im Auto auf und habe eine ziemliche Wut auf mich. Wie kann man so vergesslich sein; das ist wirklich nicht mein Tag. Daheim angekomen, schaue ich nach, ob die Tasche vielleicht im  Carport stehen geblieben ist – nein, natürlich nicht – ich fühle mich scheußlich und fahre unverrichteter Dinge wieder nach Ansfelden. Dort angekommen empfängt mich Walter mit den Worten:“ Na, hast du die Kamera?“ „Nein“, sage ich, ohne Hausschlüssel komme ich nicht zur Türe hinein, ich habe meine Handtasche im Transporter vergessen, heute ist nicht mein Tag, das habe ich gründlich vermasselt, „mache die Fotos bitte mit dem Handy“.
Sandra muss wieder arbeiten, sie hat nur eine Stunde Zeit, die fast um ist, deshalb fahre ich sie wieder heim, wobei ich nochmals bei mir zu Hause vorbei fahre und meine Kamera hole.

Eilig mache ich mich wieder auf den Weg ins Lager, wo ich noch rechtzeitig ankomme, denn die anderen sind fast fertig mit dem Beladen.
Unser „Beladeteam“ besteht aus Walter, Brigitte, Sanchez und Michael, Ingrid und ich, wobei ich ja ausgefallen bin.
Heute fangen die „Donnerstag – Demonstrationen“ an und wir befürchten, dass wir keinen Parkplatz bekommen werden, aber, oh, Wunder, es ist genügend Platz vorhanden. Wir stellen uns wie gewohnt auf und die Leute strömen auch schon herbei.

Diesmal ist der Andrang groß. Sie stellen sich bei den Lebensmitteln zwar nicht in einer Reihe auf, sind aber diszipliniert. Wenn sie  fast in den Transporter hineinkriechen, sagen wir, dass wir das nicht mögen und sie Abstand halten müssen – klappt.
Ich suche einen Aschenbecher und bitte die Raucher ihn zu benutzen und keine Kippen auf den Boden zu werfen, das tun sie dann auch. Überhaupt sind die meisten sehr nett und wir können einen gepflegten small talk machen. Ich unterhalte mich gerne mit den Menschen, die herumstehen oder warten. Sie warten an der Seitentüre des Transporters auf Lebensmittel und Hygieneartikel, die Walter oder Beate mit vollen Händen ausgeben oder an der Rückseite, wo Kleidung, Rucksäcke, Isomatten und Schlafsäcke von Ingrid verteilt werden. Sie berät die Leute auch bezüglich Kleidergröße und Funktionalität der einzelnen Stücke und gibt ihnen was sie brauchen.
Etwas später taucht Markus auf und klinkt sich bei der Lebensmittelvergabe beim Anhänger ein, wo auch Brigitte, Sanchez und Michael tätig sind. Unser gesamtes Team kommt ins Schwitzen, soviel ist zu tun.

Als der erste Ansturm zu Ende ist, geht Markus zum Bahnhof und holt noch einige Nachzügler von dort ab, damit sie auch in den Genuss der guten Gaben kommen.
Niemand soll vergessen werden, niemand soll zu kurz kommen.

Meine Zuständigkeit beschränkt sich am Donnerstag aufs Fotografieren, damit ihr seht, was bei uns abgeht. Zwischendurch plaudere ich, höre zu oder helfe geschwind mal hier, mal da aus, sorge für Ordnung und habe alles im Blick. Wer von uns Pause macht, unterhaltet sich mit den Umstehenden und oft hallt lautes Gelächter über die Straße. Ja, die Stimmung ist wirklich gut.
Unsere Sandra, wieder eine andere Sandra, wir haben mittlerweile ja mehrere davon, schafft es dann doch noch nach der Arbeit bei uns vorbei zu schauen und wird mit großem Hallo begrüßt. Ihre Jungs sind schon vor ihr angekommen.

Um 18 Uhr, es ist dunkel, die Lampen brennen schon lange, als wir zusammen packen, aufbrechen und ins Lager fahren. Dort entladen wir gemeinsam – wenn viele Hände helfen, geht’s viel schneller – die verbliebenen Spenden.

Der „harte Rest“, Walter, Sanchez (Sandra) Michael und ich setzen uns zusammen und besprechen den vergangenen Tag, aber da wir alle rechtschaffen müde sind, brechen wir bald auf und fahren mit einem zufriedenem Gefühl nach Hause.

Ich danke Gott dafür, dass er uns die Möglichkeit gibt, den armen Menschen
helfen zu können und ich danke den Spendern, dass sie ihr Herz von Gott berühren lassen.
Autorin: Rena

Donnerstag, Direktausgabe Linz 08 11 2018

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