Rena

Ein ganz besonderer Tag 18 11 2018

Samstag
Um Mitternacht, Walter sitzt vor dem PC und verwaltet die FB Seiten und die Home Page, ich lümmele bequem auf der Couch und sehe fern, springt er plötzlich auf und sagt: „ Ich fahre nach Linz rein“. Waaas, jetzt, schau auf die Uhr, wieso willst du um diese Uhrzeit nach Linz fahren“, ist meine entgeisterte Antwort.
„Ich habe mich schon den ganzen Abend damit beschäftigt“ entgegnet er mir, „fährst du mit?“ – Manchmal redet er in halben Sätzen, den Rest darf ich mir zusammen reimen – manche Frauen unter euch kennen das wahrscheinlich.
„Ja, ich fahre mit, ich lass dich nicht allein um Mitternacht in Linz herum wandern, da könnt ja weis ich was passieren, ich zieh mich schnell an, ja?“ Ein Blick auf das Thermometer zeigt mir, dass es 1 ° hat, also ziemlich kalt ist. „Da sind eine Thermounterhose, ein Schal und warme Schuhe das Richtige“, denke ich. Gesagt, getan – innerhalb von 5 Minuten sind wir startklar und fahren los, Richtung Bahnhofviertel, parken am gewohnten Platz und suchen an bestimmten Orten nach Obdachlosen, die draußen schlafen.
Und – wir werden fündig. In einer überdachten Halle, die vorne und hinten offen ist, sodass dort dauernd der Wind durch pfeift, liegen
10 Menschen auf Bänken, teilweise in Schlafsäcke eingemummelt, teilweise mit einem Leintuch zugedeckt und einer sogar ohne alles.

Dieser ist gerade frisch delogiert worden und hat im B 37 keinen Unterschlupf gefunden. Wir sprechen ihn an und erkundigen uns, warum er hier ist und nichts hat. Bereitwillig und ziemlich geschockt gibt der Mann Auskunft.
Wir vereinbaren, dass wir heute, am Sonntag, wieder kommen und ihm einen Schlafsack und einige andere wichtige Dinge vorbei bringen.
Dann begegnen wir einer jungen Frau, die frierend auf einer Bank hockt und nur mit einer dünnen Jacke bekleidet ist. Auch ihr versprechen wir eine dicke Winterjacke, wenn sie am Abend wieder hier ist.
Walter postet in FB einige Bilder und erzählt was wir um halb ein Uhr in der Nacht mit den Obdachlosen erlebt haben, daraufhin bricht eine Lawine der Hilfsbereitschaft herein, die uns sehr freut. Jede Menge Schlafsäcke und Isomatten sind angekündigt, jetzt bräuchten wir noch dringend Herren Winterjacken und Herren Winterschuhe.

Sonntagabend beladen wir unseren privaten PKW und fahren nach Linz, dort finden wir Rupert, der schon auf uns wartet. Er befindet sich heute die 4. Nacht auf der Straße, ihm ist kalt und er ist besonders dankbar für die guten, warmen Winterschuhe, die warme Jacke, die Iso Matte, den Schlafsack und noch viele Dinge, die man auf der Straße braucht, denn er besitzt nichts. Kommende Woche wird es kalt, da kann er alles brauchen.
Die junge Frau von gestern nennt sich Nadine und ist ein liebenswertes Geschöpf, dem das Leben schon übel mitgespielt hat. Ihre Mutter hat einen neuen Mann kennen gelernt und sich für ihn entschieden, als es zu Streitereien kam. Nadine lebt schon seit 2011 auf der Straße und ist sehr krank, sie hat Krebs und sollte schon vor 2 Jahren , lt. den Ärzten, gestorben sein. Sie erzählt auch, dass sie nach einer Abtreibung, die eine fürchterliche Erfahrung für sie war, da die OP nicht normal verlaufen ist, ins „Wagner Jauregg“ eingeliefert wurde, da sie durch gedreht hat.
Sie erzählt mit leiser, monotoner Stimme und in ihren Augen sieht man den Schmerz und das Fieber, das sie schüttelt. Arme Kleine, so jung und so krank. Vielleicht bekommt sie in nächster Zeit ein Zimmer im betreuten Wohnen. Ich werde Jesus bitten, dass sie dort unter kommen kann und möglicherweise ärztlich versorgt wird.

….und jetzt ist es saukalt und schneit, wir sind so froh, dass wir das gemütliche Heim verlassen und geholfen haben.
Autorin: Rena

Ein ganz besonderer Sonntag 18 11 2018

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