einsam

Gedanken eines Obdachlosen 28 10 2018

Gedanken eines Obdachlosen

Ein alter Mann liegt einsam auf einer Parkbank, mit Zeitungen bedeckt und schläft. Er macht die Augen auf und erinnert sich. Räuber haben ihn vorgestern überfallen und all sein Hab und Gut geraubt, das Wenige, das er sein Eigen nannte.

 Mühsam rappelt er sich auf, die Kälte tut seinen Gelenken nicht gut und er murmelt vor sich hin:“ Scheiß Tag, wieder so ein scheiß Tag“. Hoffnungslosigkeit klingt aus seinen Worten, schnell sondiert er die Lage und stellt fest, dass er noch allein im Park ist, dass keine Gefahr droht.
Es ist Herbst und noch früh am Morgen. Die Nächte sind schon kalt, deswegen springt er herum, reibt sich Hände und Körper, um wieder warm zu werden, es gelingt ihm nicht. Frierend macht er sich auf den Weg. Er hat gestern alles versucht, um an eine warme Mahlzeit und an eine warme Winterjacke zu kommen, vergeblich. Auch Winterschuhe würde er brauchen, dringend sogar. Außerdem quält ihn der Hunger. Dumpfe Gedanken machen sich in seinem Hirn breit.
„Niemand will mich, niemanden kümmert es, wenn ich verrecke…..scheiß Leben, es hat doch alles keinen Sinn mehr, sie verachten, verspotten, verhöhnen und schlagen mich….ich will nicht mehr“.
Da kommt ein Kumpel um die Ecke und bietet ihm einen Schluck aus seiner Flasche an, den er dankbar annimmt, denn es ist selten, dass ein Mensch auf der Straße teilt. Der Alkohol rinnt seine Kehle runter, suggeriert ihm Wärme, schenkt ihm gnädiges Vergessen seines Elends und gaukelt ihm goldene Bilder vor, das Leben scheint auf einmal viel erträglicher. Er sieht alles verschleiert, wie durch einen Nebel. Noch ein Schluck und noch ein Schluck.
So wird er allmählich zum Alkoholiker und findet nicht mehr die Kraft vom Alkohol zu lassen. Er vergisst, dass seine Probleme dadurch ja nicht weniger werden, trinkt sich das Leben schön und verliert die Kontrolle darüber.

Er ist jetzt einer von Vielen, die in unserer Gesellschaft verachtet, gemieden oder einfach nur ignoriert werden, als würden sie gar nicht leben. Selten macht sich wer die Mühe hinter die Kulissen zu schauen – wer und was ist oder war dieser Mensch und warum friset er hier ein so jämmerliches Dasein.
Jeder Mensch hat eine Würde – wer gibt ihm seine zurück?

So und ähnlich beginnen viele Schicksale.
Autorin: Rena

I schteh auf da Strossn, 

hatsch duach olle Gossn;

Jeda Tog is gleich.

Bin a lebendige Leich!

Nua, de Leich hots bessa,

de braucht ned fressa,

se braucht ned trikn,

a neama pinkln

und hot sogoa a Bett

aus Fichtn.

Des warat fett,

wenn i a ans hätt.

2018 10 23 by ©Rena Meinhart

Gedanken eines Obdachlosen 28 10 2018

 

 

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