Donnerstag, 9.1.2020 – Beklemmend und Traurig!

Donnerstag, 9.1.2020 - Der Tag begann recht entspannt mit abholen von Brot und Gebäck in Haid, danach Kartons entsorgen, Schreib-kram erledigen, Mittagessen und ... um 13 Uhr Sandra in Traun abholen und ins Lager fahren. Unser Team kam um 14 Uhr und griff gleich vollgas zu um den Transporter und Anhänger schnellstens zu beladen. Barbara unser neuestes Mitglied, kam und erkundigte sich gleich was heute so passieren würde. In kurzen Details erklärte ich Ihr auf was sie ihr Augenmerk legen muss. Sie war gespannt und freute sich auf die Aufgabe. Um 15.30 Uhr waren wir dann in Linz, Wolfgang und Stefan warteten schon auf uns, hielten uns 4 Parkplätze frei, so war eine störungsfreie Verteilaktion eigentlich schon gesichert. Letzte Woche bedankten sich viele, viele Menschen bei uns, teilweise unter Tränen und Umarmungen. Heute, liebe Spender und Wegbegleiter, war ich es, der oft den Tränen nah war. Ein Obdachloser, nennen wir ihn Raimund (Name geändert), kommt seit Beginn an zu unserem Bus am Donnerstag, früher mit seiner Frau, jetzt lebt er alleine auf der Strasse, seine Frau hat sich an einen anderen Obdachlosen "angehängt". Raimund ist 42 und Drogensüchtig, im Verdacht auf Herzinfarkt wurde er vor 3 Tagen ins Krankenhaus eingeliefert, die Abklärung dort ergab Brust- und Lungenkarzinom, der Arzt meinte auf Raimunds Vorschlag, "dann mach ich jetzt einen Entzug damit ich die Krankheit chemotherapeuthisch überlebe" lediglich, "das zahlt sich nicht mehr aus", wer so mit seinem Körper umgeht und ihn derart mit Drogen vollstopft, hat jede medizinische Chance vergeben, meinte der Arzt, der ihn dann heute aus dem KH entließ. Ich bin vorsichtig solche Dinge zu glauben, jedoch bin ich mir fast sicher, dass Raimund mich nicht anlügt. Auf Raimunds Frage "Walter glaubst Du, man spürt es wenn seine Zeit abgelaufen ist?" antwortete ich ein leises JA, ich glaube schon. "Ich glaub' ich bekomm' keine Chance mehr in diesem Leben, irgendwie bin ich froh wenn diese Tortur, mein Leben vorbei ist", "ich wünsche mir nur noch, da rauf zu kommen und nicht dort hinunter". Da kämpft man, liebe Leute, ganz arg, wenn dir ein Mensch so was sagt und so antwortet. Egal wie oft er falsch abgebogen ist im Leben, er ist MENSCH und man hat mit ihm genauso WERTSCHÄTZEND umzugehen, wie mit jedem anderen Menschen! Das schnürte mir heute über weite Strecken den Hals zu. Im weiteren Verlauf kamen heute viele, neue Menschen zu unserem Bus, viele Junge, hochverschuldete und g'rade delogierte, die mit ihrem Leben und der Situation in der Obdachlosigkeit, so gar nicht umgehen können. Einige sind erst gestern delogiert worden. Schlimm, aber nach dem Hinfallen muss es ein schnelles Aufstehen geben, niemand kann den Weg für diese Menschen gehen, wir als Verein können den Weg nur leichter machen mit Lebensmittel, Hygieneartikel, warmer Kleidung u.a., aber gehen müssen sie selbst! Später kam noch Monika (Name geändert), eine 32 jährige Frau, die noch nie, nicht einmal als Kind die richtige Ampel im Leben erwischte. Als sie von uns heute wegging, hatten wir alle die sie beobachteten, ein trauriges Bild vor Augen...waren alle Helfer erschüttert, wie es einem Menschen überhaupt passieren kann, so hoffnungslos durch's Leben zu gehen...oder sollte man sagen, so hoffnungslos dahin zu vegetieren? Wir räumten den Bus ein und für unseren Dauerredner Andy, der zum Schluss noch mit einer heute delogierten Frau kam, öffneten wir natürlich nochmal den Bus, um auch ihn und die Begleitung noch versorgt zu wissen. So fuhren wir (ich mit einem beschissenen Gefühl) Richtung Lager, räumten alles aus und fuhren heim. Zuhause ein wichtiges Telefonat mit Sr. Tarcisia Valtingoier, das mich etwas beruhigte und mir auch ein Lächeln entlockte. Diese Frau hat so vieles geschaffen, so viel getan für unsere armen Menschen in Linz, ich bin glücklich, einen tollen Kontakt zu ihr zu haben. Danke an all unsere Helfer, unser tolles Team und Vergelt's Gott an all unsere Spender und Wegbegleiter, dass Ihr uns immer wieder einen moralischen Input gebt und uns eine große Stütze seid. DANKE dafür