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10.4.2021 – Eine müde, nächtliche Linz-Tour!

UPDATE LINZ TOUR VOM 10.4.2021:

Nach einem langen Lagertag, wir hatten ja Spendenannahme im Lager, war es dann um 18 Uhr zuerst soweit, dass wir die Spenden der jungen SPÖ Linz-Land am Parkplatz der Metro umladen mussten, bevor wir loslegen konnten. Zuerst wie immer, ab nach Ebelsberg zu Thomas, Christian und Dominic, wir hatten haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel, Batterien, Isomatten u.a. mit dabei. Den Dreien geht es halbwegs gut und Dominic ist, seit er seine Tabletten wieder bekommt, wie ausgewechselt. Viel ruhiger, ausgeglichener und nicht mehr so depressiv. Anschließend geht es eigentlich zu A., die mir aber suggeriert uns nicht sehen zu wollen. Bumm, na gut! Dann fahren wir gleich zum Schillerpark, heute haben wir 20° und ich fürchte dieser Hotspot wird voller Menschen sein. So ist es dann auch wirklich. Wir drehen unsere Runde und treffen Oliver und seine Freunde. Sie kommen mit zum Bus und brauchen Nächtigungsjetons, haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel, neue Unterwäsche und neue Socken. Die Dankbarkeit ist groß, sehr groß, bei allen. Nach dem Schillerpark fahren wir zum Volksgarten, der auch voll ist mit Menschen. Wir drehen eine Runde und treffen den Cousin von Daniel, der uns um Lebensmittel bittet: "Wir drehen eine schnelle Runde und dort drüben steht unser Bus, kommst rüber". Wir drehen die Runde und finden ihn nicht mehr, warten ein paar Minuten, Stefan geht nochmal zurück, kommt aber alleine wieder. OK, dann halt nicht. Weiter zum Terminal. Renate und Gaby sowie Elke und der junge Mann aus Wels sind noch wach, mittlerweile ist es ja schon nach 20.30 Uhr, wir drehen auch hier noch eine Runde zu Fuß nach der Ausgabe an all unsere Schützlinge. Die nächste Station ist Gerald bzw. Franziska, unter der Autobahnbrücke. Franziska hatte sich schon hingelegt und Emma, ihr Hund bellt aus dem Fußteil des Schlafsackes hervor und freut sich mit wedelndem Schwanz, uns zu sehen. Wir nehmen uns Zeit, Franziska hat eine schwere Hautkrankheit, von einer Salbe wo sie einen Bestandteil nicht verträgt, ihr Arm schaut nicht schön aus, und diese Schwellungen und Rötungen hat sie am ganzen Körper. Sie ist in Behandlung beim Help-Mobil und ich biete ihr an, ihre Unterwäsche und Socken zu waschen, auszukochen, da sie täglich die Unterwäsche wechseln muss. Ausnahmsweise nehme ich mich darum an. Von Franziska und Gerald fahren wir weiter zu Andy auf den Gründberg, mit dem wir heute reden müssen, Klartext reden müssen. Andy überspielt seine Situation, seine Lage mit großer Kunst, und wenn er wieder eine ruhige Phase hat, schickt er Selbstmordgedanken an Karin die sich großartig um ihn kümmert. Er ist in einer schweren Depression und kommt da auch allein nicht mehr raus, er braucht professionelle Hilfe, leider müssen wir Andy immer unter Druck setzen, damit er dann das tut, was wichtig für seine Gesundheit und seine Zukunft ist. Ich sag' ihm deutlich, dass diese Art von ihm künftig keinen Erfolg mehr haben wird, wir lassen uns nicht mehr drohen. Wir nehmen es aber auch nicht allzu ernst, nur, was wenn er seine Drohung wahr macht? Jedenfalls muss er schnellstens zu einem Arzt. Nachdem ich ihn vor die Entscheidung gestellt habe, willigt er ein kommende Woche mit Karin zu einem Arzt zu gehen. Na endlich! Er ist ein großer Schauspieler und glaubt immer noch, dass er alleine aus dieser Situation rauskommt! Niemals! Dass er am liebsten sofort arbeiten möchte, verstehe ich auch, aber wegen Corona gibt es zur Zeit halt keine Arbeitsstelle für ihn. Zu guter Letzt geht er noch mit zum Bus und holt sich Lebensmittel, er verabschiedet sich mit Tränen in den Augen. Es ist nicht schön wenn man jemanden zu seinem Glück "zwingen" muss, aber ich glaube Andy kann das selbst nicht mehr abschätzen und einordnen. Er vergisst alles, handelt absolut fahrlässig und ist zur Zeit nicht sehr .... vertrauenswürdig. Egal, wir halten fest an ihm, wir lassen ihn nicht fallen. Von Andy geht es noch zum Pleschingersee, nachschauen ob dort jemand nächtigt heute, und anschließend fahren wir noch ins Lager, um 22.30 Uhr, um alles wieder auszuladen und all die Spenden von der jungen SPÖ, die wir zu Beginn eingeladen haben, ins Lager zu stellen. Um 22..45 Uhr ist der Samstag gelaufen, mir tun meine Füße weh, der Fersensporn meldet sich, meine Sohlen brennen und Stefan und ich sind müde, vom langen Tag. So geht wieder eine Linz-Tour zu Ende, die mich noch lange zweifeln und nachdenken lassen wird. Alles wird gut, alles! Euch allen einen schönen Sonntag und passt auf Euch auf! 🙂 ❤

10.4.2021 – Die junge SPÖ Linz Land sammelte für uns!

Michael Mollner (SPÖ VzeBgm. aus St. Florian) und sein Team von der jungen SPÖ Linz-Land, sammelten gestern Samstag dem 10.4.2021 in Enns bei Billa Plus, haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel für unsere Obdachlosenhilfsaktion.at. Dieses tolle Team brachte sagenhafte 5 (!!!) große PKW voller Spenden zusammen. Von der Zahnpasta bis zur Damenhygiene war alles dabei. Wir bedanken uns herzlichst beim Team der jungen SPÖ Linz-Land und bei allen Spendern, die zu diesem großartigen Erfolg beigetragen haben. Großartig! Vergelt's Gott und habt großen Dank! 🙂 ❤ Übrigens, morgen Montag 12.4.2021, steht unser Team von 9.00 bis 18Uhr bei Billa Plus im Welser Welas Park und bittet dort ebenfalls um Spenden. Besucht uns doch, wir würden uns riesig freuen! Und am Montag den 19.4.2021 bitten wir im Billa Plus im Linzer Infracenter auch nochmal um Spenden. 🙂 ❤

8.4.2021 – Kurzer Rückblick und kleine Vorschau!

Verteil-Donnerstag vom 8.4.2021:

Heute möchte ich kurz ausholen und einen Blick in unsere Vergangenheit wagen. 2011 und 2012 engagierten sich Rena und ich in einer Linzer Obdachloseneinrichtung, wenn wir Dienst hatten nahmen wir Käse und Aufschnitt mit, um den Obdachlosen eine Freude zum Frühstück zu machen. Bald schon wurden wir aber von den dortigen Sozialarbeitern gerügt, da der Wunsch nach Käse und Wurst auch an den Tagen da war, an denen wir nicht Dienst machten. Die Sozialarbeiter dort haben uns dann verboten künftig noch etwas mitzunehmen, das war für uns der Grund, uns ein anderes Tätigkeitsfeld im Bereich der Obdachlosenhilfe zu suchen. Im nächsten Jahr, 2014 hörte ich ein Radio-Interview von Sr. Tarcisia, die 18 Jahre lang das Vincistüberl in Linz aufbaute und leitete, worum es um einen Spendenaufruf ging. Essen war aber nicht gefragt, wichtig waren damals für Sr. Tarcisia Frauenhygiene, als ich Kontakt zu ihr aufnahm bekam ich als Antwort: „Essen bekommen wir aus der Krankenhausküche, aber wir brauchen dringend Frauenhygiene, da sich unsere obdachlosen Damen schon Zeitungspapier statt Binden einlegen“. Das war für uns der Weckruf, 14 Tage vor Weihnachten machte ich den 1. Aufruf in Facebook mit der Bitte um Spenden für unsere Obdachlosen. Bis Weihnachten bekamen wir 2 große PKWs und 2 große Anhänger voll mit Hygieneartikel, haltbare Lebensmittel und Getränke, neue Unterwäsche u.v.a. zusammen. Wir brachten 1 Tag vor Heilig Abend die Spenden ins Vincistüberl und Sr. Tarcisia war glücklich, zwischenzeitlich hat sie auch von vielen anderen Seiten Spenden bekommen, aber wir waren glücklich, dass wir hier direkt helfen konnten. Unsere Überlegungen gingen weiter und wurden intensiver, weil wir in dieser 1. Aktion deutlich sahen, wie dringend nötig hier die Spenden waren. Wir wollen 2015 weiter Spenden sammeln, wenn es irgendwie geht für 1-2 Linzer Einrichtungen. Die Logistik bzw. Lagerung wird wohl das größte Problem werden. Wir hatten damals weder Keller noch Lager, wir hatten nur den guten Willen und so gut wie keinen Cent für unser Vorhaben. Zu beachten ist, dass wir damals noch kein Verein waren, sondern Privatinitiative. 2015 kam, im September kam dann auch die Flüchtlingswelle und wir sahen, dass viele Spenden in diese Richtung gingen. Wir aber hatten uns damals der Obdachlosenarbeit verschrieben, Beides wäre für uns als 2er-Team unmöglich gewesen, logistisch und finanziell unmöglich. Wir starteten dann im Anfang Oktober einen Spendenaufruf, wieder in Facebook, als Lager hatten wir zuerst unsere Wohnung, bald schon wurde unsere Wohnung zu klein, wir bekamen bald von unseren Nachbarn Garagen und Keller zur Verfügung gestellt, die wir bis an die Decke anfüllten. 179 (!) Spender/innen kamen damals in unsere kleine Wohnung, jede/r bekam Kaffee oder Wasser und fast alles haben wir an Kleidung durchgewaschen, die Waschmaschine lief damals von 6Uhr früh bis Mitternacht. Wir konnten über weite Strecken nicht einmal mehr aufs WC gehen oder unser Schlafzimmer, war voller Spenden. Wir wurden gerade überrollt. Als 2er-Team war das der Super Gau für uns, die Arbeit stieg uns bald über den Kopf, und wir bekamen so viele Spenden, dass wir alle 4 Einrichtungen in Linz mit Spenden versorgen konnten. Was wir gerne machten, bis der Geschäftsführer einer großen Linzer Einrichtung behauptete, dass unsere Spenden gestohlen wären. Er hätte nur einen Blick auf die damalige Homepage machen müssen, dort waren alle, wirklich jedes Paar Socken abfotografiert und einem Spender zugewiesen. Er machte sich diese Mühe nicht, sondern erzählte lieber solche Sachen über uns. Konsequent stellten wir ab sofort Spendenlieferungen dorthin ein, es war auch niemand zu einem klärenden Gespräch bereit. Weiter ging es 2016, dass wir die anderen drei Linzer Einrichtungen weiterhin mit Spenden versorgten. Im November 2016 konstituierten wir uns als Verein und wir hatten ein Lager in Traun bei der Fa. Gschiel, was wir für 1 ganzes Jahr zugesagt bekamen. Wir lieferten aber immer noch alles mit unserem Privatauto und dem geliehenen Anhänger von Helmut Sandberger an die Einrichtungen. Unser Auto wurde oft geschunden, es litt sehr darunter. 2017 sammelten wir wieder ab September Spenden für unsere Schützlinge, zuerst mussten wir erfahren, dass eine weitere Linzer Einrichtung der wir unsere Spenden anvertrauten, unsere Spenden an die Obdachlosen VERKAUFTEN! Na Bumm! Zuerst wurde alles vom Leiter dieser Einrichtung abgestritten, bis wir die schriftlichen Aussagen von 3 Obdachlosen bekamen, die diese unbegreiflichen Vorgänge alle bestätigten. Wir stellten sofort auch alle Spendenlieferungen dorthin ein und wollten an höherer Stelle in Erfahrung bringen, 1. Wieviel Geld wurde aus dem Verkauf unserer Spenden lukriert und 2. Was wurde mit dem Geld gemacht? Auch 2 Gesprächstermine bei der OÖ Vorsitzenden dieser Einrichtung brachten keine Antworten. Weiter ging es dann 2018, Sr. Tarcisia muss das Vincistüberl abgeben und muss ins Mutterhaus nach Wien. Die damalige Verantwortliche für das neue Konzept lud uns zu einem Gespräch, auch die neue Leiterin des Vincistüberls war anwesend, es war über 2 Stunden die Rede von Kürzungen, Streichungen und Einschränkungen mit dem Verweis: „Aber mit Ihren Spenden, Hr. Kreische rechnen wir fest“. Für uns starker Tobak, ein NoGo, auf dem Rücken der armen und obdachlosen Menschen zu kürzen und dann noch darauf vertrauen, dass ich mich zum Handlanger für Kürzungen mache. So nicht! Wir sagten ab für weitere Spendenlieferungen, und überlegten uns wie unsere Schützlinge keinesfalls darunter leiden. So wurde der Verteil-Donnerstag geboren, am 15.8.2018 standen wir zum 1. Mal in Linz und wir hatten 32 Menschen beim Bus, die sich Lebensmittel holten. Seither standen wir an 117 Donnerstagen in Linz und verteilten Spenden an unsere Schützlinge. Wir hatten von Beginn an viel Gegenwind, wenig Freunde bei den anderen Obdachlosen-Vereinen und noch viel weniger Menschen, die an uns glaubten. Inzwischen stellen wir unseren Namen, unseren Verein, unsere Aktion täglich auf den Prüfstand und beweisen uns jeden Tag neu. Wir wollen transparent und für jeden Menschen ersichtlich arbeiten, wollen Euch zeigen was wir alles machen, wohin Eure Spenden geliefert werden und wer von Euren Spenden profitiert. Für uns ein immenser Aufwand, aber das sind wir Euch schuldig und so muss es auch sein. 2017 kam auch zum 1. Mal unsere Weihnachts-Schuhschachtelaktion dazu. Über 600 Pakete sammelten wir im 1. Jahr und brachten diese in die Einrichtungen und verteilten diese auch am Donnerstag. Hier war eine Freude über die Geschenke, dass ich es kaum in Worte kleiden kann. 2017 hatten wir auch die 1. Weihnachtsfeier für und mit den Obdachlosen beim Verein Miteinander, dort durften wir den veranstaltungsraum nutzen, und es war ein Erlebnis! Es gab gutes Essen, es gab viele Geschenke und wir sangen und verbrachten einen tollen Heiligen Abend miteinander. Zu Sr. Tarcisias Zeiten im Vincistüberl waren wir gemeinsam in der Kapelle der Barmherzigen Schwestern, lauschten dem Gottesdienst und anschließend saßen wir noch in Vincistüberl gemeinsam zusammen. Bald schon kam der Wunsch von vielen Seiten, über Armut und Obdachlosigkeit etwas mehr erfahren zu wollen. So gingen wir in Schulen und Verein, in Firmen und Kindergärten und erzählten den Menschen von unserer Arbeit und von verschiedenen Schicksalen. Wir decken mittlerweile ein so breites Gebiet ab, dass es alleine nicht mehr zu schaffen ist. Seit 2019 fahre ich zusätzlich zu der ganzen Lagerarbeit, zu all den Spendenlieferungen und Abholungen abends noch zu den Hotspots nach Linz, um unsere Schützlinge, die nicht zu unserem Bus kommen können, ebenfalls zu versorgen. Diese Touren dauern von 18Uhr bis 22.30 …. 23 Uhr, und alles nebenbei. All die Lagerarbeiten im Kühllager werden von mir nur selten erwähnt, auch all die restlichen Arbeiten, die ich unter der Woche meist alleine oder zu zweit erledige. Heute kann ich sagen, dass ich seit Oktober 2019 bis heute, 8. April 2021 „sagenhafte“ 12 Tage Freizeit hatte. Nicht sehr viel, und das merke ich heute und ich weiß, dass ich schnellstens leiser treten muss, weil es mich sonst bald nicht mehr geben wird. Über eines bin ich wirklich glücklich! Menschen wie Euch als Wegbegleiter/innen, als treue Spender/innen, als moralische Instanz im Rücken zu wissen. Es stärkt ungemein, aber, wenn man einmal angeschlagen ist und über weite Strecken keine Ideen mehr hat, keine Regeneration mehr hat, dann zeigt das irgendwann die Lage, in der man ist, auch wenn man diese in dieser Form nicht sehen will. Ich werde mich immer für Obdachlose einsetzen, werde immer helfen wo ich kann, weil mein Herzblut in dieser Hilfe steckt. Ich werde nicht aufgeben, schon gar nicht jetzt, wo wir so ein tolles Team haben und alle an einem Strang ziehen und wissen, für wen und was wir unsere Aktion machen. Und wir sehen jeden Tag aufs Neue, wie wichtig unsere Aktion ist. Viele, viele Menschen da draußen verlassen sich schon auf unsere Hilfe, schon alleine deshalb ist Aufgeben keine Option. Wir machen weiter, auch wenn es vielen lieber wäre, wenn es uns nicht mehr gäbe. Unser Verein verteilt mittlerweile Lebensmittel- und Sachspenden im Gesamtwert von über € 500.000,-, stellt weit über 100 Spendenlieferungen im Jahr in die Einrichtungen zu. Wir beliefern 18 Einrichtungen in O.Ö., 5 Einrichtungen in der Stadt Salzburg, 2 Einrichtungen in Graz und zwei in Wien, alles Einrichtungen die selbst keinen Cent an Förderungen bekommen, so wie wir. 2019/2020 wurden von unserem Team über ca. 10.500 ehrenamtliche Stunden geleistet, knapp 25.000 km gefahren und viel Herzblut vergossen. Unser Bestreben bleibt auch weiterhin, direkt zu helfen, OHNE UMWEGE! Warum ich das hier schreibe? Weil es wieder einmal Zeit ist, Euch DANKE und VERGELT’S GOTT zu sagen.
Unser Verteil-Donnerstag diese Woche hat keine guten Chancen auf Sonnenschein, Schnee war für heute vorausgesagt, gestern schon bekamen wir eine Kostprobe, wie es heute sein könnte. Heute früh, alles weiß und kalt, nein, bitte keinen Winter mehr. Eiskratzen, Schneeschaufeln und Einkauf beim Hofer abholen, wie immer donnerstags. Ab ins Lager, wo Stefan wartet, der glücklicherweise wieder zu uns zurückgekommen ist, Ulli und Barbara kommen heute früh auch noch. Gestern noch war ich zum Essen eingeladen und ich saß ich mit unserer Barbara zusammen und wir probierten die neue Lagersoftware aus, es schaut nun endlich nach einer guten Lösung aus, Gottseidank! Heute fuhr Ulli mit nach Haid, wo wir heute ganz viele tolle Lebensmittel für unseren Nachmittag bekamen. Vergelt’s Gott. Zurück im Lager alles durchschauen und sortieren, Leberkäse und Wurst aufschneiden, Schinken neu verpacken, Kartoffelpuffer neu einpacken und portionieren, Käse aufschneiden und kühlen. Zu Mittag ein Anruf, wo ich wieder als jemand hingestellt werde, der leichtsinnig mit Obdachlosen umgeht, weil ich Dominic die Tabletten vor 14 Tagen besorgte. Die „Dame“ fand es nicht einmal der Mühe wert MICH direkt anzurufen, sondern eine gemeinsame Bekannte anzurufen um sich dort über mich auszulassen. Warum müssen die Menschen immer über jemanden mit dritte, nicht involvierte Menschen reden und hetzen? Ich werde es nie verstehen. Diese „Dame“ wollte mich nicht anrufen: „weil Sie mich nicht kennt“. Und deshalb schimpft man ganze Tiraden über jemanden, von dem man nicht einmal bereit ist, den genauen Ablauf zu erfahren? Typisch für Menschen, die unsere Arbeit weder kennen noch respektieren, sonst wüssten sie, dass wir immer nur das Beste wollen. Vielen ist das aber egal, so scheint es. Egal, weiter mit den Vorbereitungen, es schneit immer noch und es ist aber schon 14.30 Uhr, schaut nicht gut aus, egal wir freuen uns auf unsere Schützlinge. Um 15.10 Uhr Abfahrt nach Linz, bei der Ankunft warten etwa 10 Menschen auf uns. Wegen dem Wetter lassen wir einiges gleich im Auto von „ProntoPronto“ Barbara, und geben es von dort aus. Um 16.10 Uhr legen wir mit der Ausgabe los, und die Nächtigungsjetons für die Notschlafstelle, die wir donnerstags immer verteilen gehen wieder weg wie die warmen Semmeln, am Schluss werden es 52 Nächtigungsjetons sein, die wir an unsere Schützlinge ausgeben, wo jeder einzelne € 4,06 kostet. Auch teilen wir heute wieder 2 Zigaretten für jeden Raucher/in aus, was sehr gerne angenommen wird. Es gibt heute auch wieder heißen Tee, Torte, Krapfen und ganz viele Köstlichkeiten. Auch dieses Angebot wird sehr gerne angenommen. In der Reihe ist eigentlich große Disziplin, bis C. kommt und rebelliert, weil ich ihn ermahne, dass es bei unserem Bus keinen Alkohol gibt, ich drehe mich um und wieder trinkt er aus der Dose die er in seiner Jacke hat. Ich gehe ein weiteres Mal zu ihm und sag ihm, dass es so nicht geht. Im angemessenen Ton und der dazugehörenden Mimik nahm er mich jetzt endlich ernst. Sonst ist alles O.K., alle sind sehr dankbar, ein junger Mann, so um 25 Jahre alt, seit letzter Woche Obdachlos und ziemlich fertig mit den Nerven, bedankt sich gefühlte 20 Mal für die wer5tschätzende Art und all den Lebensmitteln. Alles ist gut, alles! Er zerdrückt eine Träne und sag ihm noch, dass wir jeden Donnerstag hier sind und er jede Woche kommen kann, was ihn sichtlich etwas beruhigte. Diese tiefe Dankbarkeit liebe Leute, am liebsten würde ich den Menschen in den Arm nehmen und mit ihm heulen, doch muss ich mich jetzt noch 1-2 Stunden „stark“ zeigen, damit ich reagieren kann, sollte etwas sein. Herr R., seines Zeichens einer der Verantwortlichen der ÖBB, die uns dankenswerterweise diesen tollen Platz zur Verfügung stellen, kommt vorbei und geht fast unerkannt an mir vorbei, an seiner Haube erkannte ich ihn erst spät, was mir aber sehr wichtig war auch hier DANKE zu sagen, weil auch das großartige Engagement der ÖBB nicht selbstverständlich ist. Vielen Dank für diese tolle Unterstützung. Was zurzeit noch ungewohnt ist, dass es so hell ist, wenn wir zusammenräumen, das ist schon klasse. Im Lager wird alles wieder gemeinsam ausgeladen und eingelagert, ziemlich flott geht das heute vor sich, um 19.15 Uhr bin ich schon auf dem Heimweg, was sehr selten ist. Und seit 20 Uhr sitze ich nun bei diesem Bericht, seit etwa 2,5 Stunden und es wird nochmal eine lange Nacht die irgendwann lange nach Mitternacht enden wird. Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit, für Eure Zeit und Euer Interesse. Danke für alles was Ihr für uns macht. Ein besonderes Danke heute an unser gesamtes Team, ich bin glücklich über jede/n Einzelnen im Team, fühlt Euch virtuell in den Arm genommen und lauscht meinem aufrichtigen DANKESCHÖN, es kommt tief vom Herzen. Im Kopfhörer der Titel "Geh wohin Du willst, wohin der Wind dich treibt" von Truck Stop, Gänsehautfeeling. Euch allen eine gute Nacht und alles liebe. 🙂 <3

3.4.2021 – Linz-Tour mit gefährlichem Vorfall

UPDATE LINZ-TOUR VOM 4.4.2021:
Die geplante Linz Tour vom Samstag fand in Begleitung unserer Silvia O. statt und begann wie üblich, um 18 Uhr bei der Metro. 1. Halt Ebelsberg, Sarah bat mich noch um Kapperl, Gürtel u.a. für Dominic, was ich dann heute Mittag gleich ins Auto legte. Ebenso die Sachen für Florian. Angekommen in Ebelsberg hörte man Dominic schon von Weitem laut reden, alle 3, Thomas, Christian und Dominic waren zusammen im großen Zelt. Wir haben Lebensmittel, Schoko-Osterhasen und Ostereier, die Silvia gekauft hat, dabei. Jede/r bekommt 3 Ostereier und 1 großen Schokohasen und mehrere Kleine. Alle freuen sich sichtlich über den österlichen Besuch, Dominic bedankt sich gefühlte 20 Mal, Christian ist froh wieder aus dem Gefängnis zu sein und weiß noch nicht, wie er seine Zukunft anpacken möchte. Bald schon geht es weiter zum nächsten Hotspot, Schillerpark, wo heute immens viele Menschen ferner Herkunft sind. Lautes Geschrei, Müll auf den Gehwegen und so manch böser Blick trifft mich total. An anderen Ende des Schillerparks entdecken wir Michi & Michi, beide absolut nette Menschen und freuen sich schon von Weitem auf uns, winken und strahlen uns entgegen. Zwischen den Beiden steht eine kleine Palette Dosenbier dass sie von einem Spaziergänger geschenkt bekamen, weil Ostern ist. Die Beiden Michi's gehen mit zum Bus, weil sie Lebensmittel, Hygieneartikel, Schlafsack und eine warme Winterjacke brauchen. Ich drehe mich um und auf der Bank vis a vis sitzt plötzlich Elvisa, die ich schon Monate nicht mehr gesehen habe. Ich freue mich riesig und Elvisa lächelt mich ebenso an. Ich bin glücklich Elvisa wieder einmal zu treffen, sie hat eine Verletzung am Kopf, die eigentlich medizinisch behandelt werden müsste, aber Elvisa spielt es herunter und sieht keine Notwendigkeit, da sie ja auch schon beim Help-Mobil war. Wir gehen alle gemeinsam zum Bus um die gewünschten Sachen in Plastiksackerl zu verstauen. Alle bekommen noch 5 Zigaretten von mir und dann geht's weiter, um die Ecke zum Volksgarten. Wir parken gleich am Anfang des Volksgartens und wandern Richtung Straßenbahnhaltestelle Volksgarten. Entlang den Bänken viele, viele Jugendliche die, wie im Schillerpark, ferner Herkunft sind, wir gehen gerade durch, werden dann direkter Zeuge einer Raufhandlung. 5-6 Jugendliche schubbsen einen alten Mann, der lediglich einen Rucksack in der Hand hat und eine Dose Bier. der Mann ist etwa 60 - 65 Jahre alt und liegt ziemlich schnell am Boden, die Jugendlichen gröhlen und holen mit den Füßen aus und treten mit voller Wucht auf das Gesicht des alten Mannes, der noch immer am Boden liegt, er schreit um Hilfe, etwa 15 Personen stehen rundherum und niemand greift ein oder wirkt auf die Jugendlichen ein. Von Weitem sehen wir wie hochaggressiv die Jugendlichen hier zuschlagen und mit dem alten Mann umgehen. ich drehe mich um und gehe schnellen Schrittes hin und hole mir einen vermeintlichen Jugendlichen heraus und frage was das soll? "Hey Alter, ich bin eine Sie also behandle mich auch so". Soso, da weiß die junge "Dame" dass sie weiblich ist, aber auf den alten Mann hintreten mit Bundesheerschuhe, das kann sie gut. Die gesamte Clique der Jugendlichen hat so etwa 10-15 Personen und dann noch die, die rundherum stehen und genau nichts machen oder nichts sagen. Um nicht Silvia und mich in Gefahr zu bringen hole ich die Polizei, die mit einem VW-Bus beim Musiktheater steht und 3 Mann Besatzung aufweisen. Ich erzähle dem Herrn was dort vorne, für die Polizei wegen einem großen Strauch nicht sichtbar, gerade passierte. Wir sollen mit Abstand zur Haltestelle auf die Polizei warten, sie selbst fahren sofort los und schreiten ein, der alte Mann fiel vorher noch ins Gleisbett der Straßenbahn und lief dann über die andere Straßenseite weg. Die Polizei war mit den frech pöbelnden Jugendlichen beschäftigt. Auf einmal zückte eine aus der Clique ein grünes Messer und meinte Richtung Polizei: "Das haben wir dem alten Mann abgenommen". Wir sahen vorher kein Messer, wir sahen lediglich wie 5-6 Jugendliche auf einen alten Mann eintraten, unaufhörlich, das sagten wir auch der Polizei. 1 junge Frau aus der Clique wurde dann abgeführt weil sie wiederholt die Polizisten aufs derbste beleidigte. Unsere Daten wurden aufgeschrieben und die, die vorher aussah wie ein Junge, tötete mich mit ihren Blicken als wir vorbeigingen. Hier wurde einfach ein Messer gezeigt und jemandem untergeschoben, denn das Messer hätten wir auch sehen müssen, wenn es der alte Mann gezogen hätte. Diese Aggressivität hat eine "Qualität", die uns Angst macht, ohne Rücksicht auf schwere Verletzungen und ohne belastbare Beweise so auf jemanden hinzudreschen, ist ein absolutes NoGo! Und ja, ich werde mich auch das Nächste Mal wieder einmischen, weil es hier um Leben geht, um Courage und um Menschen. Wir gehen aus dem Volksgarten und nehmen Udo und Mag. Laura mit zum Bus, Laura schläft draußen und hat nur eine dünne Jacke an und kaputte Turnschuhe. Sie ist schwer mitgenommen, weil sie auch schwer krank ist und Angst hat, die kalten Nächte nicht zu überleben. Wir geben ihr vieles was wärmt und trocken hält. Udo bekommt Lebensmittel und ein paar Zigaretten, ehe wir die Beiden auch in die Nacht entlassen und wir uns aufmachen zum Terminal. Gaby braucht wie immer Unterhosen, Socken und Lebensmittel sowie viel Schokolade, da es ihr psych. nicht gut geht zur Zeit. Gaby bekommt alles notwendige und wir stellen auch der normal sehr aggressiven Nachbarin von Gaby, Süßigkeiten und Ostereier zur Bank, sie nimmt sie lächelnd an und packt alles ein. Gegenüber der junge Mann aus Wels, dessen Eltern und Opa von Zeit zu Zeit Nächtelang bei ihm stehen und hoffen, dass der Junge vernünftig wird und wieder heimkommt. Ich fürchte der Zug ist abgefahren, leider. Elke schläft kopfüber auf ihren Koffern und Renate ist nicht da, komisch! Wir drehen die Runde fertig und fahren dann weiter zur nächsten Tiefgarage, in der sich heute niemand befindet. Also weiter zu Florian, dem unsere Ingrid neue Clogs gekauft hat und der heute von uns eine neue Plane bekommt. Florian hat schon geschlafen, bedankt sich und lehnt weitere Hilfe heute ab. Von Florian fahren wir zu Gerald und später Franziska. 🙂Gerald lehnt bei uns ebenfalls dankend ab, aber Franziska nimmt Süßigkeiten mit für Gerald und Florian und hinterlegt morgen früh ein Osternest für die Beiden. Ein kurzer, intensiver Plausch mit Franziska noch und wie sich Menschen am Besten verhalten sollen gegenüber Obdachlosen, all das erzählt uns heute Franziska. Spannend! Zwischendurch diskutieren Silvia und ich immer wieder die Vorfälle von heute Abend und kommen zum gleichen Schluss, dass die Jugendlichen dem alten Mann das Messer untergeschoben haben und er gottseidank flüchten konnte, ehe noch mehr passierte. Im Rückblick ein Wahnsinn, liebe Leute, wie manche Leute ticken. Lebendige Psycho-Bomben mit Drang zur absoluten Selbstjustiz. Was passiert hier gerade mit den jungen Leuten? Unfassbar. Von Franziska fahren wir noch auf den Gründberg zu Andy, der vergangene Woche den 2. Suizid Versuch machte. Andy ist da droben alleine und hat den ganzen Tag Zeit, zu sinnieren und nachzudenken. Und er ist schwer depressiv und ein Schönredner. Ich rede immer Klartext mit ihm, weil es nichts bringt wenn man die Probleme nicht anspricht oder vielleicht sogar verleugnet? Andy hat leider den Hang dazu. Nach einiger Zeit kommt Andy noch mit zum Bus, er hätte auch gerne Schokoladehasen, Ostereier und sonst noch etwas zum essen. Draußen wünschen wir ihm noch frohe Ostern und eine schöne Zeit. Von Andy geht es aufgrund meiner Müdigkeit zum letzten Hotspot, Pleschingersee, wo der Campingplatz jetzt zugesperrt ist und niemand dort mehr campen kann. Der Tag geht dem Ende entgegen und ich bin geschafft, auch nach allem was heute so passierte, Silvia und ich waren fix und fertig und beschlossen, die heutige Linz-Tour jetzt um 22.30 Uhr zu beenden. Ein aufrichtiger Dank an all unsere Spender/innen, dass wir auch heute wieder die Schützlinge versorgen zu dürfen. Vergelt's Gott und habt großen Dank. Und an Silvia ergeht ein großes Danke für die Hilfe. Frohe Ostern allen da draußen und schöne, erholsame Feiertage. Gott schütze Euch! ❤ 

1.4.2021 – Was man so Armut nennt!

VERTEIL-DONNERSTAG VOM 1.4.2021:
In den vergangenen Tagen…Wochen…Monaten, sagten immer wieder Menschen zu mir: „Walter, Du musst Pause machen, Du musst auf dich aufpassen, wenn’s dich umhaut steht alles und niemand hat etwas davon“. Ja, stimmt, und ich spür' es jeden Tag, dass mein Körper nicht mehr mitspielt, mein Geist den Geist aufgibt und sonst noch einiges mit mir im Argen liegt. Aber was nützt es, wenn ich Pause mache und die Arbeit bleibt ungetan oder liegen und ich hinterher durch die Mehrarbeit mehr Stress habe? Niemandem, auch mir nicht. Es ist legitim zu sagen: „Pass auf dich auf“, aber für mich wäre es DER Super Gau, wenn wegen mir da draußen jemand friert oder hungert, das geht gar nicht! Deshalb, und NUR deshalb bin ich alle 2-3 Tage nachts in Linz zu den Hotspots unterwegs, deshalb machen wir jede Woche unseren Verteil-Donnerstag, deshalb beliefern wir Einrichtungen mit Spenden und deshalb übersehen wir die armen Menschen in Linz nicht. Auch wenn von vielen Seiten die Aussage kommt: „In Linz verhungert niemand“. Verhungern nicht, nein, aber es reicht, wenn jemand hungern muss, ein durch und durch unerträglicher Gedanke, genauso mit dem frieren, Erfrieren wird vermutlich nicht wieder so schnell jemand, aber es reicht, wenn jemand friert, ebenso unerträglich dieser Gedanke. Es ist kein Leben liebe Leute, wenn die Menschen auf dem kalten Beton, auf nasser Wiese, in dunklen, dreckigen mit Ratten besetzten Ecken ihr Dasein fristen müssen und keinen Fuß mehr ins Leben bringen. Vielleicht ist es mein ausgeprägtes „Helfersyndrom“, vielleicht meine große Angst, jemanden zu übersehen der Hilfe braucht?! Ich weiß es nicht, vermutliche eine Mischung aus Beidem. Ich aber habe gestern und heute ein Versprechen abgegeben, dass ich kürzertreten werde, weil ich es mir schuldig bin und damit nicht eines Tages alles stillsteht, weil ich nicht hören wollte. Ich gelobe Besserung.
Ich wurde heute gefragt, wann ist jemand „arm“? Nun, hierzu gibt es eine klare Aussage von der Statistik Austria (Quelle: Bild Ö3 Artikel). €1185,- ist die Armutsgrenze in Österreich für eine Einzelperson (Den Artikel gibt es bei den Fotos zu lesen).
Auszug:
150.000 Personen leben in einem Haushalt, wo mindestens ein Mitglied einen Arzt oder Zahnarzt benötigen würde, diesen aber aus finanziellen Gründen nicht aufgesucht hat
• Knapp 400.000 Personen im Land können sich keine neue Kleidung leisten
• Ein Drittel der Kinder von arbeitslosen Eltern bekommen bei Bedarf keine neuen Kleider
• Etwa 300.000 Personen (53.000 Kinder) leben in Wohnungen, die nicht angemessen warmgehalten werden können bzw. haben Zahlungsrückstände, etwa bei der Miete
• Rund 90.000 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 14 Jahren leben in einer überbelegten Wohnung
Das tut weh, sehr weh, weil es zuerst Alleinerziehende und Kinder trifft. Und die Verantwortlichen schauen weg und diskutieren und beschließen auf dem Rücken der Ärmsten weitere Einschränkungen. Wann gilt der Mensch endlich wieder als Mensch? Wann werden Verantwortliche endlich mit Ihren gelogenen Phrasen aufhören, dass die Obdachlosen Großteils keine Hilfe wollen, sie nicht mehr zu integrieren sind und im Großen und Ganzen eh selber schuld sind?! Kann schon sein, dass der Eine oder Andere auch Schuld hat, zu seiner/ihrer Situation beigetragen zu haben, hat er/sie deshalb keinen Anspruch mehr, als Mensch behandelt zu werden? Über weite Strecken wird hierzulande auf diese Menschen auch noch rhetorisch draufgehaut, statt ihnen zu helfen. Oft hören wir:“ Die sollen zuerst einmal arbeiten gehen, sollen aufhören zu trinken, sollen dies und das machen“. Wenn ein Mensch keinen Wohnsitz hat, wird sich der „neue“ Arbeitgeber schwertun, ihn anzumelden. Alkohol ist bei vielen ständiger Begleiter, ja, aber ohne Alkohol das Leben auf der Straße zu ertragen, geht noch weniger. Wobei wir viele Schützlinge haben, die weder trinken, noch irgendwas mit Drogen am Hut haben. Wir haben Akademiker, Menschen mit Titeln wie Ing., Dr. oder Mag. auf der Straße, die sich auch ihr Schicksal nicht ausgesucht haben. Niemand ist gerne auf der Straße und ich habe in meinen 7,5 Jahren, die ich mittlerweile mit Obdachlosen „arbeite“, NIEMANDEN gehört der sagte „Ich bin gerne auf der Straße, das Leben auf der Straße gefällt mir“. Glaubt mir liebe Leute, das ist absoluter Nonsens, wenn jemand so einen Schmarrn behauptet, dass Obdachlose keine Hilfe annehmen. Sie nehmen alle Hilfe an, nur halt die Art Hilfe, die für sie erträglich ist, sie wollen sich in kein System mehr pressen lassen. Viele sind psych. Krank und schaffen es aus diesem Grund in keine Zukunft, schaffen es in keine Wohnung/Zimmer. Wenn man die 4 Wände als Bedrohung empfindet und man permanent Angst hat, sollte man andere Wege der Hilfe ausarbeiten und nicht einfach behaupten: „Die wollen keine Hilfe“. Es muss ehrliche, an den Menschen angepasste Hilfe sein und nicht einfach eine, von ahnungslosen Schreibtischtätern verfügte Metapher die selbst nach Hilfe schreit. DAS, liebe Leute passiert gerade häufig, fast täglich. Unsere Schützlinge sind vielen ein Dorn im Auge und es ist Wahljahr in Linz, deshalb werden vielerorts Aufenthaltsverbote ohne Alternative ausgesprochen. Keine Aufenthalts-Alternativen anzubieten ist nicht nur nicht OK, sondern fast schon eine Hetze, sie von einem Park in den anderen zu verfolgen, von einer Bank zur nächsten verweisen, von einer Tiefgarage zur nächsten verfrachten. Gaby, unserer Gaby geht es zurzeit so, in ihrer Abwesenheit werden ihre Dinge entsorgt, einfach weggeworfen, Lebensmittel, Kleidung, Schuhe, Schlafsack und Isomatten, immer, wenn Gaby kurz einmal weg ist von ihrem Schlafplatz am Terminal, wirft man ihre Sachen ungefragt weg. So eine Vorgehensweise ist einfach Menschenverachtend! Die Menschen, wie Gaby und andere Schützlinge, auf diese Weise am Terminal loswerden zu wollen. Warum werden 2 Obdachlose aus der 3. Etage Untergrund in einer absolut verlassenen Tiefgarage verjagt, obwohl sie nichts getan haben, niemandem geschadet haben, sie haben dort nur genächtigt. Warum tut man so etwas in Linz? Manchmal kommt es mir vor als müsse man sich all der Obdachlosen schämen, und deshalb haben sie jedes Recht auf „Leben“ verwirkt. Beschämend und fremd und alles andere als Wertschätzend. Wir haben viele Menschen auf der Straße, die keinen Ausweis mehr haben, keinen Staatsbürgerschaftsnachweis, keine Geburtsurkunde oder ein sonstiges Dokument. Hier einen Ausweis machen zu lassen gleicht einem Spießroutenlauf. Es muss eine Person gefunden werden, der/die die Identität bestätigt. Und das ist nicht so leicht wie es sich anhört. Das kann und darf auch nicht jede/r machen, aber ohne Ausweis droht wieder eine Strafe, wenn eine Personenkontrolle gemacht wird und man kann sich nicht ausweisen. Ein Teufelskreis. So einen Fall haben wir gerade, den wir täglich versuchen zu lösen. Hier werden seitens der Verwaltung haarsträubende Aussagen über denjenigen gemacht, der die Identität bestätigen möchte. Manche werden erst gar nicht akzeptiert und auch nicht gehört, andere gibt es aber oft gar nicht die das leisten könnten oder wollten. Es gäbe so vieles zu tun für unsere Verantwortlichen in Linz, nur, es scheint, dass all diese Anliegen nicht wichtig genug sind und da unsere Schützlinge auch keine Wähler sind, wird auf sie „vergessen“. Das wollte ich einmal anmerken, weil es anders auch ginge, wenn man wirklich will.
Die laufende Woche ist geprägt von viel Hintergrundarbeit, Spenden abholen, Lagerarbeit, ganz viel Arbeit am PC und, und, und. Am Dienstag rief mich ein Herr an, er hätte eine Tabak Trafik und wolle jetzt, nachdem er erfahren hat, dass eine große überregionale Institution, an die er seit Jahren Geld und Zigaretten gespendet hat, das Spenden-Geld anders eingesetzt hat und die Zigaretten gewinnbringend verkauft hat, nicht mehr dorthin spenden. Er hat sich unsere Aktion angeschaut und wolle künftig uns die Spenden zukommen lassen. Erfreulich für uns, aber ich frage mich schon auch, warum man Spender auf diese Weise so enttäuschen muss? Ich werde so etwas niemals verstehen, niemals verstehen wollen. Darum gibt es bei uns diese Transparenz, dass wir alles offenlegen und zeigen, was wir mit Euren Spenden machen, wohin diese gehen und wer davon profitiert. Das ist uns immens wichtig!
Der Donnerstag begann wie üblich mit Einkauf beim Hofer abholen, Lager, in Haid Gebäck und Brot abholen. Barbara und Matej helfen mir heute ab 9.30 Uhr, ich bin glücklich, alleine wäre das alles nicht mehr zu schaffen. Zu Mittag kommen dann weitere Vereinsmitglieder, um zu helfen bei all den Vorbereitungen. Heute verspricht es ein absoluter Sonnentag zu werden, tut gut nach all den grauen Tagen in den letzten Wochen und Monaten. Heute dabei ist auch der Enkelsohn unserer Ingrid, Alexander, der ebenfalls ab Mittag mithilft und mindestens so begeistert ist wie alle anderen auch. Er bringt frischen Wind ins Lager, huscht umher, kehrt zusammen, fährt mit dem Hubwagen. Toll, was er mit 8 Jahren schon alles kann. Um 15.09 Uhr fahren wir los Richtung Linz, neben mir Alexander und Matej, alle anderen fahren mit Barbara. Als wir ankommen warten schon gut 15 Schützlinge, alles ausräumen, einige unserer Schützlinge helfen uns alles auszuräumen und zu verteilen. Im Nu ist alles am richtigen Platz, heute haben wir Kaffeetorten dabei, gesponsert von der Gourmeteria, ein tolles Produkt das wir nicht jeden Tag bekommen. Nachdem 5 unserer alten Stammmannschaft nicht dabei sind heute, müssen wir heute improvisieren. Aber alle arbeiten verantwortungsvoll und gewissenhaft, also können wir alle Stationen belegen. Um 16.10 Uhr geht es los, die lange Schlange wird zum Schluss 69 Personen lang gewesen sein. An einem 1. des Monats hatten wir noch nie so viele Besucher. Erschreckend. Und wieder einige neue Gesichter, die letzte Woche auf die Straße gesetzt und delogiert wurden. Und das sind Menschen wie Du und Ich, Menschen die keine finanziellen Börsenspiele machten sondern in die Fänge von Corona geraten sind, Kurzarbeit, Kündigung, Mietrückstand, Betriebskosten konnten nicht mehr bezahlt werden und schon ist man, so das soziale Netz hinter dir wegbricht und nicht helfen kann/will, in der Abwärtsspirale. Alleine schafft man es fast nicht mehr hier heraus, hier kommen so viele Faktoren zusammen die man irgendwann alleine nicht mehr beherrschen kann. Nach etwa 1 Stunde kam die Polizei vorbei und fragte ob wir mit der Volkshilfe zusammenarbeiten würden, was ich verneinte. Es gehe um einen Verkehrsunfall mit einem Transporter der einen großen Schaden verursachte. Die Polizei ging durch die Reihe und frug alle Schützlinge ob jemandem der Mann am Bild bekannt wäre, was alle verneinten. Auch heute wollten sich wieder Menschen bei uns Spenden holen, die in der Betreuung anderer Organisationen sind, dort Geld, Kleidung und Unterkunft bekommen, und es nicht verstehen, wenn wir sagen, dass unsere Aktion für Obdachlose und Wohnungslose bzw. arme Menschen ist. Es ist auch nicht gerade fair, sich bei allen Möglichkeiten anzustellen und um Sachen zu bitten, die dann vor unseren Augen verkauft werden. Wenn jemand neue Turnschuhe trägt und bei uns nun „schönere“ sieht und diese unbedingt haben möchte, ist niemand verlegen um eine Ausrede. Wenn ich aber Einkommensnachweis und Ausweis verlange, kommt meist heraus, dass die meisten weder bedürftig noch arm sind, sondern einfach nur gierig. Dem beugen wir an jedem Donnerstag vor, erfolgreich. Später kommt noch ein rumänischer Roma, den ich seit 2 Jahren halbwegs gut kenne, er besitzt ein großes Auto, hat eine Wohnung und greift alles ab, was ihm so bietet. Letztens parkte er frech sein Auto hinter unserem Transporter im Terminal, als wir die Nachttour fuhren und bat uns um Spenden, um Schlafsack und Isomatte, auf meine Bitte den Zulassungsschein herzuzeigen, lehnte er ab, er behauptete immer nur „Das Auto gehört mir nicht“, er war aber nicht bereit die Situation aufzulösen, so ging er letztens schon fluchend und schimpfend zurück zu seinem Auto, heute war er mit Fahrrad bei unserem Bus und schimpfte mich ebenso derb wie letztes Mal. Ich bin nicht mehr gewillt, mir solche Räubergeschichten anzuhören und vielleicht auch noch Spenden auszugeben. Er ist weder arm, noch obdachlos, er ist meines Erachtens einfach nur unfair und handelt aus reiner Gier. Um 18 Uhr waren alle Schützlinge mit Lebensmittel und Hygieneartikel versorgt, in Rekordzeit räumten wir alles ein und begaben uns auf die Rückfahrt nach Ansfelden, wo alles ebenso flott wieder eingelagert wurde. Der kleine Alexander ist glücklich, dabei gewesen zu sein, Matej, der heute zum 1. Mal dabei war, auch. Für mich fühlt sich jeder Donnerstag anders an, der heutige war endlos. Wenn man frühmorgens nach 3 Stunden Schlaf müde aufsteht und man weiß, dass man heute bis Mitternacht sitzen wird um alles fertig zu haben, lässt die Motivation an der einen oder anderen Stelle auf sich warten. Ich weiß aber zu genau, für wen und was wir das alles getan haben heute, es war wichtig, es war richtig, und es war gut so. Seit gut 3,5 Stunden schreibe ich an diesem Text, im Kopfhörer gerade „Dreams Made To Last Forever“ von Dana Winner, sie holt mich zurück auf den Boden, zurück in mein Herzblut, lässt meine Seele lächeln. Langsam fällt nun der Stress ab, die Nacht und die Musik tut das Ihrige dazu und ich lasse den Tag ausklingen bei einem demütigen Danke und Vergelt’s Gott an all unsere Spender/innen, Danke, dass ihr uns auf unseren Wegen begleitet und uns so großartig unterstützt. Ein großer Dank ergeht auch an unser Team das heute wieder großartige Arbeit machte. Danke an jede/n Einzelne/n der/die heute wieder sein/ihr Bestes gab und zum „Erfolg“ beigetragen hat. Danke dass ihr alle den gleichen Fokus habt und wir alle wissen, warum und für wen wir diese Aktion machen. Danke und gute Nacht! 🙂 ❤

27.3.2021 – Linz-Tour ohne Hoffnung auf eine Chance!

Update vom 27.3.2021:
Unsere Linz-Tour nach einem anstrengenden, langen Lagertag ist trotzdem ein MUSS! Heute begleiten mich 
Ingrid Strassl und Silvia Ernhofer bei dem nächtlichen Streifzug zu den Hotspots. Um 18 Uhr ist Treffpunkt bei der Metro, von wo aus wir nach Ebelsberg losstarten, zu Dominic, Thomas und Christian, der am Donnerstag aus der Haft entlassen wurde. Sarah, unser jüngstes Vereinsmitglied die sich rührend um alle Belange von Dominic kümmert und ihm täglich die Tabletten aushändigt, macht das richtig toll und pass somit richtig gut in unser engagiertes Team. Wir planen für Dominic, der alle Papiere wie Staatsbürgerschaftsnachweis, Geburtsurkunde verloren hat und sich zur Zeit nicht mehr ausweisen kann, einen Ausweis zu besorgen, dafür muss ich seine Identität bestätigen, dann bekommt er eine neue E-Card und einen Ausweis. Das besprechen wir heute Abend, als wir uns mit Sarah in Ebelsberg unter der Brücke treffen. Wir lassen noch Lebensmittel und Hygieneartikel da und die Beiden gehen noch mit zum Bus, Thomas möchte noch Dosen Kaffee und Dominic hilft uns den Müll zum Bus zu bringen, 3 große Säcke voll werden kommenden Montag entsorgt. Dominic ist überglücklich dass wir ihm helfen und ihn begleiten, er begreift langsam dass wir keinerlei Versprechungen machen, die wir nicht halten. So soll's sein! Von Ebelsberg geht es wie gewohnt Richtung Linz zu A., die immer noch eine Arbeit als Industrietechnikerin (natürlich mit Ausbildung) oder in der Gastronomie sucht. A. klingt bedrückt, bemüht sich aber ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Von A. geht es direkt zum Schillerpark, wo 4 große Polizeiautos bei der Haltestelle stehen, teils mit Blaulicht, mittendrinnen ein Schützling der am Donnerstag zu unserem Bus kommt. Eine Frau behauptete, unser Schützling hätte ihrem Begleiter Geld gestohlen, was sich als unwahr herausstellte. Er ist verschreckt und traurig, dass man ihn verdächtigte. Wir gehen die Schillerparkrunde fertig ohne noch einen 2. Schützling zu finden. Nach dieser Polizeihandlung durfte er mit uns zum Bus gehen und wir konnten ihm Lebensmittel geben. Vom Schillerpark fahren wir um die Ecke zum Volksgarten, gehen dort ebenfalls eine Runde, hier finden wir niemanden und somit begeben wir uns Richtung Bahnhof. Gaby freut sich uns zu sehen, wir händigen ihr das übliche aus, Unterhose, Socken und Lebensmittel. Und, heißen Tee, den wir heute wieder mitbringen. Der junge Mann vom Terminal geht auf und ab, nimmt gerne von uns einen Becher Tee und lehnt weitere Hilfe ab. Wir gehen vorbei an Elke, die Kopfüber auf ihrem Trolley schläft, zu Renate. Renate hat am Donnerstag Hausschuhe von uns bekommen, weil sie mit ihrem dicken Verband in keine Schuhe mehr kommt. Dicker Verband deshalb, weil Renate eine Vene platzte. Beim Helpmobil bekam sie am Freitag Schmerztabletten und einen neuen Verband. Renate hat das Leben auf der Straße satt, man sieht ihr deutlich an, dass sie bald nicht mehr kann, nicht mehr will, das Leben auf der Straße macht sie kaputt. Leider habe ich zur Zeit auch keine Lösung als ihr das Leben auf der Straße so gut wie möglich zu erleichtern. Ich habe keine Wohnung die ich Renate vermitteln könnte, da sie diese vermutlich finanziell gar nicht schultern könnte. Das Schicksal schlägt oft zu, auf verschiedensten Arten, und immer trifft es die Menschen, die ohnehin schon vom Leben geprägt und mit haufenweise Lebens-Sondermüll ausgestattet sind. Auf die Butter- oder Sonnenseite ist keiner unserer Schützlinge gefallen, deshalb verurteile ich derbe Äußerungen von jemanden, der auf die Butterseite fiel und sich abwertend gegen Obdachlose moniert, ein absolutes NoGo! Wir gehen unsere Terminal-Runde und fahren um 20 Uhr weiter zur nächsten Station, Abbruchhaus am Freinberg. Nach mehrmaligem Schreien "Stefan", meldete sich niemand, ich öffne die Haustür unten und schreie wieder, auf einmal höre ich Stefan hochaggressiv: "Ich schlafe schon". Irgendwie werde ich hier das Gefühl nicht los, dass wir nur willkommen sind wenn Stefan etwas dringend braucht, ansonsten gefällt mir sein Ton so gar nicht und werde das beim nächsten Treffen ansprechen. Also fahren wir weiter zu Florian, in die Nähe zur Donaulände. Florian ist gerade nicht bei einem Schlafplatz, nach ein paar Minuten kommt er und ich biete ihm warmen Tee, Unterwäsche, Socken, Handschuhe usw. an. Ja, bitte! Socken und Handschuhe. Ob wir eine Plane haben, da er unter einem Baum im freien schläft, braucht er eine neue Plane, 46er Clogs und vielleicht eine Jogginghose. Florian ist sehr schüchtern und tut sich immens schwer mit Hilfe. Er kommt mit zum Bus und ich sehe dass er ein Lächeln im Gesicht hat, er freut sich. Der Anblick seines Schlafplatzes unter einem Baum, unter einer löchrigen Plane ein kaputter Schlafsack, schmutzige, nasse Decken, diesen Schlafplatz sollten sich Menschen mal anschauen, die auf ganz hohem Niveau jammern und mit vielen Kleinigkeiten unzufrieden sind. HIER schlägt das Schicksal zu, erbarmungslos, nicht weil sich jemand z.B. keine Playstation kaufen kann, ist man "arm", sondern wenn man die wenigen, wichtigen Dinge im Leben nicht mehr hat wie z.B. ein trockenes, warmes Bett, eine Dusche, einen Tisch an dem man essen kann und einen Herd, auf dem man kleine Speisen zubereiten kann. Für viele Schützlinge sind diese Sachen in weiter Ferne. Als wir uns von Florian verabschieden, fahren wir nach Urfahr zu Andy auf den Gründberg. Wir haben heute einen gespendeten Fernseher für ihn dabei. Leider muss ich Andy tief ins Gewissen reden, dass er endlich seine Verantwortung übernimmt und ein Duplikat seines Kran- und Staplerscheins besorgt. Seit 1 Woche habe ich Andy 4 Mal aufgefordert dieses Duplikat zu holen, bis jetzt vergeblich. Er verspricht mir am kommenden Montag hat er den Staplerschein in der Hand, ich lasse mich überraschen, sonst sehe ich schwarz. Ich habe Andy das alles direkt gesagt heute, dass er schneller wieder am Terminal als Obdachloser wäre, als ihm lieb sei. Er ist depressiv, angeschlagen und am Boden, darf alles sein, nur, liegenbleiben und im Selbstmitleid zu ertrinken gilt nicht, werde ich nicht zulassen. Ich mache Andy seine Situation klar, dass der Hut schon lichterloh brennt wenn er nicht endlich in die Gänge kommt, zuerst lächelte er noch, zum Schluss merkt er meine Ernsthaftigkeit und verspricht mir, das Duplikat bis Montagabend. Von Andy geht es rüber zum Pleschingersee, alles ruhig, finster, bis wir in die Nähe des Caféhauses kommen, plötzlich stehen da links und rechts viele, viele schwere Mercedes, BMW's und ganz viele junge Menschen, die nur auf eines warten. Wir schauen schnell nach ob heute ein Obdachloser auf dem Campingplatz ist und fahren dann gleich wieder los, um diese Situation für uns aufzulösen, die Stimmung dort war nicht gut, war ernst und wenn etwas passieren sollte, wäre es meine Schuld. Deshalb fahren wir flott wieder weiter und lassen all die jungen Leute links liegen und wir suchen schnellstens das Weite. Nachdem es schon 21.55 Uhr ist fahren wir zum letzten Hotspot, Fernheizwerk, wo wieder niemand war. Wir beenden die heutige Tour und für unsere heutigen Helferleins war es wieder eine neue Sicht der gesamten Problematik, die sich Ihnen heute eröffnete. Durch unsere Arbeit direkt an der Front der Obdachlosigkeit, sehen wir was hier los ist, Großteils erschütternd, schwer zu ertragen, beschämend und zum Teil ohne jeden Hoffnungsschimmer. Unsere Schützlinge schaffen den Weg aus dieser Situation nicht alleine, leider haben wir die personellen Ressourcen nicht, um dieses auch noch leisten zu können. Nach einem langen Lager- und Spendenannahmetag, verabschieden wir uns ins Wochenende, sagen Vergelt's Gott all unseren Spendern/innen, dass wir auch die heutige Tour fahren durften. Danke auch an unser Team für die absolut tolle Arbeit. Euch einen schönen Sonntag und alles liebe. 🙂 ❤

25.3.2021 – Ein ereignisreicher, aber auch trauriger Tag!

Verteil-Donnerstag vom 25.3.2021:
Seit Wochen befinden wir uns Vereinsmäßig im Ausnahmezustand, Lagerumstrukturierung, Inventur und viele kleine Umlagerungsaktionen, der Umfang dieser ganzen Tätigkeiten ist so enorm, dass wir alle froh sind, wenn wir hoffentlich kommendes Wochenende alles abschließen können. An diesem kommenden 3. Wochenende in Folge der ganzen Lagerarbeiten bringen wir hoffentlich die Inventur unter Dach und Fach, das wäre am wichtigsten. Wenn da draußen jemand Lust und Laune hat, am kommenden Samstag bei der Inventur mitzuhelfen, jede helfende Hand ist herzlich willkommen. Neben Lagerarbeit und Spendenabholungen gab es außerdem noch viel arbeitstechnisches Nebengeräusch das ich normalerweise nicht erwähne. Alleine die Linz-Touren zu den Hotspots brauchen Vorlaufzeit, alles muss kommissioniert und eingeladen werden, um dann 4...5…6 Stunden auf den nächtlichen Linzer Straßen zu den einzelnen Hotspots unterwegs zu sein. Vergangenen Dienstag waren wir wieder unterwegs, Beate und ich, in einem separaten Posting wurde schon erzählt was alles geschah. Diese Touren sind jedes Mal einzigartig, weil man wirklich deutlich sieht, wie unsere Schützlinge die Nacht im Freien in zum Teil widrigsten Verhältnissen verbringen müssen. Die Gespräche und Treffen bei unseren nächtlichen Touren liebe ich zutiefst, weil hier niemand etwas schönredet, alle sehr dankbar sind und ich froh bin wenn ich unsere Schützlinge versorgt weiß. Manchmal wird über Nacht ein Schlafsack kaputt, der Reißverschluss gibt den Geist auf oder irgendein anderes Missgeschick und dann brauchen die Leute einen anderen Schlafsack. Den bringen wir dann mit. Liebe Leute, das größte Problem beim Leben auf der Straße aber ist, dass unsere Schützlinge tagsüber die Sachen wie Schlafsack, Isomatte und alle anderen Sachen, irgendwo bunkern müssen, irgendwo verstecken müssen, weil sie die ganzen Sachen gar nicht den Tag über mitschleppen könnten. Deshalb werden die Sachen irgendwo in einer Ecke bis zum Abend gelagert, und meistens ist es so, dass am Abend die letzten Habseligkeiten verschwunden oder einfach von jemanden entsorgt wurden. Oft werden hier nicht nur Schlafsack und Isomatte entsorgt, sondern auch oft der hinterlegte Rucksack mit den Papieren. Ja, man sollte die Papiere immer dabeihaben, das wissen wir alle, nur beim Leben auf der Straße ist der ganze Tag ein Stressfaktor, in diesem Stress vergessen viele die Papiere aus dem Rucksack zu nehmen, und so verlieren viele ihre Papiere wie Reisepass, Ausweis, Staatsbürgerschaftsnachweis, Geburtsurkunde usw.. Das Leben auf der Straße verlangt all unseren Schützlingen Hochleistung ab. Ja, Hochleistung, weil es viele in der Notschlafstelle nicht einmal bis zum Eingang schaffen ohne Alkohol, und Alkohol ist dort absolut verboten, verständlicherweise. Aber für jemanden der auch bei -10° auf der Straße leben muss, ist der Alkohol ein Freund, der ihm hilft das rundherum erträglicher zu erleben und auch nicht im Minutentakt seine Situation hinterfragen muss, das macht den Menschen kaputt. Über die eigene Situation nachdenken zu müssen, und keinerlei Lösung im Blickfeld zu haben oder keine echte 2. Chance zu bekommen, das liebe Leute, macht Menschen kaputt, lässt sie noch tiefer in die Flasche schauen. ABER, wir haben viele Schützlinge die absolut gar nichts mit Alkohol oder Drogen am Hut haben, die nüchtern ihre Situation ertragen müssen und ebenfalls keine Lösung vor Augen haben. Wir haben Ingenieure, Doktoren und Akademiker auf der Straße, unter den Obdach- oder Wohnungslosen, die kein Bein mehr ins Leben bekommen, aus den verschiedensten Gründen, und nicht immer sind unsere Schützlinge selbst schuld. Oft spielt das Leben schon absurd mit. Grausame Schicksale sind an der Tagesordnung, manchmal von Menschen gemacht, manchmal vom Schicksal geschickt und vom alten Herrn da droben übersehen. Das was wir heute erfahren haben, darf…kann…will ich nicht erzählen hier, aber es ist eines der grausamsten Dinge die ich in meinem Leben gehört habe. Mich schaudert es jetzt noch, wenn ich nur daran denke. Und um die Frau um die es geht, wussten wir bis vor kurzem so gut wie gar nichts. Keine Einzelheiten, und schon gar nicht was hier vorgefallen ist. Hier muss ich auch gestehen, diese Frau durch ihr Schweigen, völlig falsch eingeschätzt zu haben, was mir heute so sehr leidtut, was mir weh tut, weil ich Vorurteile hatte ohne zu wissen, was wirklich der Grund ist für ihre Armut. Liebe Leute, bitte verzeiht aber ich kann nicht schreiben um was es im Detail geht, keine Ahnung ob ich das je kann. Jedenfalls tut es ganz tief drinnen sehr, sehr weh, auch, dass ich hier einem Vorurteil aufgesessen bin.
Die Gründe sind vielfältig, warum Menschen obdach- oder wohnungslos werden, viele Versäumnisse lassen sich auch nicht wieder weg reden, schönreden, verheimlichen. Ich habe viele Schicksale gehört, viele Fehler von Menschen eingestanden bekommen, habe auch viele willkürliche Aktionen von Behörden gehört, die man eigentlich nicht glauben möchte, und doch sind sie wahr. Die Gründe für die Obdachlosigkeit sind so vielfältig wie all unsere Schützlinge, jede/r Einzelne hat eine eigene Geschichte und Gründe, warum er/sie so abgestürzt ist. Aber deswegen diese Menschen zu beschimpfen wie es so oft passiert, ist genauso daneben wie den Menschen Faulheit, Abzocke oder gar Böseres vorzuwerfen. Ich mache diese Aktion die 7. Wintersaison, und es gab noch nie eine Saison wie die laufende, und glaubt mir eines liebe Leute, NIEMAND ist sicher vor einem Absturz, vor Obdach- oder Wohnungslosigkeit, absolut niemand, es kann JEDE/N treffen. Krankheit, Scheidung, Arbeitslosigkeit, kein Geld mehr für Miete, Betriebskosten, und wenn hinter einem Menschen das soziale Netz wie Familie oder Freunde wegbricht, man keine Anlaufstelle mehr hat für Hilfe, dann findet man sich im freien Fall wieder. Und das geht manchmal ziemlich schnell, leider. Wenn dann niemand da ist der einen auffängt, niemand da ist der dir wieder auf die Beine hilft, dann schaffen es die wenigsten wieder auf die Beine. Da draußen gibt es viele Menschen, die wollen nicht auf der Straße schlafen, wollen nicht in der Kälte bei -10° leiden, wollen sich nicht täglich beschimpfen lassen, wollen ihr Recht auf Leben nicht verwirkt sehen. Durch irgendwelche Umstände oder durch psych. Krankheiten/Einschränkungen können die wenigsten ihre Situation analysieren oder einschätzen, geschweige denn ändern. Sie alle brauchen Hilfe, in vielerlei Form. Es passiert ja schon vieles in Linz, aber bei weitem nicht alles. Viele Situationen werden durch das bestehende System der Obdachlosenhilfe einfach zu wenig oder gar nicht abgedeckt. Es gäbe viele Punkte abzuarbeiten, ehe man sich als verantwortungsvoller Linzer Politiker zurücklehnen könnte, manchmal habe ich das Gefühl, dass Hilfe in vielen Richtungen erst gar nicht in Frage kommt. Das liebe Leute, tut mir richtig weh. Es könnten gewaltige Synergien geschlossen werden um auf diese Weise das Beste für all die Obdach- und Wohnungslosen auf die Beine zu stellen, lediglich das Interesse fehlt. Wir als Obdachlosenhilfsaktion erweitern unsere Aktion jede Woche um weitere Hilfe für Schicksale, die es eigentlich nicht geben dürfte. Der Volksmund sagt immer, Zitat: „Österreich hat so ein dichtes soziales Netz, da fällt keiner durch“. Von Wegen, das soziale Netz bei uns ist so löchrig wie der berühmte Schweizer Käse und es ist nicht abzusehen, dass diese Löcher gestopft werden.
So kam es diese Woche für uns zu einem sehr schönen Abschluss, dass wir Dominic seine dringend notwendigen Tabletten besorgen konnten, heute beim Bus war deutlich zu sehen, wie ausgeglichen er ist, wie notwendig unsere Aktion war. Wir sind überglücklich. Und für unsere tägliche Tablettenabgabe an Dominic fanden wir Sarah, die sich künftig um alle Belange um Dominic kümmert, sie begleitet ihn zum Arzt um ein Folgerezept zu bekommen, macht alles um Dominic ein erträgliches Dasein zu ermöglichen. Danke dafür liebe Sarah. Die ersten Schritte sind gemacht, er hat vollstes Vertrauen zu Sarah und zu uns, das tut gut, nur dann können wir auch effektiv helfen.
Die ganzen Vorbereitungen für unseren Donnerstag heute liefen wie immer. Heute früh wieder Einkauf holen, Brot und Gebäck aus Haid. Ingrid und Barbara kamen heute schon früh ins Lager um die Inventur der Kleidung fertig zu machen, daneben machten Ulli, Petra und ich die Kontrolle der Lebensmittel. Um 15.15 Uhr bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir Richtung Linz, bei Sonne und +14°, gottseidank endlich ein halbwegs warmer Tag. Bei Ankunft warten schon etwa 15 Schützlinge auf uns, den Mädels Bus (von Barbara Pronto Pronto) mit dem Gebäck im Heck steuerte heute Ulli, sie lenkte und bremste bravourös, zwischendurch hatte ich Angst ob ihrer Gäste im Auto, aber sie machte das wirklich großartig! J Ich weiß nicht ob es an ihrer Beifahrerin Petra lag, dass alles so gut ging? Egal, gut angekommen ist die Hauptsache, gelle liebe Ulli?
Gleich zu Beginn des heutigen Verteil-donnerstags kam Hr. S. von der ÖBB, ich freue mich immer ihn zu sehen, er und sein Kollege ermöglichen uns unsere Aktion an diesem Platz. Vergelt’s Gott und hab großen Dank. Ich erzählte ihm vom Vorfall von letzter Woche, er nahm es gelassen, was meine Steine in meiner Brust schmelzen ließen. Huch! Gleich zu Beginn kam eine Dame von der Sozialen Initiative, mit der wir schon oft kooperierten, sie würde dringend für einen jungen Mühlviertler Schützling, der ab kommenden Montag bei einer Tischlerei schnuppern darf und nur Leinenschuhe hat, stabile Schuhe in Größe 47/48 brauchen, eine Arbeitshose und andere Sachen. Wir vereinbaren, dass sie kommenden Samstagvormittag bei unserer Spendenannahme zu uns ins Lager kommt und sich dort die Sachen für den jungen Mann abholt. Sie ist glücklich, weil sie nicht weiß wo sie sonst um derart gelagerte Hilfe ersuchen könnte. Wir helfen gerne und direkt, das ist uns wichtig. Zwischendurch kommt ein Pärchen die aus der professionellen Bettlerszene kommen, hier dürfen wir nach Weisung des LKA OÖ gar nicht helfen, was wir auch nicht beabsichtigen, zu tun. Ich muss mich dafür wieder einmal auf Rumänisch beschimpfen lassen, was aber weiter kein Problem ist. Insgesamt kommen heute 91 Schützlinge zu uns, fast kein Verteil-Donnerstag mehr unter 90 Menschen, Wahnsinn. Nicht nur diese Anzahl an hilfesuchenden Menschen, sondern für uns auch eine echte finanzielle und organisatorische sowie logistische Competition, die jeden Donnerstagabend aufs Neue losgeht. Alles wieder zeitgerecht abrufbereit zu haben, ist ja kein Kindergeburtstag, sondern harte Arbeit, die wir gerne machen, Woche für Woche. A. (die Frau aus Hallein) kommt heute auch zum Bus, sie hat erfreuliche Neuigkeiten, sie darf, so wir ein Stockbett auftreiben können, ihre Kinder bei sich über Nacht behalten, was ein absoluter Fortschritt ist und ihr ein Dauerlächeln entlockt. Vielleicht gibt es ja jemanden da draußen der/die ein altes Stockbett überhat und es A. spenden würde. Wäre toll. Auch Andy ist heute beim Bus, er braucht Lebensmittel und hat keine guten Neuigkeiten, es wurde ihm aus unerklärlichen Gründen das AMS Geld gestrichen, wir wissen noch nicht, was der Grund war, weil Andy alle Auflagen erfüllte. Ich werde das in den nächsten Tagen abklären. Auch Oliver war heute wieder da, ich freue mich sehr, wenn ich ihn sehe, er muss zum 1.4. aus der Notschlafstelle ausziehen, warum verstehe ich nicht ganz, aber naja. Auch Melanie kommt zu uns, auch über ihren Besuch freue ich mich sehr, sie hat ein Zimmer in einem Gasthaus und würde sich einen Stand-Kühlschrank wünschen, den darf sie im Zimmer aufstellen, es wäre großartig wenn auch hier eventuell jemand von Euch helfen könnte, bitte danke liebe Leute! Die anhaltend hohen Besucherzahlen bei unserem Bus jede Woche, machen mir etwas Angst, viele Menschen wissen nicht mehr wie sie alles zahlen sollen, Miete, Betriebskosten, Strom usw., vielen steht die nackte Angst im Gesicht und ich frage mich im Minutentakt, was grade abgeht, was grade passiert, dass so viele Menschen ohne jede Hoffnung sind. Ich verspreche, wir werden solange wir die Mittel dafür haben, direkt helfen, so helfen, dass die Hilfe direkt ankommt. Das ist uns wichtig. Gegen 18.30 Uhr, eine halbe Stunde nach unserer offiziellen „Sperrstunde“ schließen wir heute die Türen und fahren Richtung Lager Ansfelden. Es war wieder ein ereignisreicher Tag, es bleibt ein gutes Gefühl vielen Menschen wieder geholfen zu haben. Dank EURER Hilfe! Angekommen im Lager kommt mir Gerlindes Lächeln entgegen „Wir sind fertig geworden, mit der gesamten Inventur im Kleiderlager“, wow, unser Team macht echt großartige Arbeit, während wir in Linz waren und Lebensmittel verteilten, arbeiteten Gerlinde und Barbara im Lager an der Inventur, ist das nicht klasse? Wahnsinn, vielen Dank Euch Beiden. Zum Schluss kommt das Gespräch noch auf die Frau, von deren Schicksal wir heute erfuhren, alle waren entrüstet, geschockt und sprachlos. So gehe auch ich heute in die Nacht, aber nicht ohne Euch DANKE und VERGELT’S GOTT zu sagen. Danke für Eure Treue, Eure Loyalität und Eure Unterstützung. Einen großen Dank auch an unser gesamtes Team von heute, DANKESCHÖN! In meinem Kopfhörer läuft ein Uraltschinken der mir hilft, die arme Frau kurz zu „vergessen“. Irgendwie habe ich vor den Bildern die mich heute Nacht begleiten werden, Respekt! Danke und gute Nacht! Schön dass es Euch gibt! 🙂 <3

18.3.2021 – Ein unrunder, kalter Tag!

Verteil-Donnerstag am 18.3.2021:
Diese Woche begann stürmisch mit Regen am Montagmorgen. Stürmisch sollte diese Woche bis heute bleiben, vieles ist nicht mehr zu verstehen, warum Menschen so reagieren wie sie es jetzt tun, Corona hin, Corona her, dass Menschen für ihre Reaktionen immer irgendwelche fadenscheinigen Ausreden bemühen, werde ich nie verstehen. Warum es nicht mit der Wahrheit versuchen? Weil sie weh tut? Weil man vielleicht die rosa Brille ablegen muss? Weil vielleicht Freunde erkennen, dass man doch nicht so fehlerfrei ist? Sich selbst zu belügen oder anzuschwindeln ist halt der kürzeste Weg, Steinen aus dem Weg zu gehen, ob es der Beste ist wage ich zu bezweifeln. Menschen reagieren abstrus, reagieren aggressiv und bewusst verletzend, oft kommt mir vor, dass es nur mehr darum geht, als erster zu verletzen, ehe das Gegenüber noch zu Wort kommt. Warum die Gesellschaft so aufgewiegelt reagiert, ist vielen Umständen geschuldet, aber bestimmt KEINEN Guten! Ich frage mich jeden Tag, wie diese Verletzungen die in der Gesellschaft täglich passieren jemals noch gut werden sollen, wenn niemand bereit ist sich zu entschuldigen, niemand die Größe hat zur Einsicht? Warum ich Euch das schreibe? Weil auf ganzer Linie, auf vielen Wegen tiefe Wunden entstehen, die nicht sein sollten…nicht sein dürften, wenn man Anstand und mit einem halbwegs guten Konfliktmanagement ausgestattet ist. Wir merken gerade fast täglich, wie man mit den Schwächsten, den Ärmsten umgeht. Unterirdisch! Da wird auf Menschen eingedroschen, nur weil sie existieren, weil sie von der Gesellschaft im Stich gelassen, vor sich dahinvegetieren, ohne echte Chance wieder auf die Beine zu kommen. Für uns als kleinen Verein ist es täglich ein kleiner Kraftakt, diese, unsere Aktion täglich in diesem Umfang verantwortungsvoll zu gestalten. Wir sind glücklich, solche Spender/innen wie Euch an unserer Seite zu wissen, die uns all das ermöglichen, ohne EUCH wäre das alles unmöglich. Für uns ist es aber auch immer wieder ein Kraftakt, einzelnen Menschen zu helfen. So kam am Montag ein Mail aus Wien, von einer Frau, die sich nach unserem Martin erkundigte. Sie hat vom Vater ihrer Tochter ein Bild bei uns entdeckt und fragte nach, wie sie Kontakt aufnehmen könnte, zu Martin. Ich habe nicht zurückgeschrieben, habe heute am Donnerstag Martin davon erzählt, dass seine Tochter ihn verzweifelt sucht, große Angst um ihn hat. Ihn oft stundenlang in Wien suchte, ohne Erfolg. Ich gab Martin heute dieses Mail und die Mail-Adresse, um zurückschreiben zu können, er versprach mir mit einem Lächeln auf den Lippen, es zu tun. Eine große Erleichterung. Zugleich erfuhr ich von einer Frau, die schon lange Zeit zu Hause herumsitzt, weil die Gastronomie zugesperrt hat und sie deswegen gekündigt wurde. Mit 2 Kindern und 2 Tieren rettet sie sich Monat für Monat mit €850,- drüber. Miete €680,- Auto stillgelegt von der Polizei, weil die Versicherung nicht bezahlt wurde, und keine Aussicht auf irgendeine Möglichkeit in der Gastronomie zu arbeiten, Geld zu verdienen. Diese Situation ist der Grund für ihre tiefe Depression, für ihr Leben am Abgrund. Ich erzähl Euch das, weil auch diese Frau bis vor kurzem noch nicht ahnte, dass so etwas überhaupt passieren könnte, mit so etwas nicht gerechnet hat. Aber wie kommt man wirklich aus so einer Situation heraus? Alleine gar nicht! Ich werde ihr helfen, mit Lebensmittel, Hygieneartikel und was man so noch alles braucht. Ich werde meine Möglichkeiten versuchen, ihr diese Situation leichter zu machen. Ich kann es noch nicht sagen wie weit ich helfen kann, vielleicht mit einer Miete, oder der Bezahlung der Betriebskosten, ich weiß es noch nicht, ABER, helfen werde ich, weil man keinen Menschen in so einer Situation alleine lässt.
Diese Woche war angesagt mit Kommissionieren und ausliefern der Spenden für das PM Kirchdorf, mit Spendenabholungen, mit diversen Tätigkeiten im und rund ums Lager. Im Lager klebten wir für die Inventur morgen und übermorgen, die Lagerplätze an. Es wird ein Kraftakt werden. Nach all den üblichen Vorarbeiten für den Donnerstagnachmittag starteten wir heute früh wieder durch, auf zum Hofer, den Einkauf abholen, Obst, Gemüse, Käse u.a.. Anschließend ins Lager, Maria, Ulli, Silvia und Martina kommen heute Vormittag, um mit mir die Lebensmittel durchzuschauen. Maria und Silvia kümmern sich ums umräumen im Lager, Ulli und Martina helfen mir beim Durchschauen. Zu Mittag Tee machen, das Wetter spielt Kapriolen, Regenschauer, Schnee, Wind, Sonne, alles da. Noch sind wir unterm Dach und hoffen, dass es Nachmittag in Linz trocken bleibt. Heute sind 3 Neue dabei, Josef und Maria, und Bettina, herzlich willkommen in unserem Team. Alles läuft ab wie jeden Donnerstag, einladen, verzurren, Anhänger anhängen und ab durch die Mitte, Richtung Linz! Bei der Abfahrt dunkle, tiefhängende, schwere Regenwolken die nichts Gutes erahnen lassen. Silvia die mit mir fährt und ich, beten und bitten um trockenes Wetter. Ankunft in Linz, als der Anhänger positioniert ist hört es auf zu schneien und es blitzt der blaue Himmel aus kleinen Wolkenlücken durch. Und tatsächlich werden die Blau-Anteile am Himmel immer größer und es hat ganz aufgehört, Nasses auf uns zu regnen. Da soll noch jemand sagen, beten hilft nicht, unser Begleiter da droben hat schon ein Auge auf uns, ganz sicher. Heute haben wir unsere Pavillons aufgebaut und Barbara stellt sich mit ihrem Bus zwischen unserem Bus und Anhänger, um die Lebensmittel nicht nass werden zu lassen. Wie sich später herausstellen soll, kam heute in Linz kein einziger Tropfen mehr vom Himmel. Danke Du da oben! Als wir aufbauen und alles ausladen, merken wir schon deutlich, wie angespannt unsere Schützlinge heute sind, einige sind auf Radau aus, was ich sofort im Keim ersticke. Manche haben Alkohol dabei, was ich sofort negiere und diese Leute auch vom Bus wegschicke, bei uns gibt es weder Alkohol noch Streitereien, wer sich nicht weiß zu benehmen, muss damit rechnen an unserem Bus außen vorbeigehen zu müssen, OHNE Lebensmittel. Bald schon besucht uns Sr. Lydia, die viele unserer Schützlinge kennt und mit ihnen Gespräche führt. Auffällig wird eine Frau, um die 40, sie steht in dünner Leggins im winterkalten Wind, mit einem blauen Auge: „Mein Ex hat mich geschlagen wie einen Tanzbären“. Ja, Mädl, trotzdem holst Du dir hier ganz schnell den Tod in dieser Kleidung, das ist vielleicht etwas für Sommer, aber ganz sicher keine Kleidung für diese Jahreszeit. Ich gehe mit ihr zu Gerlinde und bitte sie, der Frau warme Unterwäsche und eine warme Hose zu geben. Gerlinde macht das großartig. Die Frau stellt sich anschließend wieder in die Reihe um sich Lebensmittel zu holen. Inzwischen kam auch der Mann, der nach ihrer Aussage schuld an dem blauen Auge ist, er bestreitet es und ich versuche die Situation zu beruhigen, versuche die beiden räumlich zu trennen, sie ganz hintenanstellen und er ganz vorne, dass er bald fertig ist und gehen kann. Friede und Ruhe ist mir wichtig beim Verteil-Donnerstag. Ein anderer stänkert immer wieder die vor ihm stehenden an, bis ich hingehe und ich ihm sage, entweder aufhören oder gehen. Wer entschied sich für aufhören. Ein seit 1 Jahr ganz seltener Gast kam heute und ich freute mich riesig, Oliver, es tat gut ihn zu sehen. Genauso wie Melanie, auch über ihren Besuch freute ich mich sehr. Vertraute Gesichter die wir immer gerne sehen. Auf einmal Geschrei bei dem ÖBB Bus, der gegenüber entlang dem Gehsteig steht. Ich gehe rüber und sehe noch, wie einer unserer Gäste dort uriniert und der Busfahrer liest ihm gerade die Leviten, weil er auf seinen Bus machte. Ich wies unseren Gast in die Schranken und schickte ihn weg, entschuldigte mich 3-Mal aufrichtig beim Busfahrer, der aber meinte nur: „Das muss aufhören, hier am Platz muss wieder Ruhe einkehren, diese Aktion hier muss aufhören“. Ich erinnere mich noch gut, als wir zum 1. Mal auf diesem Platz waren wurden wir auch beschimpft von 2 Busfahrern, grundlos, war damals auch nicht recht schön, wenn man helfen möchte und beschimpft wird, das sagte ich heute dem Busfahrer. Problem dann doch noch gelöst und wir gehen mit einem Lächeln auseinander. Ich komme zurück zu unserem Bus, da steht der, der vorher noch rumstänkerte, in nasser Hose, nassen Turnschuhen. Ich ging mit ihm zu Gerlinde um schnell eine Noteinkleidung zu machen, damit er nicht krank wird in den nassen Sachen. Wir gaben ihm Hose, Unterhose, Schuhe und € 1,- für WC, um sich umzuziehen am WC. Der Tag heute ist schon sehr unrund, heftig und grenzwertig. Man merkt, dass viele Schützlinge in aussichtslosen Situationen sind, wie z.B. Dominik, der uns heute mit Thomas beim Bus besucht, und mich darauf aufmerksam macht, dass er nur noch für 2 Tage seine Tabletten hat, lebenswichtige Tabletten. Ich versprach ihm ein Rezept zu besorgen. Hoffentlich gelingt es. Ich mache Dominik Mut, er braucht auch eine neue Jacke, die von letzten Samstag ging kaputt. Und Thomas braucht Turnschuhe, seine Schuhe sind ebenfalls kaputt. 5 Minuten später stand ein neuer Gast bei Gerlinde, der Turnschuhe forderte, ich fragte ihn ob er obdachlos sei, ja meinte er, sein Fahrrad ließ mich etwas zweifeln. Jedenfalls sah er neue Turnschuhe und wollte diese unbedingt haben, er hatte aber neuwertige Schuhe an, ich nahm Gerlinde die Entscheidung ab, da er Ansätze von „frech sein“ zeigte, sagte ich ihm deutlich: „Deine Schuhe sind neu, die sind nicht kaputt, wenn diese kaputt sind kannst Du neue Schuhe haben“. Trotzig murmelte er irgendwas Freches worauf bei mir dann Schluss mit Lustig war. Wir brauchen unsere Schuhe für diejenigen, die mit kaputten Schuhen zu uns kommen, und nicht, weil sie Turnschuhe fürs Radfahren haben wollen. Dem setzen wir immer mehr Riegel vor, da wir unseren Spendern/innen im Wort sind, es einzig den Bedürftigen zu geben, die es wirklich brauchen, und nicht, weil es beim Radfahren angenehmer ist, mit Turnschuhen. Verkehrte Welt. So ein Verhalten werden wir niemals durchgehen lassen, niemals. Kurze Zeit später kommt unser „Prinz of Linz“, Andreas, der mich gleich einmal lautstark anredet warum von ihm ein Foto durchs Internet geistert? Weil Du es mir angeschafft hast, lieber Andy, letzte Woche war deine Aussage: „Mach a gescheites Foto und veröffentliche es unter Prinz of Linz“, und das machte ich. Andy ist heute extrem aufgekratzt, unrund und laut. Mittlerweile ist es 18.45 Uhr und wir haben den letzten unserer heutigen 99 Schützlinge versorgt, eigentlich ist um 18Uhr Schluss, heute halt ausnahmsweise ein wenig länger. Schnell wird dann gemeinsam zusammengeräumt, die Pavillons zusammengefahren, die Planen eingepackt, die Tische abgebaut und wieder verstaut, als wir ins Auto steigen beginnt es wieder zu schneien, zu patzen, lieber Herr da droben, DANKE, dass Du uns nicht nass gemacht hast heute Nachmittag. Es geht ein anstrengender Tag mit vielen komischen Anwandlungen zu Ende, und doch war es wieder ein guter Tag, den wir heute erleben durften. Ein großes DANKE an all unsere Spender/innen, an alle Gönner/innen, vielen, lieben Dank! Ebenfalls eine tiefe Verneigung meinem Team gegenüber, ihr habt tolle Arbeit geleistet, danke, dass ihr immer da seid, wenn Ihr gebraucht werdet. In meinem Kopfhörer klingt gerade Don Williams mit „Love Me Over Again“, Country Music fürs Herz und fürs Ohr. Danke dass Ihr uns gut gewogen seid und uns auf unseren Wegen begleitet. Vergelt’s Gott! J <3

17.3.2021 – Spendenlieferung nach Kirchdorf!

Spendenlieferung, heute 17.3.2021: Wir, Silvia E. und ich, waren heute unterwegs nach Kirchdorf/Krems ins PM Kirchdorf. Schnee, Regen, Sonne, Wind und Glätte waren unsere Begleiter. Wir hatten viele, viele Lebensmittel wie haltbare Fertiggerichte, Speiseöl, Essig, Zucker, Packerlsuppen, Marmelade, Kaffee, Nudeln, Reis, Süßigkeiten und viele. viele Hygieneartikel uvam. dabei. Danke an all unsere Spender/innen dass wir auch diese Spenden an bedürftige Menschen verschenken durften. Vergelt's Gott und vielen Dank! 🙂 <3

15.3.2021: Anonyme Großspende!

Update vom 15.3.2021: Eine überaus großzügige anonyme Spende wurde uns zuteil. 1 Palette Bio-Zitronensaft, 1 Palette Sauce Hollandaise und 1 Palette Rasierschaum und Duschgel. KLASSE! Vielen, lieben Dank für diese tolle menschliche Geste und großartige Spende. Vergelt's Gott und habe großen Dank! 🙂 ❤