Herzlichen Dank

Resümee 2018/2019!

Liebe Spender/innen und Wegbegleiter/innen!

Resümee Saison 2018/2019:
Unser Vereinsjahr beginnt im Oktober 2018 und dauert bis Oktober 2019. Hier ein paar Fakten, Zahlen und Dinge, die uns beschäftigten. Im Oktober 2018 fuhren wir grade seit 3 Monate nach Linz (Startschuss war 15. August 2018) um die Obdachlosen, die Wohnungslosen und Bedürftigen mit Lebensmitteln, Hygieneartikel, Schlafsäcken, Isomatten, Schuhen, Jacken u.v.a. zu versorgen. Unser Dienst, die Möglichkeit sich bei uns die wichtigsten Dinge des Lebens abzuholen, schlug ein wie noch nie zuvor etwas. Für uns war der Verteil-Donnerstag ein Pilotversuch! Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern (Pflegedienstleitung Fr. S.) fällte im Juli 2018 die Entscheidung, das Vincistüberl mit drastischen Kürzungen und Streichungen in drastisch abgespeckter Form ohne Sr. Tarcisia weiterzuführen. Frau S. erläuterte in einem 2 Stunden Gespräch das neue Konzept und wollte uns aber weiter als „Spendenlieferant“, weil das KH keinerlei Budget zur Verfügung stellen wollte für Hygieneartikel und Lebensmittel. Wir entschieden uns dagegen, weil wir nicht „Handlanger“ für Kürzungen und Streichungen sein wollten, und haben im gleichen Augenblick festgelegt, wir bauen unseren Transporter so um, dass wir in Linz die Menschen mit dem Nötigsten versorgen können. Der Vorgang, wie man Sr. Tarcisia und Ihr Lebenswerk „Vincenzstüberl“ mit Füßen trat, war und ist ein „widriger“, weil tief unter der Gürtellinie. Als neue Leiterin des Vincistüberl wurde Fr. F., die Leiterin der Putzbrigade des Krankenhauses eingesetzt, die weder Fingerspitzengefühl noch Wissen und schon gar keine sozialpädagogische Ausbildung mitbrachte. Fragwürdige Entscheidungen und Aussagen folgten und viele, viele Menschen meiden seither das Vincistüberl und besuchen lieber andere Einrichtungen. Aus dieser Entscheidung der Frau S. wurde unser Donnerstag in Linz geboren und wir führen ihn seitdem regelmäßig aus und bisher kamen 372 registrierte Menschen zu unserem Bus und versorgen sich mit unseren Spenden. Im Durchschnitt verteilen wir jeden Verteil-Donnerstag Spenden im Wert von etwa
€ 1400,-, Woche für Woche, sehr viel Geld für einen kleinen Verein wie wir es sind. Wir gaben u.a. 178 Schlafsäcke aus, 93 Isomatten, 356 Jacken (Sommer & Winter), 112 Rucksäcke und 312 Paar Schuhe, gaben lt. Aufzeichnungen 1743 Kleidungsstücke (ohne Jacken) aus, und die unzähligen Hygieneartikel und Lebensmittel, Fertiggerichte und Getränke, die einen Großteil unserer Ausgaben darstellen, ganz zu schweigen.
In der Saison 2018/2019 fuhren wir 83 Spendenlieferungen in Oberösterreichische Einrichtungen, in Notschlafstellen, Tageszentren, Übergangswohnheime, Frauenhäuser und andere Einrichtungen. Unser Transporter trug uns 19.593 km durch Oberösterreich und versagte uns nur 1-Mal den Dienst, wegen einer kaputten Batterie. Ein braver, unser Transporter. Etwa 10.500 Stunden freiwillige Arbeit wurden insgesamt geleistet, im Lager, bei Spendenlieferungen und bei vielen verschiedenen Aktionen. Eine ganze Menge!
Die Entwicklung der Armut - Obdachlosigkeit, die wir hautnah und direkt mitbekommen und täglich sehen, stieg in diesem Zeitraum überproportional an. Viele Hilferufe der ÖBB-Security kamen zu später Stunde (23-24 Uhr) oder gar in frühen Morgenstunden (1-2 Uhr früh), wenn ein neuer unbekannter Obdachloser in Linz ankam, nichts als das nackte Leben am Leib hatte, dann fuhren wir nachts ins Lager um unser immer bereites Not Paket zu schnappen und auf dem schnellsten Weg zum Bahnhof zu fahren um Hilfe zu leisten. Auch außertourlich fahren wir oft zum Bahnhof, um mit den Obdachlosen vom Terminal und Bahnhof zu reden, um Hilfe zu leisten. Diesen „Dienst“ können wir leider nicht regelmäßig anbieten, sondern nur sporadisch, da die ganze Arbeit im Lager beim Kommissionieren, die Spendenlieferungen/Spendenabholungen und sonstigen schweren Arbeiten für uns zur hoffnungslosen Überforderung führen würden. Dann wäre niemandem geholfen. 60-70 Stunden die Woche im Dienste unserer Obdachlosenhilfsaktion sind keine Seltenheit und bringen uns an den Rand des Möglichen.
2018 lernten wir „Renate“ vom Bahnsteig 12 kennen, sie war/ist obdachlos, und schwer krank, und wir wollten ihr eine ehrliche Chance geben, haben von der GWG-Linz eine 19,98m² Wohnung zugeteilt bekommen, und wollten Renate dort einziehen lassen, finanziert von Euch liebe Spender/innen durch einen extra Aufruf. Um Nachhaltigkeit einzubringen, forderten wir von Renate, monatlich € 350,- von ihrer Mindestsicherung auf ein gesperrtes Sparbuch einzuzahlen. Die Mindestsicherung hätten wir mit ihr beantragt und die Verwaltung des Sparbuches ebenfalls. Renate tobte „ihr wollt‘ mich entmündigen, das ist mein Geld“, und war nicht dazu zubringen diese Abmachung mit ihrer Unterschrift zu besiegeln. 5-Mal fuhr ich nachts zum Bahnhof und redete mir den Mund fusselig und erklärte Renate, dass wir ihr Geld nicht wegnehmen sondern nur verwalten, sie unterschrieb nicht und wir gaben daraufhin die Wohnung zurück an die GWG. Leider erkannte Renate diese Chance nicht als solche, sondern unterstellte uns irrationale, boshafte Absichten. Im Verein entschieden wir daraufhin, keinen ähnlichen Anlauf mehr, für wen auch immer, zu machen. Denn wir müssten die Wohnung ordnungsgemäß mehrmals wöchentlich überprüfen, da wir zur Gänze mit der Kaution haften würden, und wären Schäden an der Wohnung, könnten wir diese niemals finanzieren. Das war der Hintergrund für diese Entscheidung.
Zur gleichen Zeit als wir Renate kennenlernten, lernte wir auch „Wolfgang“ (Name geändert) kennen, der 40 Stunden arbeiten geht und sich von seinem Lohn keine Wohnung leisten kann und somit am Bahnhof schläft. „Wolfgang“ hat aber den Mut und die Kraft für Veränderung, er arbeitet hart an der Kaution, um sich eine Wohnung leisten zu können. Ich bewundere „Wolfgang“ sehr.
Der intensivste Kontakt, die größte Hilfe rund um unseren Donnerstag erhielt mit absoluter Sicherheit UNSER Martin, der in der Linzer Au in einem Zelt lebte, ohne Zugang zum Gesundheitssystem, ohne Mindestsicherung und ohne jedes Einkommen. Er kam zu Beginn zögerlich, hatte bald Vertrauen und kam regelmäßig, Ingrid, unsere Helferin, kümmerte sich intensiv um Martins Anliegen, besorgte neue Hosen, neue Jacken, neuen Laptop, Martin ist ihr sehr ans Herzerl gewachsen, als er Anfang Mai 2018 nach Schörfling zum Bootsbauer (durch Vermittlung unserer Sandra Baumgartner) arbeiten ging, wusste niemand was passieren wird mit Martin. „Rudi“ (Name geändert), sein Chef, zeigte bald seine andere Seite und schrie Martin zusammen, worauf Martin das Weite suchte und untertauchte. Wir wussten lange Zeit nicht, wo Martin geblieben war, ob er die in den Medien kolportierte Wasserleiche war, ob er noch lebt und ob es ihm auch gut geht. Ein anonymer Hinweis ging in Richtung Einweisung in die forensische Abteilung, wegen einer Messerattacke am Taubenmarkt. Wir waren geschockt! Martin ein Messerstecher? NEIN! Kann nicht sein, weil es nicht sein darf. In der Zwischenzeit übergab Sandra mir Martins ausstehenden Lohn aus Schörfling, den ich Martin auch nicht vorenthalten wollte, waren es doch fast € 950,-. Nachforschungen ergaben bald, dass kein Wort daran wahr war an der Messerattacke. Unsere Nachforschungen ergaben nichts mehr ab einem gewissen Punkt, hier kam von der Polizei der Tipp, eine Vermisstenanzeige zu machen, dann würde der ganze „Apparat“ hochgefahren werden und die Suche intensiviert werden, so hätte man gute Chancen Martin zu finden, so er noch lebt. Gesagt – getan, am gleichen Tag noch die Anzeige gemacht, in der Zwischenzeit machte Ingrid von Bad Schallerbach aus eine Meldeabfrage, die negativ war. Am nächsten Tag kamen 2 Fahnder vom LKA OÖ ins Lager, um mich über Martins Gewohnheiten zu fragen und eventuell Kleidung mitzunehmen, wegen einer DNA-Analyse. Wir hatten ja Martins Habseligkeiten im Lager zwischengelagert und sollte sich auf einem der Kleidungsstücke Haare oder ähnliches finden, wäre ein Abgleich mit gefundenen, nicht identifizierten Menschen möglich. Haare o.ä. fanden wir nicht mehr, da Sandra Martins Kleidung 5-Ma (!!!) gewaschen hat. Somit fiel zumindest diese Möglichkeit der Identifizierung weg. Über Facebook bekamen wir großartige Hinweise, Martin wäre in Salzburg Stadt gesehen worden. Ich schrieb alle Salzburger Obdachlosen-Einrichtungen an, mit einem Bild von Martin und der Bitte um Hilfe. Nach ein paar Tagen trug mein Rundschreiben Früchte, die Wärmestube rief mich an und die weibliche Stimme fragte „ob es stimme, dass wir Martin suchen“, ja, ja, ja wir suchen Martin! „Martin sitzt hier bei mir und frühstückt“ war ihre Antwort und gab den Hörer weiter an ihn. Ich konnte Martin sagen: „Martin ich habe noch deinen Lohn hier, ca. € 950,-„ er war erstaunt, überhaupt noch einen Lohn zu bekommen. Er sagte mir zu, am darauffolgenden Donnerstag von Salzburg nach Linz zu kommen und uns beim Verteil-Donnerstag zu besuchen und sein Geld abzuholen. Martin war wieder da und es war ein ergreifendes Gefühl, Martin lebend und lachend da stehen zu sehen.
Ein besonderes Mädel für uns war „Babsi“ (Name geändert) aus Grieskirchen, 29 Jahre, vom eigenen Freund mit einer Axt attackiert, den Schädel über die Hälfte gespalten, lange Zeit auf der  Intensivstation, der Freund eingesperrt, die Wohnung weg, die Eltern geschieden und schwerste Alkoholiker, wurde „Babsi“ nach fast einem dreiviertel Jahr entlassen, obdachlos und auf die Straße ausgesetzt, mit schwersten Medikamenten fürs erste ausgestattet fand „Babsi“ sich am Bahnhof wieder. Der Alkohol gefiel ihr immer mehr, für Stunden das eigene Schicksal zu vergessen, „Babsi“ konnte mit ihrem Leben nicht mehr umgehen, sie hat große Angst, vor dem Leben, vor den Menschen. Sie rutschte immer weiter in die Obdachlosigkeit. Durch die Mischung Alkohol/Medikamente wurde „Babsi“ aggressiv und stieß viele Menschen, die helfen wollten, von sich. „Babsi“, so unser letzter Informationsstand, ging nach Gallspach, wir wissen nicht was mit ihr geschah und wie es ihr geht. Leider hebt sie ihr Telefon nicht mehr ab. Oft denke ich an sie und wünsche mir nur ein klitzekleines Zeichen von ihr. Sie hat doch auch ein Leben und eine echte Chance verdient, ich wünsch‘ es mir so sehr! Nur ein Zeichen! BITTE!
Das waren ein paar Geschichten aus unserer Arbeit mit Martin, Renate, „Wolfgang“, „Babsi“ und all den anderen. Vielleicht erzähl‘ ich Euch irgendwann auch die anderen Geschichten aus verschiedenen Schicksalen.
So ging ein ganzes Jahr vorüber wie im Flug. Erkenntnisse und Quintessenz dieser Saison 2018/2019 war/ist, wir können die Welt nicht retten, aber wir dürfen in unserem Umfeld nicht wegschauen und können vielen Menschen helfen, das Leben erträglicher machen, Wärme und Wertschätzung zu schenken. Und genau das ist es, was uns als Verein, als Team und als Obdachlosenhilfsaktion ausmacht, dort zu helfen wo Hilfe dringend nötig ist. Ohne Umwege, direkt bei den Menschen!
Viele Gedanken, noch mehr Tränen und ganz viele schöne Erinnerungen an unsere Schützlinge bleiben in unserem Herzen, in unseren Köpfen und werden wir nicht vergessen.
Unser Team, ein tolles, großartiges Team, auf das wir sehr stolz sind, hat in diesem ganzen Jahr großes geleistet. Vielen lieben Dank jeder/m Einzelnen in unserem Team, die/der ihre/seine Zeit und die ganze Kraft schenkt, und so viel Herzgefühl für unsere Schützlinge mitbringt. VERGELT’S GOTT!
Ein besonderes DANKESCHÖN gilt all unseren Spendern/innen, die uns immer so toll unterstützen, OHNE EUCH WÄRE UNSERE AKTION NICHT MÖGLICH! DANKE und VERGELT’S GOTT mit einer tiefen Verneigung an jede/n Einzelne/n, die/der uns unterstützt, egal in welcher Art. Bleibt uns gewogen, bleibt uns treu und lasst uns auch 2020 helfen, so gut wir können.
Wir wünschen eine gesegnete Weihnacht und alles erdenklich Gute für 2020, Gesundheit und viel Erfolg und wir wünschen Euch all das, was Ihr Euch wünscht. Ihr seid in unseren Herzen! 🙂

Herzlichen Dank