Rena

Ein ganz besonderer Tag 18 11 2018

Samstag
Um Mitternacht, Walter sitzt vor dem PC und verwaltet die FB Seiten und die Home Page, ich lümmele bequem auf der Couch und sehe fern, springt er plötzlich auf und sagt: „ Ich fahre nach Linz rein“. Waaas, jetzt, schau auf die Uhr, wieso willst du um diese Uhrzeit nach Linz fahren“, ist meine entgeisterte Antwort.
„Ich habe mich schon den ganzen Abend damit beschäftigt“ entgegnet er mir, „fährst du mit?“ – Manchmal redet er in halben Sätzen, den Rest darf ich mir zusammen reimen – manche Frauen unter euch kennen das wahrscheinlich.
„Ja, ich fahre mit, ich lass dich nicht allein um Mitternacht in Linz herum wandern, da könnt ja weis ich was passieren, ich zieh mich schnell an, ja?“ Ein Blick auf das Thermometer zeigt mir, dass es 1 ° hat, also ziemlich kalt ist. „Da sind eine Thermounterhose, ein Schal und warme Schuhe das Richtige“, denke ich. Gesagt, getan – innerhalb von 5 Minuten sind wir startklar und fahren los, Richtung Bahnhofviertel, parken am gewohnten Platz und suchen an bestimmten Orten nach Obdachlosen, die draußen schlafen.
Und – wir werden fündig. In einer überdachten Halle, die vorne und hinten offen ist, sodass dort dauernd der Wind durch pfeift, liegen
10 Menschen auf Bänken, teilweise in Schlafsäcke eingemummelt, teilweise mit einem Leintuch zugedeckt und einer sogar ohne alles.

Dieser ist gerade frisch delogiert worden und hat im B 37 keinen Unterschlupf gefunden. Wir sprechen ihn an und erkundigen uns, warum er hier ist und nichts hat. Bereitwillig und ziemlich geschockt gibt der Mann Auskunft.
Wir vereinbaren, dass wir heute, am Sonntag, wieder kommen und ihm einen Schlafsack und einige andere wichtige Dinge vorbei bringen.
Dann begegnen wir einer jungen Frau, die frierend auf einer Bank hockt und nur mit einer dünnen Jacke bekleidet ist. Auch ihr versprechen wir eine dicke Winterjacke, wenn sie am Abend wieder hier ist.
Walter postet in FB einige Bilder und erzählt was wir um halb ein Uhr in der Nacht mit den Obdachlosen erlebt haben, daraufhin bricht eine Lawine der Hilfsbereitschaft herein, die uns sehr freut. Jede Menge Schlafsäcke und Isomatten sind angekündigt, jetzt bräuchten wir noch dringend Herren Winterjacken und Herren Winterschuhe.

Sonntagabend beladen wir unseren privaten PKW und fahren nach Linz, dort finden wir Rupert, der schon auf uns wartet. Er befindet sich heute die 4. Nacht auf der Straße, ihm ist kalt und er ist besonders dankbar für die guten, warmen Winterschuhe, die warme Jacke, die Iso Matte, den Schlafsack und noch viele Dinge, die man auf der Straße braucht, denn er besitzt nichts. Kommende Woche wird es kalt, da kann er alles brauchen.
Die junge Frau von gestern nennt sich Nadine und ist ein liebenswertes Geschöpf, dem das Leben schon übel mitgespielt hat. Ihre Mutter hat einen neuen Mann kennen gelernt und sich für ihn entschieden, als es zu Streitereien kam. Nadine lebt schon seit 2011 auf der Straße und ist sehr krank, sie hat Krebs und sollte schon vor 2 Jahren , lt. den Ärzten, gestorben sein. Sie erzählt auch, dass sie nach einer Abtreibung, die eine fürchterliche Erfahrung für sie war, da die OP nicht normal verlaufen ist, ins „Wagner Jauregg“ eingeliefert wurde, da sie durch gedreht hat.
Sie erzählt mit leiser, monotoner Stimme und in ihren Augen sieht man den Schmerz und das Fieber, das sie schüttelt. Arme Kleine, so jung und so krank. Vielleicht bekommt sie in nächster Zeit ein Zimmer im betreuten Wohnen. Ich werde Jesus bitten, dass sie dort unter kommen kann und möglicherweise ärztlich versorgt wird.

….und jetzt ist es saukalt und schneit, wir sind so froh, dass wir das gemütliche Heim verlassen und geholfen haben.
Autorin: Rena

Ein ganz besonderer Sonntag 18 11 2018
Rena

Donnerstag Direktausgabe 15 11 2018

Dienstag

Manfred, ein Verantwortlicher der Freikirche Traun und Freund, besucht uns am Vormittag, um sich den Vortrag über Armut und Obdachlosigkeit, den Walter am 21.11. 2018, um 19 Uhr, in der Freikirche Traun ,Tischlerstraße, halten wird, an zu schauen und etwaige Änderungen zu besprechen.

Am Nachmittag fangen wir, Walter, Brigitte, Brigitte (sie hat grad eine Bein OP hinter sich) und ich zur üblichen Zeit mit Arbeiten an. Die Boxen für die Direktausgabe am Donnerstag müssen wieder aufgefüllt werden.
Walter bekommt einen Anruf von der Notschlafstelle Steyr. Der Leiter ordert eine Menge Lebensmittel, die wir noch heute zusammenstellen, auf Rollwagen laden und in den Transporter bringen; morgen können wir dann direkt von zu Hause aus, weg fahren. Brigitte, Brigitte und Walter kümmern sich um die restliche Kleidung, dann machen sie sich an das Zusammenstellen der Spenden. Die Arbeit geht ihnen flott von der Hand, sie sind schon ein gut eingespieltes Team.
Plötzlich hört man ein: „Autsch“, vom Walter; er hat sich ein wenig den Kopf angeschlagen, der Arme. Vielleicht sollte er ein bisschen vom Gas runter gehen?

Ein wenig verspätet, kündigt sich Beate, unsere Tante Brause, an, lustig und mit einem frechen Spruch auf ihren Lippen.
Sie kommt mir gerade recht, denn ich brauche sie für einige Umräume Arbeiten, die ich alleine nicht bewältigen kann. 94²  Lager Raum sind nicht viel, daher müssen wir ständig umräumen und für ankommende Spenden Platz machen. Anscheinend mutiere ich zur „wo bring‘ ich das unter, Tante“.
Also krempeln wir die Ärmel auf und los geht’s. Als ich sie bitte auf die andere Leiter zu steigen, weigert sie sich zuerst, aber dann, als sie sieht, diese Arbeit kann man nur mit 2 Leitern schaffen, steigt sie hoch –und jammert dabei: „Heute büße ich alle meine Sünden ab“, seufzt und legt los. Tapfere Beate; sie verträgt keine Höhe und überwindet sich doch. Ja, sie macht sogar eine gute Figur auf der Leiter. Wir haben trotz flotten Arbeitens unseren Spaß dabei, mehr als einmal wäre ich fast vor Lachen  von der Leiter gefallen, weil Beate so ein „flottes“ Mundwerk hat – ich bleibe ihr auch nichts schuldig, wie ihr euch ja denken könnt.
In der Höhe ist es ganz schön heiß, die Heizung ist unter der Decke montiert, sodass mir die Zunge am Gaumen kleben bleibt und ich nach einer Erfrischung lechze. In der anschließenden Pause trinken wir bis zum Umfallen.
Als dann auch noch Sandra, die „Prinzessin“ herein schneit, sie kommt immer nach Arbeitsschluss vorbei, ist unser „Power Team“ komplett – da rührt sich was, da geht was weiter. Tralala und tralala, Kisten hin, Kisten her, Kisten schupfen ist nicht schwer. Unser Betriebsklima ist hervorragend.

Mittwoch

Um 9 Uhr fahren wir zu Kurt Traxl, dem Kaffeeröster und Menschenfreund. Er betreibt am Südbahnhofmarkt eine gut besuchte Kaffeerösterei und ermöglicht seinen Kunden, Obdachlose mit einem Kaffee zu beschenken, außerdem spendet er jede Woche 1 kg Kaffee, jede Woche eine andere Sorte. Auch sonst bekommen wir noch einiges was wir für die Spenden Direktausgabe brauchen können.
Hut ab – eine solche Großzügigkeit ist sehr zu loben.

Weiter geht’s nach Steyr in die Notschlafstelle. Es ist ein grauer, nebeliger Tag, eigentlich sollte man zu Hause bleiben und kuscheln, aber wir, Walter und ich, lassen uns davon nicht beeindrucken und machen uns sonnige Gedanken. Aus dem Auto heraus versuche ich einige brauchbare Fotos zu schießen; das erweist sich als ziemlich schwierig, denn, wenn ich ein Objekt sehe, bin ich auch schon daran vorbei….oder die Scheibe spiegelt sich derart im Foto, das es unbrauchbar ist….und…und…und…
In der Steyr Einrichtung kommen sofort ein paar Männer zum Helfen herbei. Sie helfen gerne und bedanken sich mehrmals für die guten Gaben. Einige sind nicht gut bei Kräften, dennoch lassen sie es sich nicht nehmen auch einige Dinge ins Haus zu tragen; ich mag ich sie.

Wir fahren nach St. Valentin, der Nebel hängt noch immer tief, aber hier und da blitzt es schon blau am Himmel auf, und besuchen  Peter (PEHA Medien), der uns einige Formulare und Plakate gratis gedruckt hat. Obwohl er ein schwer beschäftigter Geschäftsmann ist, nimmt er sich für uns Zeit, um mit uns zu plaudern und aus zu tauschen. Er ist ein gerader, aufrichtiger Mensch, der das Herz auf dem rechten Fleck hat.
Nach einem netten, inhaltsreichen Gespräch reiten wir mit unserem „Anton“, so heißt unser Transporter, fragt mich nicht, wieso er so heißt – auf einmal war er der „Herr Anton“ – heimwärts.
Die Sonne blinzelt nicht nur, nein, sie strahlt am Himmel; gleich hebt sich auch unser Stimmungsbarometer und wir singen  gemeinsam ein Lied im Radio mit.

Auf dem Weg liegt Asten mit dem  Action Markt und Lidl, dort kaufen wir einige Artikel ein, die uns ausgegangen sind – wir verbinden immer das Praktische mit dem Nützlichen – und, ab nach Hause, denn es ist bereits halb Zwei Uhr. Der Magen knurrt, er will etwas zum Arbeiten – ich kann ihn verstehen.

Heimkommen, kochen, essen – Bilder herunterladen und auf geht’s zum Lager die Einkäufe ausladen und zum nächsten Termin nach Haid –  die Sonne hängt wie ein rotgoldener Feuerball am Horizont – ein unvergleichlich schöner Anblick und ein ereignisreicher, aber befriedigender Tag geht zu Ende.

Donnerstag

Walter ist mit “ Anton“ voraus gefahren, da er im Lager noch ein Regal für heute zusammen bauen will, ich mache inzwischen unsere Wäsche fertig – der Alltagskram muss auch einmal gemacht werden – und fahre später nach.
Als ich ankomme, sind schon Walter, Brigitte, Henriette, die heute das 1. Mal dabei ist und Ingrid fest am Werkeln. Der Bus und der Hänger werden schnell beladen und schon können wir uns auf den Weg machen. Diesmal verläuft die Fahrt ohne Stau.

Kaum haben wir angefangen unsere Spenden für die Ausgabe her zu richten, kommen schon die ersten Männer an und wollen was. Inzwischen treffen Sanchez mit  Gatte Michael, Roswitha und Markus ein. Später kommt noch Sandra dazu.
Heute besuchen uns sehr viele Menschen. Die Stimmung ist gut, wir werden sogar mit Handschlag begrüßt – ich freu mich darüber immer sehr – die Zigarettenstummeln wandern in den bereit gestellten Aschenbecher, sie benehmen sich gut, bis sich ein Konflikt zwischen zwei Männern anbahnt, den ich dann rigoros unterbinden muss, da sonst ein handfester Streit im Gange wäre. Auch Walter ruft einen Mann zur Ordnung, der herumschreit, weil er einen gleichen Rucksack haben will, den ein Anderer erhalten hat. Das tut der guten Stimmung aber keinen Abbruch, alles läuft seinen gewohnten Gang.

Sogar ein Streetworker von der Just besucht uns. Einige seiner Schützlinge sind hier; sie haben ihm so viel von uns erzählt, dass er neugierig geworden ist. Wir unterhalten uns lange und er geht beruhigt wieder in sein Büro.
Wir laden die Leute zu unserer privaten „Weihnachtsfeier“, die am Pfarrplatz in einem Lokal stattfinden wird, ein. Am Hl. Abend sind alle Einrichtungen geschlossen, deshalb wollen Walter und ich damit einen Ausgleich schaffen. Nun werden sogar mehrere Leute bei diesem Vorhaben mitwirken.
Durch Gottes große Güte dürfen wir das Lokal sogar kostenfrei benützen, er stellt uns sogar noch mehrere Menschen an unsere Seite, die mithelfen; für Kuchen sorgen auch schon ein paar Frauen. Es wird sicher spannend.
Auf Günters Frage, was Weihnachten für mich bedeutet, wenn es nicht die Mette ist, sage ich: „Weihnachten ist für mich, wenn ich, wie am Hl. Abend, mit Menschen Gemeinschaft habe, die niemand  haben will, die am Rande der Gesellschaft ihr Dasein fristen.
Es gibt nichts Schlimmeres, als Weihnachten alleine zu verbringen?“

Viele Obdachlose und Bedürftige gehen heute mit einem gefüllten Sackerl und einem dankbaren Blick zurück, weg; wir sind erschöpft, aber glücklich.

Zum Schluss stehen wir ein wenig herum und unterhalten uns, die Anspannung fällt ein wenig ab, trinken und essen was, packen zusammen und fahren ins Lager.

Dort räumen wir die restlichen Spenden wieder ein und gehen nach nebenan ins „Schachtelrestaurant“. Diesmal sind wir sogar zu Acht, die sich bei einem guten Essen entspannen und den Tag ausklingen lassen. Unter Bla bla bla und vielem Gelächter verabschieden wir uns mit einem fröhlichen „Pfüati“.

Autorin: Rena

Donnerstag Direktausgabe 15 11 2018
Rena

Burnout – und dann? 13 11 2018

Ein Familienvater mit zwei niedlichen Mädchen arbeitet als Abteilungsleiter in einem Kaufhaus rund um die Uhr, damit er seine Familie ernähren kann. Seine Frau bleibt bei den Kindern zu Hause, um ihnen über ein paar Jahre einen Grundstock an Erziehung zu vermitteln.
Er ist so tüchtig in seinem Beruf, dass er sich den Neid seines Vorgesetzten zuzieht. Der hat Angst um seinen Job, fürchtet, dass Willi, so heißt unser Mann, ihn überrundet und die Karriereleiter nach oben steigt.

Das kann er natürlich nicht zulassen und fängt Willi zu mobben an; gibt keine oder fehlerhafte Informationen weiter, hetzt die anderen Mitarbeiter auf, untergräbt seine Autorität, indem er Willis Anweisungen an die Mitarbeiter in Frage stellt oder gänzlich umdreht. Willi schweigt anfangs dazu, er kennt sich nicht mehr aus was da läuft.
Als er merkt was der Chef mit ihm macht, ist es schon zu spät. Der Teufelskreis lässt sich nicht mehr stoppen. Willi frisst alles in sich hinein, steigert seine Arbeitsleistung in der Hoffnung, dass Leistung überzeugen wird, vergeblich. Er leidet sehr unter dieser Situation und auch seine Frau versteht nicht, wie sehr er verletzt ist.
Für sie ist das Leben in Ordnung, keine Geldsorgen, die Kinder gedeihen prächtig, nur ihr Mann wird immer eigenartiger, manchmal  schreit er sie an. Die Eheleute streiten, weil Willi mit diesem Frust nicht mehr umgehen kann.
Gesundheitliche Beschwerden machen sich bemerkbar, bis er eines Tages mitten im Büro stehen bleibt. Er kann sich nicht mehr bewegen, er steht und schaut ins Leere. Seine Kollegen hänseln ihn, bis sie merken, dass er wirklich in Not ist. Sie haben ein schlechtes Gewissen und rufen den Notarzt, der weist Willi in eine Klinik ein. Diagnose Burnout.
Er bekommt Tabletten, die ihn ruhig stellen, Tabletten für dies, Tabletten für das und der Seelendoktor behandelt ihn auch, mit mäßigem Erfolg. Die Therapie zieht sich monatelang dahin, seine Seele erholt sich einfach nicht, der Körper streikt noch immer. Ihn quälen Angstattacken, die ihm ein Arbeiten unmöglich machen.

Seine Firma kündigt ihn; sein Ersatz arbeitet sich schon ein. Aber das kratzt ihn nicht, überhaupt ist ihm alles egal, teilnahmslos lässt er alles mit sich machen. In ihm ist keine Freude, keine Trauer, kein Nichts mehr, alles tot.
Die Freunde, die er hatte, ziehen sich langsam aber sicher zurück. Er ist nicht mehr vorzeigbar. Das macht ihn sehr traurig.

Seine Frau versteht nicht, warum er sich nicht zusammen reißt und wieder arbeiten geht; das Geld wird knapp, sie werden das Haus verlieren. Sie erinnert ihn an seine Verantwortung der Familie gegenüber. Ihre Vorwürfe und Forderungen treiben ihn nur noch mehr in den Rückzug.
Schließlich gibt sie ihn auf und lässt sich scheiden; das Haus wird verkauft und die Schulden damit abbezahlt. Ihre Eltern geben der kleinen Familie gerne ein Heim, nur ihren Schwiegersohn wollen sie nicht mehr sehen, der ist ja schließlich für das Unglück ihrer Tochter verantwortlich.

Als Willi halbwegs wieder hergestellt ist, kommt der Tag seiner Entlassung und der
Gedanke – „ was wird jetzt aus mir“?

Kein Job, keine Wohnung, keine Familie, keine Freunde. Wo geh ich hin, wo schlafe ich heute? Er hat nur ein paar Habseligkeiten, eben die, mit denen er eingeliefert wurde, alles andere befindet sich in einem Container, den er erst auslösen müsste, doch womit? Er hat kein Geld, keine Kreditkarte, kein Konto mehr. Alle haben ihn verlassen – er fühlt sich so elend, verstoßen – und krank. Einige Tränen kullern ihm die abgemagerten Wangen hinab. Verstohlen wischt er sie ab – Ein Mann weint nicht. Schweren Herzens bittet er seinen ehemaligen Chef um einen Job, doch der lehnt ab, die Stelle ist schon lange vergeben. Willi bittet um eine andere Arbeit; irgendeine, doch sein Ex  Chef bleibt hart. „Für eine minderwertige Arbeit bist du zu überqualifiziert“ sagt er und schickt ihn weg. Irgendwie haben seine Augen boshaft geglitzert

Eine richtige Bewerbung kann er nicht schreiben, da er keinen Computer besitzt und Empfehlungen stellt keiner seiner ehemaligen Freunde für ihn aus. Sie schämen sich für ihn.
Der Tag vergeht; die Nacht bricht an und er ist noch immer ruhelos auf der Straße auf der Suche nach einem Schlafplatz. Niemand lässt ihn in sein Haus; niemand nimmt ihn auf. Er ist mutterseelenallein.
Als er einsieht, dass er die Nacht auf der Straße verbringen muss, sucht er einen geeigneten Platz zum Schlafen. Dort –  dort ist ein Hauseingang, trocken und genug Platz zum Schlafen; müde macht er es sich auf dem harten Asphalt „bequem“ und schläft sofort ein. Alpträume quälen ihn, ruckartig wacht er auf, seine Seite schmerzt. Da hat ihn der Schuh des Ordnung Hüters getroffen.
„Steh auf und schleich dich, hier gibt’s kein Herumlungern“, schreit ihn dieser an. Verdattert und schlaftrunken packt sich Willi zusammen und trottet die Straße weiter hinab, voller Angst, dass er verprügelt wird.
Langsam begreift er, dass er jetzt ganz unten in der Gesellschaft angekommen ist, dort, wo ihn jeder vertreiben, bestehlen oder verprügeln kann – er ist verloren, er ist vogelfrei; laut schluchzend sucht er das Weite.
Autorin: Rena

Burnout - und dann? 13 11 2018

 

 

 

Rena

Donnerstag, Spenden Direktausgabe Linz 08 11 2018

Dienstag
Wie üblich treffen wir uns um 15 Uhr im Lager Ansfelden, um die Spenden für die Direktausgabe am Donnerstag in Linz her zu richten.
Wir haben mittlerweile ein heilloses Durcheinander bei der Kleidung, also  werden alle neuen T-Shirts, Jacken, Sweater usw neu sortiert und in Bananenschachteln gepackt.
Maria und Brigitte ist es tatsächlich gelungen Ordnung in das Chaos zu bringen.
Brigitte wird von der „Schachteltante“ zur „Kleidertante“ befördert und ich steige vom „Mädchen für alles“ zur „Schachteltante auf. Hahahaha, so ist am Ende jeder zufrieden.
Walter, Beate und ich komplettieren die Donnerstaglieferung, dann schlichten wir viele Artikel um, damit wir Platz für weitere Spenden bekommen, machen Ordnung, schlichten wieder um und verstauen noch die, am Vormittag von Walter geholten, Getränke. Alles in Allem dauert das Ganze mehr als 3 Stunden.

Zum  Abschluss gehen Walter, Beate und ich nach nebenan, um endlich unser „Mittagessen“ ein zu nehmen. Beate labt sich an einem, nein, zwei Eis.
Eines muss ich euch noch erzählen: Ein paar Tische weiter sitzt ein Mann mittleren Alters, der ebenfalls ein Eis, eines mit Schoko oben drauf, mit solchem Genuss isst, dass es uns auffällt. Er liest und hat ständig ein Lächeln im Gesicht, schleckt den Löffel zweimal ab und hat anscheinend den Genuss seines Lebens.
Ihr hättet Beate sehen sollen, ihr ist das Wasser im Mund zusammen gelaufen und
wir konnten sie nur mit Mühe abhalten zu ihm zu gehen und ihn zu fragen, ob er mit ihr die Schokosoße teilen würde. Es ist schön zu sehen, dass jemand ein Eis so genießen kann.

Jeder von uns hat ein breites Grinsen im Gesicht und unter großem Gelächter verabschieden wir uns.

Donnerstag
Schon seit Tagen quält mich ein Stimmungstief und findet heute anscheinend seinen Höhepunkt.
Um 13 Uhr kommt Astrid, unsere Kassiererin und liebe Freundin, zu uns, um mit Walter die Kassa ab zu stimmen. Die Zeit wird knapp; wir sollen um 14 Uhr im Lager sein und ich muss noch Sandra in Traun abholen, die heute mit uns mitarbeiten möchte. Also fahre ich los und hole sie ab, wir fahren ins Lager, wo die anderen auch schon warten. Als ich ein paar Spenden fotografieren will, suche ich meine Kamera – überall. Es ist zum Verzweifeln, sie taucht nirgends auf; ob sie noch zu Hause in der Tasche liegt“, denke ich?
Es ist noch Zeit bis zur Abfahrt, also fahre ich mit meinem privaten Pkw nach Hause. Auf dem Weg stelle ich fest, ich habe meine Handtasche in den Transporter getan und fahre gerade ohne Führerschein, ohne Handy und ohne Hausschlüssel durch die Gegend.
Grrrrrrrrrrrrrr, neiiiiiin schreie ich im Auto auf und habe eine ziemliche Wut auf mich. Wie kann man so vergesslich sein; das ist wirklich nicht mein Tag. Daheim angekomen, schaue ich nach, ob die Tasche vielleicht im  Carport stehen geblieben ist – nein, natürlich nicht – ich fühle mich scheußlich und fahre unverrichteter Dinge wieder nach Ansfelden. Dort angekommen empfängt mich Walter mit den Worten:“ Na, hast du die Kamera?“ „Nein“, sage ich, ohne Hausschlüssel komme ich nicht zur Türe hinein, ich habe meine Handtasche im Transporter vergessen, heute ist nicht mein Tag, das habe ich gründlich vermasselt, „mache die Fotos bitte mit dem Handy“.
Sandra muss wieder arbeiten, sie hat nur eine Stunde Zeit, die fast um ist, deshalb fahre ich sie wieder heim, wobei ich nochmals bei mir zu Hause vorbei fahre und meine Kamera hole.

Eilig mache ich mich wieder auf den Weg ins Lager, wo ich noch rechtzeitig ankomme, denn die anderen sind fast fertig mit dem Beladen.
Unser „Beladeteam“ besteht aus Walter, Brigitte, Sanchez und Michael, Ingrid und ich, wobei ich ja ausgefallen bin.
Heute fangen die „Donnerstag – Demonstrationen“ an und wir befürchten, dass wir keinen Parkplatz bekommen werden, aber, oh, Wunder, es ist genügend Platz vorhanden. Wir stellen uns wie gewohnt auf und die Leute strömen auch schon herbei.

Diesmal ist der Andrang groß. Sie stellen sich bei den Lebensmitteln zwar nicht in einer Reihe auf, sind aber diszipliniert. Wenn sie  fast in den Transporter hineinkriechen, sagen wir, dass wir das nicht mögen und sie Abstand halten müssen – klappt.
Ich suche einen Aschenbecher und bitte die Raucher ihn zu benutzen und keine Kippen auf den Boden zu werfen, das tun sie dann auch. Überhaupt sind die meisten sehr nett und wir können einen gepflegten small talk machen. Ich unterhalte mich gerne mit den Menschen, die herumstehen oder warten. Sie warten an der Seitentüre des Transporters auf Lebensmittel und Hygieneartikel, die Walter oder Beate mit vollen Händen ausgeben oder an der Rückseite, wo Kleidung, Rucksäcke, Isomatten und Schlafsäcke von Ingrid verteilt werden. Sie berät die Leute auch bezüglich Kleidergröße und Funktionalität der einzelnen Stücke und gibt ihnen was sie brauchen.
Etwas später taucht Markus auf und klinkt sich bei der Lebensmittelvergabe beim Anhänger ein, wo auch Brigitte, Sanchez und Michael tätig sind. Unser gesamtes Team kommt ins Schwitzen, soviel ist zu tun.

Als der erste Ansturm zu Ende ist, geht Markus zum Bahnhof und holt noch einige Nachzügler von dort ab, damit sie auch in den Genuss der guten Gaben kommen.
Niemand soll vergessen werden, niemand soll zu kurz kommen.

Meine Zuständigkeit beschränkt sich am Donnerstag aufs Fotografieren, damit ihr seht, was bei uns abgeht. Zwischendurch plaudere ich, höre zu oder helfe geschwind mal hier, mal da aus, sorge für Ordnung und habe alles im Blick. Wer von uns Pause macht, unterhaltet sich mit den Umstehenden und oft hallt lautes Gelächter über die Straße. Ja, die Stimmung ist wirklich gut.
Unsere Sandra, wieder eine andere Sandra, wir haben mittlerweile ja mehrere davon, schafft es dann doch noch nach der Arbeit bei uns vorbei zu schauen und wird mit großem Hallo begrüßt. Ihre Jungs sind schon vor ihr angekommen.

Um 18 Uhr, es ist dunkel, die Lampen brennen schon lange, als wir zusammen packen, aufbrechen und ins Lager fahren. Dort entladen wir gemeinsam – wenn viele Hände helfen, geht’s viel schneller – die verbliebenen Spenden.

Der „harte Rest“, Walter, Sanchez (Sandra) Michael und ich setzen uns zusammen und besprechen den vergangenen Tag, aber da wir alle rechtschaffen müde sind, brechen wir bald auf und fahren mit einem zufriedenem Gefühl nach Hause.

Ich danke Gott dafür, dass er uns die Möglichkeit gibt, den armen Menschen
helfen zu können und ich danke den Spendern, dass sie ihr Herz von Gott berühren lassen.
Autorin: Rena

Donnerstag, Direktausgabe Linz 08 11 2018
Spenden für eine arme Familie

Donnerstag, 8.11.2018 – Sandra & Michael helfen einer armen Familie!

... Sandra Hammerschmid & Michael Hammerschmid kennen privat eine arme, bedürftige Familie mit 2 Kindern in Bad Hall, beide gehen arbeiten, aber es reicht halt hinten und vorne nicht. Deshalb entschlossen wir uns ohne lange nachzudenken, Sandra & Michael Lebensmittel und Getränke für diese arme Familie mitzugeben. Wenn Kinder mit leerem Magen ins Bett hüpfen, oder ohne Frühstück in die Schule gehen müssen, weil kein Brot, kein Apfel, nichts da ist, so sind das neben den obdachlosen Menschen, genau diejenigen, denen wir auch helfen wollen und helfen werden. Ich hoffe, IHR, liebe Spender und Gönner, seht das genauso wie wir. Leider reicht in vielen Familien das Geld nicht mehr für Lebensmittel, von Heizung, Strom oder Warmwasser möchte ich hier gar nicht reden. DANKE an EUCH, die ihr uns auch für solche Schicksale tatkräftigst unterstützt. Schön, Euch an unserer Seite zu wissen. Großartig!

Spenden für eine arme Familie
Spenden für eine arme Familie
Spenden für eine arme Familie
Gröberhof (1400)

Gröberhof Straßwalchen, Vöcklabruck 04 11 2018

Diesmal haben wir privat mit dienstlich verbunden.

Anlässlich eines Besuches in Kitzbühel haben wir auf der Rückreise einen Abstecher bei Monika vom Gröberhof, in 5204 Straßwalchen, gemacht.
Sie züchtet diese seltenen ungarischen Wollschweine, auch Mangalitza Schweine genannt, deren Fleisch einen unvergleichlichen Geschmack hat und will im Dezember den Obdachlosen und Armen ein halbes Schwein zum Essen schenken, das sind so ca. 15 kg Fleisch. Ihre Großzügigkeit ist unglaublich, denn dieses Fleisch ist sehr teuer und sie schenkt es einfach her. Sie hat wirklich ein großes Herz!

Begeistert hat sich Walter sofort ans Telefon gehängt, um einen geeigneten Koch ausfindig zu machen, der mit der Zubereitung Erfahrung hat, da dieses Fleisch eine Seltenheit ist.
Andy kennt sich mit diesem Leckerbissen aus und auf unsere Frage, ob er bereit ist, für uns zu kochen, sagt er sofort zu, unentgeltlich natürlich; Er ist ein ganz, ganz
Lieber.

Monika züchtet nicht nur Schweine sondern seltene Schafe, Hühner, Truthähne und vieles mehr, sie beschäftigt sich auch mit Kräuterheilkunde und der Natur überhaupt, wobei wir schon beim Thema wären.
In ihrem kleinen, soeben fertig gewordenen, Verkaufsraum fallen mir einige Salben ins Auge mit der Aufschrift „Bibelsalbe“. Neugierig frage ich sie, was es damit auf sich hat und sie erklärt mir, dass in dieser Salbe viele Kräuter enthalten sind, die auch in der Hl. Schrift bezüglich Haut erwähnt werden – sehr interessant, das wusste ich auch noch nicht.
Monika und ich fachsimpeln, lachen und tauschen uns aus; es gibt so viel zu erzählen, denn ein wenig kenne ich mich in dieser Materie auch aus. Walter und Peter unterhalten sich auch gut, bis einer von uns zum Aufbruch drängt, da wir noch einen weiten Heimweg haben.
Unter vielen herzlichen Umarmungen verabschieden wir uns schweren Herzens und fahren zum nächsten Ziel, unserer Regina, die  in Vöcklabruck zu Hause ist, weiter.

Dort kehren wir kurz ein, trinken ein Glaserl Limo, plaudern ein wenig mit Christian und Regina, packen die bereitgestellten Herren Winterjacken ein; die Zeit drängt, wir sind schon seit 10 Uhr am Vormittag unterwegs und jetzt ist es Nachmittag.
Wir sind rechtschaffen müde, Walter mehr als ich; er fährt. Unsere Couch ruft schon laut nach uns und wir sagen jaaaaaaaaaa, wir kommen.

Endlich sind wir zu Hause, müde, aber glücklich so netten Menschen begegnet zu sein.
Autor: Rena

Gröberhof Vöcklabruck 04 11 2018
rena

Donnerstag 01 11 2018 Spendenverteilung Linz

Donnerstag, Transporter Direktausgabe

Heute ist Allerheiligen, ein Feiertag, den viele brave Katholiken feiern.
Aber, sämtliche Einrichtungen in Linz halten heute ihre Pforten geschlossen, kein Frühstück, kein Mittagessen, kein Abendessen, keine Jause für die Obdachlosen, niemand fühlt sich zuständig.
Unser Team hat sich deswegen entschlossen auch diesen Donnerstag aus dem Transporter heraus Spenden aus zu teilen. Ich sage euch, jeder würde sich solch ein tolles Team wünschen. Sie haben das Herz auf dem rechten Fleck und scheuen keine Mühe und keine Arbeit. Jeder einzelne gleicht einem Diamanten, der, wenn sich die Nächstenliebe darin spiegelt, heller strahlt als die Sonne.
Diesmal treffen fast alle, die zugesagt haben, pünktlich um 14 Uhr im Lager ein.
Walter begrüßt jeden mit einer herzlichen Umarmung und ich gebe zusätzlich Küsschen rechts, Küsschen links. Sanchez (Sandra) und Michael haben es heute wieder geschafft, sich für uns frei zu schaufeln. Die Andrea und die Brigitte haben auch ihren freien Tag geopfert. Gemeinsam beladen wir den VW Crafter und unseren kleinen Anhänger. Das geht sehr flott, da jeder weiß was er zu tun hat.
Viel zu früh sind wir fertig, deshalb bleibt uns noch ein wenig Zeit uns zu unterhalten. Da wird dann dieses und jenes besprochen, unter anderem auch, dass der Verantwortliche einer Firma angerufen und gesagt, hat, dass …….. Montag ist ein Besprechungstermin anberaumt, dann erfahren wir Näheres. Wir brechen alle in Jubelgeschrei aus und ich bekomme vor Begeisterung einen hysterischen Lachanfall – „eine Sorge weniger“, denke ich.

Endlich beruhigen wir uns und fahren ab. In Linz, auf unserem üblichen Parkplatz erwischen wir grad noch zwei Parkplätze, die nebeneinander liegen. Platz für unseren Transporter und den Hänger.

Wieder einmal hat Jesus dafür gesorgt, dass wir genügend Parkplätze haben, auch für die anderen Teammitglieder, wie Ingrid, Markus und Sandra. Sogar für Daniela, Claudia, Otti und Renate und Roswitha, die Spenden mitbringen und später kommen, ist noch Platz.
Eigentlich ist 16 Uhr der Zeitpunkt der Ausgabe, doch wir fangen ein wenig früher an, da schon einige Menschen rumstehen und sehnsüchtig darauf warten, dass sie versorgt werden. Fleißig verteilen wir die verschieden Artikel, teilen auch Äpfel aus und Schinken, Käsebrötchen und Cabanossi.
Auf einmal – ich traue meinen Augen kaum – Silvia und Roman, beide sehr gute Freunde, die uns schon viel geholfen haben, kommen langsam näher. Wir freuen uns wie die Schneekönige, da sie sich das 1. Mal hier sehen lassen. Natürlich nehmen wir uns Zeit für ein Schwätzchen, besprechen auch die Einzelheiten unserer geplanten Vereins Weihnachtsfeier und vieles mehr. Zwischendurch schieße ich schnell ein paar Fotos; Walter redet auf Augenhöhe mit den einzelnen Leuten und hört ihnen zu.

Wir haben Glück mit dem Wetter, es ist ziemlich warm und am Himmel zeichnet sich ein wunderschöner Sonnenuntergang ab.
Als es schon lange finster ist, brechen wir unsere Zelte ab, räumen zusammen und fahren ins Lager zurück.
Dort wird noch schnell der Transporter und der Hänger entladen und  die Spenden wieder ins Lager geräumt.
Sanchez und Michael beladen ihr Auto mit verschiedenen Spenden für eine arme Familie, die in der Nähe wohnt.

Wir verabschieden uns herzlich mit der Versicherung, dass es ein schöner Abend war mit vielen interessanten Eindrücken und wir uns nicht abhalten lassen werden, weiterhin zu helfen.
Walter und ich sind glücklich, mit einem so tollen, dynamischen Team arbeiten zu dürfen.
Autorin: Rena

Donnerstag 01 11 2018 Spendenverteilung Linz

 

einsam

Gedanken eines Obdachlosen 28 10 2018

Gedanken eines Obdachlosen

Ein alter Mann liegt einsam auf einer Parkbank, mit Zeitungen bedeckt und schläft. Er macht die Augen auf und erinnert sich. Räuber haben ihn vorgestern überfallen und all sein Hab und Gut geraubt, das Wenige, das er sein Eigen nannte.

 Mühsam rappelt er sich auf, die Kälte tut seinen Gelenken nicht gut und er murmelt vor sich hin:“ Scheiß Tag, wieder so ein scheiß Tag“. Hoffnungslosigkeit klingt aus seinen Worten, schnell sondiert er die Lage und stellt fest, dass er noch allein im Park ist, dass keine Gefahr droht.
Es ist Herbst und noch früh am Morgen. Die Nächte sind schon kalt, deswegen springt er herum, reibt sich Hände und Körper, um wieder warm zu werden, es gelingt ihm nicht. Frierend macht er sich auf den Weg. Er hat gestern alles versucht, um an eine warme Mahlzeit und an eine warme Winterjacke zu kommen, vergeblich. Auch Winterschuhe würde er brauchen, dringend sogar. Außerdem quält ihn der Hunger. Dumpfe Gedanken machen sich in seinem Hirn breit.
„Niemand will mich, niemanden kümmert es, wenn ich verrecke…..scheiß Leben, es hat doch alles keinen Sinn mehr, sie verachten, verspotten, verhöhnen und schlagen mich….ich will nicht mehr“.
Da kommt ein Kumpel um die Ecke und bietet ihm einen Schluck aus seiner Flasche an, den er dankbar annimmt, denn es ist selten, dass ein Mensch auf der Straße teilt. Der Alkohol rinnt seine Kehle runter, suggeriert ihm Wärme, schenkt ihm gnädiges Vergessen seines Elends und gaukelt ihm goldene Bilder vor, das Leben scheint auf einmal viel erträglicher. Er sieht alles verschleiert, wie durch einen Nebel. Noch ein Schluck und noch ein Schluck.
So wird er allmählich zum Alkoholiker und findet nicht mehr die Kraft vom Alkohol zu lassen. Er vergisst, dass seine Probleme dadurch ja nicht weniger werden, trinkt sich das Leben schön und verliert die Kontrolle darüber.

Er ist jetzt einer von Vielen, die in unserer Gesellschaft verachtet, gemieden oder einfach nur ignoriert werden, als würden sie gar nicht leben. Selten macht sich wer die Mühe hinter die Kulissen zu schauen – wer und was ist oder war dieser Mensch und warum friset er hier ein so jämmerliches Dasein.
Jeder Mensch hat eine Würde – wer gibt ihm seine zurück?

So und ähnlich beginnen viele Schicksale.
Autorin: Rena

I schteh auf da Strossn, 

hatsch duach olle Gossn;

Jeda Tog is gleich.

Bin a lebendige Leich!

Nua, de Leich hots bessa,

de braucht ned fressa,

se braucht ned trikn,

a neama pinkln

und hot sogoa a Bett

aus Fichtn.

Des warat fett,

wenn i a ans hätt.

2018 10 23 by ©Rena Meinhart

Gedanken eines Obdachlosen 28 10 2018