5.11.2020 – Verteil-Donnerstag, einmal anders!

Donnerstag, 5.11.2020:
Unser Verteil-Donnerstag steht heute im Mittelpunkt. Der Donnerstag begann eigentlich wie jede Woche schon gestern, Mittwoch, mit dem zusammentragen der Lebensmittel die wir am Donnerstag mitnehmen wollen. Wir holen diese Lebensmittel am Mittwoch aus dem TK-Lager damit die Lebensmittel noch auftauen bis Donnerstag. Christian und ich empfinden die -40° im TK-Lager immer extremer, nach 3-4 Minuten ist man eigentlich schon so weit durchgekühlt, dass man die Hände, die nicht von Handschuhen geschützt sind, fast nicht mehr spürt, und jede zusätzliche Minute in der Lagerhalle bei -40° wird zunehmend zur Tortour, aber was soll's, wir brauchen die Lebensmittel, drum, zs'ammenreissen...schneller arbeiten...und nur ja nicht auf blankes Eisen (Transport-Trolley) greifen, die Gefahr, dass die Finger nicht mehr vom Eisen loskommen und am Eisen anfrieren, ist sehr, sehr groß. Alles beisammen, nichts wie raus, alles einladen...weiter zum Kühllager, das in einer Halle hinter dem TK-Lager ist, dort noch Guglhüpfer, Zitronenkuchen, Kirschnektar und eingelegten Paprika zusammenstellen, und ab, der Handwagen wird zu neuen Höchstleistungen gezogen. Anschließend ins Lager nach Ansfelden, alles ausladen. Pizzen, Dorschfilets, Fischstäbchen, Schinken im Oberskrenmantel...alles in die Kühl- Gefrierkombi schlichten. Bei dieser Gelegenheit gleich den Akku anschließen und aufladen. Tja, Akku verweigert den Dienst, ganze 4 Monate alt und schon kaputt? Meine Erfahrungen mit Produkten dieser Versteigerungsplattform, wo wir diese Kühl- Gefrier-Kombi mit Akku kauften, möchte ich hier erst gar nicht kundtun, da ich schon eine Unterlassungsklage bekam, weil ich die Wahrheit geschrieben habe und 2700,- Klagegebühren zu bezahlen hatte. Also lasse ich hier weitere Ausführungen. Überlegt es Euch gut, irgendwo eine Bewertung abzugeben, es könnte ein Boomerang werden! Kein Rechtsschutz wird Euch bei einer Unterlassungsklage vertreten, kein einziger! Ärgerlich, der Akku scheint wirklich kaputt zu sein, Fehlermeldung F1, wird nicht beschrieben was das für ein Fehler ist. Wir hängen den Akku wieder ab und betreiben die Kombi am Stromnetz. Alles einräumen und weiter gut kühlen. Dann ein Anruf, Fa. Ölz Lager Pucking, wir haben 80 Packungen Toastbrot, können sie das brauchen? Ja, können wir, also nachdem alles eingekühlt war, auf nach Pucking, Die Toastbrote abholen, und dann Richtung Heimat. Christian freut sich auf die Couch, ich auch, komme aber leider nicht dazu, mehrere Sachen sind noch zu erledigen. Um 17.30 Uhr war dann auch mein Arbeitstag zu Ende, begonnen hatte er um 7 Uhr. Mehrere Dinge noch am PC erledigen, Mails beantworten, Bestellungen durchgeben und abklären, wann wie wir das alles abholen. Der Tag endet nie vor Mitternacht, dann aber mit mächtig viel Sand in den Augen. Die Nacht war trotzdem kurz, 4 Stunden Schlaf, um 7 Uhr früh rief die erste Spenderin an um mir Kleidung nach Hause zu bringen, was ich erfolgreich abwehrte, da wir keinen Lagerplatz für Kleidung haben, KEINEN EINZIGEN! Wie jeden Tag noch zahlreiche Mails beantworten, Anfragen über WhatsApp und Facebook ... die Fragen nehmen kein Ende. Um 9.15 Uhr ab nach Ansfelden, schnell kommt wirklich noch ein Spender zu mir nach hause und möchte Spenden vorm Haus abstellen, was mir noch ein heftiges Kopfschütteln entlockte. Liebe Spender/innen, bitte nicht böse sein, aber einfach Säckeweise Kleidung vorm Haus abzustellen, obwohl ich ausdrücklich absagte, ist schon dreist. Bitte jetzt nicht falsch verstehen, ich bin über jede Spende glücklich, aber wenn wir zur Zeit Annahmestop von Kleidung haben und dann aber trotzdem Menschen herrenlos abstellen, tja, muss nicht unbedingt sein! Dann, bin eh schon zu spät dran, ab ins Lager, Christian wartet sicher schon, ich hasse es unpünktlich zu sein. Wir laden noch Boxen ein und ab geht's nach Haid, Brot und Gebäck sowie Frischwaren und Gemüse/Obst zu holen. Leider trübte sich hier schlagartig meine Stimmung, wirklich schade dass man manche Dinge hundertmal erklären/sagen kann, ohne dass es beim Gegenüber wirklich ankommt. Egal! Wir laden die Lebensmittel ein und machen uns auf den Weg wieder ins Lager. Christian schaut die Waren auf Genießbarkeit durch, und ich fahre nach Freindorf, 4 Profilrohre zu kaufen, um die Winterjacken ordentlich aufhängen zu können. Es ist Mittag, der Mäcki hat gesperrt und man kann nur "To Go" ordern. Der Vormittag ist mir ordentlich aufs Gemüt geschlagen, keinen Appetit, keinen Hunger. Als ich zurückkam war Maria auch schon da, sie kümmerte sich gleich um die Wurst- und Grillsachen, um die Pizzen und Fische. Ich probiere am kaputten Akku für unsere Kühl- Gefrierkombi herum, und siehe da, auf einer Stufe von vier funktioniert sie noch, NOCH! Ärgerlich, weil das Ding € 160,- kostete. Nicht ärgern, weitermachen, mit Blickpunkt und Thema beim heutigen Team, wie geht's weiter mit unserer Aktion, da einige Helfer/innen krank, in Quarantäne oder ausgetreten sind. Wir werden wohl künftig starke Einschränkungen in unserer Arbeit hinnehmen müssen, da wir fast keine personellen Ressourcen mehr haben. Allein für den Verteil-Donnerstag wären eigentlich 9 Personen nötig, um alles ordentlich durchführen zu können. Tja, spielt's nicht. Wir werden auch bei den Spendenlieferungen, die ja vorher in Stundenlanger Arbeit zusammengestellt werden müssen, Anpassungen/Kürzungen machen müssen. Die Arbeit ist nicht mehr zu schaffen, leider! In dieser Lager-Diskussion bin ich Gerlinde zu Nahe getreten, habe meinen "Frust" über die Helfernot, Gerlinde spüren lassen, und genau das wollte ich NIEMALS! Ich entschuldige mich hier auf diesem Wege nochmals aufrichtig! Es tut mir von Herzen leid! Nach der Diskussion weiter laden, fertig machen, Transporter beiseite stellen, damit die CPWTAB schwere Drucker aus dem Klein-LKW ausladen kann, nach 10 Minuten das Gespann mit Transporter und Humer-Anhänger koppeln und um 15.10 Uhr Abfahrt, Richtung Linz. Das alte Bus-Terminal ist mit Bussen überfüllt, wir schwindeln uns durch, auf unseren Platz. Da sehe ich Lia, die kleine Dame vom letzten Samstag, mit ihrer Mutti. Sie haben sich für heute angekündigt und wollen ein paar Fragen an unsere Schützlinge stellen. Zuerst schüchtern, taute Lia schon bald auf und teilte gemeinsam mit Gerlinde und Barbara, und Ihrer Mutti Stephanie, Lebensmittel und Süßigkeiten aus. Lia hat so einen Spaß dabei, und ihre Mutti wundert sich, dass all unsere Schützlinge so freundlich und nett sind. Lia sprach mit Wolfgang über ihre Fragen, und war sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis (Unten bei den Fotos gibt's ein Video von Lia). Schnell waren unsere Tische aufgebaut und es war mittlerweile 16.04 Uhr, wir beginnen mit verteilen. Ich bitte unsere Schützlinge, 2 Meter Abstand zu halten und sich zur Leitplanke zu stellen, damit die PKW's und LKW's vorbeifahren können. Wir müssen heute öfter als gewohnt, Disziplin einfordern. Insgesamt kommen heute, absolut ungewöhnlich für einen Monatsanfang, 92 Menschen, die sich Spenden bei uns holen. Eine ganze Menge, für den Monatsfünften. Einer Familie musste ich leider sagen, dass wir sie nicht mit Lebensmittel versorgen können. Sie werden zur Gänze von der Caritas versorgt und wollten auch bei uns Spenden abholen, solche Sachen können wir nicht durchgehen lassen, das wäre dann nicht mehr zu schaffen und nicht mehr zu finanzieren, außerdem dürften wir diese Familie gar nicht versorgen. Es läuft heute äußerst ordentlich ab, bis auf die Reihe, die können unsere Schützlinge nicht halten. Man merkt, es ist mittlerweile etwa 17 Uhr, es kriecht die Kälte in alle Poren, es fröstelt rundherum. Auch Lia ist schon kalt, sie verabschiedet sich zu ihrem Opa, Danke für Euren Besuch! Die Tage werden immer kälter, und sobald der Tag ins Dunkel wandelt, wird's einfach kalt. Ich hab es heute absolut unterschätzt. Viele kommen heute um Jetons für die Notschlafstelle, alleine heute gab ich 46 Jetons im Wert von € 184,- an unsere Schützlinge aus, viel Geld für uns, aber gut aufgehoben bei den Menschen. Alleine der Gedanke, heute auf der Straße schlafen zu müssen, lässt mich frieren...zittern...weinen! Viele unserer Schützlinge können es sich nicht aussuchen, wo sie draußen schlafen, sie können nicht entscheiden wie sie gerne schlafen würden, da sie, so sie gefunden werden, meist verjagt werden. Traurig! Unser Verteil-Donnerstag geht langsam dem Ende entgegen, da kommt ein Busfahrer, der uns schon eine Weile beobachtet, und sagt nur: "Klasse, was ihr hier macht, das möchte ich unterstützen", sagte und legte mir € 20,- in die Hand. Vergelt's Gott und Danke. Keine 5 Minuten später kam ein junger Mann, der sich erkundigte wie man am Besten helfen könne? Er sehe es nicht ein dass überhaupt jemand auf der Straße schlafen muss und möchte mit seinen Gemeindebrüdern eine Notschlafstelle einrichten. Dass das nicht so leicht gehen würde, war ihm bisher nicht klar. Zum Schluss dieses Gesprächs drückte auch er mir € 50,- in die Hand und versprach, kommenden Samstag zu uns ins Lager zu kommen und sich unsere Aktion näher anzuschauen. Die Kälte lässt mich jetzt wirklich zittern, mir ist kalt geworden, ich gehe noch eine Runde und sacke den umliegenden Müll, leere Dosen, Zigarettenstummeln, benutzte Taschentücher und anderes in den Sack, der Platz muss sauber sein, wenn wir ihn verlassen. 18.00 Uhr Abfahrt nach Ansfelden, ausladen, und  Barbara Nowecki macht den Vorschlag, unsere Nachbesprechung heute bei ihr im Auto zu machen, natürlich mit M/N Masken! 🙂 Es tat gut zu hören, wie unser heutiges Team den Tag gesehen hat, nämlich als tollen, gelungenen Verteil-Donnerstag! 92 glückliche Menschen mit Lebensmittel für 1 Woche verließen unseren Transporter mit lächelndem Gesicht, und wir wussten wieder einmal, helfen tut so gut! Danke all unseren Spendern/innen, dass wir auch heute wieder einen Transporter voller Lebensmittel, Hygieneartikel, warmer Kleidung und neuer Schuhe, Schlafsäcke und Isomatten verteilen durften. Vergelt's Gott und Danke. Danke auch an unser Team von heute, ihr ward großartig! DANKE für all Eure ehrenamtliche Arbeit in unserem Verein. 🙂 ❤