Nichts wird sich ändern, mit solch „elitären Sesselklebern“!
Nichts wird sich ändern, mit solch „elitären Sesselklebern“!
Linz-Tour vom 10.1.2026:
Frühmorgens, genauer gesagt um 2.15 Uhr begann mein Tag, ein „Inspektor“ rief an, ein Linzer Obdachloser brauchte Hilfe. Also ins Lager, Not Paket holen und ab nach Linz, mit den wichtigsten Sachen. Dieser nächtliche Ausflug dauerte bis kurz nach 5 Uhr früh, an ein weiterschlafen war natürlich nicht mehr zu denken. Mein Adrenalinspiegel war so hoch, dass ich mein Herz noch im Hals pochen spürte. Und da heute auch die Spendenannahme am Tagesplan stand, fuhr ich halt früher ins Lager um alles vorzubereiten.
Am Vormittag also Spendenannahme und die Lebensmittelboxen vom Verteil-Donnerstag wieder befüllen, die viele Kleidung im Kleiderlager irgendwie so einlagern, dass wir auch noch gehen können dort und „nebenbei“ auch noch die Spendenannahme, von 9-12 Uhr.
Zu Mittag um 12.40 Uhr musste ich diesmal etwas früher aus dem Lager weg, weil ich am Nachmittag mit einem Spender zu einer Charity-Veranstaltung nach St. Valentin musste. Normalerweise lege ich mich, wenn ich Spendenannahme und die Linz-Tour an einem Samstag habe, nachmittags noch 1 Stunde hin, was diesmal einfach nicht möglich war. Deshalb hieß es heute, durchhalten, es wird ein langer Tag.
Um 16.35 Uhr brach ich dann von St. Valentin auf, ins Lager nach Ansfelden, wo Michaela schon werkte. Sie hatte das Wasser für den Tee schon aufgekocht und den Tee abgemischt und durchgerührt. Einiges was Mittags noch nicht fertig war, mussten wir jetzt noch einladen, um 17 Uhr kam Max zu uns dazu, und um 17.40 Uhr brachen wir auf, auf die Linz-Tour. Michaela, Max und ich, ein tolles Team.
Nachmittags regnete es in Strömen und jetzt, bei Abfahrt in Ansfelden, schneite es ziemlich heftig, die Straße war schon schneebedeckt und es versprach heute richtig glatt zu werden. Eisregen wurde auch in den Wetterprognosen gemeldet, na dann lassen wir uns überraschen, was die heutige Linz-Tour für uns parat hat.
Ganz schön viel Verkehr in Linz, bei diesem Wetter. Bei der Stadteinfahrt sahen wir das Gerald auf seinem Platz schon schlief, ihn werden wir erst später besuchen und mit heißem Tee und Zigaretten überraschen. Wir fahren in den Schillerpark, wobei zwar viele Menschen unterwegs waren in den Parks, aber keiner unserer Schützlinge. Auch im Volksgarten war niemand zu finden. Als wir zum Bus zurückkommen steht hinter uns ein PKW und die Insassen steigen aus und fragen uns, warum das Kältetelefon nicht besetzt ist? Weil in der Waldeggstrasse liegt jemand der dringend Hilfe braucht. Wir erwidern dass wir nicht vom B37 oder Caritas sind, sondern von der Obdachlosenhilfsaktion, und wir erklären dass wir von Gerald wissen und ihn nachher besuchen und ihm heißen Tee bringen werden, worauf die Beiden sich bei uns herzlichst für das Bedanken, was wir machen, direkte persönliche Obdachlosenhilfe. Tut gut so eine Anerkennung, wenn sie auch als solche gemeint ist.
Also weiter zum Bahnhof, bei der alten Post geparkt und durch den Bahnhofsvorpark Richtung Haupteingang geschlendert, von Weitem sehen wir schon einige Obdachlose gestikulieren. Als wir bei ihnen waren stritt gerade Marco mit einem anderen uns unbekannten Obdachlosen. Ich mischte mich ein und bat Marco alle anderen an der Hand zu nehmen und mit ihnen zu unserem Bus bei der alten Post zu gehen, wir kommen in etwa 10 Minuten.
In der Bahnhofshalle fand ich dann noch Manfred sitzend vorm Spar vor, einsam und verlassen, so wie er sich auch wirklich vorkommt zur Zeit. Beim Leberkas-Pepi kaufe ich 15 warme Leberkäsesemmeln für unsere Schützlinge, dass sie etwas Warmes in den Bauch bekommen. Hinter uns stehen zwei ÖBB-Mitarbeiter im Arbeitsgewand, die uns 3 Pfandgutscheine schenken und die wir weitergeben sollen. Nach einem kurzen Tratsch ging ich mit Max und Michaela zur Finanzgarage, inzwischen ist auch Lenny aufgetaucht und kommt mit zum Bus. In der Finanzgarage weht der kalte Wind durch die Katakomben, aber hier sind die Wenigen vor Regen und Schnee geschützt. Aber angenehm geht anders, ganz anders.
In der Finanzgarage finden wir Gaby, die auch gleich mitkommt zum Bus. Sie erzählt auf dem Weg zum Bus dass es ihr nicht gut geht, dass auch hier die ÖBB-Security Streife geht und einen Teil des Bahnhofs abgeht, der die ÖBB-Security aber schon gar nichts angeht, weil diese Tiefgarage in privaten Besitz ist und die ÖBB-Security hier keinerlei Mimosen zu beanstanden haben. Es ist so typisch für manche machtgeile Typen bei der ÖBB-Security, die sich ohne einen Auftrag zu haben, selbst immer als „Instanz“ in den Mittelpunkt stellen wollen. Ich kann vor diesen Typen keinen Respekt mehr haben, weil sie nicht nur falsch sondern wirklich menschenverachtend fuhrwerken. Sie glauben wirklich, dass sie auch hier irgendwelche Strafkataloge umzusetzen hätten. Dass sich die ÖBB im Allgemeinen mit solch menschlich total inkompetenten machtgeilen Securitys keinen Gefallen tut, dürfte an der ÖBB-Geschäftsleitung völlig vorbei gehen. Ich werde mir auch den Vorfall vom Heilig Abend nicht gefallen lassen, da kommt noch was. Ein Teil der ÖBB-Security ist auch tatsächlich Gesprächsbereit und handelt überwiegend menschlich, aber ein paar Typen dort machen den ganzen Ruf kaputt und kratzen am „Sicherheitssystem ÖBB“, das mehr als fraglich ist.
Beim Bus angekommen ist es uns wichtig, zuerst die warmen Leberkäsesemmeln zu verteilen und dann auch gleich Gaby die Sachen zu geben, sie ist kränklich und es geht ihr nicht gut, worauf sich Lenny echauffiert und äffisch Max nachahmt der Gaby gerufen hat: „Gaby hin und Gaby her, da geh ich wieder“. Auch die Rufe nach Lenny nützten nichts mehr, er ging weil er genervt war, aber tja, da kann ich auch nichts dafür. Lenny geht’s auch nicht gut, aber wo sollen wir anfangen und wo sollen wir aufhören. Es kommt jede/r dran, wir haben genug Sachen dabei das jede/r was bekommt.
Marco, Gerry, Alexander und alle anderen warten geduldig, bis sie dran sind, nur Lenny schaffte das nicht. Michaela gibt Gaby eine Thermo-Leggins, neue Unterwäsche und neue Socken, einige Lebensmittel und Süßigkeiten sowie Getränke. Gaby verschwindet schnellstmöglich wieder in den Keller, in ihren warmen Schlafsack. Man merkt deutlich dass heute alle sehr empfindlich sind, auch durch die Kälte und die Wetterkapriolen. Beim Leben auf der Straße ist das ja ein wichtiger Gradmesser, wo man sich einen Schlafplatz suchen kann und wo man in Ruhe gelassen und nicht gleich wieder vertrieben wird. Manche müssen jede Nacht woanders schlafen in Linz, weil sie ständig wie ein Stück Vieh vertrieben werden und mit Platzverbote belegt werden. Das kann die Linzer Polizei sehr gut, Menschen vor sich herzutreiben und mit keinem Wort zu sagen, wo die Obdachlosen in Linz bleiben dürfen, wo sie schlafen können. Da helfen auch all die Dementis der Polizei nichts, manche Typen sind auch bei der Polizei, wie bei der ÖBB-Security, völlig falsch, sie werden es nie schaffen empathisch dem Bürger zu dienen, was eigentlich auch der Job der Polizei wäre. Durch rhetorische Härte und totale menschliche Inkompetenz bringt man es halt doch auch bei der Linzer Polizei noch zu etwas, wie traurig!
Nach gut 1 Stunde geht’s weiter, es ist mittlerweile fast 20 Uhr, nach Urfahr zum DüK von Peter. Für ihn und für Tony haben wir heute 2 Heizelemente mit dabei. Und da Peter spätestens um 21 Uhr schläft müssen wir vorher noch zu ihm, um ihm den Heizer zu bringen. Peter machte auf und man hörte schon, dass er krank ist, Husten und Schnupfen. Er bedankte sich für den Heizer und wir brechen wieder auf, in die Nacht. Tony bekommt seinen erst später.
Von Peter B. fahren wir zum nächsten Peter, zu dem am Pleschinger See bzw. an der Donau, der sich ein Zelt unter einer Gewebeplane baute und dort schläft. Wir packen die Getränke und Lebensmittel in unseren Bollerwagen, um nicht alles so weit schleppen zu müssen. Der Bollerwagen ist hier eine große Erleichterung. Bei Peter angekommen sagen wir das Codewort „Weihnachtsmann“, und es lässt Peter sofort antworten: „komme schon“. Nach einigen Minuten schlägt Peter die Plane am Boden um und sein Kopf wird sichtbar. „Heißen Tee, Peter?“ Ja bitte, kommt zurück. 2 Taschen voller Lebensmittel haben wir außerdem noch dabei, die wir ihm so unter der umgeschlagenen Plane am nassen schmutzigen Boden rüberschieben. Er bedankt sich für die Lebensmittel und erinnert uns daran, dass wir „Wikinger Kleidung“ bei einem Onlinestore in Schweden für ihn bestellen sollen. Ich sage Peter, dass der Store nicht nach Österreich liefert, er erwidert: „das gibt’s nicht“. Ungläubig erhebt sich Peters Stimme, ich aber weiß dass dieser Store nicht nach Österreich liefert, und wo ich sonst echte Wikinger-Kleidung bekomme, keine Ahnung. Wir brechen wieder auf mit unseren Bollerwagen.
Von Peter fahren wir zurück nach Linz, in die Hafenstrasse, ich brauche jetzt einen Kaffee, also steuern wir die OMV an. Der Cappuccino schmeckt gut aber das alte, trockene und harte Mohnflesserl ohne Allem, um über € 3,- ist eine Frechheit.
Wir brechen auf zu Franziska, die hier um die Ecke ihr Zelt aufgestellt hat. Schon bei der Zufahrt merken wir das hier schon lange niemand mehr im Schnee ging, ob Franziska zuhause ist? Ich gehe die Böschung hinauf, Max und Michaela gehen unten den Gehweg entlang. Nach mehreren Rufen nach Franziska hat sich auch Emma nicht gemeldet, sie würde sofort bellen wenn ich nach Franziska rufe, aber nichts, also niemand daheim.
Um die Ecke noch schnell zu Milenko, der Gerald vor einigen Wochen von seinem Platz gewaltsam vertrieben hat, hier sind die Liegen so drapiert, dass man glauben könnte unter der Decke schläft jemand, aber dem ist nicht so. Also zurück zum Bus, runter die Böschung, in den warmen Bus und weiter geht’s. Mittlerweile ist es bereits 22.15 Uhr und es schneit, als gäbe es kein Morgen mehr. Gut 6-7cm Neuschnee liegen auf der Straße, und es wird immer noch glatter, immer noch gefährlicher.
Weiter geht’s zum Brucknerhaus, wo heute ein Maturaball stattfindet, alle in Galakleidung, wir in Vereinskleidung. Eine Runde und mal schauen ob wir jemanden finden, aber niemand da. Nächster Halt Nibelungenbrücke, dort liegt ein Schlafsacklager, bedeckt von Schnee und nasser Erde, auch meine Rufe nützen nichts, niemand erwidert sie nur ein junger Mann in kurzem T-Shirt scheint sich ertappt zu fühlen und geht schnellen Schrittes weg von hier.
Über das Urfix-Gelände geht’s weiter, in die Waldeggstrasse, wo Gerald auf einer Autobus-Haltestelle liegt, zugedeckt und nicht unentdeckt. Viele Passanten haben mich die letzten 14 Tage angerufen und haben mir Gerald „gemeldet“. Ich konnte die Anrufer: innen nicht beruhigen aber ich konnte ihnen versprechen, dass wir uns um Gerald kümmern, soweit er das auch möchte. Gerald ist dankbar für Zigaretten, heißen Tee, etwas Warmes zu essen, aber warme Kleidung nimmt er auch heute nicht an, obwohl er zittert und friert. Seine Turnschuhe stehen schön zusammengestellt unter der Bus Bank, ich rücke sie weiter rein, so dass die starken Schneeverwehungen heute nicht mit Schnee seine Schuhe zudecken.
Gerald ist dankbar für die Leberkäsesemmeln, die wir ihm mitgebracht haben. Es schneit immer noch stärker und wir machen uns gemeinsam große Sorgen um Gerald. Max gibt ihm 2 Packungen Zigaretten, und er freut sich wie ein kleiner Junge, der sich über den ersten großen Bagger, mit dem er den Garten umgraben kann, freut. Gerald ist ein besonderer Mensch, auf den wir in den nächsten Wochen gut achten müssen, damit ihm nichts passiert. Der Kälteteufel legt auch nächste Woche nochmal zu, prognostiziert werden heute schon -12°. Wahnsinn, das kann absolut tödlich sein, aber Hauptsache ist, dass unsere gesamte „Elite“ im warmen sitzt und dort über den Bürger lacht, weil der eh so dumm ist. Nicht einmal einen Lösungsansatz dieser Obdachlosenproblematik zu besitzen, zeugt von einer tiefen inneren Verachtung dieser „elitären Vollkoffer“ gegenüber dieser Menschengruppe, da packt mich echt die Wut, SORRY! Wir verabschieden uns von Gerald und brechen auf in die Neue Heimat.
Hier darf Tony seit kurzem „residieren“, hinter einer Kirche, dort ist es schön ruhig und etwas abgelegen, damit niemand auf die Idee kommt, etwas boshaftes zu machen, wie vorher in der Wiener Straße, wo Tony war. Ich schnappe den Heizer aus dem Laderaum unseres Busses und die Gasflasche und waten durch den mittlerweile etwa 12cm tiefen Schnee zu Tonys DüK. Wir müssen ein paar Mal klopfen, bis Tony uns hört, dann öffnet er in langer Unterhose und mit aufgesetzter Haube und als er uns erkennt, beginnt er zu lachen und sich zu freuen. Ich stelle den Heizer in sein DüK und zeige Tony, wie er funktioniert. Ich rede Tony fest ins Gewissen, immer gut aufzupassen, auch wenn das Gerät viele Sicherheitsvorrichtungen hat, kann man nicht genug aufpassen. Das Gerät schaltet sich beim kleinsten Übel immer von selbst ab. Würde da etwas passieren, ich würde mir mein Leben lang Vorwürfe machen. Ich habe auch Peter gesagt, bitte, bitte gut aufpassen. Wir lassen Tony wieder schlafen und brechen auf, zu unserer letzten Station.
Die letzte Station ist irgendwo in der Salzburger Straße, dort gibt es ebenfalls 2 DüK’s, und in einem schläft Oliver, den wir heute besuchen wollen. Nach kurzer Suche finden wir die beiden DüK’s. Beim ersten angeklopft, es meldet sich niemand, also weiter zum zweiten, wo sich sofort Oliver meldet, der gerade über sein Handy einen Film anschaut. „Brauchst du etwas zu essen, zu trinken?“ Oliver bejaht und kommt mit zum Bus, wo wir ihm eine Einkaufstasche voller haltbarer Lebensmittel geben, die er mit seinem DüK-Nachbarn Hansi D. teilen wird. Langsam bekommt der Schlaf in mir die Überhand, ich schaffe es kaum noch, den Mund zuzumachen vor lauter Gähnen, es wird für mich Zeit, für heute Schluss zu machen, es ist bereits 23.15 Uhr, ich hatte einen langen Tag und bin fix und fertig.
Wir fahren ins Lager Ansfelden, wo wir alles auswaschen und putzen, alle Boxen in die Trolleys geben und wieder einlagern. Es wartet auch hier noch viel Arbeit auf uns, da wir einen derartigen Durcheinander haben,. Bei den Artikeln der Linz-Tour, trotzdem ich eine Liste angelegt habe. Wir müssen uns verbessern, schnell und auf ein anderes Niveau, denn das was wir hier an Logistik und Organisation an den Tag legen, ist 1.Klasse Volksschule, wir müssen uns alle verbessern, ALLE!
Der heutige Tag war wieder ernüchternd, wir haben wieder vieles gesehen was so nicht sein dürfte, was auch niemand in Österreich vermuten würde, es ist wirklich unterste Schublade was die Politik mit unseren Schützlingen anstellt. Aber die verantwortlichen Sesselkleber werden wieder alle Schuld von sich weisen und gar nicht auf die Idee kommen, dass es sich auch hier um unsere Mitmenschen handelt, der Tellerrand für diese „elitären Klebepfosten“ wird von Tag zu Tag enger, kürzer und unübersichtlicher, man sollte über einen schnellen Ersatz nachdenken.
Liebe Leute, wenn heute meine große Wut in rhetorischer Form mit voller Kraft durchschlägt, tut mir das nicht leid, denn ich hätte es noch ändern können, aber ich möchte meinem Unmut endlich mal Luft lassen. Ich beschimpfe normal niemanden, außer es verhält sich jemand so, wie es die oberösterreichischen und Linzer Politnasen, egal welcher Couleur, es gerade tun. Niemand von denen ist „unschuldig“, jede/r von ihnen könnte etwas anstoßen, zum Wohle der Obdachlosen in Linz, aber da kommt nichts, nichts als heiße Luft.
Danke für Eure Aufmerksamkeit und Eure Loyalität, danke dass ihr uns emotional und moralisch immer so toll unterstützt, es wäre sonst um ein vielfaches schwerer, die „Front“ an der Armut und Obdachlosigkeit zu ertragen, die wir jeden Tag sehen und aushalten müssen.
Gott segne euch!
- w
- w
- w
- w
- w
- w
- w
- w
- w
- w













