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Warum Hilfe so nicht funktionieren kann!

15. Januar 2026
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Warum Hilfe so nicht funktionieren kann!

Verteil-Donnerstag vom 15.1.2026

Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit, Armut, und warum das in Österreich immer noch Realität ist

Manchmal reicht ein Blick, um zu spüren: Da steht ein Mensch, der nicht „einfach nur“ müde ist sondern müde vom Kämpfen, müde vom Erklären, müde vom Hoffen. Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit sind keine Randnotiz, sie sind ein Spiegel dafür, wie schnell ein Leben kippen kann, wenn ein Sicherheitsnetz reißt und wie schwer es ist, wieder Boden unter die Füße zu bekommen, wenn man einmal aus dem System gefallen ist, schafft es kaum jemand mehr zurück in die Gesellschaft, zurück ins Leben, zurück in einen gesicherten Alltag.

Als Obmann der Obdachlosenhilfsaktion.at erlebe ich jede Woche, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht. Ein Mensch mit Geschichte, Würde, Ängsten, Träumen und mit einem Alltag, den sich viele nicht vorstellen können. Genau deshalb schreibe ich dieses Posting so ausführlich. Nicht, um euch zu schockieren, sondern um euch zu erklären und um daran zu erinnern, dass Hilfe nicht „nett“ ist, sondern dringend notwendig.

Wie viele Menschen betrifft diese Problematik bei uns?

Es gibt in Österreich offizielle Erfassungen und es gibt das, was wir in der Realität sehen. Offiziell registriert waren in Österreich im Jahr 2023 insgesamt 20.573 Menschen als obdach- oder wohnungslos. Diese Zahl wird in einer Veröffentlichung von Statistik Austria im Kontext von Armut explizit genannt.

Für 2024 werden - basierend auf den neuesten Zahlen von Statistik Austria - 21.073 registrierte obdach- oder wohnungslose Personen berichtet, also ein neuerlicher Anstieg. Und jetzt kommt das große „Aber“, das wir alle kennen, die in diesem Feld recherchieren und Google bemühen. Diese registrierten Zahlen sind nur ein kleiner, stark verkürzter Teil des Bildes, das man zu sehen bekommt. Denn Wohnungslosigkeit ist oft verdeckt, unsichtbar, nicht gemeldet, nicht erfasst. Eine wissenschaftliche Studie betont genau das, es gibt verschiedene Formen von Wohnungslosigkeit und prekärem Wohnen, die gesellschaftlich „unsichtbar“ sind und sich statistisch nur schwer oder gar nicht abbilden lassen.

In einer österreichischen Unterlage im Housing First-Kontext wird ebenfalls klar festgehalten, dass Menschen, die prekär und ohne rechtliche Absicherung bei Freundinnen oder Bekannten unterkommen und keinen Zugang zu griffiger Unterstützung haben, bleiben in registrierten Statistiken häufig unberücksichtigt und Expertinnen gehen von einer hohen Dunkelziffer verdeckter Wohnungslosigkeit aus. Darum sprechen viele in der Praxis von einer Größenordnung wie von rund 29.000 Betroffenen plus 8.000 bis 10.000 „nicht sichtbare“ Menschen zusätzlich, je nachdem, welche Lebenslagen man mitzählt. Verdeckt wohnungslos, instabile Wohnformen, kurzfristige Nächtigungen in einer Notschlafstelle, Menschen ohne Zugang in eine Einrichtung etc.. Wichtig ist mir dabei, dass nicht die eine „perfekte“ Zahl entscheidend ist, entscheidend ist, dass es viel zu viele sind und dass es wirklich jeden treffen kann, jeden! Und noch etwas, arme Menschen (die zwar noch eine Adresse haben, aber kaum überleben können) sind in solchen Obdach- und Wohnungslosigkeitszahlen nicht enthalten. Dabei ist Armut das ganz große Vorfeld, der Boden, auf dem Wohnungs- und Obdachlosigkeit permanent wächst und gedeiht.

Wer ist obdachlos?

Obdachlos ist jener Mensch, der gar kein Obdach mehr hat, keine Wohnung, kein Zimmer, keinen geschützten Raum. Oft bleibt nur die Notschlafstelle, wenn es dort überhaupt noch einen Platz gibt, sonst bleibt eben nur mehr die Straße. Das klingt sachlich, aber „auf der Straße schlafen“ ist nicht „ein bisschen unbequem“, es ist ein Leben im dauerhaften und ziemlich stressigen Alarmzustand.

Die Gefahren, denen Obdachlose ausgesetzt sind:

  • Kälte, Nässe, Hitze - Wetter wird zur Bedrohung
    Im Winter ist es der Frost und die anhaltende Kälte, Nächte unter dem Gefrierpunkt sind ein direkter Angriff auf den Körper und Organismus, Unterkühlungen, Erfrierungen an Fingern/Zehen, Lungenentzündungen, Herz-Kreislauf-Probleme sind oft tägliche Begleiter. Aber auch der Sommer ist gefährlich, Hitzewellen, Dehydrierung, Sonnenstich, Kreislaufkollaps und Herzprobleme. Ohne Rückzugsraum, ohne Schatten, ohne verlässlichen Zugang zu Wasser wird „Wetter“ zur täglichen Überlebensfrage.
  • Gewalt und Übergriffe, weil Schutz fehlt
    Obdachlose Menschen sind besonders verletzlich, weil sie keinen sicheren Ort haben. Wer schläft, kann nicht aufpassen. Wer keinen eigenen Wohnungsschlüssel hat, hat keine Grenze mehr, an die sich potentielle Gewalttäter halten müssten. Dass Gewalt gegen obdachlose Menschen real ist und oft zunimmt, wird auch medial und von Expert*innen beschrieben, inklusive Hinweis auf immens hohe Dunkelziffern, weil vieles nicht angezeigt wird.
  • Gewalt kann vieles sein:
    • Überfälle, Raub, Schläge, Tritte, Messerattacken
    • Demütigungen, Anspucken, Beschimpfungen
    • Hassverbrechen gegen obdachlose Menschen, die als „wertlos“ abgestempelt werden
    • Vertreibung, ständig weg geschickt werden, nirgendwo bleiben dürfen
    • Und selbst wenn „nichts passiert“, das Gefühl, jederzeit Opfer werden zu können, frisst sich in die Psyche. Dauerstress macht krank.
  • Diebstahl und damit Verlust von Identität
    Für viele ist ein Rucksack nicht „Gepäck“, sondern ihr ganzes Leben und das ganze Hab und Gut. Dokumente, Medikamente, Foto, Handy, ein warmer Pullover. Wird das gestohlen, ist das nicht nur materiell. Es reißt Menschen wieder weiter weg von jeder Chance, etwas zu ordnen.
  • Krankheit ohne Möglichkeit, gesund zu werden
    Eine offene Wunde, ein entzündeter Zahn, Husten, Fieber. In einer Wohnung kann man liegen, sich wärmen, sich pflegen, auf der Straße ist das nicht möglich. Und wer krank ist, verliert Kraft, wer Kraft verliert, verliert Wege, wer Wege verliert, verliert Termine, Fristen, Chancen und der ganze negative Kreislauf wiederholt sich, immer wieder.
  • Schlafmangel, ständige Vertreibung, psychische Überlastung
    Viele schlafen nicht „richtig“, sie dösen, sie wachen auf, sie wechseln Plätze, sie sind ständig wachsam. Das macht kaputt und es leiden die Konzentration, das Gedächtnis, die Emotionen und die Stabilität enorm darunter.
  • Scham und Entmenschlichung, die stille Gewalt
    Vielleicht die grausamste Gefahr ist die, die man nicht fotografieren kann, das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören oder gänzlich übersehen zu werden. Viele Betroffene erzählen nicht zuerst von Hunger sondern von bösen Blicken die verletzen, vom Wegschauen, von dem Moment, in dem man merkt: „Ich bin für manche kein Mensch mehr, sondern nur noch ein dauerhafter Störfaktor.“

Wer ist wohnungslos?

Wohnungslos ist jemand, der kein eigenes Zimmer, keine eigene Wohnung mehr hat, aber noch irgendwie „unterkommt“. Tageweise bei Freund*innen, bei Verwandten, auf Sofas, in Übergangsquartieren, in Einrichtungen oder Notschlafstellen. Und genau diese Form ist oft unsichtbar. Alles weist darauf hin, dass Wohnungslosigkeit nicht nur das stereotype Bild des obdachlosen Mannes in der Großstadt ist sondern viele Formen umfasst, die gesellschaftlich kaum sichtbar sind.

Gründe und Details, warum Menschen wohnungslos werden:

Wohnungslosigkeit ist selten „eine persönliche Entscheidung“. Sie ist fast immer ein Bündel aus einer Verkettung von Ereignissen oder tiefen Schicksalsschlägen und die vorgegebenen Rahmenbedingungen.

  • Trennung, Scheidung, Beziehungsbruch
    Ein Streit eskaliert und eine Beziehung bricht. Plötzlich gibt es keinen Platz mehr. Wer kein eigenes finanzielles Polster hat, landet schnell bei „kann ich ein paar Nächte…?“.
  • Delogierung - Mietrückstände - Kündigung
    Ein Miet- oder Betriebskostenrückstand entsteht oft durch Teuerung, Jobverlust, Krankheit. Es folgen Mahnungen, Kündigung, Delogierung und ab diesem Punkt geht es brutal schnell, die Spirale dreht sich immer schneller, und immer tiefer.
  • Krankheit, Unfall, psychische Krise
    Wenn Einkommen wegfällt oder man länger ausfällt, fehlt nicht nur Geld, sondern auch die tägliche Struktur, die teilweise noch Sicherheit geben kann. Dazu kommt, dass man es in einer persönlichen Krise kaum schafft, den ganzen Papierkram zu erledigen. Und genau dann kommt der ganze Papierkram auf dich zu.
  • Überschuldung
    Viele unterschätzen, wie gnadenlos Überschuldung wirkt. Pfändungen, Konto gesperrt, Druck, Scham, Isolation. Wer keine Unterstützung hat, kippt aus dem gewohnten Leben der letzten Jahre.
  • Gewalt im sozialen Umfeld
    Besonders häufig ist Gewalt in Partnerschaften oder in der Familie. Manche fliehen mit nichts und wenn es dann keinen Platz im Frauenhaus gibt oder die Situation sehr kompliziert ist, beginnt der rhetorische Rundumschlag, der Schrei nach Hilfe.
  • Junge Menschen - Übergänge, die nicht aufgefangen werden
    Jugendliche, die aus schwierigen Verhältnissen kommen, junge Erwachsene nach einem Betreuungsende, Menschen nach Haft, Menschen nach längerem Klinikaufenthalt. Übergänge sind gefährlich, wer da nicht begleitet wird, steht schnell ohne einem Dach über dem Kopf da.

Übergangswohnheime - Chance, aber oft mit Hürden:

In Übergangswohnheimen können Menschen teilweise wieder eine Hauptwohnsitzmeldung bekommen und damit wieder „sichtbar“ werden. Post empfangen, Anträge stellen, Ausweis ausstellen lassen und langsam die Behördenwege überhaupt wieder bewältigen.

Gleichzeitig gibt es harte Realitäten:

  • Ein Bett kostet oft mehrere hundert Euro im Monat (je nachdem in welcher Einrichtung).
  • Der Wohnkostenanteil über € 209,44, der eigentlich in der gesamten Sozialhilfe (€ 837,76) mitberechnet wird, wird aber nicht ausgezahlt.
  • Wer keine Dokumente hat (Ausweis weg, gestohlen, abgelaufen), steckt fest, für jede noch so kleine Chance.
  • Wer psychisch beeinträchtigt ist, kann nicht einfach in einer systemischen Struktur schlafen, diese Menschen brauchen unbedingt eine an sie angepasste und individuelle Hilfe. Viele sogenannte systemischen Hilfen sind für psychisch beeinträchtigte Menschen keine Hilfen, sondern lediglich Tortur, und der setzen sie sich selbst nicht aus.
  • Viele Einrichtungen sind voll. Wartelisten sind an der Tagesordnung und Warten ist Luxus, wenn man gerade keinen Boden hat.

Und - Wohnungslosigkeit ist oft die sichere Vorstufe zur Obdachlosigkeit, wenn hier nicht schnell stabilisiert wird, rutscht man ab, ins bodenlose.

Armut, der Nährboden, auf dem Wohnungsverlust entsteht:

Armut ist nicht nur „weniger Geld“, Armut ist auch keine Reserven mehr zu besitzen, keine Luft mehr zum Atmen zu haben und keinen Notgroschen mehr für: „falls was passiert“. Und genau deshalb kann ein einzelnes Ereignis schon ausreichen, für einen freien Fall in die Obdachlosigkeit.

Die Statistik Austria zeigt, wie groß das Thema Armut in Österreich tatsächlich ist. 2023 konnten 336.000 Menschen in Österreich laut EU-Definition die „Ausgaben des täglichen Lebens“ nicht berappen.
Gleichzeitig waren 2023 1.338.000 Menschen unter der Armutsschwelle, die bei 60% eines mittleren Einkommens (€ 1661,-) liegt.

Diese Zahlen heißen im Alltag:

  • Menschen drehen die Heizung runter, obwohl sie frieren.
  • Sie sparen bei Essen, bei Medikamenten, bei Kleidung.
  • Sie verschieben Zahnarzttermine, bis es nicht mehr geht.
  • Kinder verzichten auf alles, ohne dass sie es aussprechen.

Und wer in so einer Lage lebt hat kaum noch die Kraft, zusätzlich die Bürokratie, die auf dich hereinbricht, zu bewältigen.

„Armut beginnt dort, wo Politik Menschen sich selbst überlässt“ - warum passiert so wenig bis gar nichts?

Ich formuliere das bewusst freundlich, aber klar. Es gibt in Österreich ein starkes Sozialsystem und trotzdem gibt es riesengroße Lücken, die Menschen durchfallen lassen. Warum?

Gründe, warum Politik oft zu wenig gegen Armut und Wohnungsverlust tut:

  • Zuständigkeitschaos und Systemkomplexität
    Sozialleistungen, Wohnbeihilfen, Wohnungssicherung, Gesundheit, Betreuung. Vieles ist auf verschiedene Ebenen und Schultern verteilt. In der Praxis bedeutet das oft, dass sich niemand „zuständig genug“ fühlt und Betroffene müssen selbst alles abklären, obwohl sie total am Ende sind und eigentlich keinen Ausweg finden können.
  • Prävention ist leise, Krisen sind laut
    Delogierungsprävention, Schuldnerberatung, frühe psychosoziale Hilfe, Wohnraumsicherung, das sind die Maßnahmen, die echte Abstürze verhindern würden. Aber sie bringen halt politisch weniger „sichtbare“ Schlagzeilen und Politiker können sich einmal weniger rühmen.
  • Stigma senkt den Druck
    Solange Vorurteile („selber schuld“) in der Gesellschaft herumgeistern, fehlt oft der gesellschaftliche Druck, wirklich mutige Lösungen umzusetzen. Dabei zeigt jede Praxis, es ist fast nie „nur ein Grund“, es sind immer lange, verhängnisvolle Ketten.
  • Bürokratie als Barriere, besonders ohne Adresse
    Viele Hilfen sind an Nachweise, Fristen, Termine, digitale Zugänge geknüpft. Wer kein stabiles Leben hat, scheitert oft nicht am Willen, sondern an der Machbarkeit.
  • Kurzfristige Budgets vs. langfristige Folgekosten
    Wohnungslosigkeit kostet die Gesellschaft massiv. Gesundheit, Rettung, Polizei, Justiz, Akutversorgung. In einem österreichischen Housing-First-Konzept wird ausdrücklich festgehalten, dass Prävention und Wohnungssicherung günstiger ist, als die Folgekosten. Aber Budgetlogiken denken gern in Jahreszahlen oder an Interessen, an politisch kompatiblen Themen oder an attraktiven Wählerschichten, statt in Lebenswegen.

Warum es obdachlose, oohnungslose und arme Menschen gibt:

Strukturelle Ursachen:

  • Teuerung und steigende Wohnkosten bei zu wenig leistbarem Wohnraum in Linz und Oberösterreich.
  • Prekäre Jobs, unsichere und befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeitfalle, Niedriglohn
  • Fehlende Rücklagen (weil es bei vielen schlicht unmöglich ist)
  • Energie - Betriebskosten, Strom, Heizen als Delogierungsfalle
  • Überforderung von Hilfesystemen - zu wenig Plätze, zu wenig Personal, zu viele Menschen die Hilfe brauchen.

Digitalisierung: Ohne Handy/Internet/Adresse wird Hilfe noch schwerer erreichbar:

Stigmatisierung: Bedürftige meiden Systeme aus Scham oder schlechten Erfahrungen, wegen Aussichtslosigkeit oder Willkür in den Ämtern.

Persönliche Brüche

  • Trennung, Trauer, Tod eines Angehörigen
  • Krankheit, psychische Krise, Burnout
  • Suchtkrankheiten
  • Gewalt- und Missbrauchserfahrungen
  • Entlassung aus Haft/Klinik ohne stabile Nachbetreuung
  • Verschuldung, Pfändungen
  • Soziales Netz bricht weg – Familie und Freunde nicht mehr vorhanden

Die „unsichtbare“ Wohnungslosigkeit, warum sie so schwer zu erfassen ist:

Viele leben monatelang „irgendwie“ ein paar Nächte hier, dann wieder dort, sie erscheinen nach außen vielleicht noch als „funktionierend“. Genau darum wird diese Form so oft unterschätzt und in offiziellen Zahlen und Statistiken nicht ausreichend abgebildet. In den Housing-First-Unterlagen wird zusätzlich ein besonders wichtiger Punkt genannt - In einer repräsentativen Befragung gaben 369.000 Personen an, irgendwann in ihrem Leben bereits zumindest eine Episode von Wohnungslosigkeit erlebt zu haben. Das zeigt deutlich, dass das Risiko viel breiter ist, als viele glauben.

Was das im Alltag bedeutet und warum „Hilfe“ mehr ist, als ein Paket:

Wenn jemand zu uns kommt, dann kommt da nicht „nur“ jemand, der Socken braucht, da kommt jemand, der oft schon viel verloren hat - Kontrolle, Sicherheit, Selbstwert, Hoffnung und die gesamte persönliche Struktur. Und manchmal sind das Wichtigste nicht die Lebensmittel beim Verteil-Donnerstag, sondern das Gefühl das wir unseren Schützlingen geben wollen: „Du bist nicht egal, du bist Mensch.“ Ein freundlicher Satz kann einen ganzen Tag drehen. Ein verlässlicher Verteil-Donnerstag gibt vielen Stabilität. Ein wiederkehrender Termin kann vieles ersetzen, wenn sonst nichts mehr hält im Leben, das völlig auf den Kopf gestellt ist. Und genau deshalb ist unsere Arbeit so wichtig, wir sind nicht die „große Lösung“ für alles, aber wir sind ein kleines Stück Boden, auf dem Menschen wieder stehen und sich mit kleinen Schritten bewegen können.

Was wir uns wünschen und was du als Spender*in oder Wegbegleiter*in tun kannst:

Ich will niemandem ein schlechtes Gewissen machen, aber ich will ehrlich sein denn es braucht UNS ALLE!

  • Hinschauen statt wegschauen, nicht die Straßenseite wechseln
  • Respekt statt Vorurteile, Wertschätzung statt Vorwurf
  • Spenden, wenn möglich (regelmäßig würde uns sehr helfen, da dann vieles planbar wäre)
  • Sachspenden laut unserer Liste auf der Homepage
  • Zeit spenden und helfen, sortieren, ausgeben, begleiten
  • Vorurteile stoppen und dagegenwirken, wenn sie am Stammtisch oder im Freundeskreis fallen

Und politisch? Da wünsche ich mir Mut zur Wahrheit. Wohnungslosigkeit löst man nicht mit Sprüchen, sondern mit leistbarem Wohnraum, Prävention, Begleitung, und Systemen, die Menschen nicht erst dann auffangen, wenn sie bereits am Boden liegen.

Hinter jeder Zahl steht ein obdachloser Mensch:

20.573 registriert (2023). 21.073 registriert (2024). Und dahinter verbergen sich Menschen, keine Kategorien und auch keine „Fälle“, sondern Menschen wie du und ich. Wenn du das hier von Anfang an gelesen hast, dann danke ich dir, nicht für dein Mitleid, sondern für deine Aufmerksamkeit die du mir und meinem Posting geschenkt hast. Aufmerksamkeit ist immer auch der Anfang von Veränderung, die passieren könnte und auch passieren müsste. Veränderung beginnt aber auch immer dort, wo wir einander wieder als Menschen sehen und niemanden vor- oder verurteilen, in dessen Schuhen wir keinen einzigen Meter gingen und nicht wissen, welchen Kompass jemand im Leben benutzte.

„Die wollen ja keine Hilfe“ - warum dieser Satz nicht nur falsch ist, sondern gefährlich:

Es gibt Sätze, die hört man immer wieder aus der Politik aber auch aus der Gesellschaft. Sätze, die im Vorbeigehen fallen, am Stammtisch, in Kommentarspalten, manchmal sogar im beruflichen Umfeld. Einer davon ist: „Die Obdachlosen wollen ja keine Hilfe“ oder „die wollen eh in keine Einrichtung“ oder die klassische Kombination aus „die könnten auch arbeiten gehen statt den ganzen Tag zu saufen - wenn sie nur wollten.“

Ich sage das als Obmann der Obdachlosenhilfsaktion ganz deutlich -  das ist eine richtig böse Lüge, und zwar eine, die sich sehr bequem anfühlt weil sie uns aus der Verantwortung entlastet. Wenn wir glauben, „die wollen nicht“, müssen wir uns nicht mehr fragen, ob unsere Angebote passen, dann müssen wir nicht mehr hinschauen, wie kompliziert Hilfe in der Realität ist und dann müssen wir auch nicht aushalten, dass ein Obdachloser nur deshalb am Boden liegt, weil er „so sein will“, und nicht weil der Weg zurück für viele ein Hindernisparcours erster Güte ist.

Menschen wollen Hilfe, alle wollen irgendeine Form von Hilfe.
Was viele aber nicht wollen oder nicht können ist diese 08/15-Systemhilfe, die sich gut in Konzeptpapieren liest, aber im echten Leben immer am Leben und an der Realität der Betroffenen vorbeigeht. Menschen lehnen nicht „Hilfe“ ab, sie lehnen respektlose, unpassende, gefährliche, beschämende oder unmögliche Hilfe ab. Und genau da beginnt das, was wir seit Jahren erleben,
Hilfe muss individuell und an jeden einzelnen Menschen angepasst sein. Niederschwellig. Würdevoll und an den Menschen direkt – und nicht an den Komfort des Systems oder an die Polemik einzelner Politiker, die sich vermutlich über dieses Thema noch nie wirklich tiefe Gedanken über Lösungsansätze machten.

Jetzt kommen wir zum Kern, den viele nicht verstehen oder besser gesagt, nicht verstehen wollen. Wenn jemand in keine Notschlafstelle geht, heißt das nicht: „Er will keine Hilfe“, es heißt oft - dieses Angebot passt nicht zu meiner Realität, oder es ist für mich nicht sicher, oder ich schaffe die riesigen Hürden nicht.

Ein Beispiel aus der Praxis, dass fehlende Niederschwelligkeit eine große Rolle spielt - manche müssten erst anrufen, würden dann mit dem Rettungswagen geholt, das Angebot sei nur kurz gedacht. Viele scheuen formale Behördenwege oder sind nicht in der Lage, diese Prozesse zu durchlaufen.  Das ist kein „Nicht-Wollen“, das ist schlichte Überforderung, große Angst und unüberwindbare Hürden. Und Gründe, warum Menschen trotz vorhandener Schlafstellen auf der Straße bleiben, werden von uns sehr konkret genannt:

  • psychische Erkrankungen, die es schwer machen, in engen oder geteilten Räumen zu bleiben
  • Unwissen, dass es Angebote gibt
  • Haustiere (Hund), viele wollen ihren Begleiter nicht zurücklassen
  • Regeln rund um die Sucht, die früher strenger waren, heute weiß man stärker dass es Zugänge braucht, die obdachlose Menschen dort abholen, wo sie grade stehen

Das ist entscheidend und elementar, obdachlose Menschen meiden nicht die „Hilfe“, sie meiden Situationen, in denen sie:

  • Angst vor Diebstahl oder Übergriffen haben
  • nicht schlafen können (Mehrbettzimmer, Stress, Trigger)
  • sich beschämt fühlen
  • ihre Beziehung oder ihre Begleitung verlieren (Partner, Hund)
  • Regeln als Bedrohung erleben, statt als Schutz
  • oder den Zugang zu einer Einrichtung nicht schaffen, weil die Anforderungen zu hoch sind. Und ja, die Einrichtungen sind oft überlastet, Abläufe sind komplex, Zuständigkeiten sind auf viele verschiedene Abteilungen verteilt.

Darum ist die Behauptung „die wollen ja gar nicht“ so grundfalsch, gemein und unmenschlich. Richtig wäre: „Die brauchen alle einen Weg und Hilfe, die zu ihnen passt und die sie annehmen können, ohne in eine neue Krise zu stürzen.

„Alle wollen Hilfe“, ja, aber Hilfe muss auch passen:

Alle brauchen Hilfe und alle wollen Hilfe, individuelle Hilfe
Was Menschen nicht wollen, ist:

  • Hilfe, die sie beschämt
  • Hilfe, die sie gefährdet
  • Hilfe, die ihre Lebensrealität ignoriert
  • Hilfe, die Bedingungen stellt, die unsere Schützlinge gerade nicht erfüllen können
  • Hilfe, die sie zwingt, „erst perfekt zu werden“, bevor sie richtige Hilfe bekommen

Und dafür gibt es sogar einen international anerkannten Ansatz, den Österreich weiter ausbaut: Housing First, in diesem Konzept wird anerkannt dass die Menschen zuerst Stabilität brauchen und dann begleitende, individuelle sozialarbeiterische und medizinische Unterstützung. Das Sozialministerium beschreibt bei Housing First explizit, dass Betroffene direkt eine eigene Wohnung bekommen und durch Sozialarbeiter*innen begleitet werden - also individuelle Hilfe statt „passt schon“ Schema, wie sie sein soll.

Dieses Konzept Housing-First kostet Geld, ja, aber diese Kosten sind mit keinem einzigen Menschenleben aufzurechnen, es gäbe all den obdachlosen Menschen in ganz Österreich eine neue Zukunft. Ich lasse mich überraschen, wie lange es noch dauern wird, bis sich endlich ein „redlicher“ Politiker für dieses Konzept österreichweit einsetzt und obdachlose Menschen der Vergangenheit angehören. Ich träume davon, liebe Leute.

Manchmal beginnt Hilfe nicht mit einem großen Plan, sondern mit etwas sehr Einfachem, z.B. mit „Schön, dass es dich gibt, was kann ich für dich tun?“ Das würde ich mir wünschen, dass dieses Wohlwollen durch die Gesellschaft geht.

Unser Verteil-Donnerstag diese Woche ist geprägt von der Begleitung der Redaktion „Thema“, der Redakteurin, dem Kamera- und Ton Mann. Übrigens wird dieser Beitrag am kommenden Montag dem 19.1.2026 um 21.10 Uhr in ORF 2 gesendet. Bitte einschalten!

Und am kommenden Dienstag dem 20.1.2026 gibt es in Puls 4 im Frühstücksfernsehen „Café Puls“ ein Interview mit mir, das in der Schleife zwischen 5.30 Uhr und 12 Uhr des Öfteren wiederholt wird.

Und auch in der Kronen-Zeitung wird es in ein paar Wochen einen großen Beitrag über uns geben. Soweit über die mediale Präsenz der Obdachlosenhilfsaktion.at in den nächsten Tagen und Wochen.

Am Vormittag an diesem Verteil-Donnerstag hilft uns auch Rene wieder, der uns allen im Verein sehr abging seit Wochen. Aber auch unser restliches Team besteht aus lauter großartigen Menschen, die auch alle das Herz am rechten Platz haben, DANKE liebes Team, dass ihr Teil meines Vereins seid. Die Tätigkeiten an diesem Donnerstag sind wie auch an anderen Verteil-Donnerstagen, stressig, arbeitsam, und geprägt von vielen Details und vielen Abläufen, die ineinander greifen müssen und werden. Darum berichte ich euch nur sehr kurz über den Vormittag, weil es irgendwo immer das Gleiche ist.

Zum Mittagstisch kochte uns Anni diesmal „gefüllte Paprika mit Kartoffeln.“ Ein tolles Gericht, danke Anni! Danach laden Verena und Harald den Bus ein, wir müssen uns heute beeilen, da das ORF Team pünktlich um 13.30 Uhr in Linz an unserem Verteilplatz auftauchen wird. Ich habe ein paar Interviews mit unseren Obdachlosen für den ORF organisiert, und darum sollten wir pünktlich in Linz sein.

Abfahrt ist heute um 13.15 Uhr in Ansfelden, dass wir es zeitlich auch tatsächlich schaffen. In Linz angekommen warten schon Anni, Michaela und Biggi sowie Andrea. Der ORF ist noch nicht da, also beginnen wir noch den Bus auszuladen und im Büro einzulagern. Es dauert nicht lange, kommt unser Max dazu, der mich heute beim Laptop ersetzen wird, damit ich freie Hand für andere wichtige Dinge habe.

Nach ein paar Minuten taucht der Bus des ORF auf und Marco und Gerry, die ein Interview geben werden, sind ebenfalls schon da. Wir laden noch unseren Bus noch aus und positionieren den Anhänger, für die Kleiderausgabe und stellen auch den Bus an seine gewohnte Stelle. Ich höre mir im Vorfeld nicht an, was unsere Schützlinge im Interview sagen, über sich, über ihr Leben oder über mich, ich höre lediglich öfters meinen Namen, kenne aber den Zusammenhang nicht. Savanka Schwarz, die Redakteurin macht die Interviews und wir fahren dann mit dem Bus rüber, zur Finanzgarage, damit sie den Schlafplatz von Marco und Gerry filmen können, mit deren Einverständnis natürlich.

Dort begegnen wir unserer Gaby, der es schon länger so gar nicht gut geht. Sie friert, hungert und braucht dringend neue Unterwäsche, Thermo-Unterwäsche und neue Schuhe, ihre Crogs haben definitiv ausgedient. Savanka geht mit Marco und Gerry zu Fuß rüber, das restliche Team und ich fahren rüber, haben somit zeitlich einen kleinen Vorsprung und gehen schon mal in die Katakomben runter, vorbei an einem Stiegenaufgang wo menschliche Exkremente liegen, und ich erkläre den beiden das Fehlen einer kostenlosen Toilette: „dann passieren solche Dinge“. „Bitte nicht filmen“ bitte ich noch, die Welt braucht das nicht zu sehen, es würden wieder nur Verurteilungen folgen, die niemand braucht und niemand will.

Nach kurzer Zeit kommen Savanka, Gerry und Marco, die Beiden zeigen ihren Schlafplatz in die Kamera und erzählen über die widrigen Umstände, als Obdachloser in Linz. Über die Gründe ihrer Obdachlosigkeit und über Träume und Wünsche. Ich erzähle auch dazwischen, dass Gaby Hilfe und Sicherheit braucht als Frau, die beiden betonen es das Gaby nichts passieren kann, weil alle auf sie aufpassen.

Gerry und Marco bleiben beim Schlafplatz, sie werden später zum Verteil-Donnerstag kommen, jetzt aber soll ich dem ORF ein paar Schlafplätze zeigen, wo sie noch filmen können. Wir brechen auf, zu Franziskas Zelt unter der Autobahnbrücke und zu Milenkos Platz. Hier werden auch wieder die Details gefilmt und gefragt: „Wie kann man so leben?“. Franziska ist nicht da, sie wird später am Verteil-Donnerstag ein Interview geben. Wir brechen auf zum Verteilplatz, es ist schon 15.30 Uhr, bis 16 Uhr muss ich am Verteilplatz sein, das habe ich versprochen.

Im Nachmittagsverkehr kein leichtes Unterfangen, aber wir schaffen es. Ich merke wie das ganze ORF Team verstört ist und es kommt öfters die Aussage: „Ja, man weiß dass es Obdachlose gibt, aber wie die Schlafplätze aussehen, stellt man sich schon vor, aber ob diese Vorstellung richtig ist, ist eine andere Frage. Ich hätte es mir nicht so arg vorgestellt, kommt vom ganzen ORF Team unisono. Angekommen beim Verteilplatz muss ich zuerst den Laptop starten und einloggen, danach habe ich Zeit für das Interview, worin ich auf das Verhalten der gesamten Linzer Politik hinweise, ein Versagen auf ganzer Linie, egal von welcher Couleur. Sie alle im Linzer Gemeinderat sollten sich schämen, ALLE! Aber solange auch die Linzer „Gesellschaft“ die Straßenseite wechselt, wenn ihnen ein Obdachloser entgegenkommt, ist diese kein Stück besser als die Politik selbst. Ich bin auf den Beitrag gespannt, wie gesagt, Übermorgen um 21.10 Uhr.

Nach dem Interview sondiere ich erstmal die Situation beim Verteil-Donnerstag, die eine aufgewühlte ist ob des ORF Teams. 2 Obdachlose geben dann noch zusätzlich ein Interview und ich kümmere mich um den einen oder anderen Ausreißer, die sich lautstark aufregen wegen dem ORF, aber dass wir filmen dürfen, dafür haben alle unterschrieben, alle. Auch Christoph ist da, mit seinem Trolley, er ist laut heute, zu laut, ich muss ihn bitten nicht so herumzuschreien  was er mir mit einem lauten „ja OK“ quittiert, dass mir fast die Ohren abfliegen. Christoph ist heute auf Krawall gebürstet, ich muss ihm heute die Grenzen aufzeigen, das geht so nicht. Die Warteschlange ist sehr lange geworden, am Ende werden es auch heute wieder 151 Menschen sein, die sich alles Nötige holen dürfen.

Kaum ist Christoph zu ertragen kommen andere, die herumschreien, keine Ahnung warum das heute so ist, dass man herumschreien muss. Sonst wird das ja auch nicht gemacht, ich aber brauche es gerade heute nicht. Im Büro haben wir den kleinen Ofen laufen, der es im Gegensatz zur Verteilerzeile draußen, schön angenehm temperiert.

Unser Tony kommt und ist total glücklich, dass wir ihm einen kleinen Ofen besorgten, mit dem er sein DüK erwärmen darf und kann. Ich habe Tony noch nie so glücklich gesehen und das freut mich ungemein. Er bedankt sich gefühlte 20-Mal für den Ofen und die Spenden, die er sich heute mitnehmen darf.

Da kommt auf dem Fahrrad Isolde und Harry, die Streetworker vom B37, auch das freut mich sehr dass die Beiden einmal bei uns vorbeischauen. Wir quatschen ein wenig, Isolde meint dann: „Ganz schön viel los bei euch hier“. Ja, wie fast jeden Donnerstag, weit über 100 Besucher*innen. Isolde richtet mir auch schöne Grüße von Peter aus mit dem sie heute früh telefonierte, der ebenfalls einen Ofen in sein DüK bekam, auch Peter ist überglücklich. Der Smalltalk mit den beiden Streetworkern bedeutet mir viel, weil er nicht von irgendeinem „Konkurrenzdenken“ zeugt, sondern von einem „ziehen am gleichen Strang“, und darüber bin ich froh. Obwohl das B37 ja vom Land und der Stadt Linz gefördert wird und wir eben nur rein privat spendenfinanziert sind.

Max am PC, kommt einige Male zu mir und fragt nach ob jemand Schuhe oder eine Jacke bekommt, die noch keinen Einkommensnachweis erbracht haben. Da sie nicht auf der Straße schlafen sondern in der Notschlafstelle, bekommen sie lediglich Lebensmittel und Hygieneartikel, Kleidung erst dann, wenn sie wie alle anderen auch, einen gültigen Einkommensnachweis bzw. Versicherungsdatenauszug brachten. Wir bevorzugen niemanden und benachteiligen aber auch niemanden, gleiches Recht und gleiche Pflichten für alle, das ist uns ganz wichtig.

Auch Sabrina, die junge Frau mit den wunden, offenen Beinen, bittet um Schuhe, sie läuft heute wieder in Hauspantoffeln herum, bei Minus 2°, bekommt welche weil sie auch von ihrem Erwachsenenvertreter gänzlich im Stich gelassen wird mit einem mickrigen Taschengeld, das nicht einmal zum Essen reicht. Diese Erwachsenenvertreter lade ich gerne mal ein zu einem Verteil-Donnerstag ein, damit sie sich ein Bild von der Front der Armut machen können, aber vermutlich interessiert sie diese Front gar nicht. Traurig genug, Menschen so zu pflanzen, wie es einige von denen machen, mit der Auszahlung von einem wöchentlichen Taschengeld z.B. von € 20,- obwohl genug Leistung bezahlt wird, dass sich auch ein höheres wöchentliches Taschengeld ausgehen würde. Ich empfehle Sabrina, zum Gericht zu gehen und das dort zu melden, bin gespannt ob sie das macht.

Die Warteschlange reißt nicht ab, kaum sind welche weg kommt sofort der nächste Schwung an Menschen, die sich anstellen. Christoph steht wild gestikulierend hinter Max, wo der PC steht, dort steht auch unser Korb mit den Walkie Talkies, den Jetons für die Notschlafstelle und alle wichtigen Unterlagen. Ich sehe dass nur mehr 3 von 4 Walkie Talkies da sind, es fehlt eines. Mit einem Gerät kann niemand etwas anfangen, wer steckt so etwas ein und bestiehlt uns auf diese Weise? Ich habe sofort Christoph unter Verdacht, weil er immer grinst wenn ich ihn nach dem Walkie Talkie frage: „Na, i hab koa Walkie Talkie“. Heute, 2 Tage nach dem Verteil-Donnerstag meldete sich Gerry per Telefon, dass er Christoph unser Walkie Talkie abgenommen hat. Es wird Konsequenzen haben müssen für Christoph, weil er uns in Wahrheit bestohlen hat und das geht gar nicht.

Der ORF ist immer noch beschäftigt mit den Dreharbeiten, aber ich merke wie sie frieren, und sie langsam alles beenden wollen, endlich ins warme Auto wollen. Sie bedanken sich noch für die tolle Unterstützung, und ich bitte noch um einen wohlwollenden Beitrag in der Sendung übermorgen, was mir auch versprochen wird.

Langsam geht auch der Verteil-Donnerstag zu Ende und es taucht grade Peter auf, der mir auch selbst erzählt, wie glücklich auch er mit dem Ofen von uns ist. Na dann, haben wir wieder etwas richtig gemacht. Es ist schon 18.10 Uhr und eigentlich sollten wir schon zusammenräumen, alles in den Bus einladen und nach Ansfelden abrauschen. Aber vor die Fahrt setzte Gott die Arbeit, also alles in den Bus einladen. Alle helfen zusammen, dann das ganze Prozedere mit Bus umdrehen und Anhänger anhängen, wozu ich immer 2 Helfer brauche weil ich den toten Winkel nicht einsehen kann.

Aber alles gut, wir sind fertig und bereit zur Abfahrt, kurz nach der Abfahrt ruft mich Anni an: „Bindermichl-Tunnel gesperrt“, danke, wir fahren die Wiener Straße über Ebelsberg raus und kommen ohne Stau richtig gut durch. In Ansfelden zeigt mir Harald an wie weit ich mit dem Anhänger noch zur Wand muss, ich sehe es vom Bus aus nicht, da es zu dunkel ist, aber Harald dirigiert mich ganz gut an den Parkplatz. Wir beginnen alles auszuladen und wieder einzulagern, da kommen erst alle anderen, die noch beim ausladen helfen.

Der Donnerstag heute war anstrengender als sonst, er war emotionaler als viele andere Verteil-Donnerstage, und es war wieder jemand, dem wir mit allen Mitteln helfen wollen und der uns bestiehlt. Tja, aber ohne Konsequenzen geht das gar nicht, die muss es geben. Ob er es einsieht oder nicht, wurscht.

Ich sitze nun seit über 8 Stunden nur bei diesem Posting und ich bin im Kopf einfach leer, leergeschrieben, und bin froh, fertig zu sein. Ich danke für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch ein erholsames Wochenende.

Gott segne euch!

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