Johann* und Lisa*! (Wiederveröffentlichung der wahren Geschichten)
Johann* und Lisa*! (Wiederveröffentlichung)
Verteil-Donnerstag vom 29.1.2026:
Johann*!
Johann* war ein fleißiger und engagierter Mann, der sein Leben seiner Familie und seiner Arbeit widmete. Er arbeitete seit vielen Jahren in einer Fabrik, wo er als Maschinenführer tätig war. Johann* liebte seine Arbeit, seine Kollegen respektierten ihn und seine Vorgesetzten schätzten seine Zuverlässigkeit und sein Können. Mit seiner Frau Maria* und ihren beiden Kindern, Anna* und Lukas*, lebte er in einem bescheidenen, aber glücklichen Heim. Sein Leben war von Harmonie und Zufriedenheit geprägt.
Eines Tages änderte sich Johanns* Leben schlagartig. Während eines normalen Arbeitstages ereignete sich ein schwerer Unfall. Eine Maschine, die er bediente, hatte einen technischen Defekt und Johann* wurde schwer verletzt. Er erlitt mehrere Knochenbrüche und innere Verletzungen, die eine sehr lange Rehabilitation erforderten. Die ersten Wochen im Krankenhaus waren geprägt von Schmerzen, einer inneren Ungewissheit und tiefen Zerrissenheit. Maria* besuchte ihn jeden Tag und versuchte, ihm Mut zu machen. Die ganzen persönlichen Umstände und all die Folgen und Konsequenzen hat Johann* in sich reingefressen, um Maria* nicht zusätzlich zu belasten. Johann* hatte keine akzeptable Lösung für sich und seine Familie, die er Maria vorschlagen könnte.
Nach mehreren Monaten im Krankenhaus und einer langen Rehabilitationsphase musste Johann* die bittere Wahrheit akzeptieren: Er konnte seine Arbeit nicht mehr ausüben. Die Verletzungen waren zu schwerwiegend und seine körperliche Leistungsfähigkeit war stark eingeschränkt. Trotz aller Bemühungen fand Johann* keine alternative Beschäftigung, die seinen Fähigkeiten und seiner neuen körperlichen Verfassung entsprach. Schließlich verlor er seinen Arbeitsplatz, was eine erhebliche finanzielle Belastung für die Familie und für Johann* ein Gefühl des totalen Versagens darstellte.
Die psychische Belastung durch den Verlust seiner Arbeit und die finanzielle Unsicherheit machten Johann* zunehmend zu schaffen. Er begann, sich zurückzuziehen und fiel in eine tiefe Depression. Seine körperliche Gesundheit verschlechterte sich ebenfalls, und schließlich wurde bei ihm zusätzlich noch eine weitere, schwere Krankheit diagnostiziert. Diese Behandlung war langwieriger und kostspieliger als die Folgen seines Arbeitsunfalles, und die Familie geriet in immer noch größere finanzielle Schwierigkeiten.
Mit den steigenden medizinischen Kosten und dem fehlenden Einkommen konnte die Familie ihre Wohnung nicht mehr halten. Alles Ersparte löste sich in Rechnungen für Behandlungen auf. Trotz aller Bemühungen und der Unterstützung durch Freunde und Familie mussten sie schließlich aus ihrer Wohnung ausziehen. Maria* fand eine kleine Wohnung für sich und die Kinder, während Johann* vorerst bei einem Freund unterkam. Die Trennung von seiner Familie und der Verlust des gemeinsamen Heims setzten ihm enorm zu und Johann* hörte nicht mehr auf, an sich und seinem Leben zu zweifeln und an sich selbst Stück für Stück, ganz zu zerbrechen.
Die anhaltende Belastung durch Krankheit, finanzielle Sorgen und die räumliche Trennung führte schließlich dazu, dass auch die Beziehung zwischen Johann* und Maria* zerbrach. Maria* fühlte sich überfordert und allein gelassen, und Johann* konnte sich in seinem Zustand nicht ausreichend um sie und die Kinder kümmern. Schließlich beschlossen die Beiden, sich zu trennen. Maria* zog mit Anna* und Lukas* in eine kleine, neue Wohnung, während Johann* weiterhin bei seinem Freund lebte.
Ohne feste Bleibe und ohne Aussicht auf Besserung fand sich Johann* schließlich irgendwann auf der Straße wieder. Die Kälte, die Einsamkeit und die ständigen Sorgen um das tägliche Überleben prägten nun seinen Alltag. Doch trotz allem gab Johann* nicht auf. Er fand Zuflucht in einer Obdachlosen-Einrichtung und begann, sich mit anderen Menschen in ähnlichen Situationen anzufreunden. Er führte viele für ihn wichtige Gespräche mit Obdachlosen, aus denen er Kraft und Hoffnung schöpfte. Johann* war der Überzeugung, dass seine Situation anders gelagert ist als jene seiner Gesprächspartner, die sich teilweise schon aufgegeben haben. Aber glaubt das nicht jeder Mensch, der in große Probleme geraten ist? Glaubt nicht jeder Mensch, dass sein Problem nicht so „schwer“ und eigentlich zu lösen ist? Zuerst neigt man dazu, die Situation gänzlich falsch einzuordnen, bis die Möglichkeiten sich irgendwo Hilfe zu holen, nach und nach, alle zerbrechen.
Eines Tages jedoch traf Johann* auf einen gemeinnützigen Verein, der Obdachlosen geholfen hat, wieder auf die Beine zu kommen. Mit deren Unterstützung fand er zunächst ein Zimmer und dann auch eine Teilzeitbeschäftigung, die seinen körperlichen Fähigkeiten entsprach. Langsam aber sicher begann sich Johanns* Leben wieder etwas zu verbessern. Er konnte wieder ein kleines Einkommen erzielen und fand neue Hoffnung und Zuversicht, er fand auch neue Freunde, die ihm immer wieder Mut machten und ihn in seinem Tun, bestärkten.
Mit der Zeit konnte Johann* auch die Beziehung zu seiner Familie wieder verbessern. Er setzte sich intensiv mit seiner Vergangenheit auseinander und holte sich professionelle Hilfe, um seine schweren Depressionen und Ängste zu überwinden. Seine Kinder, Anna* und Lukas*, waren inzwischen älter geworden und verstanden die schwierige Lage, in der ihr Vater sich befunden hatte. Sie begannen langsam, die ganze Situation ihres Vaters zu verstehen und verziehen ihm, dass er sich von seiner Familie für eine bestimmte Zeit trennen musste. Sie begannen, ihn regelmäßig zu besuchen und unterstützten ihn in seinem Weg, zurück ins Leben.
Heute lebt Johann* in einer kleinen Wohnung und arbeitet in einem gemeinnützigen Projekt, das anderen Menschen hilft. Seine eigene Geschichte und seine Erfahrungen machen ihn zu einer wichtigen Stütze und Inspirationsquelle für viele Menschen, die ähnliche Schicksalsschläge erlitten haben. Durch seine Arbeit hat er neuen Lebensmut gefunden und kann endlich wieder nach vorne schauen. Seine Reise war lang und beschwerlich, aber Johann* hat nie aufgegeben. Er ist ein lebendiges Beispiel für die Kraft des menschlichen Geistes und die Bedeutung von Hoffnung und Durchhaltevermögen.
Lisa*!
Lisa* war eine junge Frau mit großen Träumen. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Innviertel, träumte sie von einem Leben in der Stadt, einem erfolgreichen Job und eine kleine, glückliche Familie. Nach der Matura zog sie nach Linz, um hier ihre Träume zu verwirklichen. Sie arbeitete hart und schaffte es, eine Stelle als leitende Bürokauffrau in einer angesehenen Firma zu bekommen. Ihr Leben schien perfekt zu sein, bis eine Reihe von Schicksalsschlägen alles änderte.
Eines Tages erhielt Lisa* die Nachricht, dass ihr geliebter Vater schwer erkrankt war. Sie nahm sich eine Auszeit von der Arbeit, um sich um ihn zu kümmern. Doch trotz ihrer Bemühungen verstarb er einige Monate später. Der Verlust ihres Vaters traf Lisa* hart und sie fiel in eine schwere und tiefe Depression. Ihre Abwesenheit von der Arbeit und ihre zunehmende, nicht enden wollende Traurigkeit führten schließlich dazu, dass sie ihre Arbeitsstelle verlor. Ohne Einkommen und in einer umfassenden emotionalen Krise geriet Lisa* bald auch in große finanzielle Schwierigkeiten.
Lisa* versuchte, sich wieder aufzurappeln und eine neue Arbeit zu finden, doch ihre tiefe Trauer und schwere Depression erschwerten ihr die Suche. Schließlich konnte sie auch ihre Miete nicht mehr bezahlen und wurde aus ihrer Wohnung delogiert. Plötzlich fand sich Lisa* auf der Straße wieder, obdachlos, ohne Perspektive und nicht wissend, ob und wo sie Hilfe bekommt. Die ersten Nächte auf der Straße waren die härtesten. Die Gefahren für eine obdachlose Frau sind immens groß und immer in allen Gedanken vorherrschend. Sie musste lernen, wie man in der Kälte überlebt und wo man etwas zu essen findet. Lisa* war entschlossen, sich nicht aufzugeben und nach Menschen zu suchen, die ihr helfen würden. Doch die meisten Menschen, die Lisa* angesprochen und um Hilfe bat, drehten ihr den Rücken zu und ließen Lisa* einfach stehen.
Durch Zufall traf sie auf eine Gruppe anderer Obdachloser, die sie in ihre Gemeinschaft aufnahmen. Zusammen halfen sie sich gegenseitig, teilten das wenige, was sie hatten, und boten einander Trost und Unterstützung. In dieser neuen Gemeinschaft fand Lisa* einen Funken Hoffnung und begann, sich wieder aufzurappeln. Sie nutzte die Gelegenheit, sich an Streetworker zu wenden und auch an Gespräche mit den Sozialarbeitern teilzunehmen.
Eines Tages erfuhr Lisa* von einem gemeinnützigen Verein, der Obdachlosen half, langsam wieder auf die Beine zu kommen. Mit deren Unterstützung fand sie einen Teilzeitjob in einer Bäckerei. Es war ein bescheidener Anfang, aber es gab ihr die Möglichkeit, wieder ein kleines Einkommen zu verdienen. Mit der Zeit begann Lisa*, ihre Fähigkeiten durch interne Schulungen in der Bäckerei weiter auszubauen und neue Freundschaften zu schließen. Sie fand Freude daran, den Menschen in der Bäckerei zu helfen und ihre Geschichten zu hören, sie begann wieder zu lachen, das Leben aus der anderen Sicht zu sehen und ihre schwere Depression mit Hilfe von Medikamenten in die Vergangenheit zu drängen.
Langsam aber sicher begann sich Lisas* Leben zu verbessern. Sie konnte sich schließlich ein kleines Zimmer leisten. Es war nicht viel, aber es gab ihr ein Gefühl von Stabilität und Sicherheit. Lisa* nutzte ihre neu gewonnene Stabilität, um sich auf ihre persönliche Entwicklung zu konzentrieren. Sie begann, sich ehrenamtlich in dem Verein zu engagieren, der ihr geholfen hatte, wieder auf die Beine zu kommen.
Während ihrer ehrenamtlichen Arbeit traf Lisa* auf viele Menschen, die ähnliche Schicksale erlitten hatten. Ihre eigene Geschichte half ihr, Empathie und Verständnis für andere zu entwickeln. Sie wurde zu einer wichtigen Unterstützerin und „Beraterin“ für viele, die sich in ähnlichen Situationen befanden. Ihre Arbeit und ihr Engagement brachten ihr nicht nur Anerkennung, sondern auch tiefen persönlichen Frieden und Zufriedenheit.
Ihre eigene Geschichte und ihre Erfahrungen machten sie zu einer inspirierenden Führungspersönlichkeit. Sie nutzte ihre Position, um in ihrem Umfeld das Bewusstsein für Obdachlosigkeit zu schärfen und den Menschen zu erzählen, dass Obdachlosigkeit jede/n treffen kann, schneller als man glauben möchte.
Heute lebt Lisa* in einer gemütlichen kleinen Wohnung und leitet erfolgreich ein Projekt, das Obdachlosen mit Rat und Tat hilft. Ihre Reise war lang und beschwerlich, aber sie hat nie aufgegeben. Lisa* ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Resilienz, Hoffnung und die Unterstützung der Gemeinschaft das Leben eines Menschen verändern können. Ihre Geschichte inspiriert viele, nie die Hoffnung zu verlieren und immer weiter zu kämpfen, egal wie aussichtslos die Situation erscheinen mag.
Lisa* hat es geschafft, sich aus der Obdachlosigkeit zu befreien und ein neues Leben aufzubauen. Ihre Geschichte ist ein Zeugnis für die Kraft des menschlichen Geistes und die Bedeutung von Mitgefühl und Zusammenhalt. Durch ihre Arbeit und ihr Engagement hat sie das Leben vieler Menschen berührt und verändert.
Zwei Schicksale, die aus dem wahren Leben gegriffen sind und die sich genau so zugetragen haben. Zwei Menschen, zwei Schicksale, zwei Wege und ganz viel Hoffnung, die den beiden aus dieser schweren Krise geholfen hat. Sie haben zwischendurch auch die Hoffnung verloren, wussten lange Zeit nicht mehr, was ihnen das Leben noch schenken würde, aber sie haben sich nicht aufgegeben und haben auf ihren Weg zurückgefunden, wenn der auch anders verlief, als der frühere Weg.
Zwei Menschen und ihr Schicksal, zwei Menschen die genau wissen, was es heißt, von der Gesellschaft fallen gelassen zu werden und sich auch mit viel Glück und mit ganzer Kraft, zurück zu kämpfen. Ich habe heute noch Kontakt zu den Beiden, und es ist jedes Mal eine große Freude, mit dem entstandenen Abstand über ihre Vergangenheit zu reden und immer wieder kleine Erkenntnisse daraus zu gewinnen.
Johann* Lisa* : * Namen geändert
Info am Rande des Verteil-Donnerstags:
Heute aber haben wir 2 Briefe bekommen, zum Einen vom Bezirksgericht Steyr, über eine € 10.000,- Erbschaft, die uns 2024 unter vielen anderen Erben, auch zugesprochen wurde. Dieser Brief vom BG Steyr sagt nur in einem Satz, dass die gesamte Erbschaft die in einem 18-Seitigen Testament verfügt wurde, an „Licht ins Dunkel geht“ und wir uns dort mit der Bitte um Überweisung der genannten Summe, vorstellig machen müssen. Ein Anruf bei der zuständigen Notarin in Steyr brachte auch keine Klärung, sondern nur die Aussage: „Ob Sie die Erbschaft ausbezahlt bekommen, liegt nur an „Licht ins Dunkel“, die dieses Legat nicht anerkennen müssen. Da gibt es ein gültiges Testament mit einer Verfügung, und das Bezirksgericht entscheidet dann entgegen des Testaments, in welchem „Rechtsstaat“ leben wir nur? Wir können den Antrag stellen auf Auszahlung der zuerkannten Geldsumme.
Im zweiten Brief fordert uns das Finanzministerium auf, einen Paragrafen, den §4a Abs. 4 Z 3 lit. c EstG 1988 anzupassen und zu ersetzen, der eigentlich schon in unseren Statuten steht, und ich bekomme niemand kompetenten ans Telefon, der mir darüber beim Finanzministerium eine belastbare Auskunft über die weitere Vorgehensweise geben könnte. Jetzt, nach 3 Monaten noch einmal eine Generalversammlung einzuberufen und abzuhalten ist echt nicht nachzuvollziehen. Die Vereinsbehörde sagte mir schon: „Tut uns leid, aber da können wir nicht mitreden, das ist Angelegenheit des Finanzministeriums“. Wir haben schon eine „großartige“ Bürokratie und dazugehörige „Angestellte“, die anderswo nicht einmal eine Toilettenpapierrolle als „Lohn“ heimbringen würden. Dieser Amts-Wahnsinn aber, hat Methode in Österreich.
Der Verteil-Donnerstag jede Woche, lebt von einer gewissen Routine, von einem immer widerkehrendem Ablauf. Deshalb ist es nicht förderlich, all die Abläufe vom Vormittag detailliert zu erzählen, weil es jeden Donnerstag das Gleiche ist.
Wobei der Verteil-Donnerstag, der Nachmittag, jede Woche anders aussieht und jede Woche anders abläuft, mal besser, mal schlechter. Wichtig aber ist immer, die nötige Disziplin in der Warteschlange, dass die auf Punkt und Beistrich eingehalten wird.
Um 14.10 Uhr sind wir diese Woche in Ansfelden abgefahren, und eigentlich hätte der Wetterbericht nass-kaltes Wetter vorhergesagt, gottseidank hatte er unrecht und es ist noch trocken, ich bete zu Gott, dass es auch wirklich trocken bleibt. In Linz angekommen wird alles, wie jede Woche ausgeladen und ins Büro gebracht, wo es in die Regale geschlichtet wird. Zuerst unseren Ofen starten, damit es zumindest temperiert ist und dann unsere Power-Bank ans Netz hängen, damit wir Licht haben und auch etwas sehen im Büro.
Die anderen Heizelemente bringe ich raus, zu Tony und Markus, die schon warten. Sie können sich daran erwärmen und müssen nicht frieren. Ich habe in den letzten Wochen immer wieder auch über die ganzen enormen finanziellen Belastungen, die so ein Verteil-Donnerstag mit sich bringt, geschrieben, dass so ein Verteil-Donnerstag mit 168 Besuchern, wie erst vor wenigen Wochen, uns weit über € 4000,- kostet, da reden wir über EINEN Verteil-Donnerstag, mindestens 4 davon gibt es jedes Monat. Auch alle anderen finanziellen Belastungen sind enorm gewachsen, weil Versicherungen, Mieten, Betriebskosten usw., stark gestiegen sind. Wir versuchen unser Bestes, versprochen, aber Wunder dauern auch bei uns etwas länger.
Wir hängen den Anhänger ab und positionieren ihn wie immer, verkehrt auf der Straße und stellen den Bus daneben hin. Unser Team ist flott und genau, toll mitanzuschauen wie alle zusammenhelfen. Leider haben wir fast jede Woche das Problem, dass jemand am Donnerstagfrüh absagt für den Verteil-Donnerstag, wo ich dann einen Ersatz suchen muss, mir aber schwer tue weil am Donnerstagfrüh hat jede/r seinen Donnerstag schon verplant, aber auch diesmal geht alles gut und wir bekommen noch zusätzliche Hilfe.
Um 16 Uhr beginnen wir mit der Ausgabe, alles ruhig und gesittet, zumindest vorerst, dann kommt der Obdachlose „Milenko“, der G. den Schlafplatz unter der Brücke weggenommen hat und seither weiß G. nicht mehr, wo er noch bleiben darf, weil Polizei und Ordnungsdienst ihm fast jeden Tag ein Platzverbot auferlegen, nachdem „Linz News“ letztens postete, dass es 50.000 vorbeifahrenden Autos nicht zumutbar ist, sich den Obdachlosen in der Autobushütte anschauen zu müssen. Daraufhin leitete der Ordnungsdienst am gleichen Tag noch eine Delogierung an, und ein paar Tage später auch die Polizei. So treibt man nun G. wie ein Stück Vieh durch Linz und niemand sagt ihm, wo er schlafen darf. Der Umgang in Linz mit unseren Schützlingen ist nur noch MENSCHENVERACHTEND UND NIDERTRÄCHTIG!
In Kürze kommt ein großer Bericht über unsere Arbeit in einer großen Tageszeitung, ich hoffe dass dann einige Politnasen in Linz ihren dicken Hintern hoch bekommen und endlich was tun, gegen diese Hetze der Securitys und Polizei, die selbst eigentlich persönliche Betreuung bräuchten, damit sie nicht immer willkürlich und abgrundtief bösartig handeln. Ich wünsche mir von ganzem Herzen dass der Bericht das hergibt, dass diese Hetze in Linz aufhört und dass jemand dem Linzer Bürgermeister richtig auf die Zehen steigt und von dort nicht mehr runtergeht.
„Milenko“ quatscht Franziska noch die Sonnenbrille auf eine unerträgliche Art ab und grinst noch blöd, er lächelt auch bei seinen Äußerungen zu Franziska, dass er sie liebt, Franziska aber hat große Angst vor ihm. Ich erkläre ihm eindringlich, dass er bei uns keine Lebensmittel und auch sonst keine Hilfe bekommt, solange er Gewalt und Druck auf andere Obdachlose ausübt. Das geht gar nicht. Er grinst mich an und steckt sich eine Zigarette in den Mund. Er meldet sich auch heute erst gar nicht an und geht wieder, ist mir lieber so, niemand braucht solche Typen wie ihn, die nur eine Sprache kennen, die der Gewalt. Trauriges Würschtel.
Wir konzentrieren uns auf die Menschen in der Warteschlange, die heute nicht so sehr anschwillt wie die letzten Wochen, am Ende werden es heute 89 Menschen sein, die sich bei uns Hilfe holen. Ich nehme mir immer wieder die Zeit und gehe eine Runde durch alle Stationen, bis dann U. kommt, und sie ist mächtig stolz darauf keine Drogen mehr zu nehmen und die Alkoholgrenze auf weniger als die Hälfte reduziert zu haben. Sie erzählt mir, dass sie seit Monaten kein Geld bekommt und auch kein Geld hat, und es gibt da einen Mann, dem sie sehr gefällt und der bot ihr jetzt € 500,- für ein unanständiges „Angebot“ an. U. möchte dieses „Angebot“ eigentlich annehmen, um sich ein paar Dinge kaufen zu können. Ich rede mit ihr und möchte wissen, wie das danach weitergehen soll? Prostitution kann kein Weg sein, aber U. argumentiert nur noch mit den €-Zeichen in den Augen. Ich versuche ihr Mut zu machen und sie von diesem „Plan“ wegzubringen, aber irgendwie ist bei U. grade der Gedanke an die € 500,- stärker, als mein Gesülze. Ich kann es ihr nicht ausreden, und ich habe auch kein Recht sie deshalb zu be- oder zu verurteilen, sie ist alt genug selbst zu entscheiden was sie macht und was nicht, aber es macht mich sehr, sehr traurig, was Geld mit Menschen macht.
M., U.‘s Begleiter, sagt nichts zu diesem Thema, er enthält sich der Aussage, aber ich merke schon wie weh ihm das tut, was U. hier vorhat. Wahnsinn! Weiter im Ablauf, ich muss kurz weg von U., ich ertrage grade die Stimmung nicht, unsere Michaela steht auch dabei und versucht auch, positiv auf U. einzuwirken. Umsonst.
Ich gehe zu Max, zur Anmeldung und rede vorne mit Schützlingen in der Warteschlange, ich muss mich von U. ablenken, ich merke wie mir dieses Thema richtig zusetzt und mir die Luft zum Atmen nimmt. Das kanns nicht sein, das darf nicht sein, soweit darf es doch im Leben nicht kommen, dass jemand seinen Körper verkaufen muss, um sich das Nötigste kaufen zu können.
In den letzten Tagen kontaktierte mich Peter aus Tirol, der in dem ORF-Beitrag über uns seinen früheren Freund Marco erkannte, die zu dritt vor etwa 2 Jahren schon einem Obdachlosen in Tirol geholfen haben, der jetzt trocken ist, jeden Tag arbeiten geht und eine feste Wohnung hat. Peter hat in einigen Telefonaten mit mir erfragt, wie es Marco geht und ob Marco diese Hilfe annehmen würde. Ich habe Marco schon 3-Mal darauf angesprochen, welche Chance er hier bekommen würde. Er ist eigentlich positiv Peter und seinem Hilfsangebot gegenüber eingestellt, ob Marco diesen Schritt wirklich gehen kann, wird sich am 20.2. zeigen, wenn Peter aus Tirol nach Linz kommt und Marco persönlich sprechen will. Ich bin gespannt und werde Peters Angebot bestmöglich unterstützen, dass Marco wirklich von der Straße wegkommt. Wünschen würde ich es ihm von ganzem Herzen. Über weitere Aktivitäten von Pete4r und Marco berichte ich euch beim nächsten Posting bzgl. unserer Linz-Tour vom vergangenen Freitag.
Emotional ist das heute eine ganz schöne Berg- und Talfahrt für mich, immer nah an der Grenze zu den Tränen und zum „Frosch“ im Hals. Manchmal geht Hilfe eben nicht so leicht, manchmal muss man ganz schön viel ertragen, um wirklich helfen zu können. U. steht immer noch bei Michaela und weiß nicht was sie tun soll mit dem „sündigen“ Angebot über € 500,-. Mann, wie kriege ich das nur wieder aus dem Kopf, in welcher „Klemme“ sich U. befindet, weil gerne würde sie diesen „Dienst“ nicht machen, so viel habe ich herausgehört, aber das Geld lockt sie immens.
Mittlerweile ist es dunkel geworden, das „bunte Treiben“ unserer Schützlinge in der Warteschlange wird stiller und weniger, und die schon abgeleisteten Stunden heute lassen uns auch langsam die Kälte wieder spüren, die wieder langsam in jede Pore kriecht. Bei der Anmeldung rede ich mit E., die im September 2025 den letzten Einkommensnachweis brachte, dass das so nicht geht und sie nächste Woche nichts mehr bekommt, wenn sie die erforderlichen Unterlagen nicht bringt. Gleiches Recht, und gleiche Pflichten für alle, hier werde und will ich kein Auge zudrücken, das geht nicht. E. beginnt über „Fairness“ zu reden und sich herauszureden, worauf mir der Kragen platzt und ich ihr sage: „das liebe E., was du machst ist nicht fair deinen „Freunden“ gegenüber, die alle ihre Unterlagen brachten, nur du nicht“. E. schluckt und sagt nichts mehr dazu. Anzumerken ist auch das E. eine von jenen Menschen ist, die immer ins volle greifen wollen und nie genug kriegen, und das werde ich nun gänzlich abstellen, versprochen.
Ich teile ein paar gespendete Öffi-Fahrkarten aus an jene, die mit Öffies zu uns kommen, auch wieder so ein kleiner Puzzleteil, weil die Meisten ohne Fahrschein mit den Öffies zu uns fahren, aus Geldmangel.
Langsam geht dieser Verteil-Donnerstag zu Ende, ich bin trotz der eigentlich erträglichen Temperaturen, durchgefrostet und freue mich auf eine heiße Dusche heute Abend. Wir beginnen langsam zusammenzuräumen, die leeren Boxen im Bus zu stapeln und alles abzuarbeiten, dass wir ohne Bedenken heimfahren können. Alle Öfen und Heizelemente ausschalten und draußen auskühlen lassen, alle Gasflaschen verlässlich abdrehen und sichergehen, dass nichts passieren kann.
18.30 Uhr, wir haben alles eingepackt, den Hänger angehängt, zusammengekehrt, geputzt, alles wieder so hergestellt, wie es sein muss. Angekommen in Ansfelden muss ich den Anhänger wieder rücklings in die Abfahrt stellen, gar nicht so einfach wenn man den toten Winkel nicht einsehen kann, aber Max und Günther helfen mir mit Kommandos. Danach den Bus umdrehen und ausladen, alle Sachen wieder einlagern, um nächste Woche wieder alles in Griffweite zu haben.
19.05 Uhr, ein kleiner Plausch noch mit Max bevor ich heimfahre, er macht mir immer wieder Mut und zeigt mir oft auf, welch tolles Team wir haben und welche tolle Arbeit wir leisten, ich kann ihm nur beipflichten. Ich breche auf, nach Hause, bin froh wenn ich daheim bin und aus den Schuhen komme, seit 6 Uhr früh bin ich schon unterwegs heute, das reicht.
Euch aber danke ich für eure Aufmerksamkeit und eure Loyalität, möchte Vergelt’s Gott und DANKE sagen, für die großartige Unterstützung immer wieder.
In meinem Kopfhörer läuft grade „Them feat. Van Morrison“ mit dem Titel „It’s All Over Now, Baby Blue“, ein mächtig-musikalisches Statement, das mir immer wieder gut gefällt!
Danke für alles und, Gott segne euch!
- IMG w
- IMG w
- IMG w
- IMG w
- IMG w
- IMG w









