Linz-Tour – Kalt wird’s!
Kalt wird's!
Linz-Tour vom Samstag 17. Oktober 2026
Wir, dass heutige Team, unser Fahrer Max, Michaela und ich, Verena, starten kurz vor 17 Uhr den OHA-Bus. Es ist mir eine besondere Freude, Michaela heute wieder mit an Bord zu haben, nach einer Pause hat sie den Weg wieder zu uns gefunden, und das ist einfach großartig – danke liebe Michaela!
Alles ist eingeräumt, die Kisten und Schütten bis zum Rand gefüllt mit Lebensmitteln, Hygieneartikel, Kleidung und eben den wichtigsten Gütern, die man zum Leben benötigt. Ein herzliches Dankeschön an unsere fleißigen Vormittagselfen.
Der erste Weg führt uns zu Gerald nach Wels, es ist uns allen ein besonderes Bedürfnis nach ihm zu schauen, schon sehr lange kennen wir ihn und sein trauriges Schicksal. Aber vor allem kennen wir Gerald, einen wunderbaren Menschen, dem das Schicksal grausam zusetzte und ihm wahrlich aus der Bahn geworfen hat. Wir kommen zu ihm, um ihm zu zeigen: „Du bist uns wichtig.“, und vielleicht können wir durch unser „zu Besuch kommen“ auch ein wenig Zuneigung und Nähe vermitteln.
Wir treffen ihn heute nicht hinter seiner Plakatwand, sondern an der nahegelegenen Bushaltestelle an. Hier hat er seine neue Bleibe aufgeschlagen – eine kalte Holzbank in einer Glaszelle, diese bietet keine Wärme, jedoch einen Schutz vor Wind und Nässe. Er erzählt uns, dass er auf seinem alten Platz nicht mehr so gut unterkommt und es gab wohl auch einige Schwierigkeiten, die ihn veranlasst haben sein Quartier zu verändern. Wir plaudern und wie immer sind wir von seinem freundlichen, bescheidenen Wesen gedemütigt – er nimmt wenig, gibt zur Antwort: „Ich habe eh alles, danke, danke, dass ihr gekommen seid“. Er hat eh alles, diese Worte bleiben uns in unseren Herzen hängen. Ein Mensch, der alles verloren hat und in einer dünnen Hose und Weste in der Kälte einer Bushaltestelle sitzt – er hat alles…
Unser nächster Halt ist der Volksgarten, hier versorgen wir Gabi und auch einige andere unserer Schützlinge mit Lebensmittel, Kleidung und Schlafsäcken – ja die Nächte sind bereits jetzt ungemütlich und Wärme und Nässeschutz wird ein zentrales Thema.
Im Schillerpark finden wir Franziska vor, es ist ihr heute wichtig zu erzählen. Ihre Erzählungen der letzten Tage sind erschütternd! Als Frau auf der Straße ist es besonders schwer, unbeschadet zu überleben, wobei, anhand ihrer Berichte geschieht dies eben leider nicht. Sie ist täglich Übergriffen ausgesetzt und das geringste Übel sind Beschimpfungen und angespuckt zu werden. Menschen können so unsagbar grausam sein, denn was veranlasst einen Mann auf eine wehrlose Frau loszugehen, sexuelle Gewalt anzuwenden, auf einen schlafenden Menschen zu urinieren …? Franziska ist ein Mensch, eine Frau, die vieles ertragen und erleben musste – warum nimmt man ihr ihre Würde?
Ja, es macht etwas mit uns ihr zuzuhören und ihr wenigstens für kurze Zeit eine Schulter und ein offenes Ohr anzubieten
Der nächste und größte Treffpunkt ist der Bahnhof. Hier erwarten uns bereits um die 80 Menschen, die unsere Hilfe benötigen. Auch Walter ist heute vor Ort und gemeinsam lauschen wir ihm, als er von unserem nächsten Projekt erzählt.
Hurra, wir haben eine Verteilstelle gefunden – eine Bürofläche, die wir anmieten und ab November wieder wöchentlich unseren Schützlingen helfend unter die Arme greifen können. Es ist schön, die Freude in den Gesichtern zu sehen. Wir spüren echte Dankbarkeit und hören oft die Worte: „Danke, Walter, ohne euch wüssten wir nicht, was wir machen sollten!“
Näheres zum Verteilplatz und Verteiltag erfährt ihr von Walter!
Wir füllen Taschen und Rücksäcke, die vollgefüllten Kisten und Schütten leeren sich. Uns ist wieder vollkommen klar, warum wir heute hier sind. Besonders bewegt mich ein Mädchen, das mit ihrem Vater heute hier ist. Sie ist etwa 9 Jahre alt und ich überreiche ihr eine PEZ-Figur, ja nur eine PEZ-Figur! Ich wusste nicht, dass ein so kleines Geschenk so viel Freude auslösen kann! Sie meinte das habe sie sich schon so lange gewünscht. Da kommt die Frage auf, wie das wohl bei unseren Kindern ist – wahrscheinlich eher eine Selbstverständlichkeit solch einfache Gaben zu erhalten, oder?
Nachdem wir alle unsere Schützlinge versorgt hatten, fuhren wir weiter zu George. Er lebt seit kurzem in Linz in einer Parkgarage. Seine Freude, uns zu sehen, ist herzerwärmend. Er kann wenig deutsch und englisch, er möchte arbeiten und ein besseres Leben führen. Sein Zuhause ist ein kalter Boden mit kalten Wänden, das einzig Warme ist eine kleine Lampe, die ein Bild erhellt, ein Bild der heiligen Maria und dem Jesu Kind. George zeigt es uns voller Stolz, sein Glaube und seine Hoffnung in eine bessere Zukunft stärken und erhalten ihn. Nachdem wir auch ihn ausreichend versorgt haben, fahren wir weiter.
Wir fahren viele Plätze ab, Plätze, wo wir unsere Schützlinge vermuten und auch oft antreffen, von Urfahr bis nach Leonding.
Natürlich gehen wir auch heute wieder zu Peter bei der Donau, bringen ihm was er braucht und hören ihm zu. Ja, ich persönlich glaube, es ist sehr wichtig gehört und gesehen zu werden. Besonders Max kann Peter in technischen Belangen gut sein Gehör und seine Unterstützung geben.
Auch unter der Autobahnbrücke sowie einigen Parks drehen wir unsere Runde, um zu sehen, ob unsere Hilfe gebraucht wird. Auch beim Brucknerhaus neben hunderten feiernden Menschen liegt im kalten Dunkel der Nacht ein Mensch – schon krass die Gegensätze so vor Augen geführt zu bekommen.
Unsere Abschlussbesuche sind immer bei den DüK‘s und ihren Männern. Toni, Hans und Oliver sind wie bei jeder Nachttour der krönende Abschluss. Wir versorgen sie mit unseren Gaben, und es ist wie immer lustig und nett mit ihnen zu plaudern.
Gegen 1:30 Uhr erreichen wir wieder die Lagerhalle, räumen den nun leeren Bus aus und verabschieden uns mit einem guten Gefühl, Sinnvolles getan zu haben.
© by Verena Thurn
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