10.4.2021 – Die junge SPÖ Linz Land sammelte für uns!

Michael Mollner (SPÖ VzeBgm. aus St. Florian) und sein Team von der jungen SPÖ Linz-Land, sammelten gestern Samstag dem 10.4.2021 in Enns bei Billa Plus, haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel für unsere Obdachlosenhilfsaktion.at. Dieses tolle Team brachte sagenhafte 5 (!!!) große PKW voller Spenden zusammen. Von der Zahnpasta bis zur Damenhygiene war alles dabei. Wir bedanken uns herzlichst beim Team der jungen SPÖ Linz-Land und bei allen Spendern, die zu diesem großartigen Erfolg beigetragen haben. Großartig! Vergelt's Gott und habt großen Dank! 🙂 ❤ Übrigens, morgen Montag 12.4.2021, steht unser Team von 9.00 bis 18Uhr bei Billa Plus im Welser Welas Park und bittet dort ebenfalls um Spenden. Besucht uns doch, wir würden uns riesig freuen! Und am Montag den 19.4.2021 bitten wir im Billa Plus im Linzer Infracenter auch nochmal um Spenden. 🙂 ❤

8.4.2021 – Kurzer Rückblick und kleine Vorschau!

Verteil-Donnerstag vom 8.4.2021:

Heute möchte ich kurz ausholen und einen Blick in unsere Vergangenheit wagen. 2011 und 2012 engagierten sich Rena und ich in einer Linzer Obdachloseneinrichtung, wenn wir Dienst hatten nahmen wir Käse und Aufschnitt mit, um den Obdachlosen eine Freude zum Frühstück zu machen. Bald schon wurden wir aber von den dortigen Sozialarbeitern gerügt, da der Wunsch nach Käse und Wurst auch an den Tagen da war, an denen wir nicht Dienst machten. Die Sozialarbeiter dort haben uns dann verboten künftig noch etwas mitzunehmen, das war für uns der Grund, uns ein anderes Tätigkeitsfeld im Bereich der Obdachlosenhilfe zu suchen. Im nächsten Jahr, 2014 hörte ich ein Radio-Interview von Sr. Tarcisia, die 18 Jahre lang das Vincistüberl in Linz aufbaute und leitete, worum es um einen Spendenaufruf ging. Essen war aber nicht gefragt, wichtig waren damals für Sr. Tarcisia Frauenhygiene, als ich Kontakt zu ihr aufnahm bekam ich als Antwort: „Essen bekommen wir aus der Krankenhausküche, aber wir brauchen dringend Frauenhygiene, da sich unsere obdachlosen Damen schon Zeitungspapier statt Binden einlegen“. Das war für uns der Weckruf, 14 Tage vor Weihnachten machte ich den 1. Aufruf in Facebook mit der Bitte um Spenden für unsere Obdachlosen. Bis Weihnachten bekamen wir 2 große PKWs und 2 große Anhänger voll mit Hygieneartikel, haltbare Lebensmittel und Getränke, neue Unterwäsche u.v.a. zusammen. Wir brachten 1 Tag vor Heilig Abend die Spenden ins Vincistüberl und Sr. Tarcisia war glücklich, zwischenzeitlich hat sie auch von vielen anderen Seiten Spenden bekommen, aber wir waren glücklich, dass wir hier direkt helfen konnten. Unsere Überlegungen gingen weiter und wurden intensiver, weil wir in dieser 1. Aktion deutlich sahen, wie dringend nötig hier die Spenden waren. Wir wollen 2015 weiter Spenden sammeln, wenn es irgendwie geht für 1-2 Linzer Einrichtungen. Die Logistik bzw. Lagerung wird wohl das größte Problem werden. Wir hatten damals weder Keller noch Lager, wir hatten nur den guten Willen und so gut wie keinen Cent für unser Vorhaben. Zu beachten ist, dass wir damals noch kein Verein waren, sondern Privatinitiative. 2015 kam, im September kam dann auch die Flüchtlingswelle und wir sahen, dass viele Spenden in diese Richtung gingen. Wir aber hatten uns damals der Obdachlosenarbeit verschrieben, Beides wäre für uns als 2er-Team unmöglich gewesen, logistisch und finanziell unmöglich. Wir starteten dann im Anfang Oktober einen Spendenaufruf, wieder in Facebook, als Lager hatten wir zuerst unsere Wohnung, bald schon wurde unsere Wohnung zu klein, wir bekamen bald von unseren Nachbarn Garagen und Keller zur Verfügung gestellt, die wir bis an die Decke anfüllten. 179 (!) Spender/innen kamen damals in unsere kleine Wohnung, jede/r bekam Kaffee oder Wasser und fast alles haben wir an Kleidung durchgewaschen, die Waschmaschine lief damals von 6Uhr früh bis Mitternacht. Wir konnten über weite Strecken nicht einmal mehr aufs WC gehen oder unser Schlafzimmer, war voller Spenden. Wir wurden gerade überrollt. Als 2er-Team war das der Super Gau für uns, die Arbeit stieg uns bald über den Kopf, und wir bekamen so viele Spenden, dass wir alle 4 Einrichtungen in Linz mit Spenden versorgen konnten. Was wir gerne machten, bis der Geschäftsführer einer großen Linzer Einrichtung behauptete, dass unsere Spenden gestohlen wären. Er hätte nur einen Blick auf die damalige Homepage machen müssen, dort waren alle, wirklich jedes Paar Socken abfotografiert und einem Spender zugewiesen. Er machte sich diese Mühe nicht, sondern erzählte lieber solche Sachen über uns. Konsequent stellten wir ab sofort Spendenlieferungen dorthin ein, es war auch niemand zu einem klärenden Gespräch bereit. Weiter ging es 2016, dass wir die anderen drei Linzer Einrichtungen weiterhin mit Spenden versorgten. Im November 2016 konstituierten wir uns als Verein und wir hatten ein Lager in Traun bei der Fa. Gschiel, was wir für 1 ganzes Jahr zugesagt bekamen. Wir lieferten aber immer noch alles mit unserem Privatauto und dem geliehenen Anhänger von Helmut Sandberger an die Einrichtungen. Unser Auto wurde oft geschunden, es litt sehr darunter. 2017 sammelten wir wieder ab September Spenden für unsere Schützlinge, zuerst mussten wir erfahren, dass eine weitere Linzer Einrichtung der wir unsere Spenden anvertrauten, unsere Spenden an die Obdachlosen VERKAUFTEN! Na Bumm! Zuerst wurde alles vom Leiter dieser Einrichtung abgestritten, bis wir die schriftlichen Aussagen von 3 Obdachlosen bekamen, die diese unbegreiflichen Vorgänge alle bestätigten. Wir stellten sofort auch alle Spendenlieferungen dorthin ein und wollten an höherer Stelle in Erfahrung bringen, 1. Wieviel Geld wurde aus dem Verkauf unserer Spenden lukriert und 2. Was wurde mit dem Geld gemacht? Auch 2 Gesprächstermine bei der OÖ Vorsitzenden dieser Einrichtung brachten keine Antworten. Weiter ging es dann 2018, Sr. Tarcisia muss das Vincistüberl abgeben und muss ins Mutterhaus nach Wien. Die damalige Verantwortliche für das neue Konzept lud uns zu einem Gespräch, auch die neue Leiterin des Vincistüberls war anwesend, es war über 2 Stunden die Rede von Kürzungen, Streichungen und Einschränkungen mit dem Verweis: „Aber mit Ihren Spenden, Hr. Kreische rechnen wir fest“. Für uns starker Tobak, ein NoGo, auf dem Rücken der armen und obdachlosen Menschen zu kürzen und dann noch darauf vertrauen, dass ich mich zum Handlanger für Kürzungen mache. So nicht! Wir sagten ab für weitere Spendenlieferungen, und überlegten uns wie unsere Schützlinge keinesfalls darunter leiden. So wurde der Verteil-Donnerstag geboren, am 15.8.2018 standen wir zum 1. Mal in Linz und wir hatten 32 Menschen beim Bus, die sich Lebensmittel holten. Seither standen wir an 117 Donnerstagen in Linz und verteilten Spenden an unsere Schützlinge. Wir hatten von Beginn an viel Gegenwind, wenig Freunde bei den anderen Obdachlosen-Vereinen und noch viel weniger Menschen, die an uns glaubten. Inzwischen stellen wir unseren Namen, unseren Verein, unsere Aktion täglich auf den Prüfstand und beweisen uns jeden Tag neu. Wir wollen transparent und für jeden Menschen ersichtlich arbeiten, wollen Euch zeigen was wir alles machen, wohin Eure Spenden geliefert werden und wer von Euren Spenden profitiert. Für uns ein immenser Aufwand, aber das sind wir Euch schuldig und so muss es auch sein. 2017 kam auch zum 1. Mal unsere Weihnachts-Schuhschachtelaktion dazu. Über 600 Pakete sammelten wir im 1. Jahr und brachten diese in die Einrichtungen und verteilten diese auch am Donnerstag. Hier war eine Freude über die Geschenke, dass ich es kaum in Worte kleiden kann. 2017 hatten wir auch die 1. Weihnachtsfeier für und mit den Obdachlosen beim Verein Miteinander, dort durften wir den veranstaltungsraum nutzen, und es war ein Erlebnis! Es gab gutes Essen, es gab viele Geschenke und wir sangen und verbrachten einen tollen Heiligen Abend miteinander. Zu Sr. Tarcisias Zeiten im Vincistüberl waren wir gemeinsam in der Kapelle der Barmherzigen Schwestern, lauschten dem Gottesdienst und anschließend saßen wir noch in Vincistüberl gemeinsam zusammen. Bald schon kam der Wunsch von vielen Seiten, über Armut und Obdachlosigkeit etwas mehr erfahren zu wollen. So gingen wir in Schulen und Verein, in Firmen und Kindergärten und erzählten den Menschen von unserer Arbeit und von verschiedenen Schicksalen. Wir decken mittlerweile ein so breites Gebiet ab, dass es alleine nicht mehr zu schaffen ist. Seit 2019 fahre ich zusätzlich zu der ganzen Lagerarbeit, zu all den Spendenlieferungen und Abholungen abends noch zu den Hotspots nach Linz, um unsere Schützlinge, die nicht zu unserem Bus kommen können, ebenfalls zu versorgen. Diese Touren dauern von 18Uhr bis 22.30 …. 23 Uhr, und alles nebenbei. All die Lagerarbeiten im Kühllager werden von mir nur selten erwähnt, auch all die restlichen Arbeiten, die ich unter der Woche meist alleine oder zu zweit erledige. Heute kann ich sagen, dass ich seit Oktober 2019 bis heute, 8. April 2021 „sagenhafte“ 12 Tage Freizeit hatte. Nicht sehr viel, und das merke ich heute und ich weiß, dass ich schnellstens leiser treten muss, weil es mich sonst bald nicht mehr geben wird. Über eines bin ich wirklich glücklich! Menschen wie Euch als Wegbegleiter/innen, als treue Spender/innen, als moralische Instanz im Rücken zu wissen. Es stärkt ungemein, aber, wenn man einmal angeschlagen ist und über weite Strecken keine Ideen mehr hat, keine Regeneration mehr hat, dann zeigt das irgendwann die Lage, in der man ist, auch wenn man diese in dieser Form nicht sehen will. Ich werde mich immer für Obdachlose einsetzen, werde immer helfen wo ich kann, weil mein Herzblut in dieser Hilfe steckt. Ich werde nicht aufgeben, schon gar nicht jetzt, wo wir so ein tolles Team haben und alle an einem Strang ziehen und wissen, für wen und was wir unsere Aktion machen. Und wir sehen jeden Tag aufs Neue, wie wichtig unsere Aktion ist. Viele, viele Menschen da draußen verlassen sich schon auf unsere Hilfe, schon alleine deshalb ist Aufgeben keine Option. Wir machen weiter, auch wenn es vielen lieber wäre, wenn es uns nicht mehr gäbe. Unser Verein verteilt mittlerweile Lebensmittel- und Sachspenden im Gesamtwert von über € 500.000,-, stellt weit über 100 Spendenlieferungen im Jahr in die Einrichtungen zu. Wir beliefern 18 Einrichtungen in O.Ö., 5 Einrichtungen in der Stadt Salzburg, 2 Einrichtungen in Graz und zwei in Wien, alles Einrichtungen die selbst keinen Cent an Förderungen bekommen, so wie wir. 2019/2020 wurden von unserem Team über ca. 10.500 ehrenamtliche Stunden geleistet, knapp 25.000 km gefahren und viel Herzblut vergossen. Unser Bestreben bleibt auch weiterhin, direkt zu helfen, OHNE UMWEGE! Warum ich das hier schreibe? Weil es wieder einmal Zeit ist, Euch DANKE und VERGELT’S GOTT zu sagen.
Unser Verteil-Donnerstag diese Woche hat keine guten Chancen auf Sonnenschein, Schnee war für heute vorausgesagt, gestern schon bekamen wir eine Kostprobe, wie es heute sein könnte. Heute früh, alles weiß und kalt, nein, bitte keinen Winter mehr. Eiskratzen, Schneeschaufeln und Einkauf beim Hofer abholen, wie immer donnerstags. Ab ins Lager, wo Stefan wartet, der glücklicherweise wieder zu uns zurückgekommen ist, Ulli und Barbara kommen heute früh auch noch. Gestern noch war ich zum Essen eingeladen und ich saß ich mit unserer Barbara zusammen und wir probierten die neue Lagersoftware aus, es schaut nun endlich nach einer guten Lösung aus, Gottseidank! Heute fuhr Ulli mit nach Haid, wo wir heute ganz viele tolle Lebensmittel für unseren Nachmittag bekamen. Vergelt’s Gott. Zurück im Lager alles durchschauen und sortieren, Leberkäse und Wurst aufschneiden, Schinken neu verpacken, Kartoffelpuffer neu einpacken und portionieren, Käse aufschneiden und kühlen. Zu Mittag ein Anruf, wo ich wieder als jemand hingestellt werde, der leichtsinnig mit Obdachlosen umgeht, weil ich Dominic die Tabletten vor 14 Tagen besorgte. Die „Dame“ fand es nicht einmal der Mühe wert MICH direkt anzurufen, sondern eine gemeinsame Bekannte anzurufen um sich dort über mich auszulassen. Warum müssen die Menschen immer über jemanden mit dritte, nicht involvierte Menschen reden und hetzen? Ich werde es nie verstehen. Diese „Dame“ wollte mich nicht anrufen: „weil Sie mich nicht kennt“. Und deshalb schimpft man ganze Tiraden über jemanden, von dem man nicht einmal bereit ist, den genauen Ablauf zu erfahren? Typisch für Menschen, die unsere Arbeit weder kennen noch respektieren, sonst wüssten sie, dass wir immer nur das Beste wollen. Vielen ist das aber egal, so scheint es. Egal, weiter mit den Vorbereitungen, es schneit immer noch und es ist aber schon 14.30 Uhr, schaut nicht gut aus, egal wir freuen uns auf unsere Schützlinge. Um 15.10 Uhr Abfahrt nach Linz, bei der Ankunft warten etwa 10 Menschen auf uns. Wegen dem Wetter lassen wir einiges gleich im Auto von „ProntoPronto“ Barbara, und geben es von dort aus. Um 16.10 Uhr legen wir mit der Ausgabe los, und die Nächtigungsjetons für die Notschlafstelle, die wir donnerstags immer verteilen gehen wieder weg wie die warmen Semmeln, am Schluss werden es 52 Nächtigungsjetons sein, die wir an unsere Schützlinge ausgeben, wo jeder einzelne € 4,06 kostet. Auch teilen wir heute wieder 2 Zigaretten für jeden Raucher/in aus, was sehr gerne angenommen wird. Es gibt heute auch wieder heißen Tee, Torte, Krapfen und ganz viele Köstlichkeiten. Auch dieses Angebot wird sehr gerne angenommen. In der Reihe ist eigentlich große Disziplin, bis C. kommt und rebelliert, weil ich ihn ermahne, dass es bei unserem Bus keinen Alkohol gibt, ich drehe mich um und wieder trinkt er aus der Dose die er in seiner Jacke hat. Ich gehe ein weiteres Mal zu ihm und sag ihm, dass es so nicht geht. Im angemessenen Ton und der dazugehörenden Mimik nahm er mich jetzt endlich ernst. Sonst ist alles O.K., alle sind sehr dankbar, ein junger Mann, so um 25 Jahre alt, seit letzter Woche Obdachlos und ziemlich fertig mit den Nerven, bedankt sich gefühlte 20 Mal für die wer5tschätzende Art und all den Lebensmitteln. Alles ist gut, alles! Er zerdrückt eine Träne und sag ihm noch, dass wir jeden Donnerstag hier sind und er jede Woche kommen kann, was ihn sichtlich etwas beruhigte. Diese tiefe Dankbarkeit liebe Leute, am liebsten würde ich den Menschen in den Arm nehmen und mit ihm heulen, doch muss ich mich jetzt noch 1-2 Stunden „stark“ zeigen, damit ich reagieren kann, sollte etwas sein. Herr R., seines Zeichens einer der Verantwortlichen der ÖBB, die uns dankenswerterweise diesen tollen Platz zur Verfügung stellen, kommt vorbei und geht fast unerkannt an mir vorbei, an seiner Haube erkannte ich ihn erst spät, was mir aber sehr wichtig war auch hier DANKE zu sagen, weil auch das großartige Engagement der ÖBB nicht selbstverständlich ist. Vielen Dank für diese tolle Unterstützung. Was zurzeit noch ungewohnt ist, dass es so hell ist, wenn wir zusammenräumen, das ist schon klasse. Im Lager wird alles wieder gemeinsam ausgeladen und eingelagert, ziemlich flott geht das heute vor sich, um 19.15 Uhr bin ich schon auf dem Heimweg, was sehr selten ist. Und seit 20 Uhr sitze ich nun bei diesem Bericht, seit etwa 2,5 Stunden und es wird nochmal eine lange Nacht die irgendwann lange nach Mitternacht enden wird. Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit, für Eure Zeit und Euer Interesse. Danke für alles was Ihr für uns macht. Ein besonderes Danke heute an unser gesamtes Team, ich bin glücklich über jede/n Einzelnen im Team, fühlt Euch virtuell in den Arm genommen und lauscht meinem aufrichtigen DANKESCHÖN, es kommt tief vom Herzen. Im Kopfhörer der Titel "Geh wohin Du willst, wohin der Wind dich treibt" von Truck Stop, Gänsehautfeeling. Euch allen eine gute Nacht und alles liebe. 🙂 <3

3.4.2021 – Linz-Tour mit gefährlichem Vorfall

UPDATE LINZ-TOUR VOM 4.4.2021:
Die geplante Linz Tour vom Samstag fand in Begleitung unserer Silvia O. statt und begann wie üblich, um 18 Uhr bei der Metro. 1. Halt Ebelsberg, Sarah bat mich noch um Kapperl, Gürtel u.a. für Dominic, was ich dann heute Mittag gleich ins Auto legte. Ebenso die Sachen für Florian. Angekommen in Ebelsberg hörte man Dominic schon von Weitem laut reden, alle 3, Thomas, Christian und Dominic waren zusammen im großen Zelt. Wir haben Lebensmittel, Schoko-Osterhasen und Ostereier, die Silvia gekauft hat, dabei. Jede/r bekommt 3 Ostereier und 1 großen Schokohasen und mehrere Kleine. Alle freuen sich sichtlich über den österlichen Besuch, Dominic bedankt sich gefühlte 20 Mal, Christian ist froh wieder aus dem Gefängnis zu sein und weiß noch nicht, wie er seine Zukunft anpacken möchte. Bald schon geht es weiter zum nächsten Hotspot, Schillerpark, wo heute immens viele Menschen ferner Herkunft sind. Lautes Geschrei, Müll auf den Gehwegen und so manch böser Blick trifft mich total. An anderen Ende des Schillerparks entdecken wir Michi & Michi, beide absolut nette Menschen und freuen sich schon von Weitem auf uns, winken und strahlen uns entgegen. Zwischen den Beiden steht eine kleine Palette Dosenbier dass sie von einem Spaziergänger geschenkt bekamen, weil Ostern ist. Die Beiden Michi's gehen mit zum Bus, weil sie Lebensmittel, Hygieneartikel, Schlafsack und eine warme Winterjacke brauchen. Ich drehe mich um und auf der Bank vis a vis sitzt plötzlich Elvisa, die ich schon Monate nicht mehr gesehen habe. Ich freue mich riesig und Elvisa lächelt mich ebenso an. Ich bin glücklich Elvisa wieder einmal zu treffen, sie hat eine Verletzung am Kopf, die eigentlich medizinisch behandelt werden müsste, aber Elvisa spielt es herunter und sieht keine Notwendigkeit, da sie ja auch schon beim Help-Mobil war. Wir gehen alle gemeinsam zum Bus um die gewünschten Sachen in Plastiksackerl zu verstauen. Alle bekommen noch 5 Zigaretten von mir und dann geht's weiter, um die Ecke zum Volksgarten. Wir parken gleich am Anfang des Volksgartens und wandern Richtung Straßenbahnhaltestelle Volksgarten. Entlang den Bänken viele, viele Jugendliche die, wie im Schillerpark, ferner Herkunft sind, wir gehen gerade durch, werden dann direkter Zeuge einer Raufhandlung. 5-6 Jugendliche schubbsen einen alten Mann, der lediglich einen Rucksack in der Hand hat und eine Dose Bier. der Mann ist etwa 60 - 65 Jahre alt und liegt ziemlich schnell am Boden, die Jugendlichen gröhlen und holen mit den Füßen aus und treten mit voller Wucht auf das Gesicht des alten Mannes, der noch immer am Boden liegt, er schreit um Hilfe, etwa 15 Personen stehen rundherum und niemand greift ein oder wirkt auf die Jugendlichen ein. Von Weitem sehen wir wie hochaggressiv die Jugendlichen hier zuschlagen und mit dem alten Mann umgehen. ich drehe mich um und gehe schnellen Schrittes hin und hole mir einen vermeintlichen Jugendlichen heraus und frage was das soll? "Hey Alter, ich bin eine Sie also behandle mich auch so". Soso, da weiß die junge "Dame" dass sie weiblich ist, aber auf den alten Mann hintreten mit Bundesheerschuhe, das kann sie gut. Die gesamte Clique der Jugendlichen hat so etwa 10-15 Personen und dann noch die, die rundherum stehen und genau nichts machen oder nichts sagen. Um nicht Silvia und mich in Gefahr zu bringen hole ich die Polizei, die mit einem VW-Bus beim Musiktheater steht und 3 Mann Besatzung aufweisen. Ich erzähle dem Herrn was dort vorne, für die Polizei wegen einem großen Strauch nicht sichtbar, gerade passierte. Wir sollen mit Abstand zur Haltestelle auf die Polizei warten, sie selbst fahren sofort los und schreiten ein, der alte Mann fiel vorher noch ins Gleisbett der Straßenbahn und lief dann über die andere Straßenseite weg. Die Polizei war mit den frech pöbelnden Jugendlichen beschäftigt. Auf einmal zückte eine aus der Clique ein grünes Messer und meinte Richtung Polizei: "Das haben wir dem alten Mann abgenommen". Wir sahen vorher kein Messer, wir sahen lediglich wie 5-6 Jugendliche auf einen alten Mann eintraten, unaufhörlich, das sagten wir auch der Polizei. 1 junge Frau aus der Clique wurde dann abgeführt weil sie wiederholt die Polizisten aufs derbste beleidigte. Unsere Daten wurden aufgeschrieben und die, die vorher aussah wie ein Junge, tötete mich mit ihren Blicken als wir vorbeigingen. Hier wurde einfach ein Messer gezeigt und jemandem untergeschoben, denn das Messer hätten wir auch sehen müssen, wenn es der alte Mann gezogen hätte. Diese Aggressivität hat eine "Qualität", die uns Angst macht, ohne Rücksicht auf schwere Verletzungen und ohne belastbare Beweise so auf jemanden hinzudreschen, ist ein absolutes NoGo! Und ja, ich werde mich auch das Nächste Mal wieder einmischen, weil es hier um Leben geht, um Courage und um Menschen. Wir gehen aus dem Volksgarten und nehmen Udo und Mag. Laura mit zum Bus, Laura schläft draußen und hat nur eine dünne Jacke an und kaputte Turnschuhe. Sie ist schwer mitgenommen, weil sie auch schwer krank ist und Angst hat, die kalten Nächte nicht zu überleben. Wir geben ihr vieles was wärmt und trocken hält. Udo bekommt Lebensmittel und ein paar Zigaretten, ehe wir die Beiden auch in die Nacht entlassen und wir uns aufmachen zum Terminal. Gaby braucht wie immer Unterhosen, Socken und Lebensmittel sowie viel Schokolade, da es ihr psych. nicht gut geht zur Zeit. Gaby bekommt alles notwendige und wir stellen auch der normal sehr aggressiven Nachbarin von Gaby, Süßigkeiten und Ostereier zur Bank, sie nimmt sie lächelnd an und packt alles ein. Gegenüber der junge Mann aus Wels, dessen Eltern und Opa von Zeit zu Zeit Nächtelang bei ihm stehen und hoffen, dass der Junge vernünftig wird und wieder heimkommt. Ich fürchte der Zug ist abgefahren, leider. Elke schläft kopfüber auf ihren Koffern und Renate ist nicht da, komisch! Wir drehen die Runde fertig und fahren dann weiter zur nächsten Tiefgarage, in der sich heute niemand befindet. Also weiter zu Florian, dem unsere Ingrid neue Clogs gekauft hat und der heute von uns eine neue Plane bekommt. Florian hat schon geschlafen, bedankt sich und lehnt weitere Hilfe heute ab. Von Florian fahren wir zu Gerald und später Franziska. 🙂Gerald lehnt bei uns ebenfalls dankend ab, aber Franziska nimmt Süßigkeiten mit für Gerald und Florian und hinterlegt morgen früh ein Osternest für die Beiden. Ein kurzer, intensiver Plausch mit Franziska noch und wie sich Menschen am Besten verhalten sollen gegenüber Obdachlosen, all das erzählt uns heute Franziska. Spannend! Zwischendurch diskutieren Silvia und ich immer wieder die Vorfälle von heute Abend und kommen zum gleichen Schluss, dass die Jugendlichen dem alten Mann das Messer untergeschoben haben und er gottseidank flüchten konnte, ehe noch mehr passierte. Im Rückblick ein Wahnsinn, liebe Leute, wie manche Leute ticken. Lebendige Psycho-Bomben mit Drang zur absoluten Selbstjustiz. Was passiert hier gerade mit den jungen Leuten? Unfassbar. Von Franziska fahren wir noch auf den Gründberg zu Andy, der vergangene Woche den 2. Suizid Versuch machte. Andy ist da droben alleine und hat den ganzen Tag Zeit, zu sinnieren und nachzudenken. Und er ist schwer depressiv und ein Schönredner. Ich rede immer Klartext mit ihm, weil es nichts bringt wenn man die Probleme nicht anspricht oder vielleicht sogar verleugnet? Andy hat leider den Hang dazu. Nach einiger Zeit kommt Andy noch mit zum Bus, er hätte auch gerne Schokoladehasen, Ostereier und sonst noch etwas zum essen. Draußen wünschen wir ihm noch frohe Ostern und eine schöne Zeit. Von Andy geht es aufgrund meiner Müdigkeit zum letzten Hotspot, Pleschingersee, wo der Campingplatz jetzt zugesperrt ist und niemand dort mehr campen kann. Der Tag geht dem Ende entgegen und ich bin geschafft, auch nach allem was heute so passierte, Silvia und ich waren fix und fertig und beschlossen, die heutige Linz-Tour jetzt um 22.30 Uhr zu beenden. Ein aufrichtiger Dank an all unsere Spender/innen, dass wir auch heute wieder die Schützlinge versorgen zu dürfen. Vergelt's Gott und habt großen Dank. Und an Silvia ergeht ein großes Danke für die Hilfe. Frohe Ostern allen da draußen und schöne, erholsame Feiertage. Gott schütze Euch! ❤ 

1.4.2021 – Was man so Armut nennt!

VERTEIL-DONNERSTAG VOM 1.4.2021:
In den vergangenen Tagen…Wochen…Monaten, sagten immer wieder Menschen zu mir: „Walter, Du musst Pause machen, Du musst auf dich aufpassen, wenn’s dich umhaut steht alles und niemand hat etwas davon“. Ja, stimmt, und ich spür' es jeden Tag, dass mein Körper nicht mehr mitspielt, mein Geist den Geist aufgibt und sonst noch einiges mit mir im Argen liegt. Aber was nützt es, wenn ich Pause mache und die Arbeit bleibt ungetan oder liegen und ich hinterher durch die Mehrarbeit mehr Stress habe? Niemandem, auch mir nicht. Es ist legitim zu sagen: „Pass auf dich auf“, aber für mich wäre es DER Super Gau, wenn wegen mir da draußen jemand friert oder hungert, das geht gar nicht! Deshalb, und NUR deshalb bin ich alle 2-3 Tage nachts in Linz zu den Hotspots unterwegs, deshalb machen wir jede Woche unseren Verteil-Donnerstag, deshalb beliefern wir Einrichtungen mit Spenden und deshalb übersehen wir die armen Menschen in Linz nicht. Auch wenn von vielen Seiten die Aussage kommt: „In Linz verhungert niemand“. Verhungern nicht, nein, aber es reicht, wenn jemand hungern muss, ein durch und durch unerträglicher Gedanke, genauso mit dem frieren, Erfrieren wird vermutlich nicht wieder so schnell jemand, aber es reicht, wenn jemand friert, ebenso unerträglich dieser Gedanke. Es ist kein Leben liebe Leute, wenn die Menschen auf dem kalten Beton, auf nasser Wiese, in dunklen, dreckigen mit Ratten besetzten Ecken ihr Dasein fristen müssen und keinen Fuß mehr ins Leben bringen. Vielleicht ist es mein ausgeprägtes „Helfersyndrom“, vielleicht meine große Angst, jemanden zu übersehen der Hilfe braucht?! Ich weiß es nicht, vermutliche eine Mischung aus Beidem. Ich aber habe gestern und heute ein Versprechen abgegeben, dass ich kürzertreten werde, weil ich es mir schuldig bin und damit nicht eines Tages alles stillsteht, weil ich nicht hören wollte. Ich gelobe Besserung.
Ich wurde heute gefragt, wann ist jemand „arm“? Nun, hierzu gibt es eine klare Aussage von der Statistik Austria (Quelle: Bild Ö3 Artikel). €1185,- ist die Armutsgrenze in Österreich für eine Einzelperson (Den Artikel gibt es bei den Fotos zu lesen).
Auszug:
150.000 Personen leben in einem Haushalt, wo mindestens ein Mitglied einen Arzt oder Zahnarzt benötigen würde, diesen aber aus finanziellen Gründen nicht aufgesucht hat
• Knapp 400.000 Personen im Land können sich keine neue Kleidung leisten
• Ein Drittel der Kinder von arbeitslosen Eltern bekommen bei Bedarf keine neuen Kleider
• Etwa 300.000 Personen (53.000 Kinder) leben in Wohnungen, die nicht angemessen warmgehalten werden können bzw. haben Zahlungsrückstände, etwa bei der Miete
• Rund 90.000 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 14 Jahren leben in einer überbelegten Wohnung
Das tut weh, sehr weh, weil es zuerst Alleinerziehende und Kinder trifft. Und die Verantwortlichen schauen weg und diskutieren und beschließen auf dem Rücken der Ärmsten weitere Einschränkungen. Wann gilt der Mensch endlich wieder als Mensch? Wann werden Verantwortliche endlich mit Ihren gelogenen Phrasen aufhören, dass die Obdachlosen Großteils keine Hilfe wollen, sie nicht mehr zu integrieren sind und im Großen und Ganzen eh selber schuld sind?! Kann schon sein, dass der Eine oder Andere auch Schuld hat, zu seiner/ihrer Situation beigetragen zu haben, hat er/sie deshalb keinen Anspruch mehr, als Mensch behandelt zu werden? Über weite Strecken wird hierzulande auf diese Menschen auch noch rhetorisch draufgehaut, statt ihnen zu helfen. Oft hören wir:“ Die sollen zuerst einmal arbeiten gehen, sollen aufhören zu trinken, sollen dies und das machen“. Wenn ein Mensch keinen Wohnsitz hat, wird sich der „neue“ Arbeitgeber schwertun, ihn anzumelden. Alkohol ist bei vielen ständiger Begleiter, ja, aber ohne Alkohol das Leben auf der Straße zu ertragen, geht noch weniger. Wobei wir viele Schützlinge haben, die weder trinken, noch irgendwas mit Drogen am Hut haben. Wir haben Akademiker, Menschen mit Titeln wie Ing., Dr. oder Mag. auf der Straße, die sich auch ihr Schicksal nicht ausgesucht haben. Niemand ist gerne auf der Straße und ich habe in meinen 7,5 Jahren, die ich mittlerweile mit Obdachlosen „arbeite“, NIEMANDEN gehört der sagte „Ich bin gerne auf der Straße, das Leben auf der Straße gefällt mir“. Glaubt mir liebe Leute, das ist absoluter Nonsens, wenn jemand so einen Schmarrn behauptet, dass Obdachlose keine Hilfe annehmen. Sie nehmen alle Hilfe an, nur halt die Art Hilfe, die für sie erträglich ist, sie wollen sich in kein System mehr pressen lassen. Viele sind psych. Krank und schaffen es aus diesem Grund in keine Zukunft, schaffen es in keine Wohnung/Zimmer. Wenn man die 4 Wände als Bedrohung empfindet und man permanent Angst hat, sollte man andere Wege der Hilfe ausarbeiten und nicht einfach behaupten: „Die wollen keine Hilfe“. Es muss ehrliche, an den Menschen angepasste Hilfe sein und nicht einfach eine, von ahnungslosen Schreibtischtätern verfügte Metapher die selbst nach Hilfe schreit. DAS, liebe Leute passiert gerade häufig, fast täglich. Unsere Schützlinge sind vielen ein Dorn im Auge und es ist Wahljahr in Linz, deshalb werden vielerorts Aufenthaltsverbote ohne Alternative ausgesprochen. Keine Aufenthalts-Alternativen anzubieten ist nicht nur nicht OK, sondern fast schon eine Hetze, sie von einem Park in den anderen zu verfolgen, von einer Bank zur nächsten verweisen, von einer Tiefgarage zur nächsten verfrachten. Gaby, unserer Gaby geht es zurzeit so, in ihrer Abwesenheit werden ihre Dinge entsorgt, einfach weggeworfen, Lebensmittel, Kleidung, Schuhe, Schlafsack und Isomatten, immer, wenn Gaby kurz einmal weg ist von ihrem Schlafplatz am Terminal, wirft man ihre Sachen ungefragt weg. So eine Vorgehensweise ist einfach Menschenverachtend! Die Menschen, wie Gaby und andere Schützlinge, auf diese Weise am Terminal loswerden zu wollen. Warum werden 2 Obdachlose aus der 3. Etage Untergrund in einer absolut verlassenen Tiefgarage verjagt, obwohl sie nichts getan haben, niemandem geschadet haben, sie haben dort nur genächtigt. Warum tut man so etwas in Linz? Manchmal kommt es mir vor als müsse man sich all der Obdachlosen schämen, und deshalb haben sie jedes Recht auf „Leben“ verwirkt. Beschämend und fremd und alles andere als Wertschätzend. Wir haben viele Menschen auf der Straße, die keinen Ausweis mehr haben, keinen Staatsbürgerschaftsnachweis, keine Geburtsurkunde oder ein sonstiges Dokument. Hier einen Ausweis machen zu lassen gleicht einem Spießroutenlauf. Es muss eine Person gefunden werden, der/die die Identität bestätigt. Und das ist nicht so leicht wie es sich anhört. Das kann und darf auch nicht jede/r machen, aber ohne Ausweis droht wieder eine Strafe, wenn eine Personenkontrolle gemacht wird und man kann sich nicht ausweisen. Ein Teufelskreis. So einen Fall haben wir gerade, den wir täglich versuchen zu lösen. Hier werden seitens der Verwaltung haarsträubende Aussagen über denjenigen gemacht, der die Identität bestätigen möchte. Manche werden erst gar nicht akzeptiert und auch nicht gehört, andere gibt es aber oft gar nicht die das leisten könnten oder wollten. Es gäbe so vieles zu tun für unsere Verantwortlichen in Linz, nur, es scheint, dass all diese Anliegen nicht wichtig genug sind und da unsere Schützlinge auch keine Wähler sind, wird auf sie „vergessen“. Das wollte ich einmal anmerken, weil es anders auch ginge, wenn man wirklich will.
Die laufende Woche ist geprägt von viel Hintergrundarbeit, Spenden abholen, Lagerarbeit, ganz viel Arbeit am PC und, und, und. Am Dienstag rief mich ein Herr an, er hätte eine Tabak Trafik und wolle jetzt, nachdem er erfahren hat, dass eine große überregionale Institution, an die er seit Jahren Geld und Zigaretten gespendet hat, das Spenden-Geld anders eingesetzt hat und die Zigaretten gewinnbringend verkauft hat, nicht mehr dorthin spenden. Er hat sich unsere Aktion angeschaut und wolle künftig uns die Spenden zukommen lassen. Erfreulich für uns, aber ich frage mich schon auch, warum man Spender auf diese Weise so enttäuschen muss? Ich werde so etwas niemals verstehen, niemals verstehen wollen. Darum gibt es bei uns diese Transparenz, dass wir alles offenlegen und zeigen, was wir mit Euren Spenden machen, wohin diese gehen und wer davon profitiert. Das ist uns immens wichtig!
Der Donnerstag begann wie üblich mit Einkauf beim Hofer abholen, Lager, in Haid Gebäck und Brot abholen. Barbara und Matej helfen mir heute ab 9.30 Uhr, ich bin glücklich, alleine wäre das alles nicht mehr zu schaffen. Zu Mittag kommen dann weitere Vereinsmitglieder, um zu helfen bei all den Vorbereitungen. Heute verspricht es ein absoluter Sonnentag zu werden, tut gut nach all den grauen Tagen in den letzten Wochen und Monaten. Heute dabei ist auch der Enkelsohn unserer Ingrid, Alexander, der ebenfalls ab Mittag mithilft und mindestens so begeistert ist wie alle anderen auch. Er bringt frischen Wind ins Lager, huscht umher, kehrt zusammen, fährt mit dem Hubwagen. Toll, was er mit 8 Jahren schon alles kann. Um 15.09 Uhr fahren wir los Richtung Linz, neben mir Alexander und Matej, alle anderen fahren mit Barbara. Als wir ankommen warten schon gut 15 Schützlinge, alles ausräumen, einige unserer Schützlinge helfen uns alles auszuräumen und zu verteilen. Im Nu ist alles am richtigen Platz, heute haben wir Kaffeetorten dabei, gesponsert von der Gourmeteria, ein tolles Produkt das wir nicht jeden Tag bekommen. Nachdem 5 unserer alten Stammmannschaft nicht dabei sind heute, müssen wir heute improvisieren. Aber alle arbeiten verantwortungsvoll und gewissenhaft, also können wir alle Stationen belegen. Um 16.10 Uhr geht es los, die lange Schlange wird zum Schluss 69 Personen lang gewesen sein. An einem 1. des Monats hatten wir noch nie so viele Besucher. Erschreckend. Und wieder einige neue Gesichter, die letzte Woche auf die Straße gesetzt und delogiert wurden. Und das sind Menschen wie Du und Ich, Menschen die keine finanziellen Börsenspiele machten sondern in die Fänge von Corona geraten sind, Kurzarbeit, Kündigung, Mietrückstand, Betriebskosten konnten nicht mehr bezahlt werden und schon ist man, so das soziale Netz hinter dir wegbricht und nicht helfen kann/will, in der Abwärtsspirale. Alleine schafft man es fast nicht mehr hier heraus, hier kommen so viele Faktoren zusammen die man irgendwann alleine nicht mehr beherrschen kann. Nach etwa 1 Stunde kam die Polizei vorbei und fragte ob wir mit der Volkshilfe zusammenarbeiten würden, was ich verneinte. Es gehe um einen Verkehrsunfall mit einem Transporter der einen großen Schaden verursachte. Die Polizei ging durch die Reihe und frug alle Schützlinge ob jemandem der Mann am Bild bekannt wäre, was alle verneinten. Auch heute wollten sich wieder Menschen bei uns Spenden holen, die in der Betreuung anderer Organisationen sind, dort Geld, Kleidung und Unterkunft bekommen, und es nicht verstehen, wenn wir sagen, dass unsere Aktion für Obdachlose und Wohnungslose bzw. arme Menschen ist. Es ist auch nicht gerade fair, sich bei allen Möglichkeiten anzustellen und um Sachen zu bitten, die dann vor unseren Augen verkauft werden. Wenn jemand neue Turnschuhe trägt und bei uns nun „schönere“ sieht und diese unbedingt haben möchte, ist niemand verlegen um eine Ausrede. Wenn ich aber Einkommensnachweis und Ausweis verlange, kommt meist heraus, dass die meisten weder bedürftig noch arm sind, sondern einfach nur gierig. Dem beugen wir an jedem Donnerstag vor, erfolgreich. Später kommt noch ein rumänischer Roma, den ich seit 2 Jahren halbwegs gut kenne, er besitzt ein großes Auto, hat eine Wohnung und greift alles ab, was ihm so bietet. Letztens parkte er frech sein Auto hinter unserem Transporter im Terminal, als wir die Nachttour fuhren und bat uns um Spenden, um Schlafsack und Isomatte, auf meine Bitte den Zulassungsschein herzuzeigen, lehnte er ab, er behauptete immer nur „Das Auto gehört mir nicht“, er war aber nicht bereit die Situation aufzulösen, so ging er letztens schon fluchend und schimpfend zurück zu seinem Auto, heute war er mit Fahrrad bei unserem Bus und schimpfte mich ebenso derb wie letztes Mal. Ich bin nicht mehr gewillt, mir solche Räubergeschichten anzuhören und vielleicht auch noch Spenden auszugeben. Er ist weder arm, noch obdachlos, er ist meines Erachtens einfach nur unfair und handelt aus reiner Gier. Um 18 Uhr waren alle Schützlinge mit Lebensmittel und Hygieneartikel versorgt, in Rekordzeit räumten wir alles ein und begaben uns auf die Rückfahrt nach Ansfelden, wo alles ebenso flott wieder eingelagert wurde. Der kleine Alexander ist glücklich, dabei gewesen zu sein, Matej, der heute zum 1. Mal dabei war, auch. Für mich fühlt sich jeder Donnerstag anders an, der heutige war endlos. Wenn man frühmorgens nach 3 Stunden Schlaf müde aufsteht und man weiß, dass man heute bis Mitternacht sitzen wird um alles fertig zu haben, lässt die Motivation an der einen oder anderen Stelle auf sich warten. Ich weiß aber zu genau, für wen und was wir das alles getan haben heute, es war wichtig, es war richtig, und es war gut so. Seit gut 3,5 Stunden schreibe ich an diesem Text, im Kopfhörer gerade „Dreams Made To Last Forever“ von Dana Winner, sie holt mich zurück auf den Boden, zurück in mein Herzblut, lässt meine Seele lächeln. Langsam fällt nun der Stress ab, die Nacht und die Musik tut das Ihrige dazu und ich lasse den Tag ausklingen bei einem demütigen Danke und Vergelt’s Gott an all unsere Spender/innen, Danke, dass ihr uns auf unseren Wegen begleitet und uns so großartig unterstützt. Ein großer Dank ergeht auch an unser Team das heute wieder großartige Arbeit machte. Danke an jede/n Einzelne/n der/die heute wieder sein/ihr Bestes gab und zum „Erfolg“ beigetragen hat. Danke dass ihr alle den gleichen Fokus habt und wir alle wissen, warum und für wen wir diese Aktion machen. Danke und gute Nacht! 🙂 ❤

18.3.2021 – Ein unrunder, kalter Tag!

Verteil-Donnerstag am 18.3.2021:
Diese Woche begann stürmisch mit Regen am Montagmorgen. Stürmisch sollte diese Woche bis heute bleiben, vieles ist nicht mehr zu verstehen, warum Menschen so reagieren wie sie es jetzt tun, Corona hin, Corona her, dass Menschen für ihre Reaktionen immer irgendwelche fadenscheinigen Ausreden bemühen, werde ich nie verstehen. Warum es nicht mit der Wahrheit versuchen? Weil sie weh tut? Weil man vielleicht die rosa Brille ablegen muss? Weil vielleicht Freunde erkennen, dass man doch nicht so fehlerfrei ist? Sich selbst zu belügen oder anzuschwindeln ist halt der kürzeste Weg, Steinen aus dem Weg zu gehen, ob es der Beste ist wage ich zu bezweifeln. Menschen reagieren abstrus, reagieren aggressiv und bewusst verletzend, oft kommt mir vor, dass es nur mehr darum geht, als erster zu verletzen, ehe das Gegenüber noch zu Wort kommt. Warum die Gesellschaft so aufgewiegelt reagiert, ist vielen Umständen geschuldet, aber bestimmt KEINEN Guten! Ich frage mich jeden Tag, wie diese Verletzungen die in der Gesellschaft täglich passieren jemals noch gut werden sollen, wenn niemand bereit ist sich zu entschuldigen, niemand die Größe hat zur Einsicht? Warum ich Euch das schreibe? Weil auf ganzer Linie, auf vielen Wegen tiefe Wunden entstehen, die nicht sein sollten…nicht sein dürften, wenn man Anstand und mit einem halbwegs guten Konfliktmanagement ausgestattet ist. Wir merken gerade fast täglich, wie man mit den Schwächsten, den Ärmsten umgeht. Unterirdisch! Da wird auf Menschen eingedroschen, nur weil sie existieren, weil sie von der Gesellschaft im Stich gelassen, vor sich dahinvegetieren, ohne echte Chance wieder auf die Beine zu kommen. Für uns als kleinen Verein ist es täglich ein kleiner Kraftakt, diese, unsere Aktion täglich in diesem Umfang verantwortungsvoll zu gestalten. Wir sind glücklich, solche Spender/innen wie Euch an unserer Seite zu wissen, die uns all das ermöglichen, ohne EUCH wäre das alles unmöglich. Für uns ist es aber auch immer wieder ein Kraftakt, einzelnen Menschen zu helfen. So kam am Montag ein Mail aus Wien, von einer Frau, die sich nach unserem Martin erkundigte. Sie hat vom Vater ihrer Tochter ein Bild bei uns entdeckt und fragte nach, wie sie Kontakt aufnehmen könnte, zu Martin. Ich habe nicht zurückgeschrieben, habe heute am Donnerstag Martin davon erzählt, dass seine Tochter ihn verzweifelt sucht, große Angst um ihn hat. Ihn oft stundenlang in Wien suchte, ohne Erfolg. Ich gab Martin heute dieses Mail und die Mail-Adresse, um zurückschreiben zu können, er versprach mir mit einem Lächeln auf den Lippen, es zu tun. Eine große Erleichterung. Zugleich erfuhr ich von einer Frau, die schon lange Zeit zu Hause herumsitzt, weil die Gastronomie zugesperrt hat und sie deswegen gekündigt wurde. Mit 2 Kindern und 2 Tieren rettet sie sich Monat für Monat mit €850,- drüber. Miete €680,- Auto stillgelegt von der Polizei, weil die Versicherung nicht bezahlt wurde, und keine Aussicht auf irgendeine Möglichkeit in der Gastronomie zu arbeiten, Geld zu verdienen. Diese Situation ist der Grund für ihre tiefe Depression, für ihr Leben am Abgrund. Ich erzähl Euch das, weil auch diese Frau bis vor kurzem noch nicht ahnte, dass so etwas überhaupt passieren könnte, mit so etwas nicht gerechnet hat. Aber wie kommt man wirklich aus so einer Situation heraus? Alleine gar nicht! Ich werde ihr helfen, mit Lebensmittel, Hygieneartikel und was man so noch alles braucht. Ich werde meine Möglichkeiten versuchen, ihr diese Situation leichter zu machen. Ich kann es noch nicht sagen wie weit ich helfen kann, vielleicht mit einer Miete, oder der Bezahlung der Betriebskosten, ich weiß es noch nicht, ABER, helfen werde ich, weil man keinen Menschen in so einer Situation alleine lässt.
Diese Woche war angesagt mit Kommissionieren und ausliefern der Spenden für das PM Kirchdorf, mit Spendenabholungen, mit diversen Tätigkeiten im und rund ums Lager. Im Lager klebten wir für die Inventur morgen und übermorgen, die Lagerplätze an. Es wird ein Kraftakt werden. Nach all den üblichen Vorarbeiten für den Donnerstagnachmittag starteten wir heute früh wieder durch, auf zum Hofer, den Einkauf abholen, Obst, Gemüse, Käse u.a.. Anschließend ins Lager, Maria, Ulli, Silvia und Martina kommen heute Vormittag, um mit mir die Lebensmittel durchzuschauen. Maria und Silvia kümmern sich ums umräumen im Lager, Ulli und Martina helfen mir beim Durchschauen. Zu Mittag Tee machen, das Wetter spielt Kapriolen, Regenschauer, Schnee, Wind, Sonne, alles da. Noch sind wir unterm Dach und hoffen, dass es Nachmittag in Linz trocken bleibt. Heute sind 3 Neue dabei, Josef und Maria, und Bettina, herzlich willkommen in unserem Team. Alles läuft ab wie jeden Donnerstag, einladen, verzurren, Anhänger anhängen und ab durch die Mitte, Richtung Linz! Bei der Abfahrt dunkle, tiefhängende, schwere Regenwolken die nichts Gutes erahnen lassen. Silvia die mit mir fährt und ich, beten und bitten um trockenes Wetter. Ankunft in Linz, als der Anhänger positioniert ist hört es auf zu schneien und es blitzt der blaue Himmel aus kleinen Wolkenlücken durch. Und tatsächlich werden die Blau-Anteile am Himmel immer größer und es hat ganz aufgehört, Nasses auf uns zu regnen. Da soll noch jemand sagen, beten hilft nicht, unser Begleiter da droben hat schon ein Auge auf uns, ganz sicher. Heute haben wir unsere Pavillons aufgebaut und Barbara stellt sich mit ihrem Bus zwischen unserem Bus und Anhänger, um die Lebensmittel nicht nass werden zu lassen. Wie sich später herausstellen soll, kam heute in Linz kein einziger Tropfen mehr vom Himmel. Danke Du da oben! Als wir aufbauen und alles ausladen, merken wir schon deutlich, wie angespannt unsere Schützlinge heute sind, einige sind auf Radau aus, was ich sofort im Keim ersticke. Manche haben Alkohol dabei, was ich sofort negiere und diese Leute auch vom Bus wegschicke, bei uns gibt es weder Alkohol noch Streitereien, wer sich nicht weiß zu benehmen, muss damit rechnen an unserem Bus außen vorbeigehen zu müssen, OHNE Lebensmittel. Bald schon besucht uns Sr. Lydia, die viele unserer Schützlinge kennt und mit ihnen Gespräche führt. Auffällig wird eine Frau, um die 40, sie steht in dünner Leggins im winterkalten Wind, mit einem blauen Auge: „Mein Ex hat mich geschlagen wie einen Tanzbären“. Ja, Mädl, trotzdem holst Du dir hier ganz schnell den Tod in dieser Kleidung, das ist vielleicht etwas für Sommer, aber ganz sicher keine Kleidung für diese Jahreszeit. Ich gehe mit ihr zu Gerlinde und bitte sie, der Frau warme Unterwäsche und eine warme Hose zu geben. Gerlinde macht das großartig. Die Frau stellt sich anschließend wieder in die Reihe um sich Lebensmittel zu holen. Inzwischen kam auch der Mann, der nach ihrer Aussage schuld an dem blauen Auge ist, er bestreitet es und ich versuche die Situation zu beruhigen, versuche die beiden räumlich zu trennen, sie ganz hintenanstellen und er ganz vorne, dass er bald fertig ist und gehen kann. Friede und Ruhe ist mir wichtig beim Verteil-Donnerstag. Ein anderer stänkert immer wieder die vor ihm stehenden an, bis ich hingehe und ich ihm sage, entweder aufhören oder gehen. Wer entschied sich für aufhören. Ein seit 1 Jahr ganz seltener Gast kam heute und ich freute mich riesig, Oliver, es tat gut ihn zu sehen. Genauso wie Melanie, auch über ihren Besuch freute ich mich sehr. Vertraute Gesichter die wir immer gerne sehen. Auf einmal Geschrei bei dem ÖBB Bus, der gegenüber entlang dem Gehsteig steht. Ich gehe rüber und sehe noch, wie einer unserer Gäste dort uriniert und der Busfahrer liest ihm gerade die Leviten, weil er auf seinen Bus machte. Ich wies unseren Gast in die Schranken und schickte ihn weg, entschuldigte mich 3-Mal aufrichtig beim Busfahrer, der aber meinte nur: „Das muss aufhören, hier am Platz muss wieder Ruhe einkehren, diese Aktion hier muss aufhören“. Ich erinnere mich noch gut, als wir zum 1. Mal auf diesem Platz waren wurden wir auch beschimpft von 2 Busfahrern, grundlos, war damals auch nicht recht schön, wenn man helfen möchte und beschimpft wird, das sagte ich heute dem Busfahrer. Problem dann doch noch gelöst und wir gehen mit einem Lächeln auseinander. Ich komme zurück zu unserem Bus, da steht der, der vorher noch rumstänkerte, in nasser Hose, nassen Turnschuhen. Ich ging mit ihm zu Gerlinde um schnell eine Noteinkleidung zu machen, damit er nicht krank wird in den nassen Sachen. Wir gaben ihm Hose, Unterhose, Schuhe und € 1,- für WC, um sich umzuziehen am WC. Der Tag heute ist schon sehr unrund, heftig und grenzwertig. Man merkt, dass viele Schützlinge in aussichtslosen Situationen sind, wie z.B. Dominik, der uns heute mit Thomas beim Bus besucht, und mich darauf aufmerksam macht, dass er nur noch für 2 Tage seine Tabletten hat, lebenswichtige Tabletten. Ich versprach ihm ein Rezept zu besorgen. Hoffentlich gelingt es. Ich mache Dominik Mut, er braucht auch eine neue Jacke, die von letzten Samstag ging kaputt. Und Thomas braucht Turnschuhe, seine Schuhe sind ebenfalls kaputt. 5 Minuten später stand ein neuer Gast bei Gerlinde, der Turnschuhe forderte, ich fragte ihn ob er obdachlos sei, ja meinte er, sein Fahrrad ließ mich etwas zweifeln. Jedenfalls sah er neue Turnschuhe und wollte diese unbedingt haben, er hatte aber neuwertige Schuhe an, ich nahm Gerlinde die Entscheidung ab, da er Ansätze von „frech sein“ zeigte, sagte ich ihm deutlich: „Deine Schuhe sind neu, die sind nicht kaputt, wenn diese kaputt sind kannst Du neue Schuhe haben“. Trotzig murmelte er irgendwas Freches worauf bei mir dann Schluss mit Lustig war. Wir brauchen unsere Schuhe für diejenigen, die mit kaputten Schuhen zu uns kommen, und nicht, weil sie Turnschuhe fürs Radfahren haben wollen. Dem setzen wir immer mehr Riegel vor, da wir unseren Spendern/innen im Wort sind, es einzig den Bedürftigen zu geben, die es wirklich brauchen, und nicht, weil es beim Radfahren angenehmer ist, mit Turnschuhen. Verkehrte Welt. So ein Verhalten werden wir niemals durchgehen lassen, niemals. Kurze Zeit später kommt unser „Prinz of Linz“, Andreas, der mich gleich einmal lautstark anredet warum von ihm ein Foto durchs Internet geistert? Weil Du es mir angeschafft hast, lieber Andy, letzte Woche war deine Aussage: „Mach a gescheites Foto und veröffentliche es unter Prinz of Linz“, und das machte ich. Andy ist heute extrem aufgekratzt, unrund und laut. Mittlerweile ist es 18.45 Uhr und wir haben den letzten unserer heutigen 99 Schützlinge versorgt, eigentlich ist um 18Uhr Schluss, heute halt ausnahmsweise ein wenig länger. Schnell wird dann gemeinsam zusammengeräumt, die Pavillons zusammengefahren, die Planen eingepackt, die Tische abgebaut und wieder verstaut, als wir ins Auto steigen beginnt es wieder zu schneien, zu patzen, lieber Herr da droben, DANKE, dass Du uns nicht nass gemacht hast heute Nachmittag. Es geht ein anstrengender Tag mit vielen komischen Anwandlungen zu Ende, und doch war es wieder ein guter Tag, den wir heute erleben durften. Ein großes DANKE an all unsere Spender/innen, an alle Gönner/innen, vielen, lieben Dank! Ebenfalls eine tiefe Verneigung meinem Team gegenüber, ihr habt tolle Arbeit geleistet, danke, dass ihr immer da seid, wenn Ihr gebraucht werdet. In meinem Kopfhörer klingt gerade Don Williams mit „Love Me Over Again“, Country Music fürs Herz und fürs Ohr. Danke dass Ihr uns gut gewogen seid und uns auf unseren Wegen begleitet. Vergelt’s Gott! J <3

15.3.2021: Anonyme Großspende!

Update vom 15.3.2021: Eine überaus großzügige anonyme Spende wurde uns zuteil. 1 Palette Bio-Zitronensaft, 1 Palette Sauce Hollandaise und 1 Palette Rasierschaum und Duschgel. KLASSE! Vielen, lieben Dank für diese tolle menschliche Geste und großartige Spende. Vergelt's Gott und habe großen Dank! 🙂 ❤

13.3.2021 – Linz Tour bei Regen und Hoffnung!

Update vom 13.3.2021: Gestern, Samstag Abend um 17 Uhr holte ich zuerst unser neuestes Vereinsmitglied Silvia E. in der Solarcity ab, und gemeinsam fuhren wir dann zur Metro um unsere 2. Silvia B. abzuholen, für unsere Samstagabend-Linz Tour. Eingepackt haben wir dass schon zu Mittag im Lager, und so starten wir um 18 Uhr los, wie üblich zuerst Ebelsberg, zu Thomas und Dominik. Dominik ist ein junger Mann der sehr krank ist, und dem das Leben wirklich auf grausamste Art und Weise mitspielt. Dominik bräuchte eigentlich sozialpsychologische Begleitung für viele Amtswege, die wichtig wären. Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und erörtern, wo wir wie Dominik am besten und schnellsten helfen Können. Seine Familienbeihilfe wurde eingestellt, jetzt bekommt er statt 300,- nur mehr 50,- im Monat an Geld UND, ganz wichtig, er hat keinen Zugang zu seinen Tabletten. Ich werde in den nächsten Tagen versuchen über den Ärztenotdienst ein Rezept für Dominik zu bekommen, damit er wenigstens diese Tabletten bekommt. Aber er bräuchte halt eine umfassende psych. Begleitung da er zusätzlich in einer tiefen Depression ist. Thomas, sein Zeltnachbar freut sich schon wenn sein Bruder wieder kommt, der momentan einsitzt. Irgendjemand hat etwas boshaftes auf das Zelt von Christian, der einsitzt, das aber zur Zeit Dominik benutzt, auf die Außenhaut geschrieben, was Dominik die Tränen in die Augen treibt und ihm die Stimme versagen lässt. Er geht noch mit zum Bus weil er neue Schuhe und einen neuen Rucksack braucht, seine alten Schuhe lösen sich von der Sohle. Als wir wegfahren wollen hält uns Dominik nochmal auf und bitte noch um einen Sweater da seiner kaputt ist. Alles wird anprobiert und angepasst. Weiter geht es dann zu A. aus Hallein, ich habe Gemüse und Obst für sie gekauft und sie erzählte mir dass sie vorstellen war in der Voest und bei einer weiteren Firma. Mal schauen was heraus kommt. A. ist psychisch ziemlich ramponiert und kämpft dauernd mit ihren Tränen. Ich verspreche ihr sie nicht fallen zu lassen und mit ihr den weiteren Weg auszuarbeiten. Von A. fahren wir weiter zum Schillerpark, wo eine ganze Menge Obdachloser beisammen stehen und gemeinsam singen. Ich erkenne Oliver, den ich seit über 1 Jahr nicht mehr gesehen habe, Melanie die ich ebenfalls schon lange nicht mehr gesehen habe, "Affe" der auf der Haltstelle liegt und von Oliver in die Nowa mitgenommen wird, und und und. 7 Obdachlose gehen mit zum Bus um sich Lebensmittel, Hygieneartikel, warme Jacken und warme Schuhe zu holen. Jetons für die Nowa werden ebenfalls verteilt an unsere Schützlinge. Jedem händigen wir auch neue Unterwäsche und neue Socken aus, sowie 3 Stk. Zigaretten, die wir gespendet bekamen. Vom Schillerpark fahren wir weiter zum Volksgarten, wo die Schachspieler gerade die Figuren wegräumten. Alles finster nur ein paar Roma inkl. Kleinkinder sitzen noch auf Bänken und unterhalten sich lautstark. Weiter mit unserem Bus geht es zum Terminal, geparkt wird wie immer bei Gaby, sie ist ebenfalls krank und die Obdachlosigkeit setzt ihr psychisch enorm zu. Gaby bekommt frische Unterwäsche und Socken und Lebensmittel. Wir gehen eine Runde am Terminal, unser junger Mann der sonst keine Hilfe annimmt, freut sich heute über eine Tasse heißen Tee. Weiter zu Elke die mir deutlich sagt "Bitte künftig nicht mehr aufwecken, ich habe alles und schlafe meist um diese Zeit schon gut", also werden wir Elke nicht mehr aufwecken künftig. Die nächste ist Renate, die mir von ihrem Ex-Mann Egon erzählt und dass sie ihre schwere Venenentzündung nicht in den Griff bekommt. Sie hat sich nun selbst verbunden, da sie sich eine Vene aufgerissen hat und die Blutung nicht und nicht aufhören wollte. Aber momentan ist alles "gut" sagt sie und hofft, dass nicht weitere Venen platzen. Zurück beim Bus warten 2 junge Männer, Obdachlose aus der Nowa, die sich auch Lebensmittel holen, neue Gesichter und eigentlich viel zu jung, um Obdachlos zu sein. Vom Terminal fahren wir heute direkt zur Donaulände, zu Florian, er lehnt alles dankend ab mit "Nein danke". Wir lassen Florian unter seiner, über den Kopf gezogenen Plane, im Regen wieder alleine. Fahren weiter zu unserer Punk-Oma Heidi, zu Stefan und Ossi ins Abbruchhaus. Wir haben Decken, Schlafsack, Unterwäsche, Socken, Sweater, Isomatten und und und dabei, ganz wichtig ist der 50l Kanister Wasser, für ihre WC-Spülung. Sie haben sich mittlerweile schon ganz toll dort "eingerichtet", nur Matratzen wären halt schön. Vielleicht hat ja jemand von unseren Spendern/innen 1 oder 2 übrig. Heidi wird nächste Woche kurz in ihre Heimat fahren da ihre Tochter ein Kind erwartet, und kommt dann aber wieder zurück nach Linz, zu ihren Freunden. Vom Abbruchhaus geht es weiter zu Andy am Gründberg, mittlerweile haben wir 21.30 Uhr und es regnet, Andy öffnet die Tür und ist gut aufgelegt, er lädt uns zu einem Kaffee ein, was ich dankend ablehne, Silvia B. trinkt einen, Silvia E. und ich lassen es besser sein. Auch von Andy vertschüssen wir uns bald wieder, er hat ebenfalls Bewerbungen abgegeben und Karin T., Vereinsmitglied und seine Nachbarin, die sich rührend um Andy kümmert, macht das gemeinsam mit Andy. Wir entscheiden noch zum Pleschingersee zu fahren und zur Industriezeile. An beiden Orten ist heute niemand aufzufinden, mittlerweile ist es 22.35 Uhr und wir entscheiden uns den heutigen Abend ausklingen zu lassen, da er ja auch schon seit 6.30 Uhr früh dauert. Als Resümee meiner beiden Kolleginnen bleibt, es war wieder ein toller Abend, für Silvia E. war es Neuland und sie ist wirklich ergriffen, über all die Schicksale. Um 22.45 Uhr setze ich beide Silvias am Metroparkplatz ab und wir fahren alle nach Hause. Es bleibt wieder, einen Tag zu verarbeiten, an dem wir wieder unser bestes gaben und unseren Schützlingen deutlich zeigten, dass wir auch außerhalb der normalen Zeiten für sie da sind. Danke an mein Team für die großartige Arbeit und danke an alle Spender/innen, dass wir Woche für Woche diese Arbeit machen dürfen. Vergelt's Gott und habt großen Dank! 🙂 ❤

11.3.2021 – Erna und ihr verlorener Sohn!

Verteil-Donnerstag vom 11.3.2021: Nach einer kurzen Pause von einem Verteil-Donnerstag, waren wir heute wieder darauf getrimmt, unseren Schützlingen einen guten Tag zu bescheren. Die letzten Tage waren alles andere als leicht, wir fahren zurzeit 2-3 Mal pro Woche abends für 4-5 Stunden zusätzlich zu den Hotspots um unseren Schützlingen, die nicht am Donnerstag zu unserem Bus kommen können, Lebensmittel und andere wichtige Dinge zu bringen. Der Tag beginnt auch an diesen Tagen, wenn wir abends nach Linz fahren, um 7Uhr früh, weil vieles zu organisieren und zu administrieren ist. Logistisch, Vereinstechnisch, Personell, finanzielle Absprachen mit unserer Kassierin Astrid, einige Vorstandsentscheidungen forcieren oder pausieren lassen, gemeinsame Entscheidungen treffen, Telefonate führen, Spendenlieferungen abfragen, Spendenbedarf abfragen, verschiedene Einrichtungen kontaktieren usw.. Viel Arbeit, jeden Tag, und wenn dann der Tag bis Mitternacht dauert draußen auf Linz‘ Straßen, ja, dann weiß man was man geleistet hat. Ich bin sehr dankbar, dass ich bei der nächtlichen Linz-Tour immer tolle Teammitglieder als Hilfe dabeihabe. Und manchmal geht so eine Tour ganz schön ans Eingemachte, heißt so viel wie, ist manchmal ganz schön kalt und anstrengend. Wenn dann noch widerliche Umstände dazukommen, kommt man heim und kann dann auch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, man ist von dem ganzen Abend noch gefesselt, muss auch von uns zuerst einmal verarbeitet werden. Und passieren tut zurzeit vieles, viel außergewöhnliches, manch unvorstellbares. Deshalb brauchte ich auch letzte Woche einen Verteil-Donnerstag Pause, weil ich einfach nur noch überlastet bin und viele Fehler dadurch mache.
Für den heutigen Verteil-Donnerstag waren die üblichen Vorbereitungen nötig, Kühl- und Tiefkühllager am Mittwoch, anschließend noch eine Halterung in einer Tiefgarage montieren und abends noch Wohnwagen umstellen. Abends dann wieder unsere Lagersoftware umschreiben und adaptieren, auf unsere Bedürfnisse anpassen. Seit Wochen sitze ich dabei, alles zu schaffen und demnächst die Inventur eintragen zu können. Ein Meilenstein für uns, wenn die Lagersoftware auf Stand ist und planmäßig arbeitet, bald wird es hoffentlich soweit sein. Die Stunden am umprogrammieren zähle ich schon lange nicht mehr.
Der Donnerstag begann heute mit kalten Regen und einem Schuss Schneegeruch in der Luft, herrlich, ich mag das. Kaum aufgestanden scheppert schon das Telefon, heute Beitrittserklärung nicht vergessen, keine 3 Minuten später Telefon: „Brauchen Sie Kleidung, ich habe ausgemistet?“ NEIN, wir nehmen seit Monaten keine Kleidung mehr an und wenn jemand zu mir sagt „Ich habe ausgemistet“ bekomm ich schon Angst, weil in den letzten Monaten viele Kleidungsstücke entsprechend aussahen, als wären sie wahrhaftig AUSGEMISTET worden. Dieser Satz macht mir echt schon panische Angst, weil damit immer hohe Entsorgungskosten verbunden sind. Und liebe Leute, es ist wirklich so, dass wir leider vieles entsorgen müssen, neue Schuhe in Originalschachtel, und dann geben wir sie weiter und beim Anprobieren bricht die Sohle, weil sie schon 10 Jahre in irgendeinem Keller lagen und der Gummi der Sohle brüchig wurde. Ich bitte Euch um Verständnis, aber solche Kleidungsstücke sind KEINE HILFE, sondern BALAST der hohe Kosten verursacht. Also sage ich auch der Dame freundlich und bestimmt am Telefon ab, keine Kleidung anzunehmen. Es scheppert unaufhaltsam das Telefon: „Wann holen Sie die Waschmaschine, ich warte schon 1 Woche?“ Wenn ich einen starken Helfer habe, komme ich, alleine kann ich diese nicht vom 3. Stock heruntertragen. Zwischendurch meinen vom Nachbarn zugezogenen Kater füttern, noch ein paar eingeforderte Streicheleinheiten verteilen, er muss den ganzen Tag alleine verbringen, irgendwo draußen. Dann ab Richtung Hofer, den Einkauf abholen, Manuel der Geschäftsführer stellt mir alles schnell und zu meiner vollen Zufriedenheit zusammen und öffnet sogar eine Kassa für mich, dass ich mich mit dem hoffnungslos überfüllten Einkaufswagen nicht hintenanstellen muss. Manuel hilft mir sogar noch einladen der Ware, ein toller Service, den es nur beim Hofer in der Dauphine Straße gibt. DANKE dafür. Ab Richtung Lager Ansfelden, dort kommen schon die ersten Helfer/innen heute um 9.30 Uhr. Martina ist dann die Erste, hochschwanger und hilfsbereit. Ich fahre heute alleine nach Haid, Brot und Gebäck holen, Susanne lädt mich noch auf einen Kaffee mit Torte ein bevor wir einladen, gschmackig, danke dafür. Danach gefühlte 20 Bananenschachteln voller Brot, Gebäck, Süßes, Obst und Gemüse einladen. Ab nach Ansfelden, dort kamen zu Martina noch Ulli und Barbara dazu, die uns alle helfen die Lebensmittel auf Genießbarkeit durchzuschauen. Es geht heute Ruck Zuck, großartig. Tee kochen, Leberkäse und Schinken im Obers Kren zuschneiden und verpacken, den Käse teilen und ebenfalls neu verpacken. Zwischendurch den Transporter heraussaugen und rauswischen, hier werden schließlich Lebensmittel befördert. Zu Mittag verabschieden sich Ulli und Martina, Corinna und Maria kommen dazu. Der Blick zum Himmel scheint nichts Gutes erahnen zu lassen für den Nachmittag. Regenwolken ziehen auf, und es beginnt zu regnen. Noch hat Petrus Zeit sich anders zu entscheiden und uns Sonne zu schicken, BITTE! Zwischen all den Vorbereitungen immer wieder Telefon, Mail, eine Frau kommt und möchte bei uns mitmachen, ich gebe ihr ein Beitrittsformular und sie ist Feuer und Flamme, freut sich schon auf kommenden Samstag, ich mich auch. Dann alles wie üblich in den Transporter einladen, festzurren, alles sicher verladen. Anhänger umdrehen und anhängen. Abfahrt um 15.07 Uhr, von Sonne keine Spur, aber der Regen hat auch aufgehört, Barbara fährt mit ihrem ProntoPronto Bus separat und nimmt alle Helfer mit, bei mir fährt Robert mit. In Linz angekommen warten schon etwa 15 Schützlinge. Das Telefonat diese Woche mit der Polizei Linz wegen unserer Genehmigung, dass wir am Donnerstag verteilen dürfen, war streng da wir in den letzten Wochen nicht immer alles im Blick hatten. Ich versprach Besserung und Einhaltung ALLER Vorschriften, so bekamen wir die Zusage und Erlaubnis. Wir müssen aber extra 2 Helfer abstellen, die die Masken kontrollieren und auf 2 Meter Abstand bestehen. Heute früh betete ich noch für einen reibungslosen Ablauf, als wir ankamen und die Leute gleich daran erinnern mussten, dass wir hier keinen Meter mehr durchgehen lassen können, rümpften einige die Nase und so wie (fast) immer, ist auch heute wieder einer dabei der genüsslich an seiner Dose Bier trinkt, ausleeren oder weggehen, bei unserem Bus ist absolutes Alkoholverbot! „Ich leer die Dose aus“ und verschwindet hinter einem Baum um die Dose Ex auszutrinken. Leider ist die Sucht manchmal stärker als die Vernunft, das kenne ich zu gut. Als wir fertig sind mit aufstellen kam Punk-Oma Heidi mit Ossi und einer unbekannten neuen Obdachlosen vorbei: „Hast Du bitte dringend Monatshygiene?“ Ja, klar, habe ich und du musst dich auch nicht hintenanstellen und für Ossi einen Schlafsack, da sein alter gestohlen wurde. Heidi eine unheimlich nette, freundliche (ab 9.April) Punk-Oma, die sich rührend um ihre Freunde kümmert. In einem Abbruchhaus am Freinberg dürfen sie bis zum Abriss bleiben, mit Erlaubnis der Eigentümerin und der Polizei. In diesem Haus gibt es eine Toilette ohne Wasser, eine Küche ohne Irgendwas und ein Wohnzimmer mit Kamin, wo Heidi, Ossi und Stefan bei romantischem Feuer auch kochen und sich wärmen. Ich bin angetan vom Wesen Heidi, von diesem Lächeln das dem Leben auf der Straße widerspricht, von dieser Überzeugung, dass sie immer genug zu essen haben wird, weil ja der da oben auf sie achtet. Sie passt nicht in dieses System, kann diese Ketten nicht ertragen die ihr die Gesellschaft umlegt, sie ist ein Freigeist sagt sie von sich und ahne, was sie meint. Sie freut sich auf das Enkelkind, war gerade in Niederösterreich, ihre Tochter besuchen und in diesen 14 Tagen ließ Daniel, ihr Punk-Freund sie sitzen, weil er eine Andere hat. Wurscht, sagt sie, zuerst hätte ich ihn noch zurückhaben wollen, aber jetzt habe ich abgeschlossen, soll glücklich werden, und sie lächelt übers ganze Gesicht. Der Nasenring sitzt schief und ich habe dauernd das Gefühl dass er gleich rausrutscht, habe ja keine Erfahrung mit solchen Dingen, möchte aber nicht dass sie sich verletzt. Die vielen Piercings und Ringe die durch dicke Löcher in der Haut gezogen sind, tun mir schon beim Anschauen weh, wie kann eine zierliche Frau wie Heidi so etwas mit sich machen? Naja, wird schon schön sein, ist ja nicht mein Nasenring mit den man mich durch die Arena ziehen kann, poah alleine der Gedanke daran versetzt mir ungeahnte Schmerzen. Autsch! Heidi und ihre Freunde gehen Richtung Bahnhof und es kommt im gleichen Augenblick unsere altbekannte Erna an und fragt mich ob sie etwas haben darf. Erna hat zwar eine gute Pension, aber ihr Sachwalter verwaltet ihr Geld. Und heute kam raus, dass sie einen Sohn hat, der ebenfalls obdachlos ist und nichts mehr zu essen hat, dem sie etwas bringen möchte. Deshalb belog sie mich die letzten 2 Jahre und sagte kein Sterbenswort von ihrem Sohn. Unsere Barbara hörte noch ein Gespräch zwischen Erna und ihrer Betreuerin: „Du musst es Walter sagen“, Barbara sagte es mir und ich hakte nach, was Erna mir sagen sollte. Da kam raus, dass Erna einen obdachlosen Sohn hat und sich dafür schämt, für ihn aber bei uns Lebensmittel holt. Ich redete auf Erna ein, sie müsse mir die Wahrheit sagen da ich sonst nicht richtig reagieren könnte. In dieser verworrenen Situation sagte sie, bevor ich ihr das entlocken konnte, sie brauche bitte einen Rasierschaum für ihren Freund der sie ab und zu besucht. Erna hat weder Freund noch wirklich Lösungen, sie ist eine wirklich einfache alte Frau, die sich schämt und aus diesem Grund mich angelogen hat. Sie wird es nie mehr tun, sie wolle jetzt ehrlich sein und sagen, dass die Lebensmittel für ihren Sohn sind. Wenn das künftig wirklich so ist, bin ich glücklich, zu lügen ist doch eine große Bürde. Sie bekommt was sie braucht, heute und in Zukunft.
Hallo, halli hallo! Sind Sie Herr Kreische? Ja, der bin ich! Sonja war vor 14 Tagen bei unserem Bus, und macht in der neuen Kupfermuck’n einen Artikel über uns und die vor 14 Tagen gemachten Fotos waren zu klein, deshalb kam die Dame vorbei um noch ein paar Fotos zu machen. Kein Problem! Freue mich auf den Artikel. Als die Schlange mit den heutigen 77 Schützlingen langsam kürzer wurde, kam dann noch unser „Prinz von Linz, Andy“, eine liebenswürdige Plaudertasche der schon alles gemacht hat, alles weiß und sein Leben doch nicht so im Griff hat, wie er es gerne hätte. Ein Mercedes Pickerl auf seinem Fahrrad macht ihm Glauben, reich zu sein. Dass es nur ein nachträglich aufgeklebter Schriftzug ist, schwindelt er einfach weg, unser Prinz! 18.15 Uhr, Manfred der Obdachlosen Sprecher ist heute der letzte in der Reihe, ein Teil unseres Teams räumt schon einmal zusammen, leere Kartons, leere Boxen, Brot und Gebäck zusammenräumen und zum Einladen parat legen. Gottseidank werden die Tage wieder länger und wir brauchen unsere Lampen nicht mehr. Gottseidank. Schnell zusammenräumen, Abfahrt nach Ansfelden, ausladen und einlagern, Müll beiseite räumen und dann noch kurze Besprechung und ich sehe Karin, die neben mir steht, mit großen Augen an, sie machte heute Witze auf meine Kosten und ich stellte mir gerade diese Situation vor, nein, das ist nichts für die Öffentlichkeit. J 19.45 Uhr, Abfahrt nach Hause, noch einige Einwegpaletten einladen um diese zu meinem Nachbarn mitzunehmen, der kann sie verheizen und wir sind sie los. Daheim angekommen, liegt Purzel (Kater Silvester) auf dem nassen Asphalt und räkelt sich am Rücken liegend vor Freude, mich zu sehen. Dieses Szenario macht er immer, wenn ich länger nicht heimkomme, und ich freue mich riesig ob dieser Geste, wenigstens der Kater freut sich auf mich. Abendessen warm machen, nachdenken, wohin mich heute die Gedanken in diesem Posting führen werden/sollen/müssen. Wie ich den Beitrag gestalten werde. Nun, ihr habt es gerade gelesen, was ich die letzten 3 ½ Stunden geschrieben habe. Danke für Eure Aufmerksamkeit, vielen lieben Dank an all unsere Spender/innen und Gönner/innen, Vergelt’s Gott und habt großen Dank. Danke auch an unser Team, das heute wieder eine klasse Arbeit machte, vielen Dank an jede/n Einzelne/n von Euch. Ich wünsche Euch nun noch eine gute Nacht und mir wünsche ich, dass ich den Tag bald abschließen kann. Nach getaner Arbeit. 🙂 <3

9.3.2021 – Linz-Tour mit viel Dankbarkeit!

Update vom 9.3.2021: Heute stand wieder unsere Linz-Tour auf dem Programm. Das heißt wir fahren wieder viele Plätze an, wo unsere Schützlinge schlafen/wohnen/vegetieren. Treffpunkt war heute 17 Uhr in unserem Lager Ansfelden. Stefan hilft mir alle am Samstag leer gewordenen Boxen wieder zu befüllen. 17.40 Uhr Abfahrt Richtung Linz, Hauptbahnhof, Sr. Lydia abholen, die heute neben Stefan meine Begleiter sein werden. Vom Bahnhof geht es dann zu dritt Richtung Ebelsberg, zu Thomas und seinem neuen Mitbewohner, Dominik. Dominik schläft zur Zeit in Christians Zelt, dass dieser wieder braucht wenn er übernächste Woche aus der Haft kommt, deshalb bekommt kommenden Samstag Dominik ein eigenes Zelt von uns. Dominik ist knapp 30 Jahre jung und krank, psych. schwer angeschlagen und sieht eigentlich keine Zukunft mehr. Wir bauen ihn ein wenig auf und zeigen die positiven Seiten auf, er beginnt zu weinen und versteht die Welt nicht mehr, warum gerade er keine wirkliche Chance im Leben bekommt. Wir können es auch nicht sagen warum das Leben mit manchen Menschen derart grob umgeht und andere nur auf die Butterseite fallen, das weiß gottseidank niemand, warum das so ist. Wir können auch nicht Dominik's Leben leben, aber wir können ihm helfen, dass das Leben das er jetzt lebt, erträglicher wird und ab und zu Sonne in sein Herz lässt. Dominik lächelt als wir ihm sagen er bekommt einen neuen Winterschlafsack, sein derzeitiger Sommerschlafsack hat ausgedient und ab heute wird es auch Nachts etwas "kuscheliger". Eine extra Isomatte bekommt er obendrein. Thomas meldet sich aus dem Nebenzelt, etwas unverständlich, murmelnd, Thomas geht es nicht gut, auch er ist schwer krank und nun auch noch zusätzlich mit einem Infekt ziemlich bedient. Thomas schafft es heute nicht einmal aus seinem Zelt herauszulächeln. Dominik geht dann auch noch mit zum Bus da er für sich und Thomas noch Unterwäsche und Socken mitnimmt, und seinen versprochenen Gaskocher nimmt er ebenfalls ganz stolz entgegen. Danke Danke Danke, ihr seid ...... (Tränen). Von Ebelsberg geht es direkt zu A. aus Hallein, vorm Wirt zur ew'gen Ruh' wo A. ihre Wohnung hat dank Dieter Nöbauer, treffen wir auch noch Daniel. Er jammert ebenfalls, dass es zur Zeit auf den Ämtern ziemlich rigoros zugeht, Ansprüche werden einfach gestrichen, auch Dominik wurde einfach die Leistung gestrichen und niemand gibt ihm Auskunft, wie er wieder in den Genuss der Leistung kommt. Jetzt bekommt er €318,- ausbezahlt, kein Mensch kann mit dieser Summe ein ganzes Monat um die Runden kommen, geht gar nicht. Und, Dominik bräuchte dringend seine Tabletten, doch er bekommt das Rezept nicht mehr, vieles geht gerade schief und viele werden im Regen stehen gelassen. Auch ich konnte nicht eruieren wie Dominik zu seinen dringend notwendigen Tabletten kommen könnte. Ich werde es morgen weiter versuchen, an verschiedenen Stellen. Daniel kommt anschließend noch mit zum Bus und nimmt sich ein paar Dosen mit die er warm machen kann. Vom Wirt zur ew'gen Ruh' geht es weiter zum Schillerpark, dort sagte uns Daniel, wartet jemand auf uns. Wir sind gespannt und fahren direkt hin. Eine Geh Runde durch den Schillerpark offenbart eine kleine Gruppe hinter dem Würstelstand. Ein paar Obdachlose, ein paar Unbekannte, und Udo! Der sich eigentlich noch mit seinen letzten Euro's beim Würstelstand etwas warmes zum essen kaufen wollte, doch die Dame hatte schon zugesperrt. Somit konnten wir Udo nur unsere Jausenecke im Bus anbieten, wo Cabanossi, Fischdosen, Käse usw. gelagert sind. Nachdem mich noch einer der Unbekannten mit dummen Aussagen erniedrigen wollte, gingen wir mit Udo zum Bus. Ein ganzes Sackerl voll gaben wir ihm mit auf seinen Heimgang. Ob wir noch eine Zigarette haben? Nein leider, aber ich gebe dir 3,- aus meiner Privattasche damit Du dir Zigaretten kaufen kannst. Udo war der glücklichste Mensch, Essen, Geld für Zigaretten und er ist guter Stimmung. Wir sind es ebenso und fahren weiter zum Terminal. Wie immer parken wir bei Gaby, die wieder davon erzählt dass ihr die vorbeigehenden Bettelbanden einfach Dinge wegnehmen, ohne zu fragen. Gaby kann sich natürlich nicht wehren, insofern ist es eine tiefe Erniedrigung für Gaby, weil sie zusehen muss, wie alles einfach mitgenommen wird, ihr gestohlen wird. Wir versorgen Gaby und gehen unsere Terminalrunde. Kommen zuerst zu Elke, die heute gut drauf ist und mit uns ausführlich redet, uns ihre Träume erzählt und sagt, dass sie auf eine Wohnung wartet, seit 2 Jahren. Sie sei gelistet bei der Genossenschaft und würde es dann wohl mithilfe der Wohnbeihilfe zusätzlich zu ihrer Mindestpension finanziell schaffen. Aber es hat sich halt seit 2 Jahren niemand gemeldet von der Genossenschaft. Tja, hier sage ich nichts mehr dazu. Von Elke gehen wir weiter zu Renate, deren extreme Venenentzündungen nun zu einem teilweise Platzen der Venen führte, ihre Beine sind eingewickelt in Verband und sie kann erst Donnerstag zu einem Arzt gehen, der sie anschaut. Eigentlich kann man daran verbluten, warum hier zugewartet werden muss, verstehe ich so überhaupt nicht. Auch erzählt mir Renate noch, dass ein Mann von der Security ziemlich böse mit den Obdachlosen am Bahnhof umgeht, so schreit er lautstark herum, Zitat (das von mehreren Anwesenden bestätigt wurde): "Ihr dreckiges Gesindel schleichts Euch von hier, ihr Abschaum habt hier nichts verloren, ihr Dreckswarzen ihr elendigen ..... (weiter mag ich nicht sagen was sonst noch geschrien wird von diesem Herrn")". Ich verspreche Renate, aktiv zu werden, solche Beschimpfungen sind ein absolutes NoGo! Also flott Richtung Bus und ab, zum Eingang Hauptbahnhof von wo wir zu den Security's gehen. Nach dem Eintritt verlange ich den Capo und den kenne ich sehr gut aus der Vergangenheit, wir haben schon oft zusammengearbeitet, er hat mich schon oft mitten in der Nacht, 2...3Uhr früh angerufen, weil er wieder einen Obdachlosen irgendwo fand und Hilfe brauchte. Ihm sage ich die mehrmals bestätigten Ausschreie dieses einen besagten Mitarbeiters, und sage auch gleich dazu, dass das ein absolutes NoGo ist, so menschenverachtend geht man mit niemanden um, und solche Sachen was dieser Mensch durch die Gegend schreit, gehen so gar nicht! Der Capo stimmt mir zu und sagt immer wieder "Da mische ich mich nicht ein". Er gibt mir den Namen des Vorgesetzten dieses Schreihalses, den ich in den nächsten Tagen kontaktieren werde und ihm ebenfalls sagen werde, was einer seiner Mitarbeiter so den ganzen Tag herumschreit, denn das muss an die Öffentlichkeit. "Dreckiger Abschaum" sagt niemand zu meinen Schützlingen, das lasse ich nicht zu und werde weitere Schritte überlegen. Wir haben es an der richtigen Stelle deponiert was geschah und jetzt geht es in den nächsten Tagen weiter, wir werden sehen was passiert. Vom Terminal fahren wir auf den Freinberg zu Stefan und Heidi, die in einem Abbruchhaus leben dürfen, bis es abgerissen wird. Stefans Hund ist in der "Küche" eingesperrt, Heidi von ihrem "Heimaturlaub in Niederösterreich" zurück, nur "ihr" Daniel, der hat sich eine andere gefunden und hat Heidi einfach stehen gelassen. Ich bin erstaunt wie gelassen es Heidi nimmt, ich könnte das nicht, denke ich noch. Wir nehmen den großen 50l Kanister mit, um am kommenden Samstag diesen wieder vollgefüllt hier abzugeben. Heidi kommt noch mit zum Bus, sie wünscht sich noch eine Decke und nimmt auch gleich die Unterwäsche für Stefan mit. Süßigkeiten und Getränke geben wir Heidi ebenfalls noch mit, strahlend verabschiedet sich Heidi, ein sonniges Wesen, eine tolle Frau! Vom Abbruchhaus geht es Richtung Gründberg zu Andy, dem es heute sichtlich besser geht. Gestern gab er seinen Lebenslauf und seine Bewerbung in der Voest ab, mal schauen was daraus wird. Wir sind aber positiv gestimmt und alles wird gut. Mittlerweile ist es 21.30 Uhr und Andy bietet uns Kaffee an, unmöglich um diese Zeit. Wir plaudern noch eine Weile bevor wir dann weiterziehen zum Pleschingersee und zum Fernheizwerk, unsere beiden letzten Stationen für heute. Um 22.20 Uhr setzen wir Sr. Lydia bei ihrer Herberge ab und Stefan und ich fahren ins Lager Ansfelden, wobei wir erst morgen früh den Bus ausräumen werden. So endet eine Linz Tour um 22.40 Uhr mit schönen Erlebnissen und guter Hoffnung, dass vieles wieder gut wird. Hoffentlich! Ich bete dafür. ❤ 🙂 Danke und Gute Nacht 🙂