13.3.2021 – Linz Tour bei Regen und Hoffnung!

Update vom 13.3.2021: Gestern, Samstag Abend um 17 Uhr holte ich zuerst unser neuestes Vereinsmitglied Silvia E. in der Solarcity ab, und gemeinsam fuhren wir dann zur Metro um unsere 2. Silvia B. abzuholen, für unsere Samstagabend-Linz Tour. Eingepackt haben wir dass schon zu Mittag im Lager, und so starten wir um 18 Uhr los, wie üblich zuerst Ebelsberg, zu Thomas und Dominik. Dominik ist ein junger Mann der sehr krank ist, und dem das Leben wirklich auf grausamste Art und Weise mitspielt. Dominik bräuchte eigentlich sozialpsychologische Begleitung für viele Amtswege, die wichtig wären. Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und erörtern, wo wir wie Dominik am besten und schnellsten helfen Können. Seine Familienbeihilfe wurde eingestellt, jetzt bekommt er statt 300,- nur mehr 50,- im Monat an Geld UND, ganz wichtig, er hat keinen Zugang zu seinen Tabletten. Ich werde in den nächsten Tagen versuchen über den Ärztenotdienst ein Rezept für Dominik zu bekommen, damit er wenigstens diese Tabletten bekommt. Aber er bräuchte halt eine umfassende psych. Begleitung da er zusätzlich in einer tiefen Depression ist. Thomas, sein Zeltnachbar freut sich schon wenn sein Bruder wieder kommt, der momentan einsitzt. Irgendjemand hat etwas boshaftes auf das Zelt von Christian, der einsitzt, das aber zur Zeit Dominik benutzt, auf die Außenhaut geschrieben, was Dominik die Tränen in die Augen treibt und ihm die Stimme versagen lässt. Er geht noch mit zum Bus weil er neue Schuhe und einen neuen Rucksack braucht, seine alten Schuhe lösen sich von der Sohle. Als wir wegfahren wollen hält uns Dominik nochmal auf und bitte noch um einen Sweater da seiner kaputt ist. Alles wird anprobiert und angepasst. Weiter geht es dann zu A. aus Hallein, ich habe Gemüse und Obst für sie gekauft und sie erzählte mir dass sie vorstellen war in der Voest und bei einer weiteren Firma. Mal schauen was heraus kommt. A. ist psychisch ziemlich ramponiert und kämpft dauernd mit ihren Tränen. Ich verspreche ihr sie nicht fallen zu lassen und mit ihr den weiteren Weg auszuarbeiten. Von A. fahren wir weiter zum Schillerpark, wo eine ganze Menge Obdachloser beisammen stehen und gemeinsam singen. Ich erkenne Oliver, den ich seit über 1 Jahr nicht mehr gesehen habe, Melanie die ich ebenfalls schon lange nicht mehr gesehen habe, "Affe" der auf der Haltstelle liegt und von Oliver in die Nowa mitgenommen wird, und und und. 7 Obdachlose gehen mit zum Bus um sich Lebensmittel, Hygieneartikel, warme Jacken und warme Schuhe zu holen. Jetons für die Nowa werden ebenfalls verteilt an unsere Schützlinge. Jedem händigen wir auch neue Unterwäsche und neue Socken aus, sowie 3 Stk. Zigaretten, die wir gespendet bekamen. Vom Schillerpark fahren wir weiter zum Volksgarten, wo die Schachspieler gerade die Figuren wegräumten. Alles finster nur ein paar Roma inkl. Kleinkinder sitzen noch auf Bänken und unterhalten sich lautstark. Weiter mit unserem Bus geht es zum Terminal, geparkt wird wie immer bei Gaby, sie ist ebenfalls krank und die Obdachlosigkeit setzt ihr psychisch enorm zu. Gaby bekommt frische Unterwäsche und Socken und Lebensmittel. Wir gehen eine Runde am Terminal, unser junger Mann der sonst keine Hilfe annimmt, freut sich heute über eine Tasse heißen Tee. Weiter zu Elke die mir deutlich sagt "Bitte künftig nicht mehr aufwecken, ich habe alles und schlafe meist um diese Zeit schon gut", also werden wir Elke nicht mehr aufwecken künftig. Die nächste ist Renate, die mir von ihrem Ex-Mann Egon erzählt und dass sie ihre schwere Venenentzündung nicht in den Griff bekommt. Sie hat sich nun selbst verbunden, da sie sich eine Vene aufgerissen hat und die Blutung nicht und nicht aufhören wollte. Aber momentan ist alles "gut" sagt sie und hofft, dass nicht weitere Venen platzen. Zurück beim Bus warten 2 junge Männer, Obdachlose aus der Nowa, die sich auch Lebensmittel holen, neue Gesichter und eigentlich viel zu jung, um Obdachlos zu sein. Vom Terminal fahren wir heute direkt zur Donaulände, zu Florian, er lehnt alles dankend ab mit "Nein danke". Wir lassen Florian unter seiner, über den Kopf gezogenen Plane, im Regen wieder alleine. Fahren weiter zu unserer Punk-Oma Heidi, zu Stefan und Ossi ins Abbruchhaus. Wir haben Decken, Schlafsack, Unterwäsche, Socken, Sweater, Isomatten und und und dabei, ganz wichtig ist der 50l Kanister Wasser, für ihre WC-Spülung. Sie haben sich mittlerweile schon ganz toll dort "eingerichtet", nur Matratzen wären halt schön. Vielleicht hat ja jemand von unseren Spendern/innen 1 oder 2 übrig. Heidi wird nächste Woche kurz in ihre Heimat fahren da ihre Tochter ein Kind erwartet, und kommt dann aber wieder zurück nach Linz, zu ihren Freunden. Vom Abbruchhaus geht es weiter zu Andy am Gründberg, mittlerweile haben wir 21.30 Uhr und es regnet, Andy öffnet die Tür und ist gut aufgelegt, er lädt uns zu einem Kaffee ein, was ich dankend ablehne, Silvia B. trinkt einen, Silvia E. und ich lassen es besser sein. Auch von Andy vertschüssen wir uns bald wieder, er hat ebenfalls Bewerbungen abgegeben und Karin T., Vereinsmitglied und seine Nachbarin, die sich rührend um Andy kümmert, macht das gemeinsam mit Andy. Wir entscheiden noch zum Pleschingersee zu fahren und zur Industriezeile. An beiden Orten ist heute niemand aufzufinden, mittlerweile ist es 22.35 Uhr und wir entscheiden uns den heutigen Abend ausklingen zu lassen, da er ja auch schon seit 6.30 Uhr früh dauert. Als Resümee meiner beiden Kolleginnen bleibt, es war wieder ein toller Abend, für Silvia E. war es Neuland und sie ist wirklich ergriffen, über all die Schicksale. Um 22.45 Uhr setze ich beide Silvias am Metroparkplatz ab und wir fahren alle nach Hause. Es bleibt wieder, einen Tag zu verarbeiten, an dem wir wieder unser bestes gaben und unseren Schützlingen deutlich zeigten, dass wir auch außerhalb der normalen Zeiten für sie da sind. Danke an mein Team für die großartige Arbeit und danke an alle Spender/innen, dass wir Woche für Woche diese Arbeit machen dürfen. Vergelt's Gott und habt großen Dank! 🙂 ❤