28.1.2021 – Warum geht man mit Menschen so um?

Gleich zu Beginn muss ich etwas loswerden, was ein absolutes „NoGo“ ist. Seit Tagen beobachten wir an den verschiedensten Stellen in Linz, und hier nicht einmal im Zentrum von Linz, sondern im Auslauf, dass viele unserer Schützlinge von Polizei und Ordnungsdienst der Plätze verwiesen werden, ohne eine Antwort darauf zu geben, wo in Linz sie bleiben dürfen. Gestern Mittwoch habe ich aus sicherer Quelle erst erfahren, dass ein Antrag im Linzer Gemeinderat liegt auf generelles „Campier Verbot“, in ganz Linz. Die Obdachlosen, die in keine Einrichtung oder in die Notschlafstelle können/dürfen, werden immer wieder, und hier fast täglich von allen Plätzen verwiesen. KEINE ALTERNATIVE anzubieten und unseren Schützlingen jeden Tag zu sagen, Zitat: „Sie haben 14 Tage um hier zu verschwinden“, zeugt von nicht sehr hoher Intelligenz und von einem sehr armseligen sozialen Gewissen, so die Entscheidungsträger in der Stadt Linz überhaupt so etwas haben. Zurzeit kommt es mir so vor als findet gerade eine richtige Hetze gegen die Obdachlosen, die im Freien schlafen müssen, statt. Immer nur sagen, Zitat „Das geht nicht, und das Andere geht auch nicht, ihr müsst hier weg, es gibt keinen Platz für Euch in Linz usw.“. So löst man keine Probleme, und schon gar nicht die der ohnehin schon an den Rand gedrückten Menschen ohne Dach über dem Kopf. Was soll das? Warum geht man mit den Menschen so um? Hier wären endlich einmal ein paar Antworten fällig, seitens der Stadt Linz. Auch das dauernd behauptet wird, am Terminal urinieren die Obdachlosen willkürlich herum, und deshalb muss man sie des Terminals verweisen, ein beliebtes Vorgehen eines Linzer Politikers, der sich eigentlich nicht um die Belange der Obdachlosen kümmert, aber wir haben 2021 Wahljahr in Linz und deshalb wird gerade auf dem Rücken der Ärmsten dieses armselige Politikum ausgetragen. An ALLE Verantwortlichen, SCHÄMEN SIE SICH! So lange es rund um den Hauptbahnhof keine einzige kostenlose Toilette gibt und man nirgendwo im Bahnhofsbereich kostenlos Trinkwasser konsumieren kann, so lange ist Kohlenmonoxid der Hauptbestandteil der Schnappatmung diverser Politiker, und sonst nichts. Armut, Wohnungs- und Obdachlosigkeit bedürfen echter Lösungen, und keiner heißen Luft eines dahergelaufenen Architekten, der sich in der Politik versucht. Zu viele Menschen trifft es, viele stehen vor den Trümmern ihrer Existenz, Kurzarbeit oder schon gekündigt, keine Aussicht auf eine nahe Zukunft, viele Menschen wissen nicht mehr wie sie die Miete und die Betriebskosten noch bezahlen sollen. Alleine diese Woche hatten wir als Obdachlosenhilfsaktion.at 6 (!) Anrufe bzw. Anfragen, ob wir mit 1 bzw. 2 Mietzahlung aushelfen könnten. Liebe Leute, liebe Wegbegleiter, wenn man eine junge Familie am Telefon hat, 2 Kinder, Mutter arbeitslos und daheim beim Baby, Vater zu Weihnachten gekündigt, das ältere Kind Herzkrank, hier tun sich gerade Abgründe auf. Warum wird hier seitens der Politik nichts getan? Warum sind zurzeit alle Politiker mit „Wirtschaft retten“ beschäftigt? Wir haben zugesagt, in 2 Fällen direkt zu helfen und bei 2 weiteren muss sich unser Vorstand Gedanken machen, wie wir am besten und effektivsten helfen könnten. Soviel zu einem Anliegen, das zunehmend Bauchweh und Schlaflosigkeit bei mir verursacht, weil vieles bei den Menschen zurzeit einfach so aussichtslos erscheint, zu all den anderen Sorgen die Corona so mit sich bringt.
Franziska muss ihren neuen Platz wieder räumen, obwohl sie dort, wo sie jetzt ist, absolut niemanden stört, es keine Anrainer gibt, ebenso ein weiteres obdachloses Pärchen, das in der Nähe von Franziska „wohnt“. Stefan, der Deutsche mit dem Hund, der mich biss, ist in einer Nacht und Nebel-Aktion verschwunden, hinterließ sein Zelt in einem sehr fragwürdigen Zustand, und neben Stefan hatten ja die Brüder Thomas und Christian ihr Zelt, die wir regelmäßig unter der Brücke versorgten. Thomas wurde nun wegen Diebstahl verhaftet und Christian muss das Zelt dort räumen, binnen 14 Tage muss er dort verschwinden. Und niemand sagt, wo er bleiben darf/kann. Nicht nur dass man, wie gesagt, unsere Schützlinge von allen Plätzen verjagt, sondern generell der Umgang mit Obdachlosen in Linz sehr oft von Seiten verschiedener Ämter alles andere als „wertschätzend“ oder „Lösungsorientiert“ ist.
Wir wollen helfen, KEINE FRAGE, aber oft wissen auch wir nicht mehr weiter, weil die Anfragen gebündelt an uns herangetragen werden, und auch wir überfordert sind.
Ja, wir sind nun auf der Suche nach Plätzen, wo Franziska mit ihrer Emma bleiben darf und ein Plätzchen, wo Christian sein Zelt aufschlagen darf. Wenn jemand etwas weiß, bitte einfach melden, DANKE!
Die laufende Woche begann mit eiskalten Nächten, an denen ich immer in Linz unterwegs war um nachzuschauen, ob jemand was braucht, meistens hatte ich heißen Tee mit. Manchmal war einfach das Gespräch das wichtigste, bei dem Anderen war eine frische Unterwäsche oder eine Isomatte wichtiger, die Wünsche waren verschieden, aber alle freuten sich, uns zu sehen. Die nächtlichen Einsätze sind fordernd und kalt, manchmal angsterfüllend oder manchmal auch gefährlich, wenn ich alleine in eine entlegene Ecke gehe und mir jemand folgt, aber sie sind fast immer wichtig. Der Dank aber ist von unseren Schützlingen groß, am liebsten würden sie uns umarmen. Wenn der Nachteinsatz bis 23 Uhr dauert und man aber um 6 Uhr wieder aus den Federn muss, weil Termine anstehen, dann gehen immer öfter die Wecker wieder aus, um noch ein paar Minuten Schlaf herauszuholen. Das sitzt schon tief in den Knochen, die Kälte, die Mühe, all die Arbeit. Diese Woche ist abseits der Spendenannahmen viel im Lager zu tun, wir müssen den Regalumbau planen, all die Umräumarbeiten für kommenden Samstag planen und einteilen. Die Regalbeschriftung wartet morgen auf mich, damit wir Samstag 8 Uhr früh loslegen können. Dienstag bekamen wir eine großartige Spende, von einem Wiener Unternehmen bekamen wir 8 (!) Paletten Faschingskrapfen, aber welche?! Die werden jetzt alle ausgeteilt, am Donnerstag an die Menschen direkt, ab nächste Woche in all die Einrichtungen, und ab nächste Woche bekommen wir ganz viele tolle tiefgefrorene Lebensmittel dazu, die in einem separaten Posting veröffentlicht werden. Wir werden zurzeit ganz großartig mit tollen Spenden beschenkt, Vergelt’s Gott an all unsere Spender, an alle Firmen. Der Mittwoch war wie üblich, zuerst Tiefkühllager und anschließend Kühllager, alles zusammenstellen für Donnerstag und einladen, anschließend in unserem Lager sofort wieder tiefkühlen. Am Nachmittag die nächsten Wochen planen, die nächsten Spendenlieferungen in die Salzburger Einrichtungen planen, die Kommissionierungen in unserem Vereins Kalender ausschreiben um genug Helfer/innen zu bekommen. Auf den „Bestelllisten“ die Stückanzahl noch eintragen, ausdrucken, und in die Lagerverwaltung eingeben. Auch die O.Ö. Frauenhäuser bekommen in den nächsten Wochen auch wieder Spenden von uns geliefert. Eine Einrichtung nach der Anderen wird wieder abgearbeitet und beliefert. Wobei nicht die Spendenlieferung, sondern das Kommissionieren die meiste Arbeit ist, alles zusammenzustellen und einzupacken. Hier muss die gesamte Logistik stimmen, um alles reibungslos abzuwickeln. Ich freue mich schon wieder in die Einrichtungen zu liefern.
Für heute Donnerstag sagte der Wetterbericht nichts Gutes, Regen…Regen…Regen! Wenn hier nur der Wetterbericht nicht zutreffen würde, das wäre schön. Der Tag beginnt heute mit der Abholung der bestellten Ware, Obst und Gemüse. Mein Lieblings-Hofer um die Ecke, mit tollem Personal und einem grandiosen Filialleiter, ist für mich die 1. Adresse. Hier bekomme ich die Mengen die wir benötigen und immer wie versprochen, bereitgestellt. Mit dem Obst und Gemüse geht’s ins Lager, alles ausladen, Robert kommt um 9.30 Uhr, er fährt mit nach Haid, Brot und Gebäck abholen. Um 10.30 Uhr sind wir zurück im Lager mit einer großen Menge an Brot und Gebäck, das nun auf Genießbarkeit durchgeschaut werden muss. Um 11 Uhr kommen heute Ulli und Corinna, beide fahren heute das erste Mal mit nach Linz, zum Verteil-Donnerstag. Beide sind schon gespannt wie es wird, beim Durchschauen des ganzen Brots und Gebäcks haben wir genug Zeit, viele Sachen zu diskutieren, ist spannend mit tollen Leuten im Verein. Irgendwie merke ich, heute fehlt Maria, es läuft etwas unrund, auf viele Dinge denke ich erst nach und nach, wenn Maria hier ist geht alles wie von „selbst“. Wird schon, wir schaffen das. Um 14 Uhr denke ich erst an den Tee den wir mitnehmen wollen, 20 Liter Wasser kochen, hoffentlich geht sich das aus, zeitlich. Es schüttet schon wie aus Eimern, wir packen heute unsere Pavillons ein, um zumindest einiges nicht dem Regen auszusetzen. Ingrid kümmert sich noch um eine Winterjacke für unsere A., ich aber vergesse später alle Sachen, die ich für sie zusammengestellt hatte, so typisch für mich in den letzten Wochen. Barbara stellt uns heute auch ihren „ProntoPronto“ Bus zur Verfügung, um Brot, Gebäck, Obst und Süßigkeiten bei ihr einzuladen. Heute am Donnerstag wieder dabei unser Markus, nach langer Zeit, ich freue mich sehr. Als wir um 15.16 Uhr von Ansfelden wegfahren, schüttet es immer noch stark, mir graut. Die Gischt unseres Anhängers lässt mich nur vermuten, ob hinter mir Verkehr ist. Mit unserem Gespann heißt es aufpassen, wir sind fast 10 Meter lang, das erfordert manchmal schon ganz viel Aufmerksamkeit, immer den gesamten Verkehr im Blickfeld haben, den hinter uns und den vor uns. Wir kommen um 15.30 Uhr in Linz an, niemand steht im Regen, alle haben sich am alten Terminal untergestellt, wir bekommen eine erste Kostprobe, wie es heute werden wird, 3° und volle Brise von Oben. Egal! Wir stellen zuerst unsere 2 Pavillons auf, stellen den Pronto-Bus zwischen unserem und dem Anhänger, weil wir die Sachen die Barbara vom Lager mitnahm, erst gar nicht ausladen. 16 Uhr, wir fangen an mit der Ausgabe. Am Ende kommen heute bei diesem starken Regen trotzdem 56 Schützlinge, die sich für 1 Woche Lebensmittel und Hygieneartikel bei uns holen. Heute viele Gespräche geführt mit den Menschen beim Bus, viele haben die nackte Angst vor der näheren Zukunft, auch heute haben mich 3 Schützlinge gefragt, ob wir mit Unterstützung aushelfen könnten. 2 Mal mit Miete und 1 Mal mit Betriebskosten. Das macht mich schon sehr nachdenklich und traurig, die Anfragen um Hilfe in dieser gesamten Woche häufen sich, ich weiß nicht mehr was ich dazu noch sagen soll?! Ich werde mich in den nächsten Tagen mit unserer Kassierin zusammensetzen und das Problem mit ihr besprechen. Alleine kann und darf ich das auch gar nicht entscheiden, möchte ich auch nicht, deshalb gibt es einen Vorstand, ein Team. Auch die Jetons heute gehen wieder weg, in hohen Zahlen, da zurzeit scheinbar von den Kirchen keine Jetons ausgegeben werden. Heute alleine teilten wir 48 Jetons à € 4,- an unsere Schützlinge direkt aus. Der Regen hält uns alle …. nass, bis auf die Haut, die Skihose die ich vergaß zu imprägnieren, bis auf die Haut durchnässt, da hilft auch die Skiunterwäsche nichts, und die Jacke, eigentlich als wasserdicht angeboten, seit heute weiß ich was „wasserdicht“ wirklich bedeutet, genauso durchnässt wie alles andere, die Trekkingschuhe weichen sich auf, meine Zehen stehen im Wasser, unserem Team geht es nicht anders. Wahnsinn, wie es Petrus heute schütten lässt. M. war auch heute wieder bei uns, sie möchte so gern wieder arbeiten gehen, sie hat eigentlich Friseurin gelernt, aber nie in diesem Job gearbeitet, sie selbst sagt, Zitat: „Ich bin viel zu langsam für diesen Job, aber ich würde auch putzen gehen, egal was ich bekomme, nur arbeiten“. Tja, während Corona wird das nicht so einfach werden, diese Arbeitssuche. Aber sie ist optimistisch, und das gefällt mir ungemein an ihr. Sie gibt nicht auf, ist eine Kämpferin. Der ältere Obdachlose, der hinter M. steht, holt aus seiner Jackentasche neben mir eine Bierdose und macht diese auf, meinen Einspruch hat er noch vorm ersten Schluck, Alkohol bei uns gibt es nicht. Entweder mit der Bierdose von uns weggehen oder Bierdose ausleeren, konsequent. Ich weiß ja selbst als trockener Säufer was die Sucht mit Menschen macht, ich versteh es auch, aber wir können es weder fördern noch dulden, das geht nicht, NoGo! L., die wegen ihrem Verhalten letzte Woche schon in Polizeigewahrsam war, ist heute handzahm, will sich aber trotzdem nicht an unsere 2 Meter und MN-Masken Pflicht halten, ich machte ihr klar, dass nicht ich das entscheide, sondern es Gesetze gibt, die wir einzuhalten haben. L. checkte es und ich musste sie nur mehr an die 2 Meter Abstand erinnern. Alles gut. Bei unseren Neuen läuft alles gut, keine Probleme und sie finden großen Spaß an unserer Aktion. Mit so einem Team schafft man alles, liebe Leute, wirklich alles! 18 Uhr, wir räumen schnellstens auf, alle sind bis auf die Haut nass, die wenigsten spüren noch ihre Finger, ich kann meine Finger auch nicht mehr spüren und nicht mehr ordentlich bewegen, es wird Zeit alles einzupacken. Im Eiltempo die Pavillons abbauen, die patschnassen Planen zusammenräumen und einfach in den Bus legen, die Tische und leeren Schachteln, alles einpacken, und los geht’s Richtung Lager Ansfelden. Gemeinsam wird alles ausgeladen und wieder eingelagert, die nassen Planen aufgebreitet zum Trocknen, die nassen Kisten ausgewischt, der Teekessel ausgewaschen und all die Kühlboxen mit Essigwasser ausgewischt. Zum Abschluss und im warmen Lager, noch ein kurzes Resümee von allen, bis aufs Wetter alles gut, und so geht ein langer Tag dem Ende entgegen, im Kopfhörer läuft der Titel „Like A Hero“ und ich sitze hier und denke gerade an meinen „Hero“, an unser Team und an all unsere Spender/innen! Schön dass es EUCH gibt, Vergelt’s Gott und vielen, lieben Dank für alles, für jede noch so kleine Hilfe, für jede noch so kleine Spende, für jede noch so kleine menschliche Geste. DANKE! Wie üblich sitze ich noch etwa 2 Stunden hier um alles zu erledigen, Euch aber danke ich für Eure Aufmerksamkeit und wünsche euch eine gesegnete Nacht. Gute Nacht! 🙂 <3