4.2.2021 – Sonne und ein Rebell auf der Straße!

DONNERSTAG, 4.2.2021: DIE LAUFENDE WINTERSAISON...

...mit Abstand unsere schwerste seit Bestehen unseres Vereins. Viele Situationen die wir vorher in dieser Form oder Ausprägung noch nie hatten, und für uns absolutes Neuland ist. Ich nehme nur unsere nächtlichen Touren zu den Linzer Hotspots her, hier passiert so vieles im Kopf, in der Seele, im Herz. Vieles darf man nicht hinterfragen, nicht als selbstverständlich nehmen, kein Tag läuft wie der Andere, jeder ist anders. Menschen die auf der Straße schlafen sind durch Corona zusätzlich gestresst, da manche Einrichtungen zeitweise nur Notprogramm haben und die Menschen dann nur kurz in die Einrichtungen können. Aber nicht nur Corona verdreht unseren gesamten Alltag, die Zeiten sind einfach andere geworden, was noch vor kurzem galt, hat heute oft keine Bedeutung mehr, ein Versprechen das man sich vor ein paar Monaten noch machte, hielt nicht einmal einen Jahrestag lang. Die Menschen sollten viel öfter auf ihr Herz hören und ihrem Bauchgefühl folgen, dann wäre die Welt ein klein wenig wärmer, besser, glaube ich. Vielleicht ist es naiv, vielleicht dumm, vielleicht nicht mehr zeitgemäß an das Gute zu glauben, ich tu es trotzdem und haue mir oft die Nase an, aber was kann Hr. Mayr dafür, wenn mich Hr. Gruber belügt oder enttäuscht? Situationen auseinanderhalten und nicht alle Menschen in den gleichen Topf zu werfen, das sollten wir wieder öfters im realen Leben üben, bis wir es wieder können. Viele Menschen glauben ja teilweise nicht mehr an das Gute, sondern sehen schon dunkle Wolken, wenn jemand nur anderer Meinung ist oder die Dinge des Lebens anders sieht. Hier passieren viele, viele Verletzungen auf beiden Seiten wo ich mich jeden Tag Frage, wie sollen diese Verletzungen jemals wieder gut werden, wenn niemand bereit ist den ersten Schritt zu machen und vielleicht auch einmal ein „Bitte verzeih‘ mir“ sagen kann. Viele Menschen haben das verlernt, ist jeden Tag draußen im Leben zu beobachten, und das macht mich traurig, unendlich traurig. Wenn unsere Schützlinge beschimpft werden, ist das ebenfalls zu verurteilen, weil die Wenigsten die wahren Schicksale hinter den Menschen kennen, aber schimpfen, ja, das können viele Menschen sehr gut, schimpfen und verurteilen. Und genau das machen wir nicht, wir begegnen unseren Schützlingen auf Augenhöhe, wertschätzend und aufrichtig. Auch wenn das manchmal von Menschen die mit Armut oder Obdachlosigkeit nichts am Hut haben, belächelt wird, wir gehen unseren Weg als Team, als Verein, als Obdachlosenhilfsaktion. Sollen sie über uns lachen und hinter unserem Rücken über uns schimpfen, ich denke das darf jeder machen, nur, diese Menschen dann noch jemals ernst zu nehmen, obliegt auch uns alleine, uns, die man belächelt. Das passiert oft, aber mittlerweile können wir im Team gut damit umgehen und lassen uns nicht mehr spalten oder aufhetzen, Sorry, NoGo!

Diese Woche begann mit ein paar Entscheidungen, die zu treffen waren. Sich von Menschen (Vereine) verabschieden, die glauben uns auf der Nase herumtanzen zu können und uns nur ausnutzen. Wir geben solchen Menschen keinen Raum mehr uns auszunutzen oder zu hintergehen. Der Montag war aber auch ein toller Tag, weil wir ganz viele superleckere Palatschinken in allen Variationen von einer großartigen Firma in Wolfern bekamen (muss erst abklären ob ich den Namen veröffentlichen darf), Gemüsestrudel und Lebkuchen-Schmarren und viele andere tollen Lebensmittel gespendet bekamen. Wir dürfen diese tolle 14 Paletten Spende (insgesamt über 30 Paletten) bei der Fa. Transdanubia in Pasching im Tiefkühllager kostenlos lagern, danke an Hr. L. an dieser Stelle, ich kann nicht oft genug Danke sagen für alles was er tut für uns. Eine tiefe Verneigung und ein dankbares Vergelt’s Gott. Großartig! Nachmittags beginnen wir die Spendenlieferung nach Salzburg zu kommissionieren und zusammenzustellen, von 14.00-20.30 Uhr waren wir mit nur 1 Einrichtung beschäftigt, 7 Personen, ich denke das sagt Euch viel über den Umfang dieser Spendenlieferung, Bilder gibt es dann am Montagabend. Am Dienstag ging es dann die Spende sichten, im Tiefkühllager, und beim Aufheben einer Kiste fällt mir die etwa 20kg schwere Kiste auf den kleinen Finger, genau auf das Gelenk, irgendwie tut das höllisch weh, bis zum Heiraten im nächsten Leben ist es wieder gut, ganz sicher. Wenn man sich bei -40° nur kleine Dinge leistet, wird das binnen weniger Minuten bestraft, zu wenig warm angezogen hält man das nur 3-4 Minuten aus, Halbschuhe in diesem Lager zeigen dir sehr schnell was Du falsch gemacht hast, also immer warm angezogen, konzentriert und flott arbeiten, damit es keine bösen Überraschungen gibt. Vom Tiefkühllager dann ins Kühllager, von -40° ins „warme“ 0° Lager, sichten was noch alles für diese Woche zusammenzustellen ist, für Donnerstag. Bananenschnitten, Tiramisu-Schnitten, Nougat-Roller, Bio-Zitronensaft, Essiggurkerl, 5kg Salat-Dosen, Chili Con Carne, Gulaschsuppe uvam.. Alles zusammengestellt, nur mehr abzuholen am Mittwoch. Weiter geht es nach Linz zu einer Besprechung mit A., die seit ein paar Wochen in Linz lebt und hierbleiben wird, alle Schritte festlegen damit es bald losgehen kann mit allen Aktivitäten. A. ist gut angekommen hier bei uns in Linz. Sie bedankt sich herzlichst bei den Spenderinnen, die gesamt 3 Monatsmieten für sie bezahlten, vielen herzlichen Dank auch von uns. Um 16 Uhr Termin wieder im Tiefkühllager, ein Team aus Traun das sich ebenfalls um arme Menschen kümmert, holt sich einige Schachteln Palatschinken und Gemüsestrudel, die sind gut aufgehoben dort, weil es dort auch direkt an die bedürftigen Menschen ausgegeben wird. Der Mittwoch beginnt mit einem Strafzettel wegen zu hoher Geschwindigkeit, direkt per Post und € 60,- „schwer“, puh, selber schuld. Dann geht’s los alles abholen im Kühllager, in unser Lager bringen und für Donnerstag vorbereiten. Auf dem Weg dahin ein Anruf von T., er geht wieder in die Nowa (Notschlafstelle) und bräuchte ein paar Jetons bitte, ja, klar, kannst Du haben, morgen Donnerstag beim Bus. Auf unser Posting was A. noch alles benötigt kommen dauernd Anrufe, ob wir nicht doch eventuell Hausräumungen machen wollen, NEIN, wollen wir und können wir nicht, mangels Lagerplatz. Wir haben ja eine Liste veröffentlicht was wir alles benötigen würden, und nein, wir bauen keine Küche ab und räumen auch keinen Keller aus, sorry, können wir nicht machen. Abends bringt mir Markus (pastafani) noch Obst und Gemüse aus Sierning vorbei, das er bei R. abgeholt hat. Der Mittwoch nimmt dann noch viel Zeit in Anspruch punkto Lagerverwaltung, die ich an unsere Bedürfnisse anpasse, um diese bestens nutzen zu können. So endet der Mittwoch irgendwann tief in der Nacht, und der Donnerstag beginnt nachdem ich meinem Wecker 6-Mal auf den Kopf drückte, der aber auch nach dem 6. Mal keine Ruhe gab und mich aus dem Bett kickte. Grade munter geworden, schon ruft eine liebe Frau an um ein gemeinsames Anliegen zu besprechen. Ab dann geht es aber im Eiltempo, Hofer, den georderten Einkauf abholen und dann ab ins Lager. Im Lager angekommen, uijeh, der Lagerschlüssel hängt zuhause an der Arbeitshose, und der digitale Ersatzschlüssel funktioniert nicht. M. sperrt unser Lager auf, dass Ulli und Martina weiter kommissionieren können, wenn wir nochmal zu mir nach Hause fahren Schlüssel holen und dann Brot, Gebäck und etwas Gemüse in Haid abholen. Robert und ich fahren nach Haid, wo wir mit einem „Vorwurf“ konfrontiert wurden, der einfach nicht wahr ist und erlogen ist. Daraufhin werden wir künftig nichts mehr abholen in Haid, weil wir uns nicht mehr für etwas rechtfertigen wollen, was nicht stimmt und was frei erfunden ist. Schade, aber wo ein Gespräch über 4 Ecken stattfindet und nur Dinge vorgehalten werden, die frei erfunden sind, ist auch keine Lösung in Sichtweite. Warum erfinden Menschen immer wieder Dinge, die Anderen schaden? Wir müssen uns hier leider distanzieren, weil es unserem Gemüt schadet, wenn wir uns immer wieder von Menschen etwas Boshaftes unterstellen lassen. Geht nicht! Künftig kaufen wir Brot und Gebäck sowie Obst und Gemüse ein, dann kann uns auch niemand beschuldigen, etwas Unrechtes getan zu haben. Mitten in diesem Gespräch überlegte ich kurz, das Brot und Gebäck heute schon nicht mehr mitzunehmen, aber ich hätte kurzfristig keine solche Menge woanders bekommen. Abfahrt ins Lager, wo Martina und Ulli schon quirlig Bananenschachteln rumstapeln und die 2. Einrichtung für kommenden Montag zusammenstellen. Das Gespräch in Haid sitzt tief und wird den ganzen Tag anhalten. Im Lager alles Brot und Gebäck durchschauen, Tee kochen, Wurst schneiden, Kühlboxen befüllen. Barbara, Ingrid und Gerlinde kümmern sich um die Kleidung, Schuhe, Schlafsäcke und vieles andere. Flott wurde der Transporter dann beladen, und bei +7,5° und strahlendem Sonnenschein fuhren wir los Richtung Linz, da kam noch ein SMS vom Obdachlosen Seelsorger Helmut Eder, dass er uns heute besuchen wird. Ich freu mich riesig. Ankunft in Linz, Hänger abkoppeln, Transporter aufstellen, alles auspacken, ein neuer, junger Obdachloser sitzt mitten auf der Straße und behindert den ÖBB-Bus der rückwärts einparken möchte, er blockiert auch den PKW-Verkehr aus dem gesperrten Parkplatz, er kommt sich stark vor, erst als ich ihm drohte, ihn von unserer Verteilung auszuschließen, stand er auf und machte Platz für den Verkehr. In der Reihe stänkerte er und beschimpfte dann andere, bis ich ihm ein 2. Mal die Rute ins Fenster stellen musste, er drängte sich dann zwar vor aber uns war es recht, wenn er so bald wie nur möglich von diesem, unseren Platz weg ist. Er war heute auch der einzige der wirklich feindselig und ungut war, zu mehreren Helferinnen, was mich für seinen nächsten Besuch bestimmt nicht positiv stimmt. Eine junge Frau kommt auf mich zu, Zitat: „Nehmen Sie Geldspenden an?“ Ja, und sie drückte mir € 20,- in die Hand, vielen Dank! Es ist ein feines Gefühl, wenn sich situierte Menschen über andere, arme, obdachlose Menschen Gedanken machen und spenden, großartig. Da wir Monatsanfang haben und viele ein klein wenig Geld bekamen, ist der heutige „Andrang“ nicht recht groß, die Schlange aber trotzdem lange. Dass uns Helmut Eder heute vor Ort besuchte, freute mich wirklich, ein paar Worte wechseln und ein toller Tipp über eine neue Initiative für arme Menschen in Linz. Als Helmut wieder fahren musste, ging ich zum Terminal rüber, weil mich heute früh ein Anruf aufwühlte, Zitat: „Gaby vom Terminal ist nicht mehr dort“. Ich konnte heute früh diese Aussage nicht ganz relativieren, denn wo sollte Gaby schon sein, als am Terminal? Gaby war am Terminal, aber all ihre Sachen wurden wieder einmal entsorgt, weggeworfen. Ich konnte Gaby überreden mit mir zum Bus zu gehen, um sich bei uns eine neue Jacke, warme Schuhe und alles Notwendige zu holen. Gaby geht es nicht gut, kränklich, diesem Kampf auf der Straße langsam nicht mehr gewachsen, der Willkür in Linz überdrüssig. Als ich mit Gaby zum Bus kam, zeigte die Uhr schon 17.45 Uhr, also langsam Zeit aufzuräumen, da hör ich einen Hund bellen, Emma, der Hund von Franziska. Sie brauche dringend frische Unterwäsche und ein paar Karotten, Bananen, Brot und eine Gaskartusche für ihren Gaskocher. Franziska muss wieder weg von ihrem Platz unter der Autobahnbrücke und weiß nicht, wohin sie gehen soll. Leider fällt auch mir kein Platz ein, an dem sie leben kann mit Emma, ihrem so liebenswürdigen Hund. Wir verabschieden uns und räumen alles ein und fahren nach Ansfelden. Alle helfen zusammen und wir sehen jetzt, welch tolle Arbeit Ulli, Martina und Petra leisteten, die gesamte Spendenlieferung für Salzburg ist fertig zusammengestellt. Klasse! Um 19.45 Uhr fahr ich heim und bin froh aus den Klamotten zu kommen. Die Beine schmerzen, der kleine Finger noch viel mehr, ein kleines Brot und dann ab, zum PC, und texten, wieder fast 4 Stunden. Im Kopfhörer trudelt mir Don McLean von seinem „Castles In The Air“ in mein Ohr, es war eine gänzlich andere Zeit als diese Musik gemacht wurde, als Menschen noch miteinander tanzten, miteinander sangen, und nicht mit dem Ellbogen gegeneinander vorgingen. Ich wünsche mir diese Zeit zurück, in der man respektvoll miteinander umging, wo jede/r seine eigene Meinung haben durfte ohne gleich beschimpft zu werden. Ich wünsche mir ….. ja, genau, DAS wünsche ich mir! Danke für Eure Aufmerksamkeit und DANKE an unser Team, das heute wieder tolle Arbeit leistete, und vielen, herzlichen Dank an all unsere Spender/innen, die uns Woche für Woche diese, unsere Aktion ermöglichen. Recht lieben Dank. Zum Ausklang gibt es für mich noch John Prine & Nanci Griffith „Speed Of The Sound Of Loneliness“, und somit gleite ich in die Nacht, die mir noch ein paar Stunden abnehmen wird, weil viel Arbeit anliegt. Danke für alles :-)<3 Gute Nacht