Eine heiße Linz-Tour!
Es ist Samstag der 8.08. ein heißer Sommertag, ein wunderschönes Datum.
Ein Tag, an dem viele Menschen sich das Ja-Wort geben. Aber es ist auch ein Tag, an dem wieder viele Menschen mit der Hitze kämpfen. Menschen, die kein kühlendes Zuhause, kein Dach über den Kopf, welches sie von der Sonne schützt besitzen.
Menschen, die draußen leben und somit täglich ums Überleben kämpfen.
Es ist 16 Uhr, ich komme zu unserem Lager. Max hat bereits den Bus voll beladen. Kistenweise Getränke, Lebensmittel, Kleidung, Pflegeprodukte und was eben das Leben erleichtert, befindet sich in unserem Bus.
Die Vorbereitungsarbeiten wurden vom fleißigen Vormittagsteam bereits wie immer großartig durchgeführt. Anni, Hilde und Ayse waren heute die Feen im Hintergrund. Die Kisten wurden von ihnen befüllt, Wurstsemmel gerichtet und auch die Kühlboxen bis zum Anschlag vollgestopft.
Wir, das Team der Linz Tour sind Max, Claudia und ich.
Unser erster Weg führt uns heute nach Wels. Dort haben wir unseren langjährigen Schützling Gerald wieder gefunden. Gerald lebte lange unter der Autobahnbrücke, bevor er durch wirklich unfeine Genossen vertrieben wurde. Sein Weg führte ihn weiter zu Bushaltestellen, die natürlich auch keine gute Endlösung waren weiter zu einer Wiese hinter einer Plakatwand. Ein kleines Stückchen „Zuhause“, wo wir alle nur ein leeres Gelände sehen würden.
Wir treffen uns vor unserem Besuch bei ihm mit Silke, ein wunderbarer Mensch, der bei unserem Schützling nicht weg, sondern hinsieht! Sie besucht ihn, zeigt ihm seinen wohlverdienten Respekt und versorgt ihn auch neben freundlichen Worten mit Getränken und Essen. Danke Silke!
Gerald freut sich über unseren Besuch und natürlich bekommen wir wieder seine Bescheidenheit zu spüren. Er lehnt alles bis auf wenige Getränke, Kekse und eine Wurstsemmel ab.
Seine Worte: „Danke, mehr brauche ich nicht – ich hab ja alles was ich brauche!“ berühren mich zu tiefst.
Wir verlassen ihn und fahren weiter, unser nächster Halt ist der Volksgarten, hier treffen wir Gabi an. Ihr Zuhause ist nun unter, oder eher neben einem Strauch im Park. Sie erwartet uns schon und freut sich sichtlich über die Kleidung, die Schuhe, sowie Getränke und Lebensmittel, die sie bereits dringend benötigt.
Gabi erzählt uns, dass es oft nicht leicht ist hier zu leben, sie ist eine hübsche Frau und Belästigungen muss sie oftmals ertragen.
Als Frau alleine auf der Straße ist das Leben doppelt so schwer!
Nach unserer Runde durch den Schillerpark finden wir Franziska mit ihrer treuen Hündin Emma in der Stockhofstraße vor. Auch sie befindet sich auf Wanderschaft und „Herbergssuche“ – einen Platz zu finden, wo sie ohne Angst und in Ruhe schlafen kann, heute ist es eben hier.
„Es tut gut zu reden, wenn jemand dich einmal wahrnimmt“ – diese oder so ähnliche Worte hören wir heute noch oft.
Der Mensch benötigt nicht nur Wasser und Nahrung – Gespräche, Wertschätzung und gute Worte nähren die Seele.
Am Bahnhof werden wir bereits sehnsüchtig erwartet. Wir trauen unseren Augen kaum, so viele unserer Schützlinge sind schon da bzw. gerade dabei zum vereinbarten Treffpunkt zu gehen.
Es sind wohl heute um die 60 Menschen die wir unterstützen dürfen. Alle sind sie geduldig, freundlich und dankbar. Ich bin oftmals sehr berührt, wenn ich zum Beispiel zwei Packungen Wurst reiche und dann zu hören bekomme: „Ist das okay so, bekommen die Anderen dann eh auch noch was ab?“
In der eigenen Not an andere Menschen noch zu denken, ja das ist wahre Größe!
Gegen 21 Uhr verlassen wir den Bahnhof.
Wir durften geben, durften zuhören, Mut machen oder eben einfach nur „DA sein“.
Und die Nacht läuft weiter, unser nächster Stopp ist bei Peter am Pleschingersee. Er genießt es zu erzählen und freut sich auch über unsere Gaben.
Wir fahren all die Plätze ab, die uns bekannt sind, und wo wir die Vermutung haben jemanden unserer Schützlinge anzutreffen. Im Sommer sind diese Plätze zwar oftmals leer, aber es gibt uns ein gutes Gefühl nachgesehen zu haben und eben heute nicht gebraucht worden zu sein.
Zu Letzt haben wir noch unsere Schützlinge in den Tüks besucht und natürlich mit Lebensmittel und dem Wichtigsten versorgt. Die drei Männer Toni, Hans und Oliver sind immer ein großartiger Abschluss unserer Tour. Hier darf gelacht und quasi schon Freundschaft gelebt werden.
Nun ist es fast halb zwei, unser Bus fast leer und wir befinden uns auf der Rückfahrt ins Lager.
Wieder alles an seinen Platz gestellt und mit den Gewissen das Richtige in einer Samstagnacht getan zu haben verabschieden wir uns und fahren in unsere sicheren Zuhause.
Bestimmt jeder von uns mit den Gedanken „Danke lieber Gott“ und möge es Allen gut gehen und das Leben für unsere Schützlinge leichter werden!
Verena
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