Ein Maulkorb für mich, der richtig weh tut!
Ein Maulkorb für mich, der richtig weh tut!
Verteil-Donnerstag vom 5.2.2026:
Ich schweige, bei dem großen Leid,
weil Trost nicht laut, in Sätzen schreit.
Ein stilles Lächeln, das genügt,
wenn jedes Wort, nur noch belügt.
Wer dauernd redet, deckt nur zu,
wer schweigt gibt Raum, und echte Ruh.
So ist mein Schweigen, sonnenklar,
und wird die Lüge, niemals wahr.
© by Walter Gerhard Kreische
Ich schreibe heute kein Thema vor dem Verteil-Donnerstag, weil ich sonst mir und unserem Verein schaden würde. Nur so viel, warum ich dieses Gedicht extra zum heutigen Posting geschrieben habe. Wegen der Delogierung unserer Schützlinge aus dem „Post-Tunnel“ wurde mir nahegelegt, Zitat: „Druck aus dem Kessel zu nehmen und den Mund zu halten“, da es sonst echte Konsequenzen gibt für uns. Und, die ÖBB Security, die am Mittwoch alle Obdachlosen aus dem Bahnhofsareal verjagten, erzählt allen Obdachlosen, Zitat: „Bedankt euch für die Delogierung bei Hr. Kreische, der allein ist schuld daran, weil er dem ORF ein Interview gab“. Manche aus der dortigen „Einheit“ wollen jetzt Gift streuen zwischen den Obdachlosen und mir, nur, das wird denen nicht gelingen. Und, würde ich hier alle Einzelheiten schreiben, die letzte Woche passierten und gesagt bzw. geschrieben wurden, würde ich meinem Verein massiv Schaden zufügen, deshalb halte ich DIESMAL den Mund.
Der Verteil-Donnerstag war wieder von ganz viel Harmonie geprägt, von einem besonderen Teamgedanken. Alle haben sich redlich bemüht, dass der heutige Tag ein erfolgreicher wird. Der Vormittag war gut und alles klappte, am Nachmittag fuhren wir um etwa 14 Uhr nach Linz, räumten dort alles ins Büro und in die Regale. Tony und Sandra waren auch heute wieder die Ersten, die warteten. Sie baten uns um heißen Tee und 2 Zigaretten, die sie natürlich bekamen.
Um 16 Uhr begann die Ausgabe, mittlerweile waren etwa 40 Personen anwesend, eine gemischte Stimmung und manche Leute machten einfach nur blöde Sprüche und zündelten die Stimmung an, was ich sofort abdrehte.
Zur Erklärung: Alle die bei uns Lebensmittel und Hygieneartikel haben wollen, müssen einen aktuellen Einkommensnachweis bringen, sowie einen Ausweis oder E-Card als „Ausweis“ vorweisen und einen „Antrag“ stellen.
Im Vorfeld zu diesem Verteil-Donnerstag heute rief mich eine Sozialarbeiterin an und erzählte dass es da eine Frau gäbe, die nur ganz wenig Geld und keine Alimente für ihre beiden Kinder bekommt, und nur ganz wenig Geld zur Verfügung hat, ich sagte zu dass diese Frau Lebensmittel und Kleidung für sich und ihre Kinder haben kann. Im Stress der Anmeldungen kontrollierte ich den Einkommensnachweis erst beim Anlegen des Datensatzes zuhause und schrieb dann auch der Sozialarbeiterin sofort per WhatsApp, dass das Einkommen über €1500,- viel zu hoch für uns sei und das diese Frau künftig nichts mehr bei uns bekommen kann, da wir viel niedrigere Einkommensgrenzen haben. Die Sozialarbeiterin versteht das nicht, aber ich kann es auch nicht ändern, gleiches Recht und gleiche Pflichten für alle.
Bei mir vorne steht heute Sonja, sie hilft bei den Anträgen und vergibt die 2 Zigaretten an alle Raucher*innen. Es läuft alles gesittet und diszipliniert ab, aber jetzt am Jahresbeginn muss ich wieder allen nachlaufen, einen aktuellen Einkommensnachweis mitzubringen, und das ist mühsam. Auch fehlen viele Fotos zum Abgleich auf unseren NFC-Karten, auf denen die Datensätze gespeichert sind. Da gaben sich früher manche als den und den aus, und wir mussten das glauben, weil wir keine Handhabe hatten, aber seit wir die eigene Software haben, geht das nicht mehr, es wird alles was wir ausgeben, gespeichert.
Kaum haben wir einigen unserer Schützlinge die Taschen gefüllt, kommen schon die Nächsten und stellen sich in die Warteschlange. Am Ende des heutigen Tages werden es 89 Besucher gewesen sein, die heute bei uns waren. Am Monatsbeginn schon 89 Schützlinge zu verköstigen, ist eine echte Aufgabe.
U. sitzt heute auch wieder in der Warteschlange, mit neuem Begleiter, ohne Mario, und sie scheint wieder rückfällig geworden zu sein. Mich erdrückt so ein Gefühl, als wolle der neue Begleiter das so haben damit U. keine Gegenwehr einsetzt. Wenn dem so ist werde ich das herausfinden und mit U. reden, das geht so nicht. Vor 14 Tagen war U. noch so stolz auf ihre Abstinenz, und jetzt das.
Später kommen dann einige, die zwar sagen, Zitat: „Ich brauche nichts, nur 2 Nächtigungsjetons bitte für die Nowa“. Ich händige diese aus und musste für jemand ins Büro gehen, zu Andrea, da steht stolz jener Mann, der mir gerade vor 2 Minuten noch sagte: „Ich brauche nichts zu essen, nur 2 Jetons bitte“. Dieser Mann füllt sich gerade die 2. Tasche an und grinst mir frech ins Gesicht. Ich rede ihn darauf an und stelle ihn zur Rede. Er grinst weiter frech und hat tausend Ausreden, die ich allesamt nicht gelten lasse. Nur wer einen aktuellen Einkommensnachweis bringt, hat auch Zugriff auf unsere Lebensmittel- und Hygieneartikelspenden, so aber geht das gar nicht. Ich verbanne ihn lautstark aus dem Büro und behalte die 2. Tasche ein. Frechheit siegt scheinbar, aber nicht bei mir.
Ich bin echt sauer ob solcher Methoden, das kann nicht sein und darf nicht sein. Dieser „Herr“ hat nun 1 Monat Zeit um über das was er gerade getan hat, nachzudenken. Kaum beruhige ich mich, macht ein anderer das Gleiche, was ist nur mit den Leuten los heute? Ich bin echt tierisch wütend wie sich manche Lebensmittel erschleichen wollen, ohne einen aktuellen Einkommensnachweis zu bringen. Auch er hat nun 1 Monat Zeit, nachzudenken.
Mittlerweile wurde es fast dunkel, da kommt ein neuer Obdachloser, dem man schon von weitem ansieht, dass er vollgedröhnt ist, mit was auch immer. Er hätte keine Lust sich anzumelden, keine Lust seinen Namen zu nennen usw., dann bekommst du auch nichts von uns, so meine Antwort. Er zieht langsam seinen Ausweis aus der Tasche, und hat sonst keine Dokumente und auch keinen Einkommensnachweis mit dabei. Ich erkläre ihm, dass er solange er keinen Einkommensnachweis bringt, nur Lebensmittel bekommt, was ihn nicht aufhält, ohne Erlaubnis direkt zu unserem Kleideranänger zu gehen und dort eine Menge neuer Kleidung bei Anni zu ordern. Anni holt mich dazu, weil er ja keine Markerl hatte, die wir neuerdings austeilen. Ich sage ihm nochmal, dass er diesmal keine Kleidung bekommt, worauf er seinen dreckigen, schmutzigen Turnschuh auszieht, meinen Hinterkopf hält und mir seinen stinkenden Turnschuhe ins Gesicht, über die Nase presst. Somit hat er auch schon verloren, er braucht nicht mehr zu kommen, nie mehr. So eine Art geht gar nicht. Am nächsten Tag, dem Freitag, wurde ich von der Polizei zu Hilfe gerufen, weil ein Obdachloser ohne Schuhe und nur im Ruderleiberl durch Linz rannte, Hilfe brauchte. Ich fuhr nach Linz und da war er wieder, der gute aggressive „Herr“ vom Verteil-Donnerstag, mit seinem diesmal fehlenden Turnschuhen. Hätte ich im Vorfeld hier gewusst, wer Hilfe benötigt, ich weiß nicht ob ich überhaupt nach Linz gefahren wäre, um zu helfen.
Zurück zum Verteil-Donnerstag, der heute ein wenig aus dem Ruder läuft, an dem ich das Gefühl habe, nur noch ausgenutzt zu werden. Mittlerweile ist es dunkel und wir steuern dem Ende entgegen, langsam beginnen wir abzubauen und zusammenzuräumen. Ich stelle unseren Bus vor damit wir alles einräumen können. Anni macht den Anhänger dicht und wir brechen auf, Richtung Ansfelden.
Heute will sich irgendwie das gute Gefühl, das wir sonst jeden Donnerstag mit nach Hause nehmen, geholfen zu haben, nicht ein. Der Ärger heute überwiegt, bei Weitem. Und trotzdem wissen wir alle aus dem Team, es ist nicht selbstverständlich, 89 Menschen geholfen zu haben, dank Eurer Unterstützung ist das möglich.
Angekommen in Ansfelden wird alles ausgeräumt und wieder eingelagert, noch ein kurzer Plausch mit dem Team und alle fahren dann heim. Ich bin echt kaputt, solche 14 Stunden Tage sind schon echt anstrengend, und ich habe ja zuhause auch noch zu tun, bis ich fertig bin.
Ich bitte euch um Verzeihung, für die kürzere Fassung heute, aber der Maulkorb der mir umgehängt wurde, schmerzt schon sehr.
Euch wünsche ich noch einen erholsamen Sonntag und alles liebe!
Gott segne euch!
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